Programm 2016

7. Dezember 2016
  1. 18:30
    Divines
    F/d 105' | Frankreich 2016 | Houda Benyamina | Spielfilm

    Dounia ist fünfzehn und wächst bei ihrer alleinstehenden Mutter auf, die in Strip-Clubs in den Pariser Vorstädten arbeitet. Die jun- ge Französin verhöhnt ihre Lehrer, ihre Schlagfertigkeit verschafft ihr Respekt auf den Strassen des Quartiers. Zusammen mit ihrer besten Freundin Maimounia beginnt sie für eine Dealerin zu arbeiten, die das Viertel unter Kontrolle hat. Am Abend beobachtet Dounia heimlich einen schönen jungen Tänzer bei den Proben und macht ihn zu ihrem objet du désir. Divines, der in Cannes die Goldene Kamera für den besten Debutfilm gewann, macht das Erwachsenwerden an einem selten ausgeleuchteten Ort fast körperlich erfahrbar. Dounia und Maimounia unterwandern weibliche Rollenbilder, doch die Rebellion der beiden Frauen bringt sie in Gefahr. (es)

    Begrüssungsworte

    Leo Kaneman, Präsident HRFF Zurich
    Sascha Lara Bleuler, Direktorin HRFF Zurich
    Claire Schnyder, STV Direktorin Stadt Zürich Kultur

    In Anwesenheit der Darstellerinnen.

8. Dezember 2016
  1. 13:30
    Peur de Rien
    F/d 119' | FR 2015 | Danielle Arbid | Riffraff

    Eine junge Libanesin wird Pariserin. Die Neunzigerjahre. Lina, 18 Jahre alt, kommt nach Paris, um hier zu studieren. Ganz auf sich gestellt, ohne Geld und mit ihrem Überlebenswillen als Antrieb, sucht sie, was sie im Libanon nie gefunden hat: Freiheit. Im lockeren Takt ihrer neuen Begegnungen - sowohl romantischer Art mit Männern als auch mit Freundinnen und Mentorinnen - lernt Lina verschiedene Milieus und Menschen kennen, die sie allesamt prägen werden. Durch deren Ansichtsweisen lernt sie Frankreich besser verstehen und kann darüber hinaus in die innersten Gedanken der Männer schauen.

    Präsentiert mit Schule und Kultur, Aux Arts etc ..., Ambassade de France en Suisse.

  2. 18:30
    The Chocolate Case
    OV/e 90' | Niederlande 2016 | Benthe Forrer | Dok

    The Chocolate Case beginnt mit einem Telefonanruf: der niederländische Journalist Teun Van de Keuken meldet sich bei der Amsterdamer Polizei, um sich selbst anzuzeigen. Er esse oft Schokolade – und finanziere dadurch Kindersklaverei! Was wie ein Scherz wirkt, hat reale Hintergründe. Auf afrikanischen Kakao Farmen arbeiten bis heute Hunderttausende von Kindern unter sklavenähnlichen Bedingungen; die Abnehmer dieses Kakaos sind die globalen Nahrungsmittelmultis und letztendlich die Kosumenten der süssen Sünde. In The Chocolate Case erzählen Van de Keuken und seine Kollegen, wie sie seit 2003 gegen die Missstände in der Kakaoproduktion kämpfen. Zuletzt stürzen sie sich in das unternehmerische Abenteuer, die erste Schokolade, die garantiert ohne Sklavenarbeit hergestellt wurde, auf den Markt zu bringen. (mg)

    The dark side of chocolate (English)
    Im Anschluss Gespräch über Kinderarbeit und Sklavenhandel im Kakaoanbau, die Möglichkeit und Unmöglichkeit von Fair- Trade-Schokolade und ein Blick auf die Rolle der Schweiz. Gäste: Filmemacherin Benthe Forrer, Protagonist Maurice Dekkers (Mitbegründer der Schokoladenmarke «Tony’s Chocolonely»), Andrea Hüsser (Kakaoexpertin, Public Eye) und Nicolas Porchet (Managing Director von «ChobaChoba» Farmers Association).

    Moderation: Daniel Stern (Jounalist WOZ)

    Präsentiert mit Public Eye (ehemals Erklärung von Bern).

  3. 20:30
    P.S. Jerusalem
    OV/e 87' | Kanada 2015 | Danae Elon | Dok

    Es beginnt und endet mit Umzugskisten. Danae Elon, die Tochter des bekannten Schriftstellers Amos Elon, lässt sich nach vielen Jahren in New York mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Jerusalem nieder, der Stadt ihrer Kindheit. Ihre Buben schickt sie auf die einzige gemischte Schule des Landes, wo Palästinenser und jüdische Israelis gemeinsam Arabisch und Hebräisch lernen. Spielend wechseln sie die Sprache, wenn sie auf ihren Skateboards vom jüdischen Viertel über die unsichtbare Grenze ins arabische Ost-Jerusalem rollen. Die Filmemacherin trägt ihre Kamera wie eine Sonde durch die Stadt und blickt tief in deren komplexe Psyche. Die säkulare Familie sucht ihren Platz an diesem nationalistisch und religiös geprägten Ort und droht dabei zu zerbrechen. Eine ergreifende Sezierung des Heimatgefühls zwischen eigener Sehnsucht und politischer Wirklichkeit. (slb)

    Reise nach Jerusalem – Heimatsuche in einer zerrissenen Stadt (Engl.) Im Anschluss Skype-Gespräch mit der Filmemacherin Danae Elon über eine gescheiterte Einwanderung, jüdische Identität und Friedensförderung in der Erziehung.

