Festival

AUSGABE 2021
Das siebte Human Rights Film Festival Zurich findet vom 2. bis 7. Dezember 2021 im Kino Kosmos in Zürich statt. Über sechs Tage hinweg zeigen wir künstlerisch starke Filme, die Menschenrechtsthemen ergründen – ohne Stereotypen und moralischen Fingerzeig. Im Anschluss öffnen wir den Raum für Gespräche mit Regisseur*innen, Protagonist*innen und thematischen Expert*innen. So kann das Gesehene in grössere Zusammenhänge eingeordnet werden. Wir glauben an die aufrüttelnde Kraft des Kinos als Kunstform sowie an das Filmfestival als Begegnungsort für Menschen, die sich mit einer komplexen Welt auseinandersetzen möchten.

GESCHICHTE
Seit der Feuertaufe des Human Rights Film Festival Zurich 2015 ist viel passiert. Oftmals erstaunt und überfordert schauen wir auf das turbulente Weltgeschehen – das Medienspektakel lockt, filtert, steuert und rahmt unseren Blick. Die Unübersichtlichkeit stärkt das Bedürfnis nach klaren Orientierungspunkten und im gesamten politischen Spektrum herrscht eine tiefe Verunsicherung, wie mit der Forderungen nach der Verteidigung «unserer Werte» umgegangen werden soll. Bewegungen, die sich auf Nation, Religion oder Ethnie berufen, verführen ihre Anhänger*innen mit einem heimeligen Identitätsgefühl, das zugleich gesellschaftliche Ausgrenzungen zementiert.
Das Kino setzt sich seit jeher künstlerisch mit diesen Sehnsüchten und Dynamiken auseinander. Die Dokumentar- und Spielfilme (ausschliesslich Langfilme) des Human Rights Film Festival Zurich werfen einen neugierigen, unbequemen Blick auf Menschen, die mit festgefahrenen Zuschreibungen ringen und zeigen, dass Identitäten verästelt und kompliziert sind.
Es mutet naiv an zu denken, dass Filme und Diskussionen die Welt verändern können, doch ermöglichen sie ein Eintauchen in andere Wirklichkeiten und schärfen unseren Blick.

Sascha Lara Bleuler, Direktorin Human Rights Film Festival Zurich

Tickets

Tickets können direkt online via kosmos.ch oder an der Kinokasse vom Kosmos gekauft werden.
Festivalpässe (nur für Mitarbeitende, Partner*innen und Medienschaffende) können ab dem 3. Dezember an unserem Welcome Desk (Do, Fri, Mo, Di 17–21h, Sa & So 11–21h) im Kosmos abgeholt werden.

ALLE HABEN EIN RECHT AUF FILM
Alle Filme und Veranstaltungen des Festivals sind für Menschen mit N- oder F-Aufenthaltsstatus kostenlos. Gegen Vorweisen eines entsprechenden Ausweis am Welcome Desk können Festivalpässe bezogen werden (Do, Fri, Mo 17–21h, Sa & So 10.30–21h).

KOSMOS
Lagerstrasse 104, 8005 Zürich

COVID-19-SCHUTZMASSNAHMEN

Während des Festivalbesuchs gilt das aktuelle Kosmos-Schutzkonzept, online abrufbar unter kosmos.ch/schutzkonzept

MASKENPFLICHT
Für Festivalbesucher*innen gilt Maskenpflicht.

REGISTRATIONSPFLICHT
Kosmos ist verpflichtet, Gästedaten aufzunehmen. Die Wegleitung dazu ist unter kosmos.ch/registration abrufbar. Wer sich vorab registriert, hilft dabei, die Einlasszeiten zu verkürzen. Der Datenschutz ist gewährleistet.

ABSTANDSREGELN
Neben jeder Buchungsgruppe bleibt ein Platz im Kinosaal frei. Ansonsten sollten die empfohlenen Mindestabstände eingehalten werden.

EINLASS
Bitte kommt früh genug, jedoch bis spätestens 15 Minuten vor Veranstaltungsbeginn. Um Menschenansammlungen zu vermeiden, sollten die Plätze rasch eingenommen werden.

ALLGEMEIN
Bitte beachtet die gängigen Hygieneregeln und seht bei Krankheitssymptomen von einem Besuch des Festivals ab.

Wir bitten um Mithilfe – und um Geduld und Nachsicht, sollten die Schlangen und Wartezeiten gelegentlich etwas länger sein. Danke für die Unterstützung!

ANREISE | ÖFFENTLICHER VERKEHR

KOSMOS
Lagerstrasse 104, 8005 Zürich

Zug: ab Hauptbahnhof Zürich 5 Minuten Gehzeit
Bus: Nr. 31 bis Militär- / Langstrasse

Online-Fahrplan, Auskünfte und Informationen zum Nachtnetz: www.zvv.ch
oder die ZVV-App runterladen

ÜBERNACHTEN

Das 25Hours Hotel Langstrasse ist offizielle Hotelpartnerin des Human Rights Film Festival Zurich. Es befindet sich direkt gegenüber vom Kosmos und ist somit perfekt gelegen für die kurze Erholung zwischen zwei Filmen oder für ein Apéro-Getränk an der hauseigenen Cinchona Bar vor oder nach dem Festivalbesuch.

Festivalgäste profitieren mit dem Code «25h_HumanRights» vom 1. bis 10. Dezember von einem exklusiven Buchungsrabatt von 15% auf die tagesaktuelle Rate (nach Verfügbarkeit). Buchbar unter 25hours-hotels.com

Archiv

Das Festival findet 2021 zum siebten Mal statt.
Die Filmprogramme von 2015–2020 können hier aufgerufen werden.

Programm 2020
Do. 3. Dez. 2020
  1. 19:00
    Cat in the Wall
    OVe 92' | Bulgarien, UK, Frankreich 2019 | Mina Mileva, Vesela Kazakova | Spielfilm

    «Sprecht Englisch, oder ich loch euch ein!», brüllt ein Polizist Irina und ihren Bruder an. Er durchsucht die Wohnung der bulgarischen Geschwister, weil die Nachbarn sie verdächtigen, ihre Katze gestohlen zu haben. Diese und andere Streitereien prägen den Alltag der Bewohner*innen eines heruntergekommenen Hausblocks in London. Irina versucht sich im harten Milieu der Arbeiterklasse zurechtzufinden und macht Doppelschichten, während ihr Bruder auf die Anerkennung seines Lehrerdiploms wartet. Mitunter pinkelt ein Nachbar in den Lift, es wird gestritten und über den bevorstehenden Brexit politisiert. Irina wachsen die Absurditäten und sozialen Ungleichheiten über den Kopf und sie identifiziert sich zusehends mit der Katze, die sich in einem Heizrohr ihrer Küche verkrochen hat und auf bessere Zeiten wartet.
    Mina Mileva und Vesela Kazakova schaffen eine ergreifende Sozialstudie, die feinsensorische Kamera von Dimitar Kostov folgt den Darsteller*innen so leichtfüssig, dass man sich oft in einem Dokumentarfilm glaubt, dem Genre indem sich die Regisseurinnen bisher zuhause fühlten. Auch mit ihrem Spielfilmdebüt zeigen sie viel Gespür für Schauspielführung und Situationskomik. (slb)

    Begrüssungsworte
    Sascha Lara Bleuler, Direktorin HRFF Zurich
    Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zurich
    Kathrin Frey, Filmbeauftragte Stadt Zürich Kultur

    Im Anschluss Gespräch mit den Filmemacherinnen Mina Mileva und Vesela Kazakova

  2. 20:30
    Exil
    OVe 121' | Deutschland, Belgien, Kosovo 2020 | Visar Morina | Spielfilm

    Erst hängt eine tote Ratte an der Tür des Hauses, in dem Xhafer mit seiner Frau und den Kindern lebt. Dann kommen Mails «versehentlich» nicht an. Die Anzeichen, dass der Pharmaingenieur an seinem Arbeitsplatz gemobbt und schikaniert wird, mehren sich. Und auch wenn weder seine Frau noch seine Kolleg*innen ihm Glauben schenken, fühlt sich der seit Jahren gut integrierte Mann aus dem Kosovo immer stärker aus der deutschen Gemeinschaft ausgestossen. Oder verliert er den Bezug zur Realität?
    In seinem zweiten Langfilm seziert Regisseur Visar Morina die psychische Wirkung sozialer Ausgrenzung und inszeniert sie als Wechselspiel von Zugehörigkeit und Entfremdung. In subtilen, sich mit dem Zustand seines Protagonisten nach und nach verändernden Bildern und mit präzise agierenden Hauptdarsteller*innen zeigt er, welche Rolle die Persönlichkeit bei der Integration in eine andere Gesellschaft spielt, und wie schnell ein vermeintlich stabiles Identitätsgerüst Risse bekommen kann. (Berlinale 2020)

Fr. 4. Dez. 2020
  1. 09:30
    Los Lobos – Schulvorstellung
    Odf 94' | Mexiko 2019 | Samuel Kishi Leopo | Spielfilm

    Jenseits der Grenze lockt Disneyland. Mit solchen Träumereien halten sich die Brüder Max und Leo aus Mexiko bei Laune. Ihre Mutter Lucía hingegen hat nach der harten Landung in der Realität keine Zeit mehr für Kopfreisen. In den USA angekommen, nimmt sie mehrere Gelegenheitsjobs an und lässt die Söhne in der Wohnung zurück. Sie lauschen in Endlosschleife den Regeln, welche Lucía auf Kassette aufgenommen hat: «Nie das Haus verlassen! Aufeinander aufpassen!». Wie Wölfe sollen sie sich und ihr Heim beschützen. Der Einöde entfliehen sie nur dank ihrer Fantasie: Auf die Wände der Wohnung kritzeln sie künftige Abenteuer. Basierend auf eigenen Kindheitserfahrungen gibt der Regisseur Einblick in die anhaltende Migrationskrise an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. (nio)

    Im Anschluss animiertes Gespräch mit Jennifer Niedermann, Moderatorin und Spoken Word Artistin

  2. 10:00
    The Grizzlies – Schulvorstellung
    OVd 104' | Kanada 2018 | Miranda de Pencier | Spielfilm

    Ende der 1990er Jahre hat die kleine arktische Inuit-Gemeinde Kugluktuk eine der höchsten Selbstmordraten unter Jugendlichen in Nordamerika. Als der unerfahrene Lehrer Russ Sheppard dort eintrifft, um eine Stelle an der lokalen Schule anzutreten, sieht er sich mit massiven psychologischen und sozialen Problemen sowie den fatalen Folgen der Kolonisierung indigener Lebenswelten konfrontiert. Auf verlorenem Posten gründet Sheppard trotz allgemeiner Skepsis ein Lacrosse-Team an der Schule. Und diese vermeintlich völlig widersinnige Idee soll weitreichende Folgen haben.

    Anschliessendes Filmgespräch mit RFK Human Rights und Andreas Graf, Head of Human Rights & Anti-Discrimination bei der FIFA.
    Die Robert F. Kennedy Stiftung Schweiz hat gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Menschenrechte der Universität Zürich «Speak Truth To Power» ein facettenreiches Programm zur Menschenrechtsbildung an Schulen entwickelt. Das begleitende Buch kann über info@rfkhumanrights.ch bestellt werden.

  3. 13:30
    And Then We Danced – Schulvorstellung
    OVd 106' | Schweden, Georgien 2019 | Levan Akin | Spielfilm

    Merab trainiert seit jungen Jahren mit seiner Tanzpartnerin im nationalen georgischen Staatsballett. Als der charismatische und ungezwungene Irakli auftaucht, wird Merabs Welt unversehens auf den Kopf gestellt. Der Neue wird zu seinem grössten Rivalen und zu seiner grössten Leidenschaft. Immer stärker verspürt Merab den Drang, aus seinem konservativen Umfeld auszubrechen und seine Sexualität auszuleben. Dafür muss er alles riskieren. Der schwedische Regisseur Levan Akin kehrt mit «And Then We Danced» zu seinen Wurzeln nach Georgien zurück. In seiner berührenden universell gültigen Emanzipations-Geschichte avanciert die Inszenierung von Körperlichkeit und Tanz zum Brennpunkt. Der Film transportiert das Bewusstsein einer jungen Generation im Korsett strenger Riten und Traditionen, gegen die sich Merab mit den Waffen eines Tänzers auflehnt.

    Im Anschluss animiertes Gespräch mit Tobias Urech (LGBTIQ-Aktivist und Vorstandsmitglied Milchjugend)

  4. 14:00
    Les Hirondelles de Kaboul – Schulvorstellung
    Fd 80' | Frankreich, Schweiz 2019 | Zabou Breitman, Eléa Gobbé-Mévellec | Animation

    Sommer 1998 in Kabul. Zunaira ist jung und voller Lebenshunger. Diesen zu stillen ist alles andere als einfach: Die Kinos und Theater in ihrer von den Taliban besetzten Heimatstadt sind geschlossen, Musik ist aus der Öffentlichkeit verbannt, die Universität liegt in Trümmern. Also verbringt Zunaira viel Zeit zu Hause, wo sie auch ihren Freund Mohsen trifft. Die zwei lieben sich von ganzem Herzen – doch dann verändert ein dramatischer Unfall alles. Zunaira wird zum Tode verurteilt.
    Der Animationsfilm basiert auf Yasmina Khadras Roman «Die Schwalben von Kabul», den die Regisseurin Zabou Breitman und die Illustratorin Eléa Gobbé-Mévellec für die Leinwand adaptiert haben. Die Geschichte erzählt von Unterdrückung, vom Kampf um ein würdevolles Leben und von der Kraft der Frauen.

    Anschliessendes Filmgespräch mit RFK Human Rights und Farooq Haq, Mitglied der afghanischen Königsfamilie im Exil in der Schweiz.
    Die Robert F. Kennedy Stiftung Schweiz hat gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Menschenrechte der Universität Zürich «Speak Truth To Power» ein facettenreiches Programm zur Menschenrechtsbildung an Schulen entwickelt. Das begleitende Buch kann über info@rfkhumanrights.ch bestellt werden.

  5. 17:30
    Los Lobos
    Odf 94' | Mexiko 2019 | Samuel Kishi Leopo | Spielfilm

    Jenseits der Grenze lockt Disneyland. Mit solchen Träumereien halten sich die Brüder Max und Leo aus Mexiko bei Laune. Ihre Mutter Lucía hingegen hat nach der harten Landung in der Realität keine Zeit mehr für Kopfreisen. In den USA angekommen, nimmt sie mehrere Gelegenheitsjobs an und lässt die Söhne in der Wohnung zurück. Sie lauschen in Endlosschleife den Regeln, welche Lucía auf Kassette aufgenommen hat: «Nie das Haus verlassen! Aufeinander aufpassen!». Wie Wölfe sollen sie sich und ihr Heim beschützen. Der Einöde entfliehen sie nur dank ihrer Fantasie: Auf die Wände der Wohnung kritzeln sie künftige Abenteuer. Basierend auf eigenen Kindheitserfahrungen gibt der Regisseur Einblick in die anhaltende Migrationskrise an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. (nio)

    Begrüssungsworte
    Léo Kaneman, Gründer und Ehrenpräsident HRFF Zurich
    Pietro Mona, Schweizer Botschafter für Entwicklung, Flucht und Migration

    EINE VERLORENE GENERATION VERHINDERN
    Bildung verbessert die sozioökonomische Perspektive von Migrant*innen, Geflüchteten und Binnenvertriebenen. Sie ist ein Menschenrecht und Katalysator für eine gerechte, friedliche Gesellschaft. Wie kann das Recht auf Bildung für Kinder mit Migrationshintergrund geschützt werden? Es diskutieren Rolf Gollob (Abteilung «Internationale Bildungsentwicklung» der PH Zürich), Valeria Kunz (Bildungschefin, Save the Children Switzerland) und Christine Löw (Direktorin UN-Frauen Verbindungsbüro Genf)

    Moderation: Marguerite Meyer

    Präsentiert mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA, Abteilung Menschliche Sicherheit und dem Latin American Center UZH

  6. 18:15
    Otac/Father
    OVe 120' | Serbien, Frankreich, Deutschland 2020 | Srdan Golubović | Spielfilm

    Wie weit geht jemand für seine Kinder? Der Behördenwillkür und Korruption in seinem Dorf ausgeliefert, nimmt Nikola 300 Kilometer Fussmarsch von Südserbien nach Belgrad auf sich. Der wortkarge Vater will beim Ministerium für Soziales Beschwerde einlegen und Gerechtigkeit für sich und seine Kinder einfordern. Denn nach einem Selbstmordversuch seiner Frau wegen ausstehenden Lohnzahlungen ist dem Vater das Sorgerecht entzogen worden. Die fadenscheinige Begründung: Er sei zu arm, um seine Familie zu versorgen. Überzeugt, ihm widerfahre Unrecht, will er sich gegen das System wehren. Doch die beschwerliche Reise wird zur Zäsur. Jede Begegnung führt ihm die Ausweglosigkeit seiner Situation weiter vor Augen. Mit jedem Schritt Richtung Belgrad wächst seine Verzweiflung. Nikolas Beharrlichkeit wird mit einem persönlichen Treffen im Ministerium belohnt, doch damit ist sein Kampf noch lange nicht zu Ende. (nio)

  7. 20:30
    Made in Bangladesh
    OVe 95' | Bangladesch, Dänemark, Frankreich 2019 | Rubaiyat Hossain | Spielfilm

    Shimu und ihre Kolleg*innen arbeiten in einer Textilfabrik. Die Arbeitsstunden sind lang, die Luft ist heiss und stickig und um Strom zu sparen, schaltet der Aufseher gerne mal die Lüftung ab. Auch sexuelle Übergriffe und verbale Erniedrigungen durch die Vorgesetzten sind an der Tagesordnung. Shimu nimmt gegen den Willen ihres Ehemannes und trotz den Drohungen ihres Chefs den Kampf auf und überzeugt ihre Kolleg*innen, eine Gewerkschaft zu gründen. Mit Hilfe einer Anwältin lernt sie, Druck auf die Geschäftsleitung auszuüben.
    Rubaiyat Hossain inszeniert mit viel Feingefühl Shimus Bemühungen, die tief verankerten patriarchalen Strukturen in den Konzernen zu zerschlagen und für ihre Freiheit und Rechte als Frau und Arbeiter*in einzustehen. Das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit mit realen Textilarbeiter*innen und zwingt uns, deren Leidensgeschichte anzuerkennen und unser eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen. (slb)

    FAST FASHION: WELCHE VERANTWORTUNG TRAGEN MODEBRANDS UND KONSUMENT*INNEN?
    Simone Wasmann (Solidar Suisse) und Elisabeth Schenk (Public Eye) diskutieren die aktuelle Situation der Textilarbeiter*innen, die zivilgesellschaftlichen Bewegungen und die Auswirkungen von COVID-19 auf die Textilindustrie im globalen Süden. Simone Wasmann ist Kampagnenverantwortliche für faire Arbeit in Asien und unterstützt den gewerkschaftlichen Aufbau von Arbeiter*innen vor Ort. Elisabeth Schenk ist verantwortlich für die Clean Clothes Campaign (CCC).

    Moderation: Marcy Goldberg

    Präsentiert mit Public Eye, Solidar Suisse und dem International Film Festival and Forum on Human Rights, Geneva

  8. 21:00
    Cat in the Wall
    OVe 92' | Bulgarien, UK, Frankreich 2019 | Mina Mileva, Vesela Kazakova | Spielfilm

    «Sprecht Englisch, oder ich loch euch ein!», brüllt ein Polizist Irina und ihren Bruder an. Er durchsucht die Wohnung der bulgarischen Geschwister, weil die Nachbarn sie verdächtigen, ihre Katze gestohlen zu haben. Diese und andere Streitereien prägen den Alltag der Bewohner*innen eines heruntergekommenen Hausblocks in London. Irina versucht sich im harten Milieu der Arbeiterklasse zurechtzufinden und macht Doppelschichten, während ihr Bruder auf die Anerkennung seines Lehrerdiploms wartet. Mitunter pinkelt ein Nachbar in den Lift, es wird gestritten und über den bevorstehenden Brexit politisiert. Irina wachsen die Absurditäten und sozialen Ungleichheiten über den Kopf und sie identifiziert sich zusehends mit der Katze, die sich in einem Heizrohr ihrer Küche verkrochen hat und auf bessere Zeiten wartet.
    Mina Mileva und Vesela Kazakova schaffen eine ergreifende Sozialstudie, die feinsensorische Kamera von Dimitar Kostov folgt den Darsteller*innen so leichtfüssig, dass man sich oft in einem Dokumentarfilm glaubt, dem Genre indem sich die Regisseurinnen bisher zuhause fühlten. Auch mit ihrem Spielfilmdebüt zeigen sie viel Gespür für Schauspielführung und Situationskomik. (slb)

Sa. 5. Dez. 2020
  1. 11:00
    Made in Bangladesh
    OVe 95' | Bangladesch, Dänemark, Frankreich 2019 | Rubaiyat Hossain | Spielfilm

    Shimu und ihre Kolleg*innen arbeiten in einer Textilfabrik. Die Arbeitsstunden sind lang, die Luft ist heiss und stickig und um Strom zu sparen, schaltet der Aufseher gerne mal die Lüftung ab. Auch sexuelle Übergriffe und verbale Erniedrigungen durch die Vorgesetzten sind an der Tagesordnung. Shimu nimmt gegen den Willen ihres Ehemannes und trotz den Drohungen ihres Chefs den Kampf auf und überzeugt ihre Kolleg*innen, eine Gewerkschaft zu gründen. Mit Hilfe einer Anwältin lernt sie, Druck auf die Geschäftsleitung auszuüben.
    Rubaiyat Hossain inszeniert mit viel Feingefühl Shimus Bemühungen, die tief verankerten patriarchalen Strukturen in den Konzernen zu zerschlagen und für ihre Freiheit und Rechte als Frau und Arbeiter*in einzustehen. Das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit mit realen Textilarbeiter*innen und zwingt uns, deren Leidensgeschichte anzuerkennen und unser eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen. (slb)

  2. 11:30
    A Thousand Cuts
    OVe 110' | USA 2020 | Ramona S. Diaz | Dok

    Auf den Philippinen stirbt die Demokratie einen «langsamen Tod durch tausend Messerstiche». Die regierungskritische Journalistin Maria Ressa benennt eine blutige Realität, die der autokratische Präsident Rodrigo Duterte als persönlichen Erfolg bezeichnet. Seit 2016 regiert er den Inselstaat mit eiserner Hand und geht bei seiner Anti-Drogenpolitik über Leichen. Furchtlos stellen sich Maria Ressa und ihre Mitarbeiter*innen mit dem unabhängigen News-Portal «Rappler» gegen das Regime. Manipulierte Informationen, Machtmissbrauch, Social Media als Brandbeschleuniger: Ihre schonungslose Berichterstattung lässt kein gutes Haar am Präsidenten und seiner Gefolgschaft. Im Namen der Pressefreiheit und für die Aufklärung ihrer Mitbürger*innen riskiert Maria Ressa als Kopf von «Rappler» ihr Leben. (nio)

    PHILIPPINEN: DEMOKRATIE UNTER BESCHUSS (Engl.)
    Im Anschluss erläutert Carlos Conde, Philippinen-Experte bei Human Rights Watch, im Skype-Gespräch die jahrelange, systematische und gewaltsame Unterdrückung von Presse- und Meinungsfreiheit auf den Philippinen. Ein massiver Anstieg an aussergerichtlichen Tötungen sowie gezielte Desinformations- und Hasskampagnen in den sozialen Medien haben diese Entwicklung unter dem derzeitigen Präsidenten Rodrigo Duterte weiter verschärft.