    Moderation: Sascha Lara Bleuler

    Präsentiert mit Omanut.

  4. 21:00
    Divines
    F/d 105' | Frankreich 2016 | Houda Benyamina | Spielfilm

    Dounia ist fünfzehn und wächst bei ihrer alleinstehenden Mutter auf, die in Strip-Clubs in den Pariser Vorstädten arbeitet. Die jun- ge Französin verhöhnt ihre Lehrer, ihre Schlagfertigkeit verschafft ihr Respekt auf den Strassen des Quartiers. Zusammen mit ihrer besten Freundin Maimounia beginnt sie für eine Dealerin zu arbeiten, die das Viertel unter Kontrolle hat. Am Abend beobachtet Dounia heimlich einen schönen jungen Tänzer bei den Proben und macht ihn zu ihrem objet du désir. Divines, der in Cannes die Goldene Kamera für den besten Debutfilm gewann, macht das Erwachsenwerden an einem selten ausgeleuchteten Ort fast körperlich erfahrbar. Dounia und Maimounia unterwandern weibliche Rollenbilder, doch die Rebellion der beiden Frauen bringt sie in Gefahr. (es)

9. Dezember 2016
  1. 09:30
    Blanka
    OV/d 75' | JP, PHL, IT 2015 | Kohki Hasei | Spielfilm

    Die elfjährige Waise Blanka lebt in Manila auf der Strasse. Sie schlägt sich mit Taschendiebstählen durch und lässt sich von den gewalttätigen Jugendbanden nichts gefallen. Als Blanka von der Adoption eines Kindes durch eine berühmte Schauspielerin hört, möchte sie sich eine wohlhabende Mutter kaufen. Sie lernt den blinden Strassenmusiker Peter kennen und packt ihre Chance, mit ihm eine musikalische Karriere einzuschlagen. Blanka wurde von dem Japaner Kohki Hasei mit viel Feingefühl für lokale Farbtöne in den Philippinen gedreht und porträtiert ein Manila fern von touristischen Trampelpfaden. Mit semidokumentarischen Gestaltungsmitteln zeigt er das allgegenwärtige Gewaltpotenzial und die wirtschaftliche Misere, überrascht aber auch immer wieder mit ironischen Zwischentönen. An der Mostra di Venezia 2015 wurde Blanka mehrfach ausgezeichnet, nicht zuletzt aufgrund der begnadeten Schauspielerin Cydel Gabutero in ihrer ersten Filmrolle. (slb)

    Präsentiert mit Schule und Kultur, Aux Arts etc ..., Ambassade de France en Suisse.

  2. 13:30
    Sonita
    OV/d 91' | D/ CH/ Iran 2015 | Rokhsareh Ghaem Maghami | Dok

    Karriere als erste afghanische Rapperin oder Zwangsheirat? Sonita ist 18 Jahre alt. Ihr Traum ist es, Rapperin zu werden und so bekannt zu sein wie Rihanna und Michael Jackson zusammen. Sonita lebt aber ohne Aufenthaltsbewilligung im Iran, wo es Frauen verboten ist, Musik zu machen. Und auch zuhause in Afghanistan wartet ihre Familie auf ihre Rückkehr, mit der Absicht, Sonita für 9'000 Dollar an einen unbekannten Ehemann zu verkaufen. Doch Sonita wehrt sich und steckt alles in ihre Musik und sorgt mit ihrem ersten, selbstgedrehten Musikvideo weltweit für Furore. Die Regisseurin Rokhsareh Ghaem Maghami begleitet Sonita auf ihrem ungewissen Weg nicht nur als neutrale Beobachterin, sondern als aktive Figur im Hintergrund und wirft damit grundlegende und spannende Fragen zur Verantwortung einer Filmemacherin auf.

    Präsentiert mit Schule und Kultur, Aux Arts etc ..., Ambassade de France en Suisse.