    Moderation: Annette Hug, Autorin und Übersetzerin philippinischer Literatur

    Präsentiert mit Human Rights Watch und Reportagen

  3. 13:00
    Otac/Father
    OVe 120' | Serbien, Frankreich, Deutschland 2020 | Srdan Golubović | Spielfilm

    Wie weit geht jemand für seine Kinder? Der Behördenwillkür und Korruption in seinem Dorf ausgeliefert, nimmt Nikola 300 Kilometer Fussmarsch von Südserbien nach Belgrad auf sich. Der wortkarge Vater will beim Ministerium für Soziales Beschwerde einlegen und Gerechtigkeit für sich und seine Kinder einfordern. Denn nach einem Selbstmordversuch seiner Frau wegen ausstehenden Lohnzahlungen ist dem Vater das Sorgerecht entzogen worden. Die fadenscheinige Begründung: Er sei zu arm, um seine Familie zu versorgen. Überzeugt, ihm widerfahre Unrecht, will er sich gegen das System wehren. Doch die beschwerliche Reise wird zur Zäsur. Jede Begegnung führt ihm die Ausweglosigkeit seiner Situation weiter vor Augen. Mit jedem Schritt Richtung Belgrad wächst seine Verzweiflung. Nikolas Beharrlichkeit wird mit einem persönlichen Treffen im Ministerium belohnt, doch damit ist sein Kampf noch lange nicht zu Ende. (nio)

  4. 14:45
    Exil
    OVe 121' | Deutschland, Belgien, Kosovo 2020 | Visar Morina | Spielfilm

    Erst hängt eine tote Ratte an der Tür des Hauses, in dem Xhafer mit seiner Frau und den Kindern lebt. Dann kommen Mails «versehentlich» nicht an. Die Anzeichen, dass der Pharmaingenieur an seinem Arbeitsplatz gemobbt und schikaniert wird, mehren sich. Und auch wenn weder seine Frau noch seine Kolleg*innen ihm Glauben schenken, fühlt sich der seit Jahren gut integrierte Mann aus dem Kosovo immer stärker aus der deutschen Gemeinschaft ausgestossen. Oder verliert er den Bezug zur Realität?
    In seinem zweiten Langfilm seziert Regisseur Visar Morina die psychische Wirkung sozialer Ausgrenzung und inszeniert sie als Wechselspiel von Zugehörigkeit und Entfremdung. In subtilen, sich mit dem Zustand seines Protagonisten nach und nach verändernden Bildern und mit präzise agierenden Hauptdarsteller*innen zeigt er, welche Rolle die Persönlichkeit bei der Integration in eine andere Gesellschaft spielt, und wie schnell ein vermeintlich stabiles Identitätsgerüst Risse bekommen kann. (Berlinale 2020)

  5. 15:45
    Days of Cannibalism
    OVe 78' | Frankreich, Südafrika, Niederlande 2020 | Teboho Edkins | Dok

    Fressen oder gefressen werden? Seit Arbeitsmigrant*innen aus China ihre Geschäfte im bergigen Hinterland um Lesotho zu etablieren versuchen, bestimmen neue Prinzipien das Leben im Distrikt Thaba-Tseka. Chinesische Waren verdrängen lokale Produkte und wo eine Kuh gerade noch das wertvollste Gut war, ersetzt nun eine währungsbasierte Wirtschaft den traditionellen Tauschhandel. Zwischen Inszenierung und Dokumentation treffen Viehdieb*innen, Ordnungshüter*innen und opportunistische Geschäftsleute in einem modernen, ethnologischen Western aufeinander. Ein Schlaglicht auf Fragen der Assimilation und eine scharfe Beobachtung globalisierter Realität. (nio)

    Im Anschluss Gespräch mit dem Filmemacher Teboho Edkins (Engl.)
    Moderation: Josephine Tedder

  6. 17:30
    The Cave
    OVe 106' | Dänemark, Deutschland, Katar 2019 | Feras Fayyad | Dok

    Oben lauert der Tod, unter der Erde keimt Hoffnung. In der Hochburg der syrischen Aufständischen in Ost-Ghuta fallen täglich Zivilist*innen den bewaffneten Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen zum Opfer. Mitten in dieser humanitären Katastrophe versuchen mutige Ärzt*innen, unterirdisch den Schutz der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. In den dunklen, labyrinthähnlichen Gängen und Sälen von «The Cave» warten Patient*innen auf eine Behandlung. Kinder, Eltern, alte Menschen, die Opfer von Giftgasangriffen oder Splitterbomben wurden. Unter der Leitung der angehenden Kinderärztin Dr. Amani – eine Frau würde im patriarchal geprägten Syrien unter gewöhnlichen Umständen niemals eine Führungsposition einnehmen – kämpft das Team ums Überleben und oft auch gegen die eigenen Traumata. (nio)

    MEDICAL ORDER WITHIN THE CHAOS OF WAR (Engl.)
    Wie ist es möglich, unter den widrigsten Bedingungen, Menschen medizinisch zu versorgen? Wo liegt die Grenze zwischen ärztlicher Pflicht und lebensbedrohlicher Selbstaufgabe? Gespräch mit dem Filmemacher Feras Fayyad und Imad Aoun, Communications & Advocacy Adviser von MSF.

    Moderation: Rafaela Roth (Journalistin NZZ am Sonntag)

    Präsentiert mit Médecins Sans Frontières

    The Cave gewinnt den erstmals vergebenen Prix Célestine von Interfilm Schweiz.

  7. 18:00
    Lovemobil
    OVe 106' | Deutschland 2019 | Elke Margarete Lehrenkrauss | Dok

    Irgendwo am Waldrand an einer Autostrasse steht ein Camper mit farbigen Lämpchen. Rita und Milena, die abwechslungsweise im Lovemobil auf Freier warten, telefonieren mit Freundinnen, machen ihre Wäsche oder streiten mit der Wohnmobilbesitzerin und Zuhälterin Uschi.
    Ohne Sexarbeit zu beschönigen erscheint weder Uschi als simple Täterin noch wirken die beiden für sie arbeitenden Frauen – Rita aus Nigeria, Milena aus Bulgarien – nur als Opfer. Diese Grauzonen interessieren die Filmregisseurin Elke Lehrenkrauss, die ihren Protagonistinnen aufmerksam zuhört. Schillernd in den Farben der Nacht gefilmt, spiegelt Lovemobil die Ambivalenz der Prostitution. Kleine, für den Film arrangierte Szenen zeigen, dass die Frauen bei der Entstehung des Filmes mitgewirkt haben und sorgen neben teils brutalen auch für vergnügliche Momente. Der Film besticht durch seine mit Krimielementen angereicherte Mischung aus Figuren- und Sozialstudie. Aufgrund dieser Vielseitigkeit gehen die individuellen und gleichzeitig von einem grausamen Menschenhandelssystem geprägten Geschichten besonders nah. (Jenny Billeter, Xenix)

    SEX GEGEN GELD: ZWISCHEN SELBSTBESTIMMUNG UND PREKARIAT
    Sexarbeit ist Arbeit unter erschwerten Bedingungen. In der Schweiz ist sie zwar legal, aber von strukturellen Problemen geprägt. Gesellschaftliche Stigmata, politische Barrieren, ökonomische Abhängigkeiten und nicht zuletzt die aktuelle Pandemie machen den Sexarbeiter*innen das Leben schwer. Eine Diskussion zur Lage der Sexarbeit in der Schweiz mit der Regisseurin Elke Lehrenkrauss und Lelia Hunziker (Geschäftsführerin FIZ – Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration).

    Moderation: Noëmi Landolt (Journalistin WOZ)

  8. 20:30
    17 Blocks
    E 98' | USA 2019 | Davy Rothbart | Dok

    Nur 17 Strassen vom Kapitol in Washington D. C. entfernt prägen Drogenprobleme, Gewalt und Armut Emmanuels Nachbarschaft. 1999 erhält der Neunjährige eine Videokamera, mit der er während zwei Jahrzehnten seine Familie begleitet. Zu Beginn fängt der unschuldige Kinderblick Alltagsszenen ein. Bald deckt die Kamera auf, was das Aufwachsen in einer vernachlässigten Gegend der USA für People of Colour bedeuten kann und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur Davy Rothbart entstand in dieser Langzeitdokumentation ein intimes Familienporträt, das weit über den Horizont des Quartiers und Emmanuels Familie hinaus weist. Schonungslos und emotional gibt sie Einblick in das von strukturellem Rassismus geprägte Amerika und in die hochaktuelle Krise eines Landes. (nio)

    RASSISMUS – KLASSISMUS | HEUTE & DAMALS (Deutsch & Engl.)
    Ausgrenzung, Benachteiligung, Chancenungerechtigkeit, institutioneller und struktureller Rassismus: Privilegien haben oder nicht haben, und die daraus resultierenden Folgen zeigt 17 Blocks exemplarisch auf. Es ist die Dokumentation einer Geschichte von vielen in den USA – von damals, sowie von heute. Noch immer ist die gezeigte Problematik Teil der gesellschaftlichen Strukturen und prägt den Alltag von BIPOC. Was liegt dazwischen, was hat sich verändert? Wie sieht es in der Schweiz aus? Das Gespräch mit Fork Burke (Dichterin) und Tarek Naguib (Jurist, Aktivist) wirft einen Blick auf die USA und schlägt die Brücke zur Schweiz.

    Moderation: Elisa da Costa (Black Film Festival Zurich)

    Präsentiert mit dem Black Film Festival Zurich

  9. 21:00
    «How Does it Feel?» Konzert mit Soya The Cow
    D 60' | Berlin | Daniel Hellmann | Konzert

    Soya ist die erste sex-positive, feministische, vegane Drag-Kuh der Welt. Singend, tanzend, muhend und sprechend kämpft sie für die Befreiung von allen. Sie sprengt die Grenzen von Gender und Spezies und steht ein für eine Welt voller Freude und Mitgefühl.
    Für ihre Performance am Human Rights Film Festival Zurich kombiniert Soya Elektropop-Songs aus der Perspektive einer Milchkuh mit persönlich-menschlichen Geschichten und Träumen. Wie würde unser Leben aussehen, wenn wir damit aufhörten, andere in Stücke zu schneiden? Können wir frei sein, wenn nicht alle frei sind? Soyas Musik bewegt, regt zum Denken an und rüttelt am Selbstbild, welches den Menschen stets ins Zentrum stellt.

  10. 21:00
    The Earth Is Blue as an Orange
    OVe 74' | Ukraine, Litauen 2020 | Iryna Tsilyk | Dok

    «Der Krieg hat mich reizbar und böse werden lassen!», sagt die junge Nastja in die Kamera. Die alleinstehende Mutter Anna befragt ihre vier Kinder, wie sie im ukrainischen Donbas mit dem Lärm der Granaten, dem Stromausfall und der Angst umgehen. Seit fünf Jahren leben sie mit dem Krieg, regelmässig stürzen Häuser ein, viele Bewohner*innen haben das Dorf verlassen. Die älteste Tochter Mira, die sich für die Aufnahmeprüfung an der Filmschule in Kiev vorbereitet, macht derweil einen Film im Film. Sie inszeniert stilsicher die im Dorf stationierten Soldaten, ihre Geschwister und Grossmutter und erzählt durch diese Metaebene ihre Version der ukrainischen Verstrickung von Geschichte, Krieg und Überlebenskampf.
    Iryna Tsilyk beobachtet die Familie mit unglaublicher Empathie. Sie lässt uns teilhaben an der Absurdität des Krieges, aber auch an ganz normalen Alltagsmomenten, wenn Anna dem Kleinsten mit einem entschlossenen Ruck am Faden einen Zahn zieht – auch hier liegen Schmerz und Erleichterung nahe zusammen. Ein wunderbares Dokument über den Zusammenhalt einer Familie und Filmschaffen als Trost und Kraftquelle. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit der Filmemacherin Iryna Tsilyk
    Moderation: Aline Juchler

So. 6. Dez. 2020
  1. 11:00
    I am Greta
    Odf 102' | Schweden 2020 | Nathan Grossman | Dok

    Die 15-jährige Greta Thunberg hat ein nahezu fotografisches Gedächtnis. Sie kennt mehr Fakten zur Erderwärmung als manche Politiker*in, deren Prioritäten bei ganz anderen Themen liegen. Greta will sie aufwecken und setzt sich vor das schwedische Parlament. Auf ihrem Pappschild steht «Schulstreik für das Klima». Lange protestiert sie alleine, wird angepöbelt, zurück in die Schule geschickt, bis sich schliesslich ein Mädchen dazu setzt. Wenige Monate später geht sie mit Tausenden auf die Strasse und weltweit unterstützen sie Millionen von Jugendlichen mit der Bewegung «Fridays for Future».
    Nathan Grossman begleitet Greta an die Demonstrationen, Treffen mit Politiker*innen, auf ihrer Ozeanüberquerung nach New York. Er erschafft ein sorgfältiges Porträt über das Mädchen hinter dem Medienrummel, ihre Nähe zum Vater, der sie auf den anstrengenden Reisen unterstützt, ihre Liebe zu Hunden, ihren Umgang mit dem Asperger-Syndrom. Ein dichter und ergreifender Film, der die Motivation der Klimaaktivistin und ihre unerbittliche Persönlichkeit angesichts der Dringlichkeit der Krise nachvollziehbar macht. (slb)

    WIE VERÄNDERT SICH DIE KLIMA-ARBEIT DURCH DIE NEUE KLIMABEWEGUNG?
    Wird es uns gelingen die Klimaerhitzung zu stoppen? Seit Greta Thunberg und mit ihr weltweit millionen junge Menschen auf den Plan getreten sind, kann diese Frage wieder optimistischer beantwortet werden. Und dennoch sind wir längst nicht am Ziel. Welche Strategien bestimmen die aktuelle Klima-Arbeit und wie kann jede*r zur Lösung beitragen? Greenpeace Schweiz wird nach dem Film Rede und Antwort stehen.

    Präsentiert mit Greenpeace Schweiz und Film Festival Diritti Umani Lugano

  2. 11:30
    Los Lobos
    Odf 94' | Mexiko 2019 | Samuel Kishi Leopo | Spielfilm

    Jenseits der Grenze lockt Disneyland. Mit solchen Träumereien halten sich die Brüder Max und Leo aus Mexiko bei Laune. Ihre Mutter Lucía hingegen hat nach der harten Landung in der Realität keine Zeit mehr für Kopfreisen. In den USA angekommen, nimmt sie mehrere Gelegenheitsjobs an und lässt die Söhne in der Wohnung zurück. Sie lauschen in Endlosschleife den Regeln, welche Lucía auf Kassette aufgenommen hat: «Nie das Haus verlassen! Aufeinander aufpassen!». Wie Wölfe sollen sie sich und ihr Heim beschützen. Der Einöde entfliehen sie nur dank ihrer Fantasie: Auf die Wände der Wohnung kritzeln sie künftige Abenteuer. Basierend auf eigenen Kindheitserfahrungen gibt der Regisseur Einblick in die anhaltende Migrationskrise an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. (nio)

  3. 13:30
    Reunited
    OVe 78' | Dänemark 2020 | Mira Jargil | Dok

    «In welchem Land in Europa würdest du dich sicher fühlen?», fragt der Helfer auf dem Rettungsboot. Die verstörte Rana antwortet: «Egal, Hauptsache unsere Familie wird nicht auseinandergerissen». Doch genau diese Befürchtungen treffen ein. Ranas Familie wird durch die chaotischen Fluchtumstände auf drei Länder zerstreut. Ihr Mann strandet in Kanada, sie selbst kommt nach Dänemark, und die Söhne Jad (11) und Nidal (17) sitzen alleine in der Türkei fest. Der Film folgt den Bemühungen der Mutter, Visa für ihre Kinder zu bekommen, während der Vater, der bereits in Kanada arbeiten darf, das nötige Geld schickt. Die zermürbende Bürokratie wird entlarvt und wirft die Familie in eine Endlosschlaufe des Wartens. Das intime Porträt zeigt die Verzweiflung der Eltern und Kinder, die auch die zahlreichen Video-Calls nicht überwinden können. Es feiert aber auch die kleinen Erfolgsmomente, wenn sie sich der Wiedervereinigung ein kleines Stück nähern. (slb)

    WARTESCHLEIFE ASYL – PERSPEKTIVEN AUF JURISTISCHE UND ALLTÄGLICHE HERAUSFORDE-RUNGEN VON GEFLÜCHTETEN IN DER SCHWEIZ
    Diskussion mit Stephanie Motz, Asylanwältin und Malek Ossi, Aktivist bei der Autonomen Schule Zürich und Student der Sozialen Arbeit. Wie steht es um die Familienzusammenführung in der Schweiz? Welche juristischen und alltäglichen Herausforderungen stellen sich für Geflüchtete? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es?

    Moderation: Nicola Diday

  4. 14:00
    Days of Cannibalism
    OVe 78' | Frankreich, Südafrika, Niederlande 2020 | Teboho Edkins | Dok

    Fressen oder gefressen werden? Seit Arbeitsmigrant*innen aus China ihre Geschäfte im bergigen Hinterland um Lesotho zu etablieren versuchen, bestimmen neue Prinzipien das Leben im Distrikt Thaba-Tseka. Chinesische Waren verdrängen lokale Produkte und wo eine Kuh gerade noch das wertvollste Gut war, ersetzt nun eine währungsbasierte Wirtschaft den traditionellen Tauschhandel. Zwischen Inszenierung und Dokumentation treffen Viehdieb*innen, Ordnungshüter*innen und opportunistische Geschäftsleute in einem modernen, ethnologischen Western aufeinander. Ein Schlaglicht auf Fragen der Assimilation und eine scharfe Beobachtung globalisierter Realität. (nio)

  5. 15:45
    17 Blocks
    E 98' | USA 2019 | Davy Rothbart | Dok

    Nur 17 Strassen vom Kapitol in Washington D. C. entfernt prägen Drogenprobleme, Gewalt und Armut Emmanuels Nachbarschaft. 1999 erhält der Neunjährige eine Videokamera, mit der er während zwei Jahrzehnten seine Familie begleitet. Zu Beginn fängt der unschuldige Kinderblick Alltagsszenen ein. Bald deckt die Kamera auf, was das Aufwachsen in einer vernachlässigten Gegend der USA für People of Colour bedeuten kann und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur Davy Rothbart entstand in dieser Langzeitdokumentation ein intimes Familienporträt, das weit über den Horizont des Quartiers und Emmanuels Familie hinaus weist. Schonungslos und emotional gibt sie Einblick in das von strukturellem Rassismus geprägte Amerika und in die hochaktuelle Krise eines Landes. (nio)

  6. 16:15
    Lovemobil
    OVe 106' | Deutschland 2019 | Elke Margarete Lehrenkrauss | Dok

    Irgendwo am Waldrand an einer Autostrasse steht ein Camper mit farbigen Lämpchen. Rita und Milena, die abwechslungsweise im Lovemobil auf Freier warten, telefonieren mit Freundinnen, machen ihre Wäsche oder streiten mit der Wohnmobilbesitzerin und Zuhälterin Uschi.
    Ohne Sexarbeit zu beschönigen erscheint weder Uschi als simple Täterin noch wirken die beiden für sie arbeitenden Frauen – Rita aus Nigeria, Milena aus Bulgarien – nur als Opfer. Diese Grauzonen interessieren die Filmregisseurin Elke Lehrenkrauss, die ihren Protagonistinnen aufmerksam zuhört. Schillernd in den Farben der Nacht gefilmt, spiegelt Lovemobil die Ambivalenz der Prostitution. Kleine, für den Film arrangierte Szenen zeigen, dass die Frauen bei der Entstehung des Filmes mitgewirkt haben und sorgen neben teils brutalen auch für vergnügliche Momente. Der Film besticht durch seine mit Krimielementen angereicherte Mischung aus Figuren- und Sozialstudie. Aufgrund dieser Vielseitigkeit gehen die individuellen und gleichzeitig von einem grausamen Menschenhandelssystem geprägten Geschichten besonders nah. (Jenny Billeter, Xenix)

  7. 18:00
    I Owe You a Letter About Brazil
    OVe 90' | Brasilien 2020 | Carol Benjamin | Dok

    Ein Vater, der schweigt, eine Grossmutter als Widerstandsfigur und eine Tochter, die versucht, die blinden Flecken ihrer Familiengeschichte zu verstehen: I Owe You a Letter About Brazil blickt zurück ins Brasilien der 70er-Jahre, als Carols Vater César sich als Jugendlicher gegen die Militärdiktatur auflehnt. Sein politisches Engagement wird ihm zum Verhängnis. Noch minderjährig wird César zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt, gefoltert und durch Einzelhaft zum Schweigen gebracht. Dank dem unerbittlichen Kampf seiner Mutter Iramaya, Grossmutter der Regisseurin, wird er nach fünf Jahren freigelassen. Als roter Faden des Films dient der Briefwechsel, welcher Iramaya mit einer schwedischen Mitarbeiterin von Amnesty International während vielen Jahren führte. Carol Benjamin richtet so einen filmischen Liebesbrief an den gezeichneten Vater und gibt gleichzeitig Einblick in ein Land, auf dessen Schultern die Vergangenheit noch immer schwer lastet. (nio)

    DIE DEMOKRATIE IN BRASILIEN RETTEN: EIN HOFFNUNGSLOSES UNTERFANGEN? (Engl.)
    Gespräch mit der Filmemacherin Carol Benjamin und mit Lisa Salza von Amnesty International. 35 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist mit Jair Bolsonaro ein Mann an der Regierungsspitze, der die Diktatur verherrlicht, Folter befürwortet und eine offen menschenrechtsfeindliche Politik betreibt. Seit seiner Amtsübernahme hat das Militär seinen Einfluss stark ausgebaut. Wie nahe ist das heutige Brasilien an den repressiven Zuständen von damals? Was haben Oppositionelle zu befürchten?

    Moderation: Jenny Billeter

    Präsentiert mit Amnesty International Schweiz, dem International Film Festival and Forum on Human Rights, Geneva und dem Latin American Center UZH

  8. 18:30
    A Thousand Cuts
    OVe 110' | USA 2020 | Ramona S. Diaz | Dok

    Auf den Philippinen stirbt die Demokratie einen «langsamen Tod durch tausend Messerstiche». Die regierungskritische Journalistin Maria Ressa benennt eine blutige Realität, die der autokratische Präsident Rodrigo Duterte als persönlichen Erfolg bezeichnet. Seit 2016 regiert er den Inselstaat mit eiserner Hand und geht bei seiner Anti-Drogenpolitik über Leichen. Furchtlos stellen sich Maria Ressa und ihre Mitarbeiter*innen mit dem unabhängigen News-Portal «Rappler» gegen das Regime. Manipulierte Informationen, Machtmissbrauch, Social Media als Brandbeschleuniger: Ihre schonungslose Berichterstattung lässt kein gutes Haar am Präsidenten und seiner Gefolgschaft. Im Namen der Pressefreiheit und für die Aufklärung ihrer Mitbürger*innen riskiert Maria Ressa als Kopf von «Rappler» ihr Leben. (nio)

  9. 20:30
    iHUMAN
    OVe 99' | Norwegen 2019 | Tonje Hessen Schei | Dok

    Ob Armut, Krankheiten, Terror oder gar der Klimawandel: Künstliche Intelligenz, heisst es, wird alle Probleme der heutigen Gesellschaft lösen. Gleichzeitig werde sie uns vor neue Probleme stellen, Cyber-Kriege auslösen, Falschinformationen verbreiten und schliesslich die soziale Kontrolle übernehmen. Aus dem Innern der florierenden KI-Branche zeichnen Expert*innen ein düsteres Bild bevorstehender Zeiten. Im Wissen um die soziale und politische Sprengkraft ihrer Arbeit bastelt die Wissenschaft an einer kontroversen Zukunft, in der Maschinen regieren werden. Entwickelt die Menschheit gerade ein neues Leben, das sie selbst überflüssig macht? Lassen wir uns von einer unberechenbaren Supermacht eine neue Realität diktieren? Inwiefern wird die Technologie unser Selbstverständnis verändern und wie ist es möglich, den Algorithmen trotz allem Menschlichkeit beizubringen? Zwischen Science-Fiction und politischem Thriller fragt iHuman nach den Konsequenzen einer anrollenden Revolution. (nio)

    ARTIFICIAL INTELLIGENCE: CURSE OR BLESSING? Gespräch mit Sanija Ameti, Senior Advisor ICT4Peace und Sophie Charlotte Fischer vom Center for Security Studies der ETH Zürich über Gefahren und Potenzial künstlicher Intelligenz. Wieviel Eigenständigkeit kann Robotern zugestanden werden und wie können wir unsere Menschenrechte und Ethik vor dieser künstlichen Spezies schützen?

    Moderation: Marguerite Meyer

    Präsentiert mit ICT4Peace Foundation, ETH for Development und dem International Film Festival and Forum on Human Rights, Geneva

  10. 21:00
    The Cave
    OVe 106' | Dänemark, Deutschland, Katar 2019 | Feras Fayyad | Dok

    Oben lauert der Tod, unter der Erde keimt Hoffnung. In der Hochburg der syrischen Aufständischen in Ost-Ghuta fallen täglich Zivilist*innen den bewaffneten Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen zum Opfer. Mitten in dieser humanitären Katastrophe versuchen mutige Ärzt*innen, unterirdisch den Schutz der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. In den dunklen, labyrinthähnlichen Gängen und Sälen von «The Cave» warten Patient*innen auf eine Behandlung. Kinder, Eltern, alte Menschen, die Opfer von Giftgasangriffen oder Splitterbomben wurden. Unter der Leitung der angehenden Kinderärztin Dr. Amani – eine Frau würde im patriarchal geprägten Syrien unter gewöhnlichen Umständen niemals eine Führungsposition einnehmen – kämpft das Team ums Überleben und oft auch gegen die eigenen Traumata. (nio)

Mo. 7. Dez. 2020
  1. 09:30
    The Grizzlies – Schulvorstellung
    OVd 104' | Kanada 2018 | Miranda de Pencier | Spielfilm

    Ende der 1990er Jahre hat die kleine arktische Inuit-Gemeinde Kugluktuk eine der höchsten Selbstmordraten unter Jugendlichen in Nordamerika. Als der unerfahrene Lehrer Russ Sheppard dort eintrifft, um eine Stelle an der lokalen Schule anzutreten, sieht er sich mit massiven psychologischen und sozialen Problemen sowie den fatalen Folgen der Kolonisierung indigener Lebenswelten konfrontiert. Auf verlorenem Posten gründet Sheppard trotz allgemeiner Skepsis ein Lacrosse-Team an der Schule. Und diese vermeintlich völlig widersinnige Idee soll weitreichende Folgen haben.

    Anschliessendes Filmgespräch mit RFK Human Rights und Andreas Graf, Head of Human Rights & Anti-Discrimination bei der FIFA.
    Die Robert F. Kennedy Stiftung Schweiz hat gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Menschenrechte der Universität Zürich «Speak Truth To Power» ein facettenreiches Programm zur Menschenrechtsbildung an Schulen entwickelt. Das begleitende Buch kann über info@rfkhumanrights.ch bestellt werden.

  2. 13:30
    Les Hirondelles de Kaboul – Schulvorstellung
    Fd 80' | Frankreich, Schweiz 2019 | Zabou Breitman, Eléa Gobbé-Mévellec | Animation

    Sommer 1998 in Kabul. Zunaira ist jung und voller Lebenshunger. Diesen zu stillen ist alles andere als einfach: Die Kinos und Theater in ihrer von den Taliban besetzten Heimatstadt sind geschlossen, Musik ist aus der Öffentlichkeit verbannt, die Universität liegt in Trümmern. Also verbringt Zunaira viel Zeit zu Hause, wo sie auch ihren Freund Mohsen trifft. Die zwei lieben sich von ganzem Herzen – doch dann verändert ein dramatischer Unfall alles. Zunaira wird zum Tode verurteilt.
    Der Animationsfilm basiert auf Yasmina Khadras Roman «Die Schwalben von Kabul», den die Regisseurin Zabou Breitman und die Illustratorin Eléa Gobbé-Mévellec für die Leinwand adaptiert haben. Die Geschichte erzählt von Unterdrückung, vom Kampf um ein würdevolles Leben und von der Kraft der Frauen.

    Anschliessendes Filmgespräch mit RFK Human Rights und Farooq Haq, Mitglied der afghanischen Königsfamilie im Exil in der Schweiz.
    Die Robert F. Kennedy Stiftung Schweiz hat gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Menschenrechte der Universität Zürich «Speak Truth To Power» ein facettenreiches Programm zur Menschenrechtsbildung an Schulen entwickelt. Das begleitende Buch kann über info@rfkhumanrights.ch bestellt werden.

  3. 14:00
    And Then We Danced – Schulvorstellung
    OVd 106' | Schweden, Georgien 2019 | Levan Akin | Spielfilm

    Merab trainiert seit jungen Jahren mit seiner Tanzpartnerin im nationalen georgischen Staatsballett. Als der charismatische und ungezwungene Irakli auftaucht, wird Merabs Welt unversehens auf den Kopf gestellt. Der Neue wird zu seinem grössten Rivalen und zu seiner grössten Leidenschaft. Immer stärker verspürt Merab den Drang, aus seinem konservativen Umfeld auszubrechen und seine Sexualität auszuleben. Dafür muss er alles riskieren. Der schwedische Regisseur Levan Akin kehrt mit «And Then We Danced» zu seinen Wurzeln nach Georgien zurück. In seiner berührenden universell gültigen Emanzipations-Geschichte avanciert die Inszenierung von Körperlichkeit und Tanz zum Brennpunkt. Der Film transportiert das Bewusstsein einer jungen Generation im Korsett strenger Riten und Traditionen, gegen die sich Merab mit den Waffen eines Tänzers auflehnt.

    Im Anschluss animiertes Gespräch mit Tobias Urech (LGBTIQ-Aktivist und Vorstandsmitglied Milchjugend)

  4. 18:00
    ACASA, MY HOME
    OVe 86' | Rumänien 2020 | Radu Ciorniciuc | Dok

    Sie fangen Fische, pirschen durchs Dickicht, kennen jede Pflanze und jedes Versteck. In der Grossstadt hingegen ist die elfköpfige Familie Enache orientierungslos. Vergeblich sträuben sie sich gegen die Entscheidung der Regierung, sie nach Bukarest umzusiedeln. Ihr altes Zuhause im stillgelegten Wasserreservoir am Stadtrand soll aufgewertet werden und ihre Baracke einem Naturschutzgebiet weichen. Die Pflichten und Zwänge, die die moderne Gesellschaft mit sich bringt, sind ein Kulturschock für die Familie. Die Enaches versuchen, sich an die neue Situation zu gewöhnen, doch die angeblichen Annehmlichkeiten entpuppen sich als tägliche Herausforderungen. Das Leben in der Natur war mit vielen Entbehrungen verbunden, doch dasjenige in der Zivilisation konfrontiert sie mit einem ganz neuen Kampf ums Überleben. (nio)

    KOSMOPOLITICS (STREAMING) 20:00

    WOHN(T)RÄUME. WER HAT PLATZ IN UNSERER STADT?
    Städte sind Orte an denen verschiedenste Menschen leben. Auch in Zürich. Doch der Boden, auf dem eine Stadt steht, ist nicht vermehrbar. Weitergebaut wird trotzdem. Für wen hat es in Zürich Platz? Wer wird in Zukunft bleiben können, wer nicht? Und wer entscheidet überhaupt, wie sich die Stadt weiterentwickelt? Ein Gespräch mit Monika Streule (Stadtethnologin Departement Architektur ETH), Felix Bosshard (Präsident Gemeinnützige Bau- und Mietergenossenschaft Zürich) und Anna Schindler (Direktorin Stadtentwicklung, Stadt Zürich) über Wohnräume, Träume und Realitäten unserer Stadt.

    Moderation: Rahel Bains (Journalistin Tsüri.ch)

    Präsentiert mit Tsüri.ch

  5. 18:30
    The Earth Is Blue as an Orange
    OVe 74' | Ukraine, Litauen 2020 | Iryna Tsilyk | Dok

    «Der Krieg hat mich reizbar und böse werden lassen!», sagt die junge Nastja in die Kamera. Die alleinstehende Mutter Anna befragt ihre vier Kinder, wie sie im ukrainischen Donbas mit dem Lärm der Granaten, dem Stromausfall und der Angst umgehen. Seit fünf Jahren leben sie mit dem Krieg, regelmässig stürzen Häuser ein, viele Bewohner*innen haben das Dorf verlassen. Die älteste Tochter Mira, die sich für die Aufnahmeprüfung an der Filmschule in Kiev vorbereitet, macht derweil einen Film im Film. Sie inszeniert stilsicher die im Dorf stationierten Soldaten, ihre Geschwister und Grossmutter und erzählt durch diese Metaebene ihre Version der ukrainischen Verstrickung von Geschichte, Krieg und Überlebenskampf.
    Iryna Tsilyk beobachtet die Familie mit unglaublicher Empathie. Sie lässt uns teilhaben an der Absurdität des Krieges, aber auch an ganz normalen Alltagsmomenten, wenn Anna dem Kleinsten mit einem entschlossenen Ruck am Faden einen Zahn zieht – auch hier liegen Schmerz und Erleichterung nahe zusammen. Ein wunderbares Dokument über den Zusammenhalt einer Familie und Filmschaffen als Trost und Kraftquelle. (slb)

  6. 20:30
    DAS NEUE EVANGELIUM
    Odf 107' | Deutschland, Schweiz 2020 | Milo Rau | Hybrider Dok

    Matera in Italien ist 2019 Kulturhauptstadt Europas. In den pittoresken Gassen wurde schon mancher Jesusfilm gedreht. Keiner war so ketzerisch wie dieser: Milo Rau stellt die Frage, was Gottes Sohn und seine Apostel heute predigen würden. Er besetzt Yvan Sagnet als Jesus, weitere schwarze Geflüchtete spielen seine Jünger. Jesus verhandelt mit dem Teufel und spricht mit einer Prostituierten, die wie er von einem paradiesischen Leben in Europa geträumt hatte. Viele der Protagonisten arbeiten für einen Hungerlohn in der italienischen Tomatenproduktion. Mit der «Rivolta della dignità» möchten die Aktivist*innen auf die Missstände aufmerksam machen und die Anerkennung ihrer Menschenwürde erreichen – was nicht die Räumung der Lager bedeuten soll, sondern vorerst eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Milo Rau begleitet sie bei ihrem Kampf und inszeniert das Schicksal von Jesus als hybride, bildgewaltige Leidensgeschichte. So erschafft er ein neues Narrativ der Armen und Entrechteten. Die Via Dolorosa führt heute übers Mittelmeer und in Europa warten die blutrünstigen Massen, die die Kreuzigung mit ihrem Handy filmen. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit Gästen.
    Moderation Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zurich

  7. 21:00
    I Owe You a Letter About Brazil
    OVe 90' | Brasilien 2020 | Carol Benjamin | Dok

    Ein Vater, der schweigt, eine Grossmutter als Widerstandsfigur und eine Tochter, die versucht, die blinden Flecken ihrer Familiengeschichte zu verstehen: I Owe You a Letter About Brazil blickt zurück ins Brasilien der 70er-Jahre, als Carols Vater César sich als Jugendlicher gegen die Militärdiktatur auflehnt. Sein politisches Engagement wird ihm zum Verhängnis. Noch minderjährig wird César zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt, gefoltert und durch Einzelhaft zum Schweigen gebracht. Dank dem unerbittlichen Kampf seiner Mutter Iramaya, Grossmutter der Regisseurin, wird er nach fünf Jahren freigelassen. Als roter Faden des Films dient der Briefwechsel, welcher Iramaya mit einer schwedischen Mitarbeiterin von Amnesty International während vielen Jahren führte. Carol Benjamin richtet so einen filmischen Liebesbrief an den gezeichneten Vater und gibt gleichzeitig Einblick in ein Land, auf dessen Schultern die Vergangenheit noch immer schwer lastet. (nio)

Di. 8. Dez. 2020
  1. 13:30
    Los Lobos – Schulvorstellung
    Odf 94' | Mexiko 2019 | Samuel Kishi Leopo | Spielfilm

    Jenseits der Grenze lockt Disneyland. Mit solchen Träumereien halten sich die Brüder Max und Leo aus Mexiko bei Laune. Ihre Mutter Lucía hingegen hat nach der harten Landung in der Realität keine Zeit mehr für Kopfreisen. In den USA angekommen, nimmt sie mehrere Gelegenheitsjobs an und lässt die Söhne in der Wohnung zurück. Sie lauschen in Endlosschleife den Regeln, welche Lucía auf Kassette aufgenommen hat: «Nie das Haus verlassen! Aufeinander aufpassen!». Wie Wölfe sollen sie sich und ihr Heim beschützen. Der Einöde entfliehen sie nur dank ihrer Fantasie: Auf die Wände der Wohnung kritzeln sie künftige Abenteuer. Basierend auf eigenen Kindheitserfahrungen gibt der Regisseur Einblick in die anhaltende Migrationskrise an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. (nio)

    Im Anschluss animiertes Gespräch mit Jennifer Niedermann, Moderatorin und Spoken Word Artistin

  2. 18:00
    DAS NEUE EVANGELIUM
    Odf 107' | Deutschland, Schweiz 2020 | Milo Rau | Hybrider Dok

    Matera in Italien ist 2019 Kulturhauptstadt Europas. In den pittoresken Gassen wurde schon mancher Jesusfilm gedreht. Keiner war so ketzerisch wie dieser: Milo Rau stellt die Frage, was Gottes Sohn und seine Apostel heute predigen würden. Er besetzt Yvan Sagnet als Jesus, weitere schwarze Geflüchtete spielen seine Jünger. Jesus verhandelt mit dem Teufel und spricht mit einer Prostituierten, die wie er von einem paradiesischen Leben in Europa geträumt hatte. Viele der Protagonisten arbeiten für einen Hungerlohn in der italienischen Tomatenproduktion. Mit der «Rivolta della dignità» möchten die Aktivist*innen auf die Missstände aufmerksam machen und die Anerkennung ihrer Menschenwürde erreichen – was nicht die Räumung der Lager bedeuten soll, sondern vorerst eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Milo Rau begleitet sie bei ihrem Kampf und inszeniert das Schicksal von Jesus als hybride, bildgewaltige Leidensgeschichte. So erschafft er ein neues Narrativ der Armen und Entrechteten. Die Via Dolorosa führt heute übers Mittelmeer und in Europa warten die blutrünstigen Massen, die die Kreuzigung mit ihrem Handy filmen. (slb)

  3. 18:30
    Reunited
    OVe 78' | Dänemark 2020 | Mira Jargil | Dok

    «In welchem Land in Europa würdest du dich sicher fühlen?», fragt der Helfer auf dem Rettungsboot. Die verstörte Rana antwortet: «Egal, Hauptsache unsere Familie wird nicht auseinandergerissen». Doch genau diese Befürchtungen treffen ein. Ranas Familie wird durch die chaotischen Fluchtumstände auf drei Länder zerstreut. Ihr Mann strandet in Kanada, sie selbst kommt nach Dänemark, und die Söhne Jad (11) und Nidal (17) sitzen alleine in der Türkei fest. Der Film folgt den Bemühungen der Mutter, Visa für ihre Kinder zu bekommen, während der Vater, der bereits in Kanada arbeiten darf, das nötige Geld schickt. Die zermürbende Bürokratie wird entlarvt und wirft die Familie in eine Endlosschlaufe des Wartens. Das intime Porträt zeigt die Verzweiflung der Eltern und Kinder, die auch die zahlreichen Video-Calls nicht überwinden können. Es feiert aber auch die kleinen Erfolgsmomente, wenn sie sich der Wiedervereinigung ein kleines Stück nähern. (slb)

  4. 20:30
    Yalda – Closing Night
    OVd 89' | Massoud Bakhshi | Frankreich, Deutschland, Schweiz, Iran | Massoud Bakhshi | | Spielfilm

    «Sie können immer noch an unserem SMS-Wettbewerb teilnehmen. Verdient Maryam Komijani Vergebung? Senden Sie 1 für ja, 2 für nein.» So unterhält der iranische Moderator einer Reality Show die Zuschauer*innen. Maryam hat in einem Streit ihren viel älteren Ehemann umgebracht. Nun sitzt sie im Fernsehstudio dessen Tochter Mona gegenüber. Vor Millionenpublikum – und dramatisch inszeniert zum persischen Yalda-Fest – soll sie Maryam vergeben. Lässt sich Monas Herz nicht erweichen, droht Maryam die Todesstrafe. Die beiden Frauen waren sich vor dem vermeintlichen Mord schwesterlich verbunden, nun entscheidet die eine über das Leben der anderen. Die Studiosituation wird zu einem beklemmenden Kammerspiel zwischen den beiden, die wie Gladiatorinnen um die Gunst des Volkes buhlen müssen. Basierend auf einer real existierenden Fernsehshow führt der Film patriarchale Machtstrukturen und die systematische Einschüchterung durch die Todesstrafe im Iran vor. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit dem Filmemacher Massoud Bakhshi
    Moderation: Jasmin Basic (FIFDH, Geneva)

    Präsentiert mit dem International Film Festival and Forum on Human Rights, Geneva

  5. 21:00
    ACASA, MY HOME
    OVe 86' | Rumänien 2020 | Radu Ciorniciuc | Dok

    Sie fangen Fische, pirschen durchs Dickicht, kennen jede Pflanze und jedes Versteck. In der Grossstadt hingegen ist die elfköpfige Familie Enache orientierungslos. Vergeblich sträuben sie sich gegen die Entscheidung der Regierung, sie nach Bukarest umzusiedeln. Ihr altes Zuhause im stillgelegten Wasserreservoir am Stadtrand soll aufgewertet werden und ihre Baracke einem Naturschutzgebiet weichen. Die Pflichten und Zwänge, die die moderne Gesellschaft mit sich bringt, sind ein Kulturschock für die Familie. Die Enaches versuchen, sich an die neue Situation zu gewöhnen, doch die angeblichen Annehmlichkeiten entpuppen sich als tägliche Herausforderungen. Das Leben in der Natur war mit vielen Entbehrungen verbunden, doch dasjenige in der Zivilisation konfrontiert sie mit einem ganz neuen Kampf ums Überleben. (nio)

Programm 2019
Do. 5. Dez. 2019
  1. 19:00
    Gods of Molenbeek
    OVe 75' | Finnland, Belgien, Deutschland 2019 | Reeta Huhtanen | Dok

    Der sechsjährige Aatos lebt mit seiner finnischen Mutter und seinem chilenischen Vater im kulturell durchmischten Bezirk Molenbeek von Brüssel. Aatos und sein bester Freund Amin erkunden ihre kindlichen Welten bewohnt von Ahnen, Fabelwesen und Spiderman. Aatos beneidet Amin um seinen allwissenden Gott Allah und sucht nach einer eigenen Gottheit, die Antworten auf seine Fragen geben könnte. Die Kamera begleitet die Kinder auf ihren philosophischen Streifzügen auf Augenhöhe.
    Als Molenbeek von einem Terroranschlag erschüttert wird, entdecken die beiden Buben, wie sich schlagartig alles ändern kann: Nun sind die Strassen voll von bewaffneten Soldaten und Absperrungen, die Nachbarschaft demonstriert gegen die Diskriminierung, die den muslimischen Menschen plötzlich entgegenschlägt. Die Kinder verarbeiten die Geschehnisse auf spielerische Weise und ihre Freundschaft bleibt ungetrübt. (slb)

    Begrüssungsworte
    Sascha Lara Bleuler, Direktorin HRFF Zurich
    Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zurich
    Sandra Lendenmann, Chefin Sektion Menschenrechtspolitik, EDA

    Im Anschluss Gespräch mit der Filmemacherin Reetta Huhtanen

Fr. 6. Dez. 2019
  1. 09:30
    Gods of Molenbeek - Schulvorstellung
    OVd 75' | Finnland, Belgien, Deutschland 2019 | Reeta Huhtanen | Dok

    Der sechsjährige Aatos lebt mit seiner finnischen Mutter und seinem chilenischen Vater im kulturell durchmischten Bezirk Molenbeek von Brüssel. Aatos und sein bester Freund Amin erkunden ihre kindlichen Welten bewohnt von Ahnen, Fabelwesen und Spiderman. Aatos beneidet Amin um seinen allwissenden Gott Allah und sucht nach einer eigenen Gottheit, die Antworten auf seine Fragen geben könnte. Die Kamera begleitet die Kinder auf ihren philosophischen Streifzügen auf Augenhöhe. Als Molenbeek von einem Terroranschlag erschüttert wird, entdecken die beiden Buben, wie sich schlagartig alles ändern kann: Nun sind die Strassen voll von bewaffneten Soldaten und Absperrungen, die Nachbarschaft demonstriert gegen die Diskriminierung, die den muslimischen Menschen plötzlich entgegenschlägt. Die Kinder verarbeiten die Geschehnisse auf spielerische Weise und ihre Freundschaft bleibt ungetrübt. (slb)

    Mit anschliesendem Filmgespräch.
    Moderation: Aline Juchler

  2. 10:00
    MATANGI/MAYA/M.I.A. - Schulvorstellung
    OVd 97' | Russland 2018 | Stephen Loveridge | Dok

    Matangi „Maya“ Arulpragasam, besser bekannt als M.I.A., flieht als Kind eines Mitbegründers der tamilischen Unabhängigkeitsbewegung mit ihrer Mutter aus Sri Lanka und verbringt ihre Kindheit in London, bevor sie als unkonventioneller Popstar die ganze Welt erobert. Das vorliegende Porträt ist genauso eklektisch und verspielt wie die Künstlerin selbst: Privates Archivmaterial, Immigrationsgeschichte, politische Statements, begeisternde Songs und provokative Bühnenshows verschmelzen zu einem inspirierenden Ganzen, an dem die Sängerin und ausgebildete Filmemacherin nicht unerheblich mitgewirkt hat.

    Anschliessendes Gespräch mit dem Schweizer Künstler, Entertainer, Rapper und Aktivisten Knackeboul, präsentiert von der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation
    Moderation: Tim Bettermann

  3. 13:30
    Rafiki - Schulvorstellung
    OVd 83' | Kenya 2018 | Wanuri Kahiu | Spielfilm

    Kena und Ziki sind zwei Teenager aus dem kenianischen Nairobi und dicke Freundinnen, obwohl ihre Familien politisch entgegengesetzte Ansichten vertreten. Sie halten zusammen, wollen mehr und verlieben sich ineinander, was sie in ihrer konservativen Gesellschaft in Bedrängnis bringt. Der Spielfilm Rafiki war mit seiner Buntheit und Frische ein Hit beim Publikum am Festival von Cannes, wo er im Programm «Un certain regard» lief.

    Talk in German with Anna Rosenwasser, director of Lesbenorganisation Schweiz (LOS)

  4. 14:00
    Les Misérables - Schulvorstellung
    OVd 102' | Frankreich 2018 | Ladj Ly | Spielfilm

    2005 schliesst sich Stéphane der Anti-Kriminalitäts-Brigade von Montfermeil im 93. Pariser Bezirk an. Chris und Gwada werden ihm zur Seite gestellt. Doch im Rahmen der Unruhen in den Vororten von Paris ist der Neuling gezwungen, schnell zu lernen, dass es große Spannungen zwischen unterschiedlichen Gruppen seines Einsatzgebietes gibt. Als die drei Kollegen probieren, eine Verhaftung durchzuführen, werden sie überrannt.