  3. 18:30
    The Crossing
    OV/e 55' | Norwegen 2015 | George Kurian | Dok

    George Kurian begleitet in The Crossing eine Gruppe in Ägypten gestrandeter Syrer, die keinen Ausweg mehr sehen als die Flucht über das Mittelmeer nach Europa. Musiker, Journalisten, Krankenschwestern mit ihren Kindern, sie alle brechen auf ins Ungewisse. Der mit einfachen Mitteln gedrehte Film besticht durch seine Unmittelbarkeit: Die Kamera ist dabei, wenn die Protagonisten sich am Abend vor der Abreise Mut antrinken und begleitet sie auf das überladene Fischerboot, mit dem sie in See stechen. Als die Schutzsuchenden nach sieben Tagen von einem Öltanker mit Kurs nach Italien aufgenommen werden, ist die Erleichterung gross – und doch verfrüht. Die Gruppe wird über ganz Europa verstreut, wo sie ihre Odyssee in den Warteschlaufen der Einwan- derungsbehörden fortsetzen. (mg)

    Rechte und Entrechtung von Menschen auf der Flucht (Engl.)
    Im Anschluss Gespräch mit Judith Sunderland (Associate Direc- tor, Europe and Central Asia Division, Human Rights Watch) über Menschen auf der Flucht, ihr Recht auf Schutz und ihre Möglichkeiten, ein neues Leben aufzubauen.

    Präsentiert mit Human Rights Watch.

  4. 18:30
    Behemoth
    OV/e 90' | China, Frankreich 2015 | Zhao Liang | Dok

    Im kargen Hinterland der Inneren Mongolei bauen Minenarbeiter unter Lebensgefahr Rohstoffe für die chinesische Wirtschaft ab. Der künstlerisch eigenwillige Film verlässt sich auf die Kraft der Bilder, Dantes Beschreibungen von Hölle und Fegefeuer sind der einzige Kommentar. Die Protagonisten sind der Welt unter Tage ausgeliefert. Ein eindrückliches Tableau zeigt, wie ein Ehepaar spätabends versucht, sich gegenseitig den hartnäckigen Russ vom Körper zu schrubben. Die weisse Augenhaut der Arbeiter ist von schwarzen Kohlespuren durchzogen, viele von ihnen sterben an Lungenkrankheiten. Zhao Liang schafft eine atemberaubende Darstellung der prekären Arbeitsbedingungen in den chinesischen Minen und konfrontiert multinationale Konzerne mit ihrer Verantwortung. Die Veröffentlichung des kühnen Essayfilms wurde in China bisher verboten. (slb)

    Minenarbeit im Kontext der globalen Wirtschaft

    Im Anschluss Gespräch mit Zoltan Doka (Programmleiter China Solidar Suisse) über Rohstoffgewinnung, Arbeitsbedingungen und Konzernverantwortung.

    Moderation: Daniel Puntas Bernet (Chefredaktor Reportagen)

    Präsentiert mit Solidar Suisse.

  5. 20:30
    What Tomorrow Brings
    OV/e 90' | Afghanistan / USA 2015 | Beth Murphy | Dok

    Nach dem Ende der Taliban Herrschaft in Afghanistan im Jahr 2001 begann die neue Regierung mit der Aufgabe, ein Schulsystem für Mädchen aufzubauen. Heute gehen noch immer weniger als die Hälfte der afghanischen Mädchen zur Schule. What Tomorrow Brings porträtiert eine jener weiterhin angefeindeten und bedrohten Mädchenschulen. Hier beginnt der Tag damit, dass die couragierte Schulleiterin als Erste Wasser aus dem Brunnen trinkt um sicher zu sein, dass er nicht vergiftet wurde. Trotz der Widrigkeiten ist die Schule ein Ort der Hoffnung für die Mädchen und bietet Raum für kontroverse Gespräche über Heirat und Patriarchat. Mit berückend schönen Bildern gibt die amerikanische Regisseurin Beth Murphy Einblick in ein von Kriegen zerrüttetes Land. (mg)

    Emanzipation und Bildung in Afghanistan (Engl.)
    Im Anschluss Gespräch mit Heather Barr (Senior Researcher, Women’s Rights Division, Human Rights Watch) über Recht auf Bildung und die Bedeutung von Frauenrechten für die Entwick- lung einer Gesellschaft.

    Präsentiert mit Human Rights Watch.

  6. 20:40
    Tadmor
    OV/d 103' | Schweiz, Frankreich, Lebanon 2016 | Monika Borgman & Lokman Slim | Dok

    Tadmor, der arabische Name der Wüstenstadt Palmyra, steht für ein berüchtigtes Militärgefängnis, in dem das syrische Regime über Jahrzehnte Menschen verschwinden und foltern liess. Der «Islamische Staat» sprengte das Gefängnis 2015 in die Luft. Eine Gruppe von Libanesen, die in Tadmor in den Achtzigerjahren der Gewalt der syrischen Sicherheitsdienste ausgeliefert waren, bauen in einer verlassenen Schule in einem Vorort von Beirut die Gefängnisräume nach. Mit theatralischen Inszenierungen geben sie ihren Erinnerungen Ausdruck. Die ehemaligen Gefangenen erzählen von kleinen Gesten, mit denen sie trotz sadistischer Erniedrigungen versuchten, die Selbstachtung zu wahren. Ein vielschichtiges und sensibles Bild politischer Gewalt, die bis heute fortdauert. (es)

    Torture and political repression (English)
    Im Anschluss Podiumsgespräch über Folter als systematisches Instrument der politischen Repression in Syrien. Gäste: Die beiden Filmemacher Monika Borgman und Lokman Slim, der Protagonist Ali Abou Dehn, sowie Reto Rufer (Länderexperte für Syrien und Region, Amnesty International)

    Moderation: Alexandra Karle (Leiterin Kommunikation und Advocacy bei Amnesty International).