    Anschliessend findet ein Filmgespräch mit Sandrine Charlot Zinsli von Aux Arts etc... statt.

  5. 18:00
    Ghost Fleet
    OVe 88' | USA 2018 | Shannon Service, Jeffrey Waldron | Dok

    Thailand beliefert die Welt mit Meeresprodukten. Mittlerweile ist der thailändische Golf fast leergefischt. Boote müssen tausende Meilen fahren, um etwas zu fangen. Aber nicht nur die Fische geraten ins Netz: Die Flotten brauchen Besatzung und der Bedarf an Arbeitskräften treibt junge Männer aus Myanmar, Laos und Kambodscha in die Fänge des Menschenhandels. Mit falschen Versprechen angelockt, werden sie an Fischereibetriebe verkauft. Oft verbringen sie über zehn Jahre auf See, ohne das Schiff verlassen zu können. Einige sterben an Erschöpfung oder bringen sich um. Die Aktivistin Patima Tungpuchayakul aus Bangkok hat es sich zur Aufgabe gemacht, versklavte Fischer zu befreien und zurück in ihre Heimat zu bringen. Viele sind nur schwer zu überzeugen, aus Scham nach so vielen Jahren mit leeren Händen zurückzukehren.
    Der Film dokumentiert den unermüdlichen Einsatz der Aktivist*innen und zwingt uns, das eigene Konsumverhalten zu überdenken. (slb)

    GLOBALE LIEFERKETTEN UND KONZERNVERANTWORTUNG
    Welche Verantwortung tragen Schweizer Konzerne für ihre globalen Lieferketten? Mit welchen Methoden kann der Grosshandel sicherstellen, dass die Produkte unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt werden?
    Gespräch mit einer Vertretung aus dem Schweizer Detailhandel und Bernhard Herold von Solidar Suisse.
    Moderation: Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zurich

    Präsentiert mit Solidar Suisse

  6. 18:30
    XY Chelsea
    E 92' | UK 2019 | Tim Travers Hawkins | Dok

    «Life is a coming-of-age story», stellt Chelsea Manning fest. Die Dokumentation zeigt den Weg der Whistleblowerin zurück in die Gesellschaft, nachdem sie von Präsident Obama begnadigt wurde. Weil sie während ihres Einsatzes im Irak-Krieg unzählige, für die USA belastende Dokumente veröffentlicht hatte, war sie zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Von den einen wurde sie zur Staatsfeindin erklärt, für die anderen wurde sie dank ihrem Aufruf zu Transparenz zur Heldin. Auch nach der Freilassung kämpft sie weiter. Der Rechtsrutsch in ihrem Land, die gegenwärtige politische Lage und ihre Realität als trans Frau veranlassen Chelsea dazu, für den Senat zu kandidieren. Gleichzeitig ist sie stets auf der Suche nach sich selbst, verunsichert und fragil. Die permanente Öffentlichkeit und der gesellschaftliche Druck lasten genauso schwer auf ihr wie die Vergangenheit, die sie auf ihrer Reise ins «Erwachsenenleben» immer wieder einholt. (nio)

    HEROES OR TRAITORS – WHISTLEBLOWERS IM VISIER
    Gespräch mit Adam Quadroni (Aufdecker des Bündner Baukartell-Skandals) und Alex Biscaro (Stv. Geschäftsführer von Transparency International Schweiz) über die privaten und politischen Seiten des Whistleblowings in der Schweiz, die bezüglich dem gesetzlichen Schutz der betroffenen Akteure immer noch ein Entwicklungsland ist.
    Während Quadroni über seine persönlichen Erfahrungen berichtet, beleuchtet Biscaro die gesellschaftliche und parlamentarische Debatte zu einem brisanten Thema, das auch für die Arbeit von Public Eye von zentraler Bedeutung ist.
    Moderation: Oliver Classen (Mediensprecher Public Eye)

    Präsentiert mit Public Eye

  7. 20:30
    One Child Nation
    OVe 85' | China, USA 2019 | Nanfu Wang, Jialing Zhang | Dok

    Nanfu wurde 1985 in der chinesischen Provinz geboren und lebt heute in New York. Als sie selber Mutter wird, beginnt sie, sich mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Sie stochert tief in den schlecht verheilten Wunden, welche die Ein-Kind-Politik in China hinterlassen hat. Schonungslos befragt sie ihre eigene Familie wie auch Täter*innen und Opfer eines sozialen Experiments, das zahlreiche Chines*innen zu Verbrechen verleiten liess – Frauen wurden zwangssterilisiert, neugeborene Mädchen wurden ausgesetzt oder als «Waisen» zur Adoption freigegeben. Durch die Montage von Interviews und Archivmaterial von Umerziehungsmethoden gelingt der Filmemacherin eine Abrechnung mit Chinas indoktrinierter Gesellschaft und einer Propaganda, die heute nicht weniger aggressiv ist: Seit 2016 werden chinesische Bürger*innen angespornt, zwei Kinder zu zeugen, um der Überalterung entgegenzuwirken. (slb)

    CHINA: VON DER EIN-KIND-POLITIK ZUR MASSENÜBERWACHUNG DURCH APPS (Engl.)
    Skype-Gespräch mit Sophie Richardson, China-Direktorin von Human Rights Watch über die langjährige Ein-Kind-Politik als Ausdruck eines Systems nahezu totaler Kontrolle zugunsten des ökonomischen Fortschritts. Sie zeigt auf, mit welchen Mitteln die umfassende Überwachung von Bürger*innen auch nach der Abschaffung der Ein-Kind-Politik aufrechterhalten wird und viele Bereiche des Lebens durchdringt.
    Moderation: Flavia Giorgetta

    Präsentiert mit Human Rights Watch

  8. 21:00
    Temblores
    OVe 107' | Guatemala, Frankreich, Luxemburg 2019 | Jayro Bustamante | Spielfilm

    Pablo ist Vater zweier Kinder und erfolgreicher Berater. Er stammt aus einer reichen Familie in Guatemala Stadt, die alles tut, um die glänzende Oberfläche zu wahren. Das vermeintliche Familienidyll wird erschüttert, als Pablo sich in Francisco verliebt und entscheidet, Frau und Kinder zu verlassen. Homosexualität hat in den streng religiösen Wertvorstellungen der Familie keinen Platz, im Gegenteil: Pablo muss von seiner Krankheit geheilt werden. Unterstützt von ihrer evangelikalen Gemeinde will die Familie den verlorenen Sohn mit einer Konversionstherapie wieder auf die richtige Bahn bringen. Den Kontakt zu seinem «Verführer» Francisco muss er abbrechen. Temblores zeichnet das Bild einer repressiven, vom Glauben geprägten Gesellschaft – und spiegelt deren Angst vor gleichgeschlechtlicher Liebe. (nio)

    Im Anschluss Gespräch mit dem Drehbuchautor Lisandro Sanchez
    Moderation: Marcy Goldberg

Sa. 7. Dez. 2019
  1. 11:00
    Shooting the Mafia
    OVe 97' | Irland, USA 2019 | Kim Longinotto | Dok

    Sizilien befindet sich schon lange im Würgegriff der Mafia – keine Politiker*innen, keine Medienschaffenden wagen es, sich ihr entgegenzusetzen. Das ändert sich in den 70er Jahren, als Letizia Battaglia als erste Fotojournalistin Italiens die brutalen Morde und den tiefgreifenden Einfluss der Mafia zu dokumentieren beginnt. Die damals 40jährige entdeckt die Fotokamera als Waffe gegen das organisierte Verbrechen. Oft ist sie als Erste am Tatort, hört heimlich den Polizeifunk ab, um herauszubekommen, wo die Cosa Nostra zugeschlagen hat. Ihre Schwarz-Weiss-Bilder wirken wie Schreie gegen das jahrzehntelange Schweigen und wecken die Bevölkerung aus ihrer Schockstarre. Als «fotografa militante» kämpft Battaglia auch mit anderen Mitteln gegen die Cosa Nostra: von 1985 bis 1996, zur Zeit der spektakulären Anti-Mafia-Prozesse der Untersuchungsrichter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, geht sie als Grüne in die Politik. Kim Longinotto bebildert Battaglias Jugend mit neorealistischen Filmausschnitten und schafft ein intimes Porträt einer unbestechlichen Frau. (slb)

    AUF DEN SPUREN DER MAFIA
    Gespräch mit Paolo Bernasconi, Rechtsanwalt und Mitglied der Schweizerischen Sektion der Internationalen Juristenkommission ICJ-CH über den Einfluss der Mafia auf die italienische Gesellschaft und die Verstrickung der Schweizer Waffenindustrie in die organisierte Kriminalität.
    Moderation: Andreas Fagetti (Journalist WOZ)

    Präsentiert mit ICJ-CH – Schweizerische Sektion der Internationalen Juristenkommission

  2. 13:00
    Maternal
    OVe 91' | Italien, Argentinien 2019 | Maura Delpero | Spielfilm

    In einem von Nonnen geführten Heim für Teenager-Mütter in Argentinien prallen zwei Welten aufeinander. Die Nonnen preisen die heilige Maria als mütterliches Idealbild. Für die Mädchen hingegen ist Mutterschaft verbunden mit ihren konfliktreichen Lebensgeschichten, fern von jungfräulicher Reinheit. Lu und ihre Tochter Nina finden im Heim Zuflucht, doch die freiheitsliebende Lu kommt mit den strengen Regeln, dem religiös geprägten Alltag und ihrer Mutterrolle nicht zurecht. Sie haut ab und überlässt Nina den Ordensschwestern und ihrer schwangeren Freundin Fati. Schwester Paola, gerade erst aus Italien angekommen, um hier ihr letztes Gelübde abzulegen, nimmt sich Nina an und steht bald vor einem Dilemma: Sie hat sich entschieden, niemals Kinder zu haben, nun führt Nina ihr vor Augen, was sie verpassen könnte. Maternal gibt Einblick in die vielen Facetten von biologischer und sozialer Mutterschaft – in einem Land, in dem Abtreibung noch immer illegal ist. (nio)

  3. 13:30
    Another Day of Life
    OVe 86' | Polen, Spanien 2018 | Raúl de la Fuente, Damian Nenow | Doku Animation

    Während in Angola 1975 die portugiesischen Kolonialherren abziehen, begibt sich der polnische Reporter Ryszard Kapuściński auf einen lebensgefährlichen Roadtrip. Im Süden des Landes ist angesichts des Machtvakuums ein Bürgerkrieg entbrannt, den Kapuściński um jeden Preis dokumentieren will. Wo sich die sozialistische MPLA und die Befreiungsbewegung FNLA mit internationaler Unterstützung unerbittliche Kämpfe liefern, wird Kapuściński Zeuge der blutigen Kriegsrealität. An der Front erkennt er wie machtlos er als Journalist ist. Trotzdem folgt er dem Drang, von diesem grausamen Schauplatz des Kalten Krieges zu erzählen. Ein Film zwischen Fiktion und Wirklichkeit, ein Reporter gefangen zwischen Geltungsdrang und journalistischem Ethos. (nio)

    VERANTWORTUNG UND GEFAHR: JOURNALIST*INNEN IN KONFLIKTGEBIETEN
    Gespräch mit Kurt Pelda (Journalist und Kriegsreporter) und Monika Bolliger (Korrespondentin Mittlerer Osten) über die Verantwortung von Journalist*innen in Konfliktgebieten. Wie weit darf Journalismus gehen? Wie hat sich die Kriegsberichterstattung in den letzten Jahren verändert? Welche Risiken gehen Journalist*innen ein?
    Moderation: Barbara Lüthi (SRF)

    Präsentiert mit Reportagen

  4. 15:30
    Temblores
    OVe 107' | Guatemala, Frankreich, Luxemburg 2019 | Jayro Bustamante | Spielfilm

    Pablo ist Vater zweier Kinder und erfolgreicher Berater. Er stammt aus einer reichen Familie in Guatemala Stadt, die alles tut, um die glänzende Oberfläche zu wahren. Das vermeintliche Familienidyll wird erschüttert, als Pablo sich in Francisco verliebt und entscheidet, Frau und Kinder zu verlassen. Homosexualität hat in den streng religiösen Wertvorstellungen der Familie keinen Platz, im Gegenteil: Pablo muss von seiner Krankheit geheilt werden. Unterstützt von ihrer evangelikalen Gemeinde will die Familie den verlorenen Sohn mit einer Konversionstherapie wieder auf die richtige Bahn bringen. Den Kontakt zu seinem «Verführer» Francisco muss er abbrechen. Temblores zeichnet das Bild einer repressiven, vom Glauben geprägten Gesellschaft – und spiegelt deren Angst vor gleichgeschlechtlicher Liebe. (nio)

  5. 16:00
    I Want to Break Free
    OVe 90' | diverse | diverse | Kurzfilme

    PRISONER OF SOCIETY
    OVe | Rati Tsiteladze | Georgien 2018 | 16’
    Was bedeutet es, im eigenen Zuhause und im eigenen Land fremd zu sein? Ein intimer Blick in die Welt einer jungen trans Frau, gefangen zwischen dem Wunsch nach persönlicher Freiheit und den traditionellen Erwartungen ihrer Familie.

    GARDHI (FENCE)
    OVe | Lendita Zeqiraj | Kosovo, Kroatien, Frankreich 2018 | 15’
    Mehrere Generationen von Frauen aus derselben Familie konfrontieren einander lautstark mit ihren Ansichten über Leben, Liebe, Lust und das Patriarchat, während der einzige Junge auf eine Fluchtgelegenheit wartet.

    ALL THESE CREATURES
    E | Charles Williams | Australien 2018 | 13'
    Ein Jugendlicher versucht seine Erinnerungen an eine mysteriöse Plage, seinen Vater und die kleinen Wesen, die in uns allen stecken, zu entwirren.

    SŒURS JARARIJU
    OVe | Jorge Cadena | Schweiz 2018 | 22’
    Viviana und Yandris, zwei Schwestern aus der ethnischen Gruppe der Wayuu in Kolumbien, entdecken durch überlieferte Rituale ihre Traditionen. Als ihr Vater stirbt, verlassen sie in einem mutigen Akt ihr Land.

    BROTHERHOOD
    OVe | Meryam Joobeur | Tunesien/Kanada 2018 | 25'
    Mohamed ist erschüttert und misstrauisch, als sein entfremdeter ältester Sohn mit einer rätselhaften jungen Frau ins ländliche Tunesien heimkehrt. Ein vielschichtiges Drama über Familienbeziehungen, alte Wunden und Missverständnisse.

    Das schönste Geschenk zu unserem 5. Jubiläum!
    Fünf Kurzfilme, ausgewählt von John Canciani, künstlerischer Leiter der Kurzfilmtage Winterthur. Im Anschluss führt Janis Huber vom KFT-Team ein Gespräch mit Jorge Cadena, dem Regisseur von Sœurs Jarariju.

    Präsentiert mit Kurzfilmtage Winterthur

  6. 18:00
    Gods of Molenbeek
    OVe 75' | Finnland, Belgien, Deutschland 2019 | Reeta Huhtanen | Dok

    Der sechsjährige Aatos lebt mit seiner finnischen Mutter und seinem chilenischen Vater im kulturell durchmischten Bezirk Molenbeek von Brüssel. Aatos und sein bester Freund Amin erkunden ihre kindlichen Welten bewohnt von Ahnen, Fabelwesen und Spiderman. Aatos beneidet Amin um seinen allwissenden Gott Allah und sucht nach einer eigenen Gottheit, die Antworten auf seine Fragen geben könnte. Die Kamera begleitet die Kinder auf ihren philosophischen Streifzügen auf Augenhöhe.
    Als Molenbeek von einem Terroranschlag erschüttert wird, entdecken die beiden Buben, wie sich schlagartig alles ändern kann: Nun sind die Strassen voll von bewaffneten Soldaten und Absperrungen, die Nachbarschaft demonstriert gegen die Diskriminierung, die den muslimischen Menschen plötzlich entgegenschlägt. Die Kinder verarbeiten die Geschehnisse auf spielerische Weise und ihre Freundschaft bleibt ungetrübt. (slb)

  7. 18:30
    Talking About Trees
    OVd 93' | Frankreich, Sudan, Deutschland 2019 | Suhaib Gasmelbari | Dok

    Suleiman und seine drei Freunde haben alle im Exil Film studiert, nun sitzen die alt gewordenen Männer zusammen in Khartoum und schmieden Pläne. Ihr Traum ist es, neben den lose organisierten Vorführungen ihres Sudanesischen Filmklubs, das grosse «Revolution Kino» wieder in Betrieb zu nehmen und unter freiem Himmel bahnbrechende Filme wie Tarantinos Django Unchained zu zeigen. Öffentliches Kino ist im Sudan seit langem verboten und die Politik tut sich schwer mit einer Lockerung. Trotzdem klopfen die Filmfreunde unermüdlich an die Türen der Behörden und bieten der zermürbenden Bürokratie mit lakonischem Humor die Stirn.
    Für die vier cinephilen Männer, deren Karrieren durch Militärputsche vereitelt und deren Talent nie ausgeschöpft wurde, hat die Liebe zur siebten Kunst eine Dringlichkeit, die weit über das gemeinsame Vergnügen hinausgeht: Sie spiegelt die Unzufriedenheit eines Volkes, das sich nach kreativer Freiheit sehnt und in den jüngsten Demonstrationen einmal mehr gegen die repressive Führung aufbegehrt. (slb)

    BIG DEBATE IM KOSMOS FORUM 20:15
    REVOLUTION ALS OPIUM FÜR DAS VOLK? (Engl.)
    Im Frühling dieses Jahres wurde Omar Bashir, der den Sudan während 30 Jahren autokratisch regierte, gestürzt. Seitdem ringen eine Protestbewegung und das Militär um die Vormacht und die Zukunft des Landes. Was machen die Protestierenden im Sudan anders als die Bewegungen in Syrien, Ägypten, Jemen oder Tunesien? Wie gehen sie mit der Einmischung von ausländischen Regierungen in den politischen Übergangsprozess im Sudan um? Und welche Formen der transnationalen Solidarität braucht es, um demokratische und friedliche Veränderungen nachhaltig zu unterstützen?

    Gespräch mit dem Filmemacher Suhaib Gasmelbari, Magdi El-Gizouli (Autor Rift Valley Institute) und Nada Hafiz (Filmstudentin Strasbourg)
    Moderation: Monika Bolliger

  8. 20:30
    Truth Detectives
    OVe 90' | Deutschland 2017 | Anja Reiss | Dok

    «Digitale Ermittler» arbeiten in den Konfliktgebieten der Welt – in der Ukraine, Kolumbien, Israel, Syrien oder Mali. Sie programmieren Algorithmen, um vergessene Gräber im kolumbianischen Dschungel aufzuspüren, oder erstellen aus verschiedenen Bilderquellen 3D-Modelle einer Stadt, um Beweise für eine der tragischsten Eskalationen des Israel-Gaza-Krieges von 2014 zu erbringen. Sie sind Jurist*innen, Journalist*innen oder Aktivist*innen und tragen zusammen mit Betroffenen ihren Teil zur Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen bei. Von Satellitenbildern über Handyfotos bis hin zu Social Media-Posts nutzen sie moderne Technologien im Kampf für Gerechtigkeit. Mittels akribischer Rekonstruktion von Verbrechen bringen sie die Verantwortlichen zur Anklage und die Wahrheit ans Licht. (nio)

    CRIME AND PUNISHMENT IN A POST-TRUTH WORLD
    Gespräch mit der Filmemacherin Anja Reiss und Serge Droz (Senior Advisor ICT4Peace Foundation) über die Herausforderungen und die Möglichkeiten neuer Technologien im Bereich digitaler Ermittlungen.
    Moderation: Marguerite Meyer

    Präsentiert mit ICT4Peace Foundation

  9. 21:00
    XY Chelsea
    E 92' | UK 2019 | Tim Travers Hawkins | Dok

    «Life is a coming-of-age story», stellt Chelsea Manning fest. Die Dokumentation zeigt den Weg der Whistleblowerin zurück in die Gesellschaft, nachdem sie von Präsident Obama begnadigt wurde. Weil sie während ihres Einsatzes im Irak-Krieg unzählige, für die USA belastende Dokumente veröffentlicht hatte, war sie zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Von den einen wurde sie zur Staatsfeindin erklärt, für die anderen wurde sie dank ihrem Aufruf zu Transparenz zur Heldin. Auch nach der Freilassung kämpft sie weiter. Der Rechtsrutsch in ihrem Land, die gegenwärtige politische Lage und ihre Realität als trans Frau veranlassen Chelsea dazu, für den Senat zu kandidieren. Gleichzeitig ist sie stets auf der Suche nach sich selbst, verunsichert und fragil. Die permanente Öffentlichkeit und der gesellschaftliche Druck lasten genauso schwer auf ihr wie die Vergangenheit, die sie auf ihrer Reise ins «Erwachsenenleben» immer wieder einholt. (nio)

So. 8. Dez. 2019
  1. 11:30
    Thank You for the Rain
    OVe 87' | UK, Norwegen, Kenia 2017 | Julia Dahr, Kisilu Musya | Dok

    Wie wird ein kenianischer Bauer zum internationalen Klimaaktivisten? Das Warten auf den Regen bestimmt Kisilus Alltag: In seine trockenen Felder reissen sich tiefe Furchen, das Essen für die Grossfamilie wird knapper und das Geld reicht nicht aus, um allen Kindern Schulunterricht zu ermöglichen. Als der ersehnte erste Tropfen fällt, zerstört ein Sturm ganze Häuser. Kisilu sieht sich bestärkt, die lokale Bevölkerung über den Klimawandel aufzuklären. Er greift selbst zur Kamera und hält fest, was die klimatischen Veränderungen mit seiner Lebensgrundlage machen und wie er dank freiwilliger Arbeit mit der Dorfgemeinschaft seine Existenz sichern will. Als er am Pariser Klimagipfel den Mächtigen der Welt von der Situation in Kenia berichten soll, wähnt er sich am Ziel: Kisilu bringt seine Botschaft der Hoffnung auf die internationale Politbühne. Doch seine Erwartungen kollidieren jäh mit den Interessen und der Lethargie der politischen Entscheidungsträger*innen. (nio)

    Einführung von Georg Klingler, Leiter Klima Greenpeace Schweiz

    VON INDIVIDUELLEN RECHTEN UND PLANETAREN PFLICHTEN (Engl.)
    Das erste Bild der Erde aus dem Weltraum hat die moderne Umweltbewegung begründet. 50 Jahre später macht uns der Klimawandel bewusst, dass unsere lokalen Handlungen Auswirkungen auf den Planeten haben. Die Astrophysikerin Ravit Helled lenkt in ihrem Vortrag den Blick weg vom Individuum hin zu den Planeten: Ändert das Wissen über die Planetenbildung und die Einzigartigkeit der Erde unsere individuellen Bedürfnisse und Haltungen? Ermöglicht ein planetares Denken, die grossen Zusammenhänge statt die kleinen Teile zu sehen?

    Nach dem Screening findet eine 20-minütige geführte Klimameditation statt mit Flavia Ghidossi
    Vortrag: Prof. Dr. Ravit Helled, Zentrum für Theoretische Astrophysik und Kosmologie, Universität Zürich

    Präsentiert mit Greenpeace Schweiz

  2. 13:00
    Truth Detectives
    OVe 90' | Deutschland 2017 | Anja Reiss | Dok

    «Digitale Ermittler» arbeiten in den Konfliktgebieten der Welt – in der Ukraine, Kolumbien, Israel, Syrien oder Mali. Sie programmieren Algorithmen, um vergessene Gräber im kolumbianischen Dschungel aufzuspüren, oder erstellen aus verschiedenen Bilderquellen 3D-Modelle einer Stadt, um Beweise für eine der tragischsten Eskalationen des Israel-Gaza-Krieges von 2014 zu erbringen. Sie sind Jurist*innen, Journalist*innen oder Aktivist*innen und tragen zusammen mit Betroffenen ihren Teil zur Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen bei. Von Satellitenbildern über Handyfotos bis hin zu Social Media-Posts nutzen sie moderne Technologien im Kampf für Gerechtigkeit. Mittels akribischer Rekonstruktion von Verbrechen bringen sie die Verantwortlichen zur Anklage und die Wahrheit ans Licht. (nio)

  3. 15:00
    What You Gonna Do When the World is on Fire?
    E 123' | USA 2018 | Roberto Minervini | Dok

    «Nowadays people don’t fight, they like to shoot», erklärt der 14jährige Rolando seinem kleinen Bruder Titus. Die beiden kurven durch ihr Quartier, erfinden Spiele und werden von ihrer Mutter gescholten, wenn sie zu spät nach Hause kommen. Vor dem Hintergrund eines brutalen Mordes durch den Ku Klux Klan begleitet Minervini die Bewohner*innen von New Orleans und schafft unvergessliche Bilder einer Gemeinschaft, die dem Rassenhass von Trumps Amerika entgegentritt. Die Anführerin der New Black Panther Bewegung skandiert «Black Power» und versucht gegen die weisse Übermacht zu mobilisieren. Verlorene Seelen treffen sich in einer Bar, wo die vom Leben gezeichnete Besitzerin die Nöte ihrer Freunde besingt. Kunstvoll navigiert Minervini zwischen den Perspektiven seiner Protagonist*innen und durchleuchtet ihren von Polizeigewalt und Rassismus geprägten Alltag. (slb)

  4. 15:30
    Maternal
    OVe 91' | Italien, Argentinien 2019 | Maura Delpero | Spielfilm

    In einem von Nonnen geführten Heim für Teenager-Mütter in Argentinien prallen zwei Welten aufeinander. Die Nonnen preisen die heilige Maria als mütterliches Idealbild. Für die Mädchen hingegen ist Mutterschaft verbunden mit ihren konfliktreichen Lebensgeschichten, fern von jungfräulicher Reinheit. Lu und ihre Tochter Nina finden im Heim Zuflucht, doch die freiheitsliebende Lu kommt mit den strengen Regeln, dem religiös geprägten Alltag und ihrer Mutterrolle nicht zurecht. Sie haut ab und überlässt Nina den Ordensschwestern und ihrer schwangeren Freundin Fati. Schwester Paola, gerade erst aus Italien angekommen, um hier ihr letztes Gelübde abzulegen, nimmt sich Nina an und steht bald vor einem Dilemma: Sie hat sich entschieden, niemals Kinder zu haben, nun führt Nina ihr vor Augen, was sie verpassen könnte. Maternal gibt Einblick in die vielen Facetten von biologischer und sozialer Mutterschaft – in einem Land, in dem Abtreibung noch immer illegal ist. (nio)

  5. 18:00
    Advocate
    OVe 110' | Israel, Kanada Schweiz 2019 | Rachel Leah Jones, Philippe Bellaiche | Dok

    «Losing lawyer», antwortet Lea Tsemel trocken in einem Fernsehinterview, als sie nach ihrem Beruf gefragt wird. Tatsächlich verteidigt die jüdische Anwältin seit Jahrzenten meist erfolglos palästinensische Angeklagte. Im besten Fall schafft sie es, dass geforderte Strafmass zu mildern. Trotzdem kämpft sie unermüdlich gegen die Willkür der israelischen Justiz und wählt ihre Klienten sorgsam aus. Das fesselnde Porträt begleitet Tsemel in einem von der israelischen Öffentlichkeit minutiös mitverfolgten Fall: Die Verteidigung von Ahmad Manasra, einem minderjährigen Palästinenser, der des Mordversuchs angeklagt ist. Ihr persönliches Engagement und den emotionalen Preis, den sie und ihre Familie zu zahlen bereit sind, zeigen die ideologische Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft. Zugleich zeigen sie, wieviel Kraft nötig ist, um inmitten dieses Spannungsfeldes die eigene Menschlichkeit zu bewahren. (slb)

    COURTING CONFLICTS: THE FIGHT AGAINST DISCRIMINATION OF PALESTINIAN DEFENDANTS (Engl.)
    Gespräch mit der Filmemacherin Rachel Leah Jones und Michael Warschawski (Aktivist und Ehemann von Lea Tsemel) über die Verteidigung von palästinensischen Angeklagten vor dem Hintergrund einer zerrissenen israelischen Gesellschaft.
    Moderation: Jenny Billeter

    Präsentiert mit Omanut

  6. 18:30
    One Child Nation
    OVe 85' | China, USA 2019 | Nanfu Wang, Jialing Zhang | Dok

    Nanfu wurde 1985 in der chinesischen Provinz geboren und lebt heute in New York. Als sie selber Mutter wird, beginnt sie, sich mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Sie stochert tief in den schlecht verheilten Wunden, welche die Ein-Kind-Politik in China hinterlassen hat. Schonungslos befragt sie ihre eigene Familie wie auch Täter*innen und Opfer eines sozialen Experiments, das zahlreiche Chines*innen zu Verbrechen verleiten liess – Frauen wurden zwangssterilisiert, neugeborene Mädchen wurden ausgesetzt oder als «Waisen» zur Adoption freigegeben. Durch die Montage von Interviews und Archivmaterial von Umerziehungsmethoden gelingt der Filmemacherin eine Abrechnung mit Chinas indoktrinierter Gesellschaft und einer Propaganda, die heute nicht weniger aggressiv ist: Seit 2016 werden chinesische Bürger*innen angespornt, zwei Kinder zu zeugen, um der Überalterung entgegenzuwirken. (slb)

  7. 20:30
    Talking About Trees
    OVd 93' | Frankreich, Sudan, Deutschland 2019 | Suhaib Gasmelbari | Dok

    Suleiman und seine drei Freunde haben alle im Exil Film studiert, nun sitzen die alt gewordenen Männer zusammen in Khartoum und schmieden Pläne. Ihr Traum ist es, neben den lose organisierten Vorführungen ihres Sudanesischen Filmklubs, das grosse «Revolution Kino» wieder in Betrieb zu nehmen und unter freiem Himmel bahnbrechende Filme wie Tarantinos Django Unchained zu zeigen. Öffentliches Kino ist im Sudan seit langem verboten und die Politik tut sich schwer mit einer Lockerung. Trotzdem klopfen die Filmfreunde unermüdlich an die Türen der Behörden und bieten der zermürbenden Bürokratie mit lakonischem Humor die Stirn.
    Für die vier cinephilen Männer, deren Karrieren durch Militärputsche vereitelt und deren Talent nie ausgeschöpft wurde, hat die Liebe zur siebten Kunst eine Dringlichkeit, die weit über das gemeinsame Vergnügen hinausgeht: Sie spiegelt die Unzufriedenheit eines Volkes, das sich nach kreativer Freiheit sehnt und in den jüngsten Demonstrationen einmal mehr gegen die repressive Führung aufbegehrt. (slb)

  8. 21:00
    Reconstructing Utoya
    OVe 98' | Schweden, Norwegen, Dänemark 2018 | Carl Javér | Dok

    Am 22. Juli 2011 erschoss ein rechtsradikaler Amokläufer 69 Jugendliche in einem Ferienlager der sozialdemokratischen Partei auf der norwegischen Insel Utøya. Rakel, Mohammed, Jenny und Torje sind Überlebende des Terroranschlags und versuchen sich sechs Jahre später ­– ­ im geschützten Raum eines Filmstudios und unter psychologischer Betreuung ­– zu erinnern. Zwölf Freiwillige stellen nach ihren Anweisungen die Ereignisse auf einem minimal mit weissem Klebeband markierten Boden nach, Schläge auf Metall symbolisieren die Schüsse. Die Teenager sind talentierte Erzähler*innen und schaffen eine packende filmische Traumabewältigung. Die Versuchsanordnung lässt viele Fragen offen, nicht zuletzt über den Erfolg der psychologischen Aufstellungsarbeit, und lässt uns teilhaben an diesem intimen Moment der Jugendlichen – dem Schwebezustand zwischen Leben und Tod, als sie auf der Insel blitzschnell eine Entscheidung treffen mussten. (slb)

Mo. 9. Dez. 2019
  1. 09:30
    Rafiki - Schulvorstellung
    OVd 83' | Kenya 2018 | Wanuri Kahiu | Spielfilm

    Kena und Ziki sind zwei Teenager aus dem kenianischen Nairobi und dicke Freundinnen, obwohl ihre Familien politisch entgegengesetzte Ansichten vertreten. Sie halten zusammen, wollen mehr und verlieben sich ineinander, was sie in ihrer konservativen Gesellschaft in Bedrängnis bringt. Der Spielfilm Rafiki war mit seiner Buntheit und Frische ein Hit beim Publikum am Festival von Cannes, wo er im Programm «Un certain regard» lief.

    Anschliessendes Filmgespräch auf Deutsch mit Anna Rosenwasser, Geschäftsführerin der Lesbenorganisation Schweiz (LOS)

  2. 10:00
    Minding the Gap - Schulvorstellung
    OVd 98' | USA 2018 | Bing Liu | Dok

    Schwungvoll brettert Bing Liu hinter seinen Freunden Zack und Keire durch heruntergekommene Parks, an bröckelnden Fassaden und leerstehenden Häusern vorbei. Für die Jungs aus ärmlichen Verhältnissen in Rockford, Illinois bildet die Skaterclique eine Art Ersatzfamilie. Als begeisterter Filmer fängt Bing das Leben seiner Freunde auch abseits des Skate-Parks ein: Zacks Alltag wird auf den Kopf gestellt, als seine Freundin Nina plötzlich schwanger wird. Keire ist auf der Suche nach seinem Platz in einer multikulturellen Gesellschaft. Und für Bing selbst wird es Zeit, seine Mutter mit einem dunklen Kapitel aus der eigenen Vergangenheit zu konfrontieren. MINDING THE GAP erzählt mit wunderbarer Lyrik von dem, was gemeinhin eine „schwierige“ Jugend genannt wird.

    Filmgespräch auf Englisch mit Oliver Percovich, Geschäftsführer von Skateistan präsentiert von der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation
    Moderation: Tim Bettermann

  3. 13:30
    Gods of Molenbeek - Schulvorstellung
    OVd 75' | Finnland, Belgien, Deutschland 2019 | Reeta Huhtanen | Dok

    Der sechsjährige Aatos lebt mit seiner finnischen Mutter und seinem chilenischen Vater im kulturell durchmischten Bezirk Molenbeek von Brüssel. Aatos und sein bester Freund Amin erkunden ihre kindlichen Welten bewohnt von Ahnen, Fabelwesen und Spiderman. Aatos beneidet Amin um seinen allwissenden Gott Allah und sucht nach einer eigenen Gottheit, die Antworten auf seine Fragen geben könnte. Die Kamera begleitet die Kinder auf ihren philosophischen Streifzügen auf Augenhöhe. Als Molenbeek von einem Terroranschlag erschüttert wird, entdecken die beiden Buben, wie sich schlagartig alles ändern kann: Nun sind die Strassen voll von bewaffneten Soldaten und Absperrungen, die Nachbarschaft demonstriert gegen die Diskriminierung, die den muslimischen Menschen plötzlich entgegenschlägt. Die Kinder verarbeiten die Geschehnisse auf spielerische Weise und ihre Freundschaft bleibt ungetrübt. (slb)

    Im Anschluss findet ein Filmgespräch statt.
    Moderation: Aline Juchler

  4. 14:00
    MATANGI/MAYA/M.I.A. - Schulvorstellung
    OVd 97' | Russland 2018 | Stephen Loveridge | Dok

    Matangi „Maya“ Arulpragasam, besser bekannt als M.I.A., flieht als Kind eines Mitbegründers der tamilischen Unabhängigkeitsbewegung mit ihrer Mutter aus Sri Lanka und verbringt ihre Kindheit in London, bevor sie als unkonventioneller Popstar die ganze Welt erobert. Das vorliegende Porträt ist genauso eklektisch und verspielt wie die Künstlerin selbst: Privates Archivmaterial, Immigrationsgeschichte, politische Statements, begeisternde Songs und provokative Bühnenshows verschmelzen zu einem inspirierenden Ganzen, an dem die Sängerin und ausgebildete Filmemacherin nicht unerheblich mitgewirkt hat.

    Anschliessendes Gespräch mit dem Schweizer Künstler, Entertainer, Rapper und Aktivisten Knackeboul, präsentiert von der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation
    Moderation: Tim Bettermann

  5. 18:00
    What You Gonna Do When the World is on Fire?
    E 123' | USA 2018 | Roberto Minervini | Dok

    «Nowadays people don’t fight, they like to shoot», erklärt der 14jährige Rolando seinem kleinen Bruder Titus. Die beiden kurven durch ihr Quartier, erfinden Spiele und werden von ihrer Mutter gescholten, wenn sie zu spät nach Hause kommen. Vor dem Hintergrund eines brutalen Mordes durch den Ku Klux Klan begleitet Minervini die Bewohner*innen von New Orleans und schafft unvergessliche Bilder einer Gemeinschaft, die dem Rassenhass von Trumps Amerika entgegentritt. Die Anführerin der New Black Panther Bewegung skandiert «Black Power» und versucht gegen die weisse Übermacht zu mobilisieren. Verlorene Seelen treffen sich in einer Bar, wo die vom Leben gezeichnete Besitzerin die Nöte ihrer Freunde besingt. Kunstvoll navigiert Minervini zwischen den Perspektiven seiner Protagonist*innen und durchleuchtet ihren von Polizeigewalt und Rassismus geprägten Alltag. (slb)

  6. 18:30
    Volunteer
    OVe 94' | Schweiz 2019 | Anna Thommen, Lorenz Nufer | Dok

    Wie bildet man eine Menschenkette, um Kinder auf der Flucht vom schwankenden Gummiboot aus ans Festland zu tragen? Wie schafft man es, eine Kiste Bananen «fair» und ohne Streit an Menschen zu verteilen, die nicht genug zu essen haben? Mit solchen Fragen sehen sich freiwillige Helfer*innen in Griechenland täglich konfrontiert. Die Antworten sind vielschichtig. Der neue Film von Anna Thommen (Neuland) und Lorenz Nufer begleitet Schweizer*innen, die dort mitanpacken, wo die Not besonders sichtbar ist: Am Ufer des Mittelmeers, wo täglich Hunderte von Menschen auf der Flucht ankommen. Ein Schweizer Bauer und seine Frau finden nach mehreren Einsätzen auf Lesbos nur schwer in ihren Alltag auf dem Hof zurück. Ein ehemaliger Kommandant der Armee nutzt seinen Ordnungssinn und baut eine der erfolgreichsten Flüchtlingsorganisationen auf. Die Protagonist*innen verbindet der Wille, Verantwortung für eine humanitäre Katastrophe zu übernehmen und die eigenen Privilegien nicht als selbstverständlich zu verstehen. (slb)

    KOSMOPOLITICS IM KOSMOS FORUM 20:15
    DARF SOLIDARITÄT BESTRAFT WERDEN?
    Gespräch mit dem Filmemacher Lorenz Nufer, den Protagonisten Michael Räber und Michael Grossenbacher, sowie Lisa Salza, Kampagnenleiterin von Amnesty International.
    Was muss geschehen, damit Staaten die Verantwortung für die Seenotrettung und die geretteten Menschen auf der Flucht übernehmen? Wie gehen freiwillige Helfer*innen mit dem Spannungsfeld zwischen Solidarität und der Angst vor Kriminalisierung um? Welche Fragen zu Schuld und Mitverantwortung werden uns die Nachfolgegenerationen stellen?
    Moderation: Noëmi Landolt (Journalistin WOZ)

    Präsentiert mit Amnesty International

  7. 20:30
    Los Silencios
    OVdf 89' | Brasilien, Kolumbien, Frankreich 2019 | Beatriz Seigner | Spielfilm

    Die kleine Nuria flüchtet mit ihrer Mutter und ihrem Bruder vor den Kriegswirren in Kolumbien auf eine kleine Insel im Amazonas. Nach einer Weile gesellt sich auch der Vater zu ihnen, der seit einem durch Ölbohrungen verursachten Landrutsch vermisst wurde. Die Bewohner*innen der Insel beobachten die Neuankömmlinge mit einer Mischung aus Argwohn und Mitgefühl. Nuria taucht ein in die Nacht und trifft auf ein mysteriöses Mädchen, das sie zur einer Versammlung von Geistern einlädt.
    Die brasilianische Regisseurin Beatriz Seigner erzeugt mit fantasievollen Bildkompositionen, Farbtönen und Naturklängen eine traumähnliche Stimmung. Sie seziert die Gefühlslagen eines entwurzelten Volkes, dessen kollektiver Schmerz allmählich schwächer wird und Raum für eine Versöhnung lässt. (slb)

    NACH DEM KRIEG – KOLUMBIENS LANGER WEG ZUM FRIEDEN (Engl.)
    Diskussion mit Arancha García del Soto, Koordinatorin der Arbeit der Kolumbianischen Wahrheitskommission mit Überlebenden in Europa. Wo steht der Friedensprozess in Kolumbien? Wie werden Betroffene in die Arbeit der Wahrheitskommission einbezogen?
    Moderation: Nicola Diday, Mitarbeiter Vergangenheitsarbeit swisspeace.

  8. 21:00
    Another Day of Life
    OVe 86' | Polen, Spanien 2018 | Raúl de la Fuente, Damian Nenow | Doku Animation

    Während in Angola 1975 die portugiesischen Kolonialherren abziehen, begibt sich der polnische Reporter Ryszard Kapuściński auf einen lebensgefährlichen Roadtrip. Im Süden des Landes ist angesichts des Machtvakuums ein Bürgerkrieg entbrannt, den Kapuściński um jeden Preis dokumentieren will. Wo sich die sozialistische MPLA und die Befreiungsbewegung FNLA mit internationaler Unterstützung unerbittliche Kämpfe liefern, wird Kapuściński Zeuge der blutigen Kriegsrealität. An der Front erkennt er wie machtlos er als Journalist ist. Trotzdem folgt er dem Drang, von diesem grausamen Schauplatz des Kalten Krieges zu erzählen. Ein Film zwischen Fiktion und Wirklichkeit, ein Reporter gefangen zwischen Geltungsdrang und journalistischem Ethos. (nio)

Di. 10. Dez. 2019
  1. 09:30
    Gods of Molenbeek - Schulvorstellung
    OVd 75' | Finnland, Belgien, Deutschland 2019 | Reeta Huhtanen | Dok

    Der sechsjährige Aatos lebt mit seiner finnischen Mutter und seinem chilenischen Vater im kulturell durchmischten Bezirk Molenbeek von Brüssel. Aatos und sein bester Freund Amin erkunden ihre kindlichen Welten bewohnt von Ahnen, Fabelwesen und Spiderman. Aatos beneidet Amin um seinen allwissenden Gott Allah und sucht nach einer eigenen Gottheit, die Antworten auf seine Fragen geben könnte. Die Kamera begleitet die Kinder auf ihren philosophischen Streifzügen auf Augenhöhe. Als Molenbeek von einem Terroranschlag erschüttert wird, entdecken die beiden Buben, wie sich schlagartig alles ändern kann: Nun sind die Strassen voll von bewaffneten Soldaten und Absperrungen, die Nachbarschaft demonstriert gegen die Diskriminierung, die den muslimischen Menschen plötzlich entgegenschlägt. Die Kinder verarbeiten die Geschehnisse auf spielerische Weise und ihre Freundschaft bleibt ungetrübt. (slb)

  2. 10:00
    Les Misérables - Schulvorstellung
    OVd 102' | Frankreich 2018 | Ladj Ly | Spielfilm

    2005 schliesst sich Stéphane der Anti-Kriminalitäts-Brigade von Montfermeil im 93. Pariser Bezirk an. Chris und Gwada werden ihm zur Seite gestellt. Doch im Rahmen der Unruhen in den Vororten von Paris ist der Neuling gezwungen, schnell zu lernen, dass es große Spannungen zwischen unterschiedlichen Gruppen seines Einsatzgebietes gibt. Als die drei Kollegen probieren, eine Verhaftung durchzuführen, werden sie überrannt.

    Anschliessend findet ein Filmgespräch mit Sandrine Charlot Zinsli von Aux Arts etc... statt.

  3. 13:30
    Gods of Molenbeek - Schulvorstellung
    OVd 75' | Finnland, Belgien, Deutschland 2019 | Reeta Huhtanen | Dok

    Der sechsjährige Aatos lebt mit seiner finnischen Mutter und seinem chilenischen Vater im kulturell durchmischten Bezirk Molenbeek von Brüssel. Aatos und sein bester Freund Amin erkunden ihre kindlichen Welten bewohnt von Ahnen, Fabelwesen und Spiderman. Aatos beneidet Amin um seinen allwissenden Gott Allah und sucht nach einer eigenen Gottheit, die Antworten auf seine Fragen geben könnte. Die Kamera begleitet die Kinder auf ihren philosophischen Streifzügen auf Augenhöhe. Als Molenbeek von einem Terroranschlag erschüttert wird, entdecken die beiden Buben, wie sich schlagartig alles ändern kann: Nun sind die Strassen voll von bewaffneten Soldaten und Absperrungen, die Nachbarschaft demonstriert gegen die Diskriminierung, die den muslimischen Menschen plötzlich entgegenschlägt. Die Kinder verarbeiten die Geschehnisse auf spielerische Weise und ihre Freundschaft bleibt ungetrübt. (slb)

  4. 14:00
    Minding the Gap - Schulvorstellung
    OVd 98' | USA 2018 | Bing Liu | Dok

    Schwungvoll brettert Bing Liu hinter seinen Freunden Zack und Keire durch heruntergekommene Parks, an bröckelnden Fassaden und leerstehenden Häusern vorbei. Für die Jungs aus ärmlichen Verhältnissen in Rockford, Illinois bildet die Skaterclique eine Art Ersatzfamilie. Als begeisterter Filmer fängt Bing das Leben seiner Freunde auch abseits des Skate-Parks ein: Zacks Alltag wird auf den Kopf gestellt, als seine Freundin Nina plötzlich schwanger wird. Keire ist auf der Suche nach seinem Platz in einer multikulturellen Gesellschaft. Und für Bing selbst wird es Zeit, seine Mutter mit einem dunklen Kapitel aus der eigenen Vergangenheit zu konfrontieren. MINDING THE GAP erzählt mit wunderbarer Lyrik von dem, was gemeinhin eine „schwierige“ Jugend genannt wird.