    Präsentiert mit Amnesty International.

10. Dezember 2016
  1. 11:30
    Where to, Miss?
    OV/d 83' | Deutschland 2016 | Manuela Bastian | Dok

    Devki will unbedingt Taxifahrerin werden. Sie will andere Frauen sicher nach Hause bringen und finanziell unabhängig sein. Um ihr Ziel zu erreichen, muss sie sich gegen ihren Vater, gegen ihren Ehemann und gegen ihren Schwiegervater durchsetzen. Bisher gibt es in Indien nur sehr wenige Taxifahrerinnen. Ihre «Lady Cabs» stehen ausschliesslich weiblichen Fahrgästen zur Verfügung, zur Ausbildung gehört auch Selbstverteidigungstechnik. Die sorgfältige Langzeitstudie folgt der lebensfrohen Protagonistin im Kampf um etwas Freiraum innerhalb der festgefahrenen patriarchalischen Strukturen der indischen Gesellschaft. Die geschützte Kabine des Autos bietet den Raum für intime Gespräche über weibliche Rollenbilder, sexuelle Übergriffe und individuelle Emanzipationsstrategien. (slb)

    Weibliche Rollenbilder im Wandel

    Podiumsgespräch über Frauen in traditionellen Männerberufen, Frauenrechte in Indien und Schutzstrategien vor sexuellen Übergriffen. Gäste: Die Filmemacherin Manuela Bastian und Daniela Scherello (Stiftungsrätin Medica Mondiale Foundation Switzer- land)

    Moderation: Sascha Lara Bleuler

    Präsentiert mit Medica Mondiale Foundation Switzerland.

  2. 14:00
    The Visibility of Human Rights Violations - Kurzfilme
    OV/e 62' | 1970 - 2016 | Diverse | Dok

    TRE IPOTESI SULLA MORTE DI GIUSEPPE PINELLI I/e 11' | Elio Petri und Nelo Risi | Italien 1970 | Doku-Fiction
    ZAUNGESPRÄCHE D/e 14' | Lisa Gerig | Schweiz 2014 | Dok
    LIQUID TRACES: THE LEFT-TO-DIE-BOAT E 18' | Charles Heller und Lorenzo Pezzani | UK 2014 | Dok
    CHECK IN – TIME OUT D/e 6' | Kathrin Schmid | Schweiz 2015 | Experimentalfilm
    BUNKERS F/e 13' | Anne-Claire Adet | Schweiz 2016 | Dok

    Mit welchen Techniken und künstlerischen Strategien kann das Kino Menschenrechtsverletzungen sichtbar machen? Fünf Kurzfilme geben Antworten auf diese Frage. Der erste Film hinterfragt den angeblichen Selbstmord des italienischen Anarchisten Giu- seppe Pinelli, der während eines Polizeiverhörs ums Leben kam. In Zaungespräche besucht eine junge Frau Internierte in der «Abteilung Ausschaffungshaft». Liquid Traces: The Left-to-Die-Boat benutzt Satellitenaufnahmen zur forensischen Rekonstruktion von Todesfällen auf dem Mittelmeer. Im Experimentalfilm Check In - Time Out hingegen ertrinken Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes im Unterhaltungsangebot. In Bunkers filmt der Bewohner einer Luftschutzkeller Unterkunft für Flüchtlinge mit der Kamera seines Mobiltelefons das Leben unter der Erdoberfläche. (es)

    Podiumsgespräch (Engl.)
    Die Filmemacher diskutieren über das Sichtbarmachen von Menschenrechtsverletzungen. Wo liegt die politische Verantwortung des Cineasten heute?

    Moderation: Emanuel Schäublin

  3. 14:00
    The Chocolate Case
    OV/e 90' | Niederlande 2016 | Benthe Forrer | Dok

    The Chocolate Case beginnt mit einem Telefonanruf: der niederländische Journalist Teun Van de Keuken meldet sich bei der Amsterdamer Polizei, um sich selbst anzuzeigen. Er esse oft Schokolade – und finanziere dadurch Kindersklaverei! Was wie ein Scherz wirkt, hat reale Hintergründe. Auf afrikanischen Kakao Farmen arbeiten bis heute Hunderttausende von Kindern unter sklavenähnlichen Bedingungen; die Abnehmer dieses Kakaos sind die globalen Nahrungsmittelmultis und letztendlich die Kosumenten der süssen Sünde. In The Chocolate Case erzählen Van de Keuken und seine Kollegen, wie sie seit 2003 gegen die Missstände in der Kakaoproduktion kämpfen. Zuletzt stürzen sie sich in das unternehmerische Abenteuer, die erste Schokolade, die garantiert ohne Sklavenarbeit hergestellt wurde, auf den Markt zu bringen. (mg)