    Filmgespräch auf Englisch mit Oliver Percovich, Geschäftsführer von Skateistan präsentiert von der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation
    Moderation: Tim Bettermann

  5. 18:00
    Advocate
    OVe 110' | Israel, Kanada Schweiz 2019 | Rachel Leah Jones, Philippe Bellaiche | Dok

    «Losing lawyer», antwortet Lea Tsemel trocken in einem Fernsehinterview, als sie nach ihrem Beruf gefragt wird. Tatsächlich verteidigt die jüdische Anwältin seit Jahrzenten meist erfolglos palästinensische Angeklagte. Im besten Fall schafft sie es, dass geforderte Strafmass zu mildern. Trotzdem kämpft sie unermüdlich gegen die Willkür der israelischen Justiz und wählt ihre Klienten sorgsam aus. Das fesselnde Porträt begleitet Tsemel in einem von der israelischen Öffentlichkeit minutiös mitverfolgten Fall: Die Verteidigung von Ahmad Manasra, einem minderjährigen Palästinenser, der des Mordversuchs angeklagt ist. Ihr persönliches Engagement und den emotionalen Preis, den sie und ihre Familie zu zahlen bereit sind, zeigen die ideologische Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft. Zugleich zeigen sie, wieviel Kraft nötig ist, um inmitten dieses Spannungsfeldes die eigene Menschlichkeit zu bewahren. (slb)

  6. 18:30
    Midnight Traveler
    OVd 87' | USA, UK, Katar 2019 | Hassan Fazili | Dok

    Hassan und Fatima Fazili, afghanische Filmschaffende, sind mit ihren zwei Töchtern auf der Suche nach einer neuen Heimat. Wegen eines kritischen Films über einen abtrünnigen Kommandanten der Taliban wurde auf Hassan ein Kopfgeld ausgesetzt, wodurch er seine Sicherheit und die seiner Familie nicht mehr gewährleisten konnte. Ihre Odyssee mit dem Ziel Europa bringt sie in diverse Übergangslager, länger als drei Jahre sind sie unterwegs. Fazili filmt die zermürbende Reise mit seinem Handy. Seine künstlerische Reflexion schafft die nötige Distanz, die Widrigkeiten des Alltags zu ertragen. Auch die beiden Töchter nutzen die Kamera als Filter und Verarbeitungsinstrument. Ihr Blick auf ihr stetig wechselndes Zuhause zeigt zwar, wie die kindliche Psyche unter den grausamen Bedingungen leidet, trotzdem gelingt es den Kindern mit Humor und Fantasie, ein eigenes Homemovie voller Momente des Staunens zu gestalten. (slb)

    BIG DEBATE IM KOSMOS FORUM 20:15
    TAG DER MENSCHENRECHTE:
    RECHTE VON KINDERN AUF DER FLUCHT

    Willkommensworte
    Leo Kaneman, Gründer und Ehrenpräsident HRFF Zurich
    Barbara Schedler, Stv. Abteilungschefin, Abteilung Menschliche Sicherheit, EDA

    Die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen schützt die Rechte eines jeden Kindes, sei das in Tadschikistan oder in der Schweiz. Sie schützt vor Diskriminierung und garantiert das Recht auf Bildung und Gesundheit, aber auch auf Spiel, Ruhe und Freizeit. Bereits in unserem Alltag ist es keine Selbstverständlichkeit, den Kindern ihre Rechte zu garantieren. Doch wie stellen wir sicher, dass Kindern diese Rechte auch auf der oft jahrelangen Flucht gewährleistet werden, wo ihnen Gefahren wie Misshandlung und Ausbeutung drohen? Wie helfen wir ihnen, angekommen im Zielland, bei den praktischen Herausforderungen der Sprache, dem Zugang zu Bildung, dem Einstieg ins Berufsleben, oder beim Umgang mit psychischen und physischen Traumata?
    Was getan werden kann und muss, um die Rechte von Kindern auf der Flucht zu schützen und zu fördern, diskutieren Podiumsteilnehmende und Publikum in einer offenen Runde. Der Film «Midnight Traveler» eröffnet den Abend. Er zeigt die Flucht des afghanischen Regisseurs Hassan Fazili, seiner Frau und seinen beiden Töchtern vor der Verfolgung in ihrer Heimat. Ein berührendes Zeitzeugnis, das den Gefahren, denen Kinder und Erwachsene auf der Flucht ausgesetzt sind, ein Gesicht gibt.
    Mit dem 30jährigen Jubiläum der UNO-Kinderrechtskonvention rückt das Human Rights Film Festival Zurich Kinderrechte ins Zentrum des 10. Dezember, des Internationalen Tags der Menschenrechte 2019.

    Auf dem Podium:
    Hassan Fazili, Filmemacher
    Rolf Widmer, Direktor der Schweizerischen Stiftung des Internationalen Sozialdienstes und Leiter des Vereins tipiti
    Verena Knaus, UNICEF, Senior Policy Advisor
    Jochen Ganter, Projekt Koordinator für Ärzte ohne Grenzen
    Moderation: Rafaela Roth (Tages-Anzeiger)

    Präsentiert mit Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA, Médecins Sans Frontières (MSF) und trigon-film

  7. 20:30
    Born in Evin
    OVe 98' | Deutschland, Österreich 2019 | Maryam Zaree | Dok

    Die Schauspielerin Maryam Zaree kann die Geschichten anderer erzählen und glaubhaft verkörpern. Doch wenn es um ihr eigenes Leben und ihre iranische Herkunft geht, stösst sie schnell an Grenzen. Sie weiss nur, dass sie in Evin, einem berüchtigten Gefängnis in Teheran, zur Welt kam. Nach dem Sturz des Schas liess der neue Staatschef und religiöse Führer Ayatollah Khomeini zehntausende Oppositionelle verhaften und foltern, darunter die Eltern der Filmemacherin. Als Maryam zwei war, floh die Mutter mit ihr nach Deutschland. Über die Erlebnisse in Gefangenschaft sprachen sie nie. Maryams Spurensuche führt sie zu geflüchteten Verwandten und anderen «Gefängniskindern». Mit der Kamera als Gefühlskatalysator gelingt es ihr allmählich, die emotionalen Mauern abzutragen und die seelischen Abgründe einer traumatisierten Generation freizulegen. Der Film geht weit über eine therapeutische Nabelschau hinaus und berührt in seinem Versuch, den Exil-Iraner*innen die Würde zurückzugeben, die das iranische Regime zu zerstören versuchte. (slb)

  8. 21:00
    Volunteer
    OVe 94' | Schweiz 2019 | Anna Thommen, Lorenz Nufer | Dok

    Wie bildet man eine Menschenkette, um Kinder auf der Flucht vom schwankenden Gummiboot aus ans Festland zu tragen? Wie schafft man es, eine Kiste Bananen «fair» und ohne Streit an Menschen zu verteilen, die nicht genug zu essen haben? Mit solchen Fragen sehen sich freiwillige Helfer*innen in Griechenland täglich konfrontiert. Die Antworten sind vielschichtig. Der neue Film von Anna Thommen (Neuland) und Lorenz Nufer begleitet Schweizer*innen, die dort mitanpacken, wo die Not besonders sichtbar ist: Am Ufer des Mittelmeers, wo täglich Hunderte von Menschen auf der Flucht ankommen. Ein Schweizer Bauer und seine Frau finden nach mehreren Einsätzen auf Lesbos nur schwer in ihren Alltag auf dem Hof zurück. Ein ehemaliger Kommandant der Armee nutzt seinen Ordnungssinn und baut eine der erfolgreichsten Flüchtlingsorganisationen auf. Die Protagonist*innen verbindet der Wille, Verantwortung für eine humanitäre Katastrophe zu übernehmen und die eigenen Privilegien nicht als selbstverständlich zu verstehen. (slb)

Programm 2018
Mi. 5. Dez. 2018
  1. 18:30
    Los Versos del Olvido
    OV/e 94' | Germany, Chile, France 2017 | Alireza Khatami | Spielfilm

    Die stille Routine eines chilenischen Friedhofwärters wird jäh unterbrochen, als die Miliz versucht, die Opfer eines niedergeschlagenen Protestes in seinen Kühlkammern zu verstecken. Immer wieder besucht ihn eine Frau, die ihre vermisste Tochter sucht. Der alte Mann hat ein tadelloses Gedächtnis, bloss die Namen weiss er nicht mehr. Nun setzt er alles daran, den Namen einer getöteten Frau zu erfahren, um sie würdig zu bestatten. Der iranische Regisseur Alireza Khatami erzählt dies als poetische Sinnsuche in einer Welt voller Korruption und Gewalt. Er vergleicht dabei die Psychostruktur Chiles indirekt mit der seiner Heimat Iran. Der mehrfach ausgezeichnete Spielfilm schafft ein filmisches Denkmal für die Verschwundenen. (slb)

    BEGRÜSSUNGSWORTE
    Sascha Lara Bleuler, Direktorin HRFF Zurich
    Leo Kaneman, Präsident HRFF Zurich
    Jacqueline Fehr, Regierungsrätin des Kanton Zürich
    Ehrengast Barbara Hendricks, Menschenrechtsaktivistin und Sängerin

    Gespräch mit Protagonist Juan Margallo (Spanisch/ Deutsch)
    MODERATION: Norma Giannetta

Do. 6. Dez. 2018
  1. 09:30
    Beyond Dreams – Schulvorstellung
    OV/d 90' | Sweden 2017 | Rojda Sekersöz | Spielfilm

    Mirja kommt aus dem Gefängnis und feiert ausgelassen mit ihrer Mädchen Gang inmitten von grauen Plattenbauten. Sie ist motiviert, einen verantwortungsvollen Lebensweg einzuschlagen und nimmt einen Job als Putzhilfe an, was zu Auseinandersetzungen führt mit ihren arbeitslosen Freundinnen. Immer wieder gerät sie in Konflikt mit ihrer alleinerziehenden kranken Mutter, die Mirja für eine Versagerin hält. Der Film beschäftigt sich mit der Frage welchen Zwängen Teenager ausgesetzt sind und wie berufliche Möglichkeiten durch das soziale Umfeld beschnitten werden.

    Anschliessendes Gespräch mit Librada Paz, mexikanisch-amerikanische Menschenrechtsaktivistin (Engl.)
    MODERATION: Christoph Karlo

    Präsentiert mit der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation Switzerland

  2. 09:30
    Easy Lessons – Schulvorstellung
    OV/d 78' | Hungary 2018 | Dorottya Zurbó | Dok

    Kafiya, eine junge Frau auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, muss viel von dem, was ihr Leben in Somalia ausmachte, hinter sich lassen. Nun will sie sich ein Zuhause in Ungarn einrichten und sich der neuen kulturellen Realität anpassen. Als Leitfaden der Erzählung dient Kafiyas Ehrgeiz, die Prüfungen der ungarischen Schule zu bestehen. Die im Titel angekündigten Lektionen verschaffen uns neue Erkenntnisse zur Protagonistin und ermöglichen es uns vor allem, über die Rolle der Geschichte, des Staates und der Institutionen nachzudenken und darüber, wie diese die Integration von Menschen auf der Flucht beeinflussen. Kafiya ist eine starke Figur, die ihrem Schicksal durchwegs optimistisch begegnet, sich fixen Zuschreibungen verweigert und ihre neue Identität lustvoll auslebt. (slb)

    Anschliessendes Gespräch mit Filmemacherin Dorottya Zurbó und Protagonistin Kafiya Said Mahdi (Engl.).
    MODERATION: Aline Juchler

  3. 13:30
    In My Room – Schulvorstellung
    OV/d 68' | Israel 2017 | Ayelet Albenda | Dok

    Diese innovative Langzeitstudie begleitet sechs Teenager durch die intensivste Phase ihres Lebens: Jahre voller Unsicherheit, Verletzlichkeit und Fragen rund um ihre Sexualität und Geschlechtsidentität. Die Jugendlichen testen online verschiedene Versionen ihrer selbst und verhandeln sie mit der virtuellen Ersatzfamilie. Ein Mädchen denkt vor der Kamera seines Computers laut über eine Geschlechtsumwandlung nach, ein anderes Mädchen bittet die Community um Rat zu seiner Schwangerschaft. Das Material besteht aus persönlichen Youtube-Aufnahmen: filmische Tagebücher, die uns einen ungewöhnlich intimen Zugang zur Wirklichkeit von Heranwachsenden ermöglichen – voller Drama und Experimentierfreude, Mut und Selbstironie. (slb)

    Anschliessendes Gespräch mit Transgender Netzwerk Switzerland.
    MODERATION: Anna Rosenwasser (LOS, Lesbenorganisation Schweiz)

  4. 13:30
    A Voix Haute – Schulvorstellung
    OV/d 99' | France 2017 | Ladj Ly, Stéphane de Freitas | Dok

    Leïla, Elhadj und Eddy sind französische Studierende an der Universität von Saint-Denis, die sich allesamt rhetorisch weiterbilden, um am berühmt berüchtigten Wettbewerb "Eloquentia" teilzunehmen, wo der beste Rhetoriker gewählt wird. Die Jugendlichen mit den unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen erfahren, dass gute Sprachtechnik auch Macht bedeuten kann. Sie erhalten Tipps von Anwälten, Slam Poeten und Regisseuren, wie sie ihre Auftrittskompetenz verfeinern können und wagen das schwierige Experiment, in der Öffentlichkeit für ihre Meinung einzustehen.

    Anschliessendes Gespräch mit Librada Paz, mexikanisch-amerikanische Menschenrechtsaktivistin (Engl.)
    MODERATION: Christoph Karlo

    Präsentiert mit der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation Switzerland

  5. 18:00
    Naila and the Uprising
    OV/e 75' | USA, Palestine 2017 | Julia Bacha | Dok

    Als 1987 die erste Intifada im von der israelischen Armee besetzten Gazastreifen ausbricht, schliesst sich Naila Ayesh einer Untergrundbewegung von Frauen an, die durch gewaltlosen Widerstand für das Selbstbestimmungsrecht Palästinas kämpft. Viele der Rebellen werden verhaftet oder gezwungen, ins Exil zu gehen, so auch Nailas Ehemann, der aus Ägypten die Ereignisse verfolgt. Die Frauen eignen sich allmählich den Raum der abwesenden Männer an und schaffen es durch wirtschaftlichen Boykott und Selbstversorgung, Israel in die Knie zu zwingen.
    Die preisgekrönte Dokumentarfilmerin Julia Bacha verwebt Archivaufnahmen, Animationen und Interviews zu einer Chronik des weiblichen Widerstands und zeigt uns eine Welt, die bisher wenig mediale Beachtung fand. (slb)

    SEPERATE EVENT
    BIG DEBATE IM FORUM KOSMOS, 19:30
    ISRAELI AND PALESTINIAN WOMEN FOR PEACE (Engl.)
    Gespräch mit der israelischen Frauenrechtlerin Tal Cohen (Women Wage Peace) und der palästinensischen Aktivistin Amira Musallam (Holy Land Trust) über die historische und die aktuelle Rolle von Frauen in der Friedensbewegung im Nahostkonflikt.
    MODERATION: Dana Landau

    Präsentiert mit cfd – Der feministische Friedensdienst und JCall Switzerland

  6. 18:00
    In My Room
    OV/e 68' | Israel 2017 | Ayelet Albenda | Dok

    Diese innovative Langzeitstudie begleitet sechs Teenager durch die intensivste Phase ihres Lebens: Jahre voller Unsicherheit, Verletzlichkeit und Fragen rund um ihre Sexualität und Geschlechtsidentität. Die Jugendlichen testen online verschiedene Versionen ihrer selbst und verhandeln sie mit der virtuellen Ersatzfamilie. Ein Teenager denkt vor der Kamera seines Computers laut über eine Geschlechtsumwandlung nach, eine Jugendliche bittet die Community um Rat zu ihrer Schwangerschaft. Das Material besteht aus persönlichen Youtube-Aufnahmen: filmische Tagebücher, die uns einen ungewöhnlich intimen Zugang zur Wirklichkeit von Heranwachsenden ermöglichen – voller Drama und Experimentierfreude, Mut und Selbstironie. (slb)

    IDENTITÄTSFINDUNG VOR LAUFENDER KAMERA
    Gespräch mit Lukas Neuenschwander (Vorstandsmitglied Transgender Netzwerk Switzerland) und Alexander Robert Herren (Aktivist Milchjugend) zum Prozess der Identitäts- findung. Genauer: Weshalb halten wir immer noch so
    vehement an binären Geschlechterrollen fest und was bedeutet das für junge Menschen, die sich nicht mit ihrem zugewiesenen Geschlecht identifizieren oder die festgelegten Grenzen von Männlichkeit und Weiblichkeit sprengen? Welche Bedeutung hat das Internet für diejenigen, die an den Grundfesten gesell- schaftlicher Normen rütteln?
    MODERATION: Anna Rosenwasser (Geschäftsführerin LOS, Lesbenorganisation Schweiz)

    Präsentiert mit Transgender Network Switzerland

  7. 20:30
    The Silence of Others
    OV/e 95' | USA, Spain | Almudena Carracedo & Robert Bahar | Dok

    Die Spanierin Maria Martín kämpft seit Jahren dafür, dass die Gebeine ihrer Mutter aus dem Massengrab exhumiert und neben denen ihres Vaters bestattet werden. Doch weil der 1977 von einer großen Mehrheit des spanischen Parlaments beschlossene «Pakt des Vergessens» nicht nur die Freilassung aller politischen Gefangenen garantierte, sondern auch jegliche Strafverfolgung der unter Franco verübten Verbrechen verbot, sind viele Gräueltaten bis heute ungeklärt geblieben. Nun versuchen Menschenrechtsanwälte in Argentinien die Aufhebung des Amnestiegesetzes zu erreichen und Haftbefehle gegen die Täter auszustellen. Durch intelligente Montage und feinfühlige Zeugeninterviews schafft dieser spannungsgeladene Film ein Abbild eines zwischen Vergessen und Erinnern gespaltenen Landes. (slb)

    POST-FRANCO SPAIN: BETWEEN CRIME AND PUNISHMENT (Engl.)
    Gespräch mit Montse Ferrer (Juristin und Forscherin der Menschenrechtsorganisation TRIAL) über Spaniens Vergangenheitsbewältigung. Die Generation nach Franco wurde aufgefordert, die Vergehen des Regimes zu vergessen und nicht zurückzublicken. Welchen Preis zahlt eine Gesellschaft, die sich ihren Verbrechen nicht stellt? Wie kommt es letztlich dennoch dazu, dass Schuldige zur Rechenschaft gezogen werden?
    MODERATION: Nicola Diday (Swisspeace)

  8. 20:30
    The Rape of Recy Taylor
    OV/e 92' | USA 2017 | Nancy Buirsky | Dok

    Die 24jährige Afroamerikanerin, Mutter und Landarbeiterin Recy Taylor wurde 1944 in Alabama auf dem Heimweg von der Kirche von sechs weissen Männern vergewaltigt. In Abbeville verheimlichten schwarze Frauen üblicherweise jegliche Misshandlung aus Angst davor, umgebracht zu werden. Recy Taylor aber identifiziert die Täter und zeigt sie an. Die NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) beauftragt die Ermittlerin Rosa Parks mit dem Fall. Die Aktivistin und Frauenrechtlerin, die sich gut zehn Jahre später in einem historischen Moment weigern wird, ihren Platz im Bus einem weissen Mann zu geben, sagt dem rassistischen Justizsystem den Kampf an und löst damit laute Forderungen nach Gerechtigkeit aus. (slb)

    BLACK WOMEN’S LIVES MATTER TOO (Engl.)
    Gespräch mit Yvonne Apiyo Brändle-Amolo (Aktivistin Feministischer Salon) über strukturellen Rassismus und Gewalt gegen schwarze Frauen. Was hat sich in den USA seit den 40er Jahren durch die Frauenrechtsbewegung verändert und wo besteht weiterhin Handlungsbedarf?
    MODERATION: Aline Juchler

Fr. 7. Dez. 2018
  1. 09:30
    Eldorado – Schulvorstellung
    OV/d 100' | Schweiz 2018 | Markus Imhoof | Dok

    Als Markus Imhoof, geboren 1941, ein kleiner Junge war, nahmen seine Eltern das italienische Flüchtlingskind Giovanna bei sich in der Schweiz auf. Doch die große Politik riss die Kinderfreundschaft auseinander. Die Erinnerungen daran veranlassen den Regisseur, sich mit der aktuellen europäischen Flüchtlingspolitik zu beschäftigen. Imhoof hinterfragt das System der organisierten Hilfe, das Geflüchtete in einen teuflischen Kreislauf entlässt, der meist von ökonomischen Interessen bestimmt wird. Ein leiser Film, der zur eindringlichen Mahnung wird.

    Anschliessendes Gespräch mit Sibylle Berger, Vertreterin Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen (MSF).
    MODERATION: Hans-Peter von Däniken (Paulus Akademie)

  2. 09:30
    Easy Lessons – Schulvorstellung
    OV/d 78' | Hungary 2018 | Dorottya Zurbó | Dok

    Kafiya, eine junge Frau auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, muss viel von dem, was ihr Leben in Somalia ausmachte, hinter sich lassen. Nun will sie sich ein Zuhause in Ungarn einrichten und sich der neuen kulturellen Realität anpassen. Als Leitfaden der Erzählung dient Kafiyas Ehrgeiz, die Prüfungen der ungarischen Schule zu bestehen. Die im Titel angekündigten Lektionen verschaffen uns neue Erkenntnisse zur Protagonistin und ermöglichen es uns vor allem, über die Rolle der Geschichte, des Staates und der Institutionen nachzudenken und darüber, wie diese die Integration von Menschen auf der Flucht beeinflussen. Kafiya ist eine starke Figur, die ihrem Schicksal durchwegs optimistisch begegnet, sich fixen Zuschreibungen verweigert und ihre neue Identität lustvoll auslebt. (slb)

    Anschliessendes Gespräch mit Filmemacherin Dorottya Zurbó und Protagonistin Kafiya Said Mahdi (Engl.)
    MODERATION: Aline Juchler

  3. 13:30
    In My Room – Schulvorstellung
    OV/d 68' | Israel 2017 | Ayelet Albenda | Dok

    Diese innovative Langzeitstudie begleitet sechs Teenager durch die intensivste Phase ihres Lebens: Jahre voller Unsicherheit, Verletzlichkeit und Fragen rund um ihre Sexualität und Geschlechtsidentität. Die Jugendlichen testen online verschiedene Versionen ihrer selbst und verhandeln sie mit der virtuellen Ersatzfamilie. Ein Mädchen denkt vor der Kamera seines Computers laut über eine Geschlechtsumwandlung nach, ein anderes Mädchen bittet die Community um Rat zu seiner Schwangerschaft. Das Material besteht aus persönlichen Youtube-Aufnahmen: filmische Tagebücher, die uns einen ungewöhnlich intimen Zugang zur Wirklichkeit von Heranwachsenden ermöglichen – voller Drama und Experimentierfreude, Mut und Selbstironie. (slb)

    Anschliessendes Gespräch mit Transgender Netzwerk Switzerland.
    MODERATION: Anna Rosenwasser (LOS, Lesbenorganisation Schweiz)

  4. 13:30
    Beyond Dreams – Schulvorstellung
    OV/d 90' | Sweden 2017 | Rojda Sekersöz | Spielfilm

    Mirja kommt aus dem Gefängnis und feiert ausgelassen mit ihrer Mädchen Gang inmitten von grauen Plattenbauten. Sie ist motiviert, einen verantwortungsvollen Lebensweg einzuschlagen und nimmt einen Job als Putzhilfe an, was zu Auseinandersetzungen führt mit ihren arbeitslosen Freundinnen. Immer wieder gerät sie in Konflikt mit ihrer alleinerziehenden kranken Mutter, die Mirja für eine Versagerin hält. Der Film beschäftigt sich mit der Frage welchen Zwängen Teenager ausgesetzt sind und wie berufliche Möglichkeiten durch das soziale Umfeld beschnitten werden.

    Anschliessendes Gespräch mit Librada Paz, mexikanisch-amerikanische Menschenrechtsaktivistin (Engl.)
    MODERATION: Christoph Karlo

    Präsentiert mit der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation Switzerland

  5. 18:00
    Easy Lessons
    OV/e 78' | Ungarn 2018 | Dorottya Zurbó | Dok

    Kafiya, eine junge Frau auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, muss viel von dem, was ihr Leben in Somalia ausmachte, hinter sich lassen. Nun will sie sich ein Zuhause in Ungarn einrichten und sich der neuen kulturellen Realität anpassen. Als Leitfaden der Erzählung dient Kafiyas Ehrgeiz, die Prüfungen der ungarischen Schule zu bestehen. Die im Titel angekündigten Lektionen verschaffen uns neue Erkenntnisse zur Protagonistin und ermöglichen es uns vor allem, über die Rolle der Geschichte, des Staates und der Institutionen nachzudenken und darüber, wie diese die Integration von Menschen auf der Flucht beeinflussen. Kafiya ist eine starke Figur, die ihrem Schicksal durchwegs optimistisch begegnet, sich fixen Zuschreibungen verweigert und ihre neue Identität lustvoll auslebt. (slb)

    HOW TO MAKE HUNGARY HOME (Engl.)
    Gespräch mit der Filmemacherin Dorottya Zurbó und der Protagonistin Kafiya Said Mahdi über die Realität von Menschen auf der Flucht, soziale Anpassung und den Versuch, zwischen der Vergangenheit in Somalia und der Gegenwart in Ungarn das eigene Leben frei zu gestalten.
    MODERATION: Alexandra Karle (Leiterin Kommunikation und Menschenrechtspolitik, Amnesty International)

    Präsentiert mit Amnesty International.

  6. 18:00
    Breathless
    OV/e 75' | Belgium 2018 | Daniel Lambo | Dok

    Daniel Lambo hatte als Schüler einen Ferienjob bei der belgischen Firma Etex-Eternit, die Asbestplatten herstellte. Sein Vater, Gewerkschafter in dem weltweit tätigen Baustoffkonzern, hielt seinen Sohn nicht von dieser Arbeit ab, obwohl er wusste, wie schädlich Asbeststaub ist. Das Unternehmen finanzierte viele Familien in der Gegend und stellte kostenlos Platten für den Bau der Schulhäuser zur Verfügung. Heute kennen alle im Dorf jemanden, der wegen des «tödlichen Staubs» gestorben ist. Lambos persönliche Recherche über den lange unangefochtenen Baustoff beginnt in seiner Heimat bei Brüssel und führt ihn zu Aktivistinnen, Betroffenen und an Orte, wo sich die Geschichte wiederholt: In Industriestädten wie Kymore in Indien, wo die grösste Asbestdeponie der Welt liegt. (mia)

    TÖDLICHER STAUB – DER KAMPF GEGEN ASBEST GEHT WEITER (Engl.)
    Gespräch mit Sanjiv Pandita und Bernhard Herold von Solidar Suisse über die Situation von ArbeiterInnen, die weiterhin mit Asbest in Kontakt kommen. Was wissen diese ArbeiterInnen über die Gefahren von Asbest? Welche Möglichkeiten gibt es, um Asbest weltweit zu verbieten? Und welche Interessen stehen einem Verbot im Weg?
    Sanjiv Pandita engagiert sich seit vielen Jahren in der internationalen Anti-Asbest Bewegung. Bernhard Herold leitet das Asien-Programm von Solidar Suisse mit Fokus auf die Hilfe für Asbest Opfer.
    MODERATION: Jenny Billeter

    Präsentiert mit Solidar Suisse.

  7. 20:30
    On her Shoulders
    OV/e 94' | USA 2018 | Alexandria Bombach | Dok

    Die 23jährige Jesidin Nadia Murad überlebte die Gräueltaten an ihrem Volk und die sexuelle Versklavung durch den «Islamischen Staat» im Norden Iraks. Unermüdlich und angespornt durch den Wunsch, dass diese Verbrechen nicht ungesühnt bleiben, erzählt sie ihre intime Leidensgeschichte immer wieder in der Öffentlichkeit und übersetzt ihren Schmerz so in internationalen Aktivismus, der sie bis vor den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen führt. Das Interesse an der verletzlichen und charismatischen Frau ist enorm und Nadias Berater und Übersetzer Murad Ismail sieht sich öfters gezwungen, sie vor skandalisierenden Fernsehshows zu schützen. Der Filmemacherin gelingt ein einfühlsames Portrait der frisch gekürten Friedensnobelpreisträgerin, die lernen muss inmitten des medialen Lärms ihrer inneren Stimme zu lauschen. (slb)

    IRAK: KRIEG, FOLTER UND TRAUMABEWÄLTIGUNG
    Im Anschluss an den Film schildert Belkis Wille, Human Rights Watch Senior Researcher für den Irak, die aktuelle Situation im kriegsversehrten Land. (Engl.)
    Elisabeth Steiner, Psychoanalytikerin und Psychotherapeutin mit Arbeitsschwerpunkt Behandlung von Kriegs- und Folteropfern sowie Mitbegründerin der Zürcher Fachstelle für Psychotraumatologie, diskutiert den Umgang von Gewaltüberlebenden mit Trauma. (Deutsch)
    MODERATION: Barbara Fry Henchoz (Commitee Human Rights Watch Zurich)

    Präsentiert mit Human Rights Watch.

  8. 20:30
    Island of the Hungry Ghosts
    OV/e 94' | Germany, UK, Australia 2018 | Gabrielle Brady | Dok

    Poh Lin arbeitet als Therapeutin für Asylsuchende, die auf der australischen Weihnachtsinsel für unbestimmte Zeit in Hochsicherheitslagern eingesperrt sind. Oft verzweifelt sie an den bürokratischen Hürden, die ihren Klienten und ihr im Weg stehen. Manche verschwinden und tauchen einfach nicht mehr auf. Gabrielle Brady verwebt die Schicksale der gestrandeten Menschen mit der visuell beeindruckenden alljährlichen Migration der Wanderkrabben, die ebenfalls unter Lebensgefahr ihre Reise antreten. Auf dieser Insel mit ihren rauen Landschaften sind Tiere und Menschen unheimlichen Mechanismen und Sogwirkungen ausgesetzt. Allmählich kommt auch die unermüdliche Poh Lin an ihre Grenzen. (slb)

    Preisübergabe «Mercurius Prize» an die Filmemacherin Gabrielle Brady.
    "The Mercurius Prize honors films that show sensitive treatment of psychological themes and promote increased consciousness and responsibility on both individual and collective levels."
    Der Mercurius Prize wird durch Murray Stein, Präsident Mercurius Prize Kommitee, an die Filmemacherin übergeben.

    TRAUMA, PSYCHOLOGY AND HUMAN RIGHTS (Engl.)
    Gespräch mit der Filmemacherin Gabrielle Brady, Steven Buser (klinischer Psychiater USA) und Hilary Witt (Traumatherapeutin nach Peter A. Levine und Mediatorin) über Traumatherapie mit Menschen auf der Flucht. Mit welchen Herausforderungen sehen sich Therapeuten konfrontiert? Wo liegen die Grenzen der therapeutischen Beziehung in angespannten oder repressiven Umfeldern, wie Asylunterkünften und Internierungslagern?
    MODERATION: Marcy Goldberg

    Präsentiert mit Mercurius Prize.

Sa. 8. Dez. 2018
  1. 11:30
    Anote's Ark
    OV/e 77' | Canada 2018 | Mathieu Rytz | Dok

    Der Inselstaat Kiribati wird mit einer existentiellen Gefahr unserer Zeit konfrontiert: Er versinkt langsam im Meer. Viele Bewohner wollen ins Ausland ziehen, so auch Tiemeri, die mit ihren sechs Kindern nach Neuseeland umsiedeln wird. Der Präsident Anote Tong entschliesst sich, seinem Volk wenigstens würdige Auswanderungsbedingungen zu bieten und stellt sich der Herausforderung des Klimawandels auf den politischen Bühnen der Welt. Der Genfer Regisseur Matthieu Rytz beobachtet ihn an Konferenzen, Gesprächen in Fernsehstudios und einer Audienz beim Papst und zeigt mit ergreifenden Bildern, dass uns allen das Wasser bald bis zum Hals stehen wird. (slb)


    BIG DEBATE IM FORUM KOSMOS, 13:00
    WAS GEHT UNS DIE KLIMAKRISE AN?
    Gespräch mit dem Filmemacher Matthieu Rytz, Jacqueline Fehr (Regierungsrätin des Kanton Zürich) und Marcel Hänggi (Journalist und Buchautor) über die Verantwortung der Schweiz und die Rollen, die wir als einzelne im Klimadrama spielen. Was haben wir mit dem Schicksal Kiribatis und anderen Betroffenen zu tun?
    MODERATION: Georg Klinger (Greenpeace Switzerland)

    Präsentiert mit Greenpeace Switzerland.

  2. 14:00
    Island of the Hungry Ghosts
    OV/e 94' | Germany, UK, Australia 2018 | Gabrielle Brady | Dok

    Poh Lin arbeitet als Therapeutin für Asylsuchende, die auf der australischen Weihnachtsinsel für unbestimmte Zeit in Hochsicherheitslagern eingesperrt sind. Oft verzweifelt sie an den bürokratischen Hürden, die ihren Klienten und ihr im Weg stehen. Manche verschwinden und tauchen einfach nicht mehr auf. Gabrielle Brady verwebt die Schicksale der gestrandeten Menschen mit der visuell beeindruckenden alljährlichen Migration der Wanderkrabben, die ebenfalls unter Lebensgefahr ihre Reise antreten. Auf dieser Insel mit ihren rauen Landschaften sind Tiere und Menschen unheimlichen Mechanismen und Sogwirkungen ausgesetzt. Allmählich kommt auch die unermüdliche Poh Lin an ihre Grenzen. (slb)

  3. 14:00
    Easy Lessons
    OV/e 78' | Ungarn 2018 | Dorottya Zurbó | Dok

    Kafiya, eine junge Frau auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, muss viel von dem, was ihr Leben in Somalia ausmachte, hinter sich lassen. Nun will sie sich ein Zuhause in Ungarn einrichten und sich der neuen kulturellen Realität anpassen. Als Leitfaden der Erzählung dient Kafiyas Ehrgeiz, die Prüfungen der ungarischen Schule zu bestehen. Die im Titel angekündigten Lektionen verschaffen uns neue Erkenntnisse zur Protagonistin und ermöglichen es uns vor allem, über die Rolle der Geschichte, des Staates und der Institutionen nachzudenken und darüber, wie diese die Integration von Menschen auf der Flucht beeinflussen. Kafiya ist eine starke Figur, die ihrem Schicksal durchwegs optimistisch begegnet, sich fixen Zuschreibungen verweigert und ihre neue Identität lustvoll auslebt. (slb)

  4. 16:00
    Angels Wear White
    OV/e 107' | China 2017 | Vivian Qu | Spielfilm

    In einer Touristenstadt an der chinesischen Küste steht eine Kopie der gigantischen Statue von Marilyn Monroe. Sie verkörpert alles, was die zwölfjährige Wen nicht sein soll: sexy, stark, selbstbestimmt. Denn chinesische Männer bezahlen viel, um eine Jungfrau zu heiraten. Als die Wanderarbeiterin Mia Zeugin einer Vergewaltigung an zwei Minderjährigen wird, geraten die Mädchen in ein Netz von Verstrickungen, in dem der Ruf wichtiger ist als Gerechtigkeit. Viviane Qu zeigt in ihrem poetisch inszenierten Meisterwerk Chinesinnen verschiedenen Alters, die mal furchtlos, mal ängstlich durch die Strukturen einer maskulinen Welt navigieren. Sie durchleuchtet eine Gesellschaft, in der fast alles und alle käuflich sind. (mia)

    Die Kunsthalle Zürich zeigt Filme des chinesischen Filmemachers Wang Bing. Die Ausstellungs-Eröffnung ist am Freitag 7. Dezember 18:00, ein Gespräch mit Wang Bing findet am Samstag 8. Dezember um 12:00 statt. Reduzierter Eintritt für 6 Franken mit einem Kinoticket des HRFF Zurich.

  5. 16:00
    The Rape of Recy Taylor
    OV/e 92' | USA 2017 | Nancy Buirsky | Dok

    Die 24jährige Afroamerikanerin, Mutter und Landarbeiterin Recy Taylor wurde 1944 in Alabama auf dem Heimweg von der Kirche von sechs weissen Männern vergewaltigt. In Abbeville verheimlichten schwarze Frauen üblicherweise jegliche Misshandlung aus Angst davor, umgebracht zu werden. Recy Taylor aber identifiziert die Täter und zeigt sie an. Die NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) beauftragt die Ermittlerin Rosa Parks mit dem Fall. Die Aktivistin und Frauenrechtlerin, die sich gut zehn Jahre später in einem historischen Moment weigern wird, ihren Platz im Bus einem weissen Mann zu geben, sagt dem rassistischen Justizsystem den Kampf an und löst damit laute Forderungen nach Gerechtigkeit aus. (slb)

  6. 18:00
    Black Cop
    E 91' | Canada 2017 | Cory Bowles | Spielfilm

    Ein afroamerikanischer Polizist wird von der eigenen Gemeinschaft wie von der Gesetzesmacht gleichermassen misstrauisch beobachtet und oft wird sein Status massiv untergraben. Rassismus und Vorurteilen zum Trotz begibt sich der Protagonist auf ausgeklügelte Rachefeldzüge. Er entlädt seine Wut auf weisse Mitbürger, indem er sie so erniedrigt und bedroht, wie es sonst nur schwarze Menschen erleben. Durch diese scharfe und teils ins Absurde abschweifende Satire setzt Cory Bowles uns einen Spiegel vor und schafft ein Filmdebut von innovativer Wucht. (slb)

    BIG DEBATE IM FORUM KOSMOS, 19:30
    RACE, RACIAL PROFILING AND LAW ENFORCEMENT (Engl.)
    Gespräch mit dem Filmemacher Cory Bowles, Vanessa E. Thompson (Institut für Soziologie der Goethe-Universität Frankfurt) und Sibylle Stamm (Mediatorin und strategische Beraterin, arbeitet u.a. mit der Schweizer Polizei zu Macht und Racial Profiling) über strukturellen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze. Welche Ursachen und Folgen hat Racial Profiling? Welche Strategien wenden die Black Lives Matter Bewegungen in den USA und antirassistische Bewegungen in Europa an, um die Situation zu verändern? Wie wird Rassismus Menschen verständlich gemacht, die diesen nicht selbst erlebt haben? MODERATION: Tarek Naguib (Jurist und Aktivist)

  7. 18:00
    Of Fathers and Sons
    OV/e 98' | Germany, Syria, Lebanon 2017 | Talal Derki | Dok

    In dieser sorgfältigen Langzeitstudie folgt der in Berlin lebende syrische Regisseur Talal Derki der Familie des islamistischen Kämpfers Abu Osama und zeigt den Alltag in einem nordsyrischen Dorf. Der Film erlaubt einen unverstellten Blick auf die psychologischen Strukturen eines kriegsversehrten Volkes und die Opferbereitschaft eines Vaters, der seine Söhne zu Dschihad-Kämpfern ausbilden lässt und für den Traum des Kalifats sein Leben geben würde. Derki gelingt es dank einer cleveren Montage, die Intimität des Familienlebens mit den Gräueln des Bürgerkrieges zu verknüpfen und er macht erfahrbar, was es für Kinder heisst, in dieser von Gewalt geprägten Welt aufzuwachsen. (slb)

  8. 20:30
    Srbenka
    OV/e 72' | Kroatien 2018 | Nebojša Slijepčević | Dok

    Im Winter 1991 verteidigt sich Kroatien gegen die von Serbien ausgehende militärische Aggression, es herrschen Chaos und Selbstjustiz. Zu den Opfern dieses Konflikts zählt die zwölfjährige Aleksandra Zec, eine in Zagreb gelynchte Jugendliche serbischer Herkunft. Niemand wurde für diesen Mord je verurteilt. Eine Generation später – noch immer werden serbische Schüler den «Feinden» von gestern gleichgesetzt – inszeniert der bekannte Theaterregisseur Oliver Frljić die beklemmenden Vorkommnisse mit der ebenfalls zwölfjährigen Serbin Nina in der Hauptrolle. Während draussen aufgebrachte Kroaten gegen die Premiere demonstrieren, wird drinnen die Probe zur kollektiven Psychotherapie. Der Film stellt wie das Theaterstück die dringliche Frage, ob Kunst einen Raum schaffen kann, der den Teufelskreis der Rache durchbricht. (slb)

    Gespräch mit dem Filmemacher Nebojša Slijepčević
    MODERATION: Jenny Billeter

  9. 20:30
    The Cleaners
    OV/e 88' | Germany, Brazil 2018 | Hans Block & Moritz Riesewieck | Dok

    Die Grausamkeiten der Menschen gab es schon immer, durch soziale Medien werden sie nun visuell zugänglich gemacht – so hat fast jeder bereits eine Enthauptung durch den «Islamischen Staat» gesehen. Brutale Bilder, die sich ins Gedächtnis einprägen und kaum gelöscht werden können. Wer steuert eigentlich diese Bilderflut? Wer entscheidet, was zumutbar ist? Fern vom Silicon Valley arbeiten «Content Moderatoren» in einer Schattenwelt auf den Philippinen und müssen innerhalb von acht Sekunden entscheiden, ob ein Bild auf Facebook gelöscht wird. Der Film folgt dem beklemmenden Arbeitsleben fünf solcher Dienstleister in Manila und zeigt, wie psychologische Folgeschäden diese Menschen in Abgründe stürzen. (slb)

    DAS GEHEIME LEBEN VON CONTENT MODERATOREN (Engl.)
    Gespräch mit Serge Droz (Senior Advisor, ICT4Peace Foundation) über die Arbeit von «Content Moderatoren», die den Müll im Internet filtern. Plattformen wie Facebook oder Instagram müssen ihre Nutzer an der Verbreitung von Enthauptungen, inszenierten Selbstmorden, Kinderpornographie, Gewaltaufrufen und anderen Formen des digitalen Hasses hindern. Wen stellen sie an, um solche Inhalte zu löschen? Wie kann die Arbeit dieser digitalen «Putzkräfte» angemessen entlöhnt und die seelische Belastung gemindert werden?
    MODERATION: Marguerite Meyer (Journalistin)

    Präsentiert mit ICT4Peace.

So. 9. Dez. 2018
  1. 11:30
    Los Versos del Olvido
    OV/e 94' | Germany, Chile, France 2017 | Alireza Khatami | Spielfilm

    Die stille Routine eines chilenischen Friedhofwärters wird jäh unterbrochen, als die Miliz versucht, die Opfer eines niedergeschlagenen Protestes in seinen Kühlkammern zu verstecken. Immer wieder besucht ihn eine Frau, die ihre vermisste Tochter sucht. Der alte Mann hat ein tadelloses Gedächtnis, bloss die Namen weiss er nicht mehr. Nun setzt er alles daran, den Namen einer getöteten Frau zu erfahren, um sie würdig zu bestatten. Der iranische Regisseur Alireza Khatami erzählt dies als poetische Sinnsuche in einer Welt voller Korruption und Gewalt. Er vergleicht dabei die Psychostruktur Chiles indirekt mit der seiner Heimat Iran. Der mehrfach ausgezeichnete Spielfilm schafft ein filmisches Denkmal für die Verschwundenen. (slb)

  2. 11:30
    Breathless
    OV/e 75' | Belgium 2018 | Daniel Lambo | Dok

    Daniel Lambo hatte als Schüler einen Ferienjob bei der belgischen Firma Etex-Eternit, die Asbestplatten herstellte. Sein Vater, Gewerkschafter in dem weltweit tätigen Baustoffkonzern, hielt seinen Sohn nicht von dieser Arbeit ab, obwohl er wusste, wie schädlich Asbeststaub ist. Das Unternehmen finanzierte viele Familien in der Gegend und stellte kostenlos Platten für den Bau der Schulhäuser zur Verfügung. Heute kennen alle im Dorf jemanden, der wegen des «tödlichen Staubs» gestorben ist. Lambos persönliche Recherche über den lange unangefochtenen Baustoff beginnt in seiner Heimat bei Brüssel und führt ihn zu Aktivistinnen, Betroffenen und an Orte, wo sich die Geschichte wiederholt: In Industriestädten wie Kymore in Indien, wo die grösste Asbestdeponie der Welt liegt. (mia)

  3. 14:00
    In My Room
    OV/e 68' | Israel 2017 | Ayelet Albenda | Dok

    Diese innovative Langzeitstudie begleitet sechs Teenager durch die intensivste Phase ihres Lebens: Jahre voller Unsicherheit, Verletzlichkeit und Fragen rund um ihre Sexualität und Geschlechtsidentität. Die Jugendlichen testen online verschiedene Versionen ihrer selbst und verhandeln sie mit der virtuellen Ersatzfamilie. Ein Teenager denkt vor der Kamera seines Computers laut über eine Geschlechtsumwandlung nach, eine Jugendliche bittet die Community um Rat zu ihrer Schwangerschaft. Das Material besteht aus persönlichen Youtube-Aufnahmen: filmische Tagebücher, die uns einen ungewöhnlich intimen Zugang zur Wirklichkeit von Heranwachsenden ermöglichen – voller Drama und Experimentierfreude, Mut und Selbstironie. (slb)

  4. 14:00
    Black Cop
    E 91' | Canada 2017 | Cory Bowles | Spielfilm

    Ein afroamerikanischer Polizist wird von der eigenen Gemeinschaft wie von der Gesetzesmacht gleichermassen misstrauisch beobachtet und oft wird sein Status massiv untergraben. Rassismus und Vorurteilen zum Trotz begibt sich der Protagonist auf ausgeklügelte Rachefeldzüge. Er entlädt seine Wut auf weisse Mitbürger, indem er sie so erniedrigt und bedroht, wie es sonst nur schwarze Menschen erleben. Durch diese scharfe und teils ins Absurde abschweifende Satire setzt Cory Bowles uns einen Spiegel vor und schafft ein Filmdebut von innovativer Wucht. (slb)

  5. 15:45
    The Distant Barking of Dogs
    OV/e 90' | Denmark 2017 | Simon Lerong-Willmont | Dok

    Der zehnjährige Oleg wohnt mit seiner Grossmutter in der Provinz Donetsk, ein paar Schritte von der Front des Ukrainekrieges entfernt. Kaum wird es dunkel, fallen Raketen. Oleg zuckt nicht mehr bei jedem Knall zusammen wie sein kleiner Cousin, der mit seiner Mutter an einen sicheren Ort ziehen soll. Oleg und seine Grossmutter bleiben in ihrem Haus, denn sie können nirgendwohin. Nachbar Kostya bringt Oleg bei, wie man mit der Pistole auf Frösche schiesst: Kriegsspiele auf dem Feld, während im Hintergrund dauernd Bomben explodieren.
    Regisseur Simon Lereng Wilmont beobachtet das Leben eines Kindes in einer Kriegszone. Mit behutsamer Nähe folgt der Filmemacher Oleg durch eine idyllische Landschaft in einer unsicheren Zeit. Er portraitiert einen Jungen mit einer bedingungslosen Liebe zu seiner Grossmutter und einer Faszination für den Krieg, die ihn seine Unschuld verlieren lässt. (mia)

    KINDER IM KRIEGSALLTAG (Engl.)
    Gespräch mit dem Filmemacher Simon Lereng Wilmont (via Skype) und anschliessend mit Vito Angelillo (Geschäftsleiter Terre des hommes – Kinderhilfe) zum Krieg in der Ukraine. Wie gehen Kinder mit den Gefechten in ihrer Nachbarschaft um? Was bedeutet es für Kinder, in umkämpften Gebieten aufzuwachsen?
    MODERATION: Flavia Giorgetta

    Präsentiert mit Terre des hommes Kinderhilfe.