  4. 16:00
    Behemoth
    OV/e 90' | China, Frankreich 2015 | Zhao Liang | Dok

    Im kargen Hinterland der Inneren Mongolei bauen Minenarbeiter unter Lebensgefahr Rohstoffe für die chinesische Wirtschaft ab. Der künstlerisch eigenwillige Film verlässt sich auf die Kraft der Bilder, Dantes Beschreibungen von Hölle und Fegefeuer sind der einzige Kommentar. Die Protagonisten sind der Welt unter Tage ausgeliefert. Ein eindrückliches Tableau zeigt, wie ein Ehepaar spätabends versucht, sich gegenseitig den hartnäckigen Russ vom Körper zu schrubben. Die weisse Augenhaut der Arbeiter ist von schwarzen Kohlespuren durchzogen, viele von ihnen sterben an Lungenkrankheiten. Zhao Liang schafft eine atemberaubende Darstellung der prekären Arbeitsbedingungen in den chinesischen Minen und konfrontiert multinationale Konzerne mit ihrer Verantwortung. Die Veröffentlichung des kühnen Essayfilms wurde in China bisher verboten. (slb)

  5. 16:00
    Gulîstan, Land of Roses
    OV/e 87' | Kanada, Deutschland 2016 | Zayne Akyol | Dok

    Im nordirakischen Gebirge bereitet sich eine Brigade von ausschliesslich weiblichen Kämpferinnen der kurdischen Guerilla Bewegung PKK auf ihren Einsatz gegen den «Islamischen Staat» vor. Die kurdische Filmemacherin Zayne Akyol fühlt den Puls dieser emanzipierten Frauen, die ihr Leben riskieren für ein freies Kurdistan, oder auch um dem Gefängnis der traditionellen Ehe zu entkommen. Sie trainieren, sprechen über ihr früheres Leben, mit dem sie für immer abschliessen mussten, waschen sich gegenseitig die Haare, diskutieren beim Mittagessen. Die Kamera rahmt sie in Tableaux von poetischer Schönheit und macht erfahrbar, dass Krieg vor allem eines ist: Das beklemmende Warten auf die entscheidende Schlacht. (slb)

    Der Traum eines freien Kurdistans (Engl.)
    Podiumsgespräch im Anschluss über die Situation in den Kurdengebieten angesichts der politischen Instabilität in der Türkei, des syrischen Bürgerkriegs und des Aufstiegs des «Islamischen Staates». Welche Rolle spielen die PKK-Kämpferinnen im Spannungsfeld zwischen Unterdrückung, Kampf und Emanzipation?

    Gäste: Filmemacherin Zayne Akyol und Prof. Dr. Bilgin Ayata (Institut für Soziologie, Universität Basel)

    Moderation: Jenny Billeter

  6. 18:30
    Jihad - A Story of the Others
    E 50' | UK, Norwegen 2015 | Deeya Khan | Dok

    Der Film erzählt die Lebensgeschichten von britischen Muslimen, die im Namen Gottes in den Krieg zogen. Seit den Achtziger Jahren reisen sie von Grossbritannien aus in ethnisch und religiös gespaltene Konfliktgebiete, um dort sunnitische Kämpfer zu unterstützen. Geprägt von rassistischer Diskriminierung und sexueller Unerfülltheit während ihrer Jugend, finden die Männer im bewaffneten Jihad einen Horizont, vor dem sie ihr zerbröckeltes Selbstbewusstsein durch ein tödliches Identitätsgefühl ersetzen. Doch in der Verworrenheit des Kriegsgeschäfts ist es schwierig, den Glauben an Gewalt im Namen der Gerechtigkeit aufrecht zu erhalten. Der Film wagt es, jihadistische Aggression vor dem Hintergrund sozialer Ausschlussmechanismen, emotionaler Verunsicherung und der Sehnsucht nach eindeutigen Identitäten zu ergründen. (es)

    Podiumsgespräch (English)
    Nach dem Film Jihad – A Story of the Others diskutieren Expertinnen und Experten über Menschenrechtsverletzungen als mögliche Ursachen, die Menschen in den gewalttätigen Extremismus treiben, und gehen der Frage nach, wie diesem Phänomen vorgebeugt werden kann. Gäste: Hanny Megally (Senior Fellow at the Center on International Cooperation, NYU), Stephan Husy (Sonderbotschafter für Terrorismusbekämpfung Direktion für Völkerrecht EDA), Sanam Naraghi Anderlini (Co-Founder & Executive Director, International Civil Society Action Network)

    Moderation: Christoph Keller (SRF2Kultur)

  7. 19:00
    Tadmor
    OV/d 103' | Schweiz, Frankreich, Lebanon 2016 | Monika Borgman & Lokman Slim | Dok

    Tadmor, der arabische Name der Wüstenstadt Palmyra, steht für ein berüchtigtes Militärgefängnis, in dem das syrische Regime über Jahrzehnte Menschen verschwinden und foltern liess. Der «Islamische Staat» sprengte das Gefängnis 2015 in die Luft. Eine Gruppe von Libanesen, die in Tadmor in den Achtzigerjahren der Gewalt der syrischen Sicherheitsdienste ausgeliefert waren, bauen in einer verlassenen Schule in einem Vorort von Beirut die Gefängnisräume nach. Mit theatralischen Inszenierungen geben sie ihren Erinnerungen Ausdruck. Die ehemaligen Gefangenen erzählen von kleinen Gesten, mit denen sie trotz sadistischer Erniedrigungen versuchten, die Selbstachtung zu wahren. Ein vielschichtiges und sensibles Bild politischer Gewalt, die bis heute fortdauert. (es)

  8. 20:30
    The Girl Who Saved my Life
    OV/e 79' | Schweden 2016 | Hogir Hirori | Dok

    Im Sommer 2014 lässt der Filmemacher Hogir Hirori seine schwangere Frau in Schweden zurück und reist in seine krisengebeutelte Heimat, die autonome Region Kurdistan im Nordirak. Dort trifft er auf ein kleines jesidisches Mädchen, das von Magenkrämpfen gekrümmt am Boden liegt. Der Filmemacher versucht medizinische Hilfe aufzutreiben und verpasst seinen Flug ins nahe Shingal Gebirge. Wenig später erfährt er, dass der Helikopter abgestürzt ist – die elfjährige Souad hat ihm das Leben gerettet. Der Filmemacher hat nur ein einziges Foto von dem Mädchen gemacht, damit beginnt er eine fiebrige Suche nach Souad: ein Sinnbild für das Schicksal von Tausenden. Wie ein Getriebener dokumentiert Hirori, der 1991 selber vor Saddam Husseins Schreckensherrschaft floh, die heutigen Fluchtgeschichten der Jesiden. Er blickt tief ins Antlitz des Krieges und schafft – neben aller Hoffnungslosigkeit – eine filmische Lebensbejahung. (slb)

    Die medizinische Versorgung in Kriegsgebieten

    Im Anschluss Gespräch mit Olivier Maizoué (Programmver- antwortlicher von MSF Schweiz in Syrien und im Irak) und Fanar Hasan (syrischer Kurde und ehemaliger MSF-Mitarbeiter in Syrien) über die medizinische Versorgung der Bevölkerung in den umkämpften Gebieten im Irak und in Syrien.

    Moderation: Christoph Keller (SRF2 Kultur)

    Präsentiert mit Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen (MSF).

11. Dezember 2016
  1. 11:30
    The Girl Who Saved my Life
    OV/e 79' | Schweden 2016 | Hogir Hirori | Dok

    Im Sommer 2014 lässt der Filmemacher Hogir Hirori seine schwangere Frau in Schweden zurück und reist in seine krisengebeutelte Heimat, die autonome Region Kurdistan im Nordirak. Dort trifft er auf ein kleines jesidisches Mädchen, das von Magenkrämpfen gekrümmt am Boden liegt. Der Filmemacher versucht medizinische Hilfe aufzutreiben und verpasst seinen Flug ins nahe Shingal Gebirge. Wenig später erfährt er, dass der Helikopter abgestürzt ist – die elfjährige Souad hat ihm das Leben gerettet. Der Filmemacher hat nur ein einziges Foto von dem Mädchen gemacht, damit beginnt er eine fiebrige Suche nach Souad: ein Sinnbild für das Schicksal von Tausenden. Wie ein Getriebener dokumentiert Hirori, der 1991 selber vor Saddam Husseins Schreckensherrschaft floh, die heutigen Fluchtgeschichten der Jesiden. Er blickt tief ins Antlitz des Krieges und schafft – neben aller Hoffnungslosigkeit – eine filmische Lebensbejahung. (slb)

  2. 11:30
    The Look of Silence
    OV/d 103' | USA 2015 | Joshua Oppenheimer | Dok

    In den Sechzigerjahren liess die Militärdiktatur in Indonesien mutmassliche Kommunisten hinrichten – Schätzungen gehen von einer Million Opfern aus. Die Mörder mussten sich nie vor Gericht verantworten, dominieren bis heute lokale Verwaltungen und sind gar stolz auf ihre Taten. In The Act of Killing liess Oppenheimer ehemalige Paramilitärs ihre Massaker nachspielen. In The Look of Silence besucht der Optiker Adi Rukun, dessen Bruder Ramli hingerichtet wurde, die Schlächter von damals. Nachdem er mit Brillengläsern ihre Sicht geschärft hat, zeigt er den Männern Oppenheimers inszenierte Aufnahmen. So tastet er sich langsam in den Raum des Schweigens vor, der sich seit fünfzig Jahren zwischen Opfern und Tätern ausgebreitet hat. Kann sich die Beziehung zwischen ihnen ändern? (es)

    Dealing with the past (English)
    Im Anschluss führt Sanjana Hattotuwa (Thematic Advisor, ICT- 4Peace Foundation) ein Skype-Gespräch mit Joshua Oppenheimer über die politische Rolle des Filmemachers, die Inszenierung von Tätern und Überlebenden von Massakern und Prozesse der Vergangenheitsbewältigung.