  6. 16:00
    The Silence of Others
    OV/e 95' | USA, Spain | Almudena Carracedo & Robert Bahar | Dok

    Die Spanierin Maria Martín kämpft seit Jahren dafür, dass die Gebeine ihrer Mutter aus dem Massengrab exhumiert und neben denen ihres Vaters bestattet werden. Doch weil der 1977 von einer großen Mehrheit des spanischen Parlaments beschlossene «Pakt des Vergessens» nicht nur die Freilassung aller politischen Gefangenen garantierte, sondern auch jegliche Strafverfolgung der unter Franco verübten Verbrechen verbot, sind viele Gräueltaten bis heute ungeklärt geblieben. Nun versuchen Menschenrechtsanwälte in Argentinien die Aufhebung des Amnestiegesetzes zu erreichen und Haftbefehle gegen die Täter auszustellen. Durch intelligente Montage und feinfühlige Zeugeninterviews schafft dieser spannungsgeladene Film ein Abbild eines zwischen Vergessen und Erinnern gespaltenen Landes. (slb)

  7. 18:00
    Seed - Unser Saatgut
    OV/df 94' | USA 2017 | Jon Betz, Taggart Siegel | Dok

    Im letzten Jahrhundert gingen weltweit 94 Prozent der Saatgutsorten verloren. Konkret: In den USA gab es einst 158 Blumenkohlsorten, heute sind es noch neun. Die Diversität des Saatgutes ist so gefährdet wie die vieler Tierarten. In diesem Dokfilm zeigen Taggart Siegel und Jon Betz, wie Konzerne wie Monsanto den drastischen Rückgang der Pflanzenvielfalt verursachen: Indem sie die Agrarpolitik steuern, um kleine Firmen zu übernehmen und nur noch ihr eigenes genmanipuliertes Saatgut zu verkaufen. Dabei verpesten die Konzerne nicht nur die Böden, sie gefährden mit Pestiziden auch die Gesundheit der Menschen. Die Filmemacher portraitieren Bauern, Aktivisten und Ethnobotaniker, die mit Sorgfalt und Hingabe uraltes Saatgut bewahren und die Nahrungsvielfalt von morgen sicherzustellen versuchen. (mia)

    Podiumsdiskussion mit Laurent Gaberell (Public Eye) und Regina Ammann (Syngenta) über Saatgut, Patente, Pestizide und Konzernverantwortung.
    MODERATION: Christoph Keller, Redaktionsleiter Kontext bei Radio SRF

    Präsentiert mit Public Eye.

  8. 18:00
    Lemonade
    OV/e 88' | Romania, Canada, Germany, Sweden | Ioana Uricaru | Spielfilm

    Die rumänische Pflegerin Mara kommt über eine Bekannte zu einem Temporärjob in den USA und lernt so Daniel kennen. Die beiden heiraten wenige Wochen später und Mara beantragt eine Green Card. Mitten im Einbürgerungsprozess holt sie ihren Sohn aus Rumänien zu sich, um mit ihm ein neues Leben aufzubauen. Als der Beamte seine Machtposition ausnutzt und sie sexuell nötigt, stellt sich für Mara die Frage: Wie weit wird sie gehen für den «American Dream»?
    Ioana Uricaru zeigt in diesem schonungslosen Spielfilm einen Ausschnitt aus dem Leben einer Frau, die mit allen Mitteln für ein besseres Leben kämpft. Gleichzeitig entlarvt sie häusliche Gewalt, Machtmissbrauch innerhalb der Immigrationsbürokratie und die Willkür der Behörden. (mia)

    HÄUSLICHE GEWALT, MACHTMISSBRAUCH UND AUSWEGE AUS DER ABHÄNGIGKEIT
    Gespräch mit Ilona Swoboda, Ko-Leiterin Frauenhaus Winterthur und Leiterin Beratungsstelle für gewaltbetroffene Frauen Kanton Thurgau. Überall auf der Welt, auch in der Schweiz, werden Frauen in ihrem eigenen Zuhause entrechtet und Opfer von häuslicher Gewalt. Wir schauen näher hin: In welchen Situationen befinden sich diese Frauen? Inwiefern sind aufenthaltsrechtliche Probleme Teil des Phänomens und führen zu Abhängigkeiten, die ausweglos scheinen? Welche Hilfe kann ihnen geboten werden? Swoboda erzählt von ihrer Arbeit und schildert Geschichten, die dem Alltag der Protagonistin in Lemonade ähneln.
    MODERATION: Flavia Giorgetta

  9. 20:30
    Of Fathers and Sons
    OV/e 98' | Germany, Syria, Lebanon 2017 | Talal Derki | Dok

    In dieser sorgfältigen Langzeitstudie folgt der in Berlin lebende syrische Regisseur Talal Derki der Familie des islamistischen Kämpfers Abu Osama und zeigt den Alltag in einem nordsyrischen Dorf. Der Film erlaubt einen unverstellten Blick auf die psychologischen Strukturen eines kriegsversehrten Volkes und die Opferbereitschaft eines Vaters, der seine Söhne zu Dschihad-Kämpfern ausbilden lässt und für den Traum des Kalifats sein Leben geben würde. Derki gelingt es dank einer cleveren Montage, die Intimität des Familienlebens mit den Gräueln des Bürgerkrieges zu verknüpfen und er macht erfahrbar, was es für Kinder heisst, in dieser von Gewalt geprägten Welt aufzuwachsen. (slb)

  10. 20:30
    Angels Wear White
    OV/e 107' | China 2017 | Vivian Qu | Spielfilm

    In einer Touristenstadt an der chinesischen Küste steht eine Kopie der gigantischen Statue von Marilyn Monroe. Sie verkörpert alles, was die zwölfjährige Wen nicht sein soll: sexy, stark, selbstbestimmt. Denn chinesische Männer bezahlen viel, um eine Jungfrau zu heiraten. Als die Wanderarbeiterin Mia Zeugin einer Vergewaltigung an zwei Minderjährigen wird, geraten die Mädchen in ein Netz von Verstrickungen, in dem der Ruf wichtiger ist als Gerechtigkeit. Viviane Qu zeigt in ihrem poetisch inszenierten Meisterwerk Chinesinnen verschiedenen Alters, die mal furchtlos, mal ängstlich durch die Strukturen einer maskulinen Welt navigieren. Sie durchleuchtet eine Gesellschaft, in der fast alles und alle käuflich sind. (mia)

    Die Kunsthalle Zürich zeigt Filme des chinesischen Filmemachers Wang Bing. Die Ausstellungs-Eröffnung ist am Freitag 7. Dezember 18:00, ein Gespräch mit Wang Bing findet am Samstag 8. Dezember um 12:00 statt. Reduzierter Eintritt für 6 Franken mit einem Kinoticket des HRFF Zurich.

Mo. 10. Dez. 2018
  1. 09:30
    Eldorado – Schulvorstellung
    OV/d 100' | Schweiz 2018 | Markus Imhoof | Dok

    Als Markus Imhoof, geboren 1941, ein kleiner Junge war, nahmen seine Eltern das italienische Flüchtlingskind Giovanna bei sich in der Schweiz auf. Doch die große Politik riss die Kinderfreundschaft auseinander. Die Erinnerungen daran veranlassen den Regisseur, sich mit der aktuellen europäischen Flüchtlingspolitik zu beschäftigen. Imhoof hinterfragt das System der organisierten Hilfe, das Geflüchtete in einen teuflischen Kreislauf entlässt, der meist von ökonomischen Interessen bestimmt wird. Ein leiser Film, der zur eindringlichen Mahnung wird.

    Anschliessendes Gespräch mit Aline Negri, Ärztin und Technische Referentin für Reisemedizin, MSF
    MODERATION: Hans-Peter von Däniken (Paulus Akademie)

  2. 13:30
    A Voix Haute – Schulvorstellung
    OV/d 99' | France 2017 | Ladj Ly, Stéphane de Freitas | Dok

    Leïla, Elhadj und Eddy sind französische Studierende an der Universität von Saint-Denis, die sich allesamt rhetorisch weiterbilden, um am berühmt berüchtigten Wettbewerb "Eloquentia" teilzunehmen, wo der beste Rhetoriker gewählt wird. Die Jugendlichen mit den unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen erfahren, dass gute Sprachtechnik auch Macht bedeuten kann. Sie erhalten Tipps von Anwälten, Slam Poeten und Regisseuren, wie sie ihre Auftrittskompetenz verfeinern können und wagen das schwierige Experiment, in der Öffentlichkeit für ihre Meinung einzustehen.

    Anschliessendes Gespräch mit Librada Paz, mexikanisch-amerikanische Menschenrechtsaktivistin (Engl.)
    MODERATION: Christoph Karlo

    Präsentiert mit der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation Switzerland

  3. 18:00
    Srbenka
    OV/e 72' | Kroatien 2018 | Nebojša Slijepčević | Dok

    Im Winter 1991 verteidigt sich Kroatien gegen die von Serbien ausgehende militärische Aggression, es herrschen Chaos und Selbstjustiz. Zu den Opfern dieses Konflikts zählt die zwölfjährige Aleksandra Zec, eine in Zagreb gelynchte Jugendliche serbischer Herkunft. Niemand wurde für diesen Mord je verurteilt. Eine Generation später – noch immer werden serbische Schüler den «Feinden» von gestern gleichgesetzt – inszeniert der bekannte Theaterregisseur Oliver Frljić die beklemmenden Vorkommnisse mit der ebenfalls zwölfjährigen Serbin Nina in der Hauptrolle. Während draussen aufgebrachte Kroaten gegen die Premiere demonstrieren, wird drinnen die Probe zur kollektiven Psychotherapie. Der Film stellt wie das Theaterstück die dringliche Frage, ob Kunst einen Raum schaffen kann, der den Teufelskreis der Rache durchbricht. (slb)

  4. 18:00
    Genezis
    OV/e 120' | Hungary 2018 | Árpád Bogdán | Spielfilm

    Betrunkene Rassisten überfallen nachts eine Roma-Siedlung und zünden die Häuser an. Der kleine Ricsi sieht, wie seine Mutter im Feuer stirbt. Sein Vater sitzt im Gefängnis und so ist der Neunjährige auf sich allein gestellt. Die Schülerin und leidenschaftliche Bogenschützin Virág vermutet, dass ihr Freund Misi in die Attacke auf das Roma-Dorf verwickelt ist und stellt sich gegen ihn. Die erfolgsverwöhnte Anwältin Hanna, die den Neonazi verteidigen soll, hat Gewissensbisse. Der Regisseur Árpád Bogdán seziert diesen Gewaltakt mit scharfem Blick aus drei Perspektiven. Hintergrund der dramaturgisch geschickt miteinander verbundenen Geschichten sind Angriffe ungarischer Neonazis auf Roma-Dörfer in den Jahren 2008 und 2009, bei denen sechs Menschen getötet wurden. (slb)

    TAG DER MENSCHENRECHTE
    WILLKOMMENSWORTE
    Leo Kaneman, Präsident HRFF Zurich
    Botschafterin Heidi Grau, Chefin der Abteilung Menschliche Sicherheit im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA)

    BIG DEBATE IM FORUM KOSMOS, 20:15
    KOSMOPOLITICS: ARE WE LIVING IN A POST-HUMAN RIGHTS ERA? (Engl.)
    Nach dem Film diskutieren die Podiumsteilnehmenden darüber, ob wir gerade das Ende der Menschenrechte erleben.
    - Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss und heutige Vizepräsidentin der Internationalen Kommission gegen die Todesstrafe
    - Stephen Hopgood, Professor für internationale Beziehungen und Ko-Direktor des Centre for the International Politics of Conflict an der SOAS University
    - Manon Schick, Geschäftsleiterin Amnesty International Schweiz
    - Fanny de Weck, Menschenrechtsanwältin
    MODERATION: Mikael Krogerus (Das Magazin)

    Präsentiert mit dem
    Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA)

  5. 20:30
    Seed - Unser Saatgut
    OV/df 94' | USA 2017 | Jon Betz, Taggart Siegel | Dok

    Im letzten Jahrhundert gingen weltweit 94 Prozent der Saatgutsorten verloren. Konkret: In den USA gab es einst 158 Blumenkohlsorten, heute sind es noch neun. Die Diversität des Saatgutes ist so gefährdet wie die vieler Tierarten. In diesem Dokfilm zeigen Taggart Siegel und Jon Betz, wie Konzerne wie Monsanto den drastischen Rückgang der Pflanzenvielfalt verursachen: Indem sie die Agrarpolitik steuern, um kleine Firmen zu übernehmen und nur noch ihr eigenes genmanipuliertes Saatgut zu verkaufen. Dabei verpesten die Konzerne nicht nur die Böden, sie gefährden mit Pestiziden auch die Gesundheit der Menschen. Die Filmemacher portraitieren Bauern, Aktivisten und Ethnobotaniker, die mit Sorgfalt und Hingabe uraltes Saatgut bewahren und die Nahrungsvielfalt von morgen sicherzustellen versuchen. (mia)

  6. 20:30
    Lemonade
    OV/e 88' | Romania, Canada, Germany, Sweden | Ioana Uricaru | Spielfilm

    Die rumänische Pflegerin Mara kommt über eine Bekannte zu einem Temporärjob in den USA und lernt so Daniel kennen. Die beiden heiraten wenige Wochen später und Mara beantragt eine Green Card. Mitten im Einbürgerungsprozess holt sie ihren Sohn aus Rumänien zu sich, um mit ihm ein neues Leben aufzubauen. Als der Beamte seine Machtposition ausnutzt und sie sexuell nötigt, stellt sich für Mara die Frage: Wie weit wird sie gehen für den «American Dream»?
    Ioana Uricaru zeigt in diesem schonungslosen Spielfilm einen Ausschnitt aus dem Leben einer Frau, die mit allen Mitteln für ein besseres Leben kämpft. Gleichzeitig entlarvt sie häusliche Gewalt, Machtmissbrauch innerhalb der Immigrationsbürokratie und die Willkür der Behörden. (mia)

Programm 2017
Mi. 6. Dez. 2017
  1. 18:00
    The Poetess
    OVe 89' | Deutschland, Saudi-Arabien | Stefanie Brockhaus, Andreas Wolff | Dok

    Stellen Sie sich vor, ein europäischer Sender zöge länderübergreifend Millionen Zuschauer in den Bann – mit Gedichtvorträgen. Genau das gelingt Abu Dhabi TV seit zehn Jahren mit der Sendung Million’s Poet. Diese Talentshow sucht nach einem Superstar der präzisen Sprache. Nachdem die Saudin Hissa Hilal vollständig verhüllt in schwarzem Tuch auf der Bühne Extremisten anklagt, erhält sie Morddrohungen. Und die Aufmerksamkeit der westlichen Medien. In Hissa Hilal haben die beiden Filmemacher Stefanie Brockhaus und Andreas Wolff eine wahre Heldin gefunden. Ihre Augen, oft in Nahaufnahmen gezeigt, drücken Witz und Lebenslust, aber auch Leid aus; der Rest ihres Gesichts bleibt bedeckt. Dass die Geschichte der Poetin und die Saudi-Arabiens nahtlos ineinander übergehen, liegt einerseits an Hissas Erzählkunst, andererseits an der atmosphärischen Musik und dem Schnitt, die Showaufnahmen, Archivmaterial und Interviews zu einem Ganzen fügen. (Flavia Giorgetta)

    OPENING NIGHT
    Begrüssungsworte
    Sascha Lara Bleuler, Direktorin HRFF Zurich
    Leo Kaneman, Präsident HRFF Zurich
    Jacqueline Fehr, Regierungsrätin des Kanton Zürich

    In Anwesenheit der Filmemacherin Stefanie Brockhaus und der Protagonistin Hissa Hilal.

  2. 20:40
    Fantoche Shorts – Kein Willkommen
    OVd 66' | 2010 - 2017 | Diverse | Animation

    Menschen werden vertrieben, sind auf der Flucht oder leben auf der Strasse. Das Programm zeigt unterschiedliche Animationstechniken, die aktuelle Menschenrechtsthemen auf kreative, humorvolle und düstere Art vermitteln. Kuratiert von Annette Schindler und Judith Affolter.

    BON VOYAGE (Fabio Friedli, CH 2011, 6’)
    Dutzende Menschen besteigen einen überfüllten Lastwagen. Ihr Ziel: Die Festung Europa.

    HOLLOW LAND (Michelle Kranot/Uri Kranot, CA/SK/FR 2013, 13’)
    Kaum ist das junge Paar im verheissenen Land eingetroffen, bröckelt die hübsche Fassade – ein absurdes Migrationsdrama.

    RANDOM WALKS (Borbála Tompa, HU 2016, 7’)
    Die Geschichten von fünf Immigranten in Budapest.

    THEN I CAME BY BOAT (Marleena Forward, AU 2014, 10’)
    Die Flucht des Kindes Tri Nguyen von Vietnam bis nach Australien.

    BODY MEMORY (Ülo Pikkov, EE 2011, 9’)
    Eine kreative Verarbeitung von historischen Ereignissen und ­traumatischen Erlebnissen.

    LAZLO (Nicolas Lemée, FR 2010, 4’)
    Ein Mann ohne Wurzeln, der gerne in Frieden leben würde.

    HEIMATLAND (Schneider/Arnold/Portmann/Friedli, CH 2010, 6’)
    Ein Schweizer Patriot fürchtet sich vor seinem Nachbarn.

    SI NO SOY NO PUEDO SER (Mario Torrecillas, ES 2017, 11’)
    Syrische und kurdische Kinder berichten aus dem Cherso Flüchtlingslager in Griechenland.

    Präsentiert mit FANTOCHE, dem Internationalen Festival für Animationsfilm in Baden.

Do. 7. Dez. 2017
  1. 09:30
    The Idol
    OVdf 100' | Niederlande 2015 | Hany Abu-Assad | Spielfilm

    Schon als Kind träumt Mohammed davon, im Opernhaus in Kairo aufzutreten und seiner Stimme weltweit Gehör zu verschaffen. Doch auch wenn ihm das nötige Talent in die Wiege gelegt wurde, bleibt dies vorerst nur eine Träumerei. Bis er als Jugendlicher aus einem Flüchtlingslager in Gaza nach Ägypten flüchtet, um an der äusserst beliebten Talentshow «Arab Idol» teilzunehmen. Nach einer beschwerlichen Reise und einigen unerwarteten Hürden, wird er schliesslich zu den Auditions zugelassen. Nun muss Mohammed seinen Ängsten gegenübertreten und sein Schicksal in die eigene Hand nehmen. Auf einer wahren Geschichte beruhend, schafft der Regisseur Hany Abu-Assad einen dynamischen und bezaubernden Film, der die Bedeutsamkeit von Familie, Freundschaft und Gemeinschaft anhand von Musik aufzeigt.

  2. 09:30
    They call us Monsters
    Ed 82' | USA 2016 | Ben Lear | Dok

    Die drei jugendlichen Straftäter Juan, Jarad und Antonio schreiben im Gefängnis ein Drehbuch – ein Kurzfilm über ihr Leben vor der Festnahme soll entstehen. Damit «die da draussen» verstehen, unter welchen Bedingungen sie aufgewachsen sind. Den drei mutmasslichen Mördern stehen lebens­längliche Freiheitsstrafen bevor, die letzte Hoffnung sind ihre Verteidiger vor Gericht. Doch die Eltern des 17jährigen Jarad können sich keinen teuren Anwalt leisten. Eine Billig­anwältin vertritt den Jungen ohne jedes Interesse. Das Urteil: Lebenslange Haft ohne Aussicht auf Bewährung. Die Langzeitstudie fängt den Alltag der drei Häftlinge ein, ohne zu moralisieren, und lässt auch die Opfer zu Wort kommen. Der Film entlässt uns nicht mit Antworten, sondern lässt ­Fragen nachklingen: Wer sind die wahren Monster und gibt es ein Entkommen aus dem Teufelskreis von Armut und unverhältnismässig hohem Strafmass? (slb)

  3. 13:30
    Fantoche Shorts – Kein Willkommen
    OVd 66' | 2010 - 2017 | Diverse | Animation

    Menschen werden vertrieben, sind auf der Flucht oder leben auf der Strasse. Das Programm zeigt unterschiedliche Animationstechniken, die aktuelle Menschenrechtsthemen auf kreative, humorvolle und düstere Art vermitteln. Kuratiert von Annette Schindler und Judith Affolter.

    BON VOYAGE (Fabio Friedli, CH 2011, 6’)
    Dutzende Menschen besteigen einen überfüllten Lastwagen. Ihr Ziel: Die Festung Europa.

    HOLLOW LAND (Michelle Kranot/Uri Kranot, CA/SK/FR 2013, 13’)
    Kaum ist das junge Paar im verheissenen Land eingetroffen, bröckelt die hübsche Fassade – ein absurdes Migrationsdrama.

    RANDOM WALKS (Borbála Tompa, HU 2016, 7’)
    Die Geschichten von fünf Immigranten in Budapest.

    THEN I CAME BY BOAT (Marleena Forward, AU 2014, 10’)
    Die Flucht des Kindes Tri Nguyen von Vietnam bis nach Australien.

    BODY MEMORY (Ülo Pikkov, EE 2011, 9’)
    Eine kreative Verarbeitung von historischen Ereignissen und ­traumatischen Erlebnissen.

    LAZLO (Nicolas Lemée, FR 2010, 4’)
    Ein Mann ohne Wurzeln, der gerne in Frieden leben würde.

    HEIMATLAND (Schneider/Arnold/Portmann/Friedli, CH 2010, 6’)
    Ein Schweizer Patriot fürchtet sich vor seinem Nachbarn.

    SI NO SOY NO PUEDO SER (Mario Torrecillas, ES 2017, 11’)
    Syrische und kurdische Kinder berichten aus dem Cherso Flüchtlingslager in Griechenland.

    Präsentiert mit FANTOCHE, dem Internationalen Festival für Animationsfilm in Baden.

  4. 13:30
    For Akheem
    Ed 89' | USA 2017 | Jeremy S. Levine, Landon Van Soest | Dok

    Daje ist 17 Jahre alt, sie wächst in einem «all black» Viertel von St. Louis auf. In der Schule eckt sie wegen ihrer aufmüpfigen Haltung und wird deswegen mit ihrer Mutter vor den Jugendrichter zitiert. Doch wirklich begreifen lässt sich ihreSituation erst allmählich, als man auf ihrem Schulheft die gekritzelten Namen von ihren Freunden sieht – dahinter ein R.I.P. und ein frisches Datum. Mit ihrem Freund überlegt sie, ob sie wohl auch so jung sterben werden, viele von ihren männlichen Freunden sind bereits tot – niedergeschossen von Polizisten oder Gang-Mitgliedern. Zwei Jahre lang haben die Regisseure ihre Protagonistin durch ihren von Stigmatisierung geprägten Alltag begleitet und machen erfahrbar, was es heisst, in Amerika jung und schwarz zu sein. (slb)

  5. 18:00
    Disturbing the Peace
    OVe 87' | USA, Israel, Palästina 2016 | Stephen Apkon, Andrew Young | Dok

    Eine palästinensische Mutter plant ein Selbstmordattentat. Es scheitert und im Gefängnis lernt sie den Schmerz der Gegenseite kennen, als der Bruder ihrer Gefängniswärterin einem Anschlag zum Opfer fällt. Ein israelischer Soldat leistet an einem Checkpoint Dienst; als er einem palästinensischen Vater und dessen kranken Kindern den Weg zum Arzt versperren muss, beginnt er, umzudenken. In einer Collage aus Interviews, Archivmaterial und sorgfältig inszenierten Szenen porträtiert der Film die Organisation «Combatants for Peace», in der ehemalige Kämpfer beider Seiten sich für eine gewaltfreie Lösung des Nahostkonflikts einsetzen. (mg)

    Begrüssungsworte
    Keren Kashi (New Israel Fund Schweiz)
    Leo Kaneman (Präsident HRFF)
    QnA mit Stephen Apkon und Inbal Ben Ezer (Combatants for Peace) und Panel mit Ali Abu Awwad (Roots) und