    Präsentiert mit ICT4Peace Foundation.

  3. 14:00
    Gulîstan, Land of Roses
    OV/e 87' | Kanada, Deutschland 2016 | Zayne Akyol | Dok

    Im nordirakischen Gebirge bereitet sich eine Brigade von ausschliesslich weiblichen Kämpferinnen der kurdischen Guerilla Bewegung PKK auf ihren Einsatz gegen den «Islamischen Staat» vor. Die kurdische Filmemacherin Zayne Akyol fühlt den Puls dieser emanzipierten Frauen, die ihr Leben riskieren für ein freies Kurdistan, oder auch um dem Gefängnis der traditionellen Ehe zu entkommen. Sie trainieren, sprechen über ihr früheres Leben, mit dem sie für immer abschliessen mussten, waschen sich gegenseitig die Haare, diskutieren beim Mittagessen. Die Kamera rahmt sie in Tableaux von poetischer Schönheit und macht erfahrbar, dass Krieg vor allem eines ist: Das beklemmende Warten auf die entscheidende Schlacht. (slb)

  4. 16:00
    Blanka
    OV/d 75' | JP, PHL, IT 2015 | Kohki Hasei | Spielfilm

    Die elfjährige Waise Blanka lebt in Manila auf der Strasse. Sie schlägt sich mit Taschendiebstählen durch und lässt sich von den gewalttätigen Jugendbanden nichts gefallen. Als Blanka von der Adoption eines Kindes durch eine berühmte Schauspielerin hört, möchte sie sich eine wohlhabende Mutter kaufen. Sie lernt den blinden Strassenmusiker Peter kennen und packt ihre Chance, mit ihm eine musikalische Karriere einzuschlagen. Blanka wurde von dem Japaner Kohki Hasei mit viel Feingefühl für lokale Farbtöne in den Philippinen gedreht und porträtiert ein Manila fern von touristischen Trampelpfaden. Mit semidokumentarischen Gestaltungsmitteln zeigt er das allgegenwärtige Gewaltpotenzial und die wirtschaftliche Misere, überrascht aber auch immer wieder mit ironischen Zwischentönen. An der Mostra di Venezia 2015 wurde Blanka mehrfach ausgezeichnet, nicht zuletzt aufgrund der begnadeten Schauspielerin Cydel Gabutero in ihrer ersten Filmrolle. (slb)

    Kindheit auf der Strasse

    Im Anschluss Gespräch mit Jan Schneider
    (Geschäftsstellenleiter Terre des hommes Deutschschweiz) über die Kinderhilfsprojekte von Terre des hommes Kinderhilfe. Bettelnde Strassenkinder gehören auf den Philippinen zum Stadtbild. Auf der Suche nach Essen und Schutz kämpfen sie jeden Tag ums Überleben. Was kann gegen die weltweite Ausbeutung und Obdachlosigkeit von Kindern unternommen werden?

    Präsentiert mit Terre des hommes Kinderhilfe.

  5. 17:00
    P.S. Jerusalem
    OV/e 87' | Kanada 2015 | Danae Elon | Dok

    Es beginnt und endet mit Umzugskisten. Danae Elon, die Tochter des bekannten Schriftstellers Amos Elon, lässt sich nach vielen Jahren in New York mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Jerusalem nieder, der Stadt ihrer Kindheit. Ihre Buben schickt sie auf die einzige gemischte Schule des Landes, wo Palästinenser und jüdische Israelis gemeinsam Arabisch und Hebräisch lernen. Spielend wechseln sie die Sprache, wenn sie auf ihren Skateboards vom jüdischen Viertel über die unsichtbare Grenze ins arabische Ost-Jerusalem rollen. Die Filmemacherin trägt ihre Kamera wie eine Sonde durch die Stadt und blickt tief in deren komplexe Psyche. Die säkulare Familie sucht ihren Platz an diesem nationalistisch und religiös geprägten Ort und droht dabei zu zerbrechen. Eine ergreifende Sezierung des Heimatgefühls zwischen eigener Sehnsucht und politischer Wirklichkeit. (slb)

  6. 18:30
    Oscuro Animal
    OV 106' | CO, ARG, NDL | Felipe Guerrero | Spielfilm

    Drei Frauen, drei Schicksale im vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg versehrten Kolumbien. Mona ersticht ihren Ehemann im Schlaf. Der paramilitärische Kommandant hat sie jahrelang gedemütigt und sexuell missbraucht. Rocío ist auf dem Weg nach Bogota, sie ist auf der Flucht, nachdem sie ihr Haus verwüstet und ihr Dorf verlassen vorgefunden hat, Mann und Söhne vermutlich entführt von Guerilla Truppen. Nelsa wiederum hat sich den Paramilitärs angeschlossen und verscharrt mit ausdruckslosem Gesicht getötete Bauern im Wald, sie selbst wird von ihren Mitstreitern regelmässig vergewaltigt. Die omnipräsente Gewalt in Oscuro Animal kontrastiert mit der poetischen Schönheit des kolumbianischen Dschungels – die Geräuschkulisse eine surrende, knarrende Symphonie. Ein meisterhafter Film, der sich jeglicher Kategorisierung entzieht und durch seine bewusste Sprachlosigkeit beweist, dass Schweigen lauter sein kann als Geschrei. (slb)

    Herausforderung Frieden in Kolumbien

    Im Anschluss Gespräch mit Mirjam Straub Ortiz (lic. phil. Psy- chotherapeutin mit Schwerpunkt Psychotraumatologie) und Christoph Kaufmann (ehemaliger Menschenrechtsbeobachter in Kolumbien) über den fragilen Friedensprozess in Kolumbien. Welche individuellen, gesellschaftlichen und politischen Prozesse braucht es, um nach fünfzig Jahren Bürgerkrieg die Wunden des Krieges zu heilen? Was sind die Aussichten, nachdem das kolumbianische Volk den Friedensvertrag zwischen der Regierung und den FARC-Rebellen abgelehnt hat?

    Moderation: Barbara Müller (Peace Watch Switzerland)

    Präsentiert mit Peace Watch Switzerland.

  7. 19:00
    Where to, Miss?
    OV/d 83' | Deutschland 2016 | Manuela Bastian | Dok

    Devki will unbedingt Taxifahrerin werden. Sie will andere Frauen sicher nach Hause bringen und finanziell unabhängig sein. Um ihr Ziel zu erreichen, muss sie sich gegen ihren Vater, gegen ihren Ehemann und gegen ihren Schwiegervater durchsetzen. Bisher gibt es in Indien nur sehr wenige Taxifahrerinnen. Ihre «Lady Cabs» stehen ausschliesslich weiblichen Fahrgästen zur Verfügung, zur Ausbildung gehört auch Selbstverteidigungstechnik. Die sorgfältige Langzeitstudie folgt der lebensfrohen Protagonistin im Kampf um etwas Freiraum innerhalb der festgefahrenen patriarchalischen Strukturen der indischen Gesellschaft. Die geschützte Kabine des Autos bietet den Raum für intime Gespräche über weibliche Rollenbilder, sexuelle Übergriffe und individuelle Emanzipationsstrategien. (slb)

  8. 20:30
    Under the Sun
    OV/e 106' | RU/ Nordkorea/ D 2015 | Valy Mansky | Dok

    Der russische Filmemacher Vitaly Mansky reist nach Nordkorea, um im Auftrag der nordkoreanischen Behörden das Leben einer typischen Familie in Pyongyang zu dokumentieren. Das Filmteam muss versprechen, das «beste Land der Welt» von seiner besten Seite zu zeigen. Im Zentrum steht ein süsses kleines Mädchen, seine Vorzeige-Eltern, beide in Vorzeige-Berufen tätig und überhaupt sonnen sich die Bewohner im Licht des unfehlbaren Führers Kim Il-sung (verstorbener Grossvater des Staatsoberhaupts Kim Jong-un). Die Beamten sind überzeugt, dass hier ein Propagandafilm erster Güte entsteht, trotzdem überwachen sie die Dreharbeiten streng, jede Zeile der Protagonisten ist durchkomponiert. Was Vitalys Kamera einfängt, könnte als Komödie durchgehen, würde es nicht auf subtile Weise eine Realität entlarven, in der sich die Menschen wie ferngesteuert bewegen und Emotionen auf Befehl abgerufen werden. Tragisch-komische Making-Of Momente dekonstruieren eine bis ins Detail ausgeklügelte Propagandamaschinerie, die der Dystopie 1984 von George Orwell in nichts nachsteht. (slb)

16. Dezember 2016
  1. 16:00
    Jihad - A Story of the Others
    E 50' | UK, Norwegen 2015 | Deeya Khan | Dok

    Der Film erzählt die Lebensgeschichten von britischen Muslimen, die im Namen Gottes in den Krieg zogen. Seit den Achtziger Jahren reisen sie von Grossbritannien aus in ethnisch und religiös gespaltene Konfliktgebiete, um dort sunnitische Kämpfer zu unterstützen. Geprägt von rassistischer Diskriminierung und sexueller Unerfülltheit während ihrer Jugend, finden die Männer im bewaffneten Jihad einen Horizont, vor dem sie ihr zerbröckeltes Selbstbewusstsein durch ein tödliches Identitätsgefühl ersetzen. Doch in der Verworrenheit des Kriegsgeschäfts ist es schwierig, den Glauben an Gewalt im Namen der Gerechtigkeit aufrecht zu erhalten. Der Film wagt es, jihadistische Aggression vor dem Hintergrund sozialer Ausschlussmechanismen, emotionaler Verunsicherung und der Sehnsucht nach eindeutigen Identitäten zu ergründen. (es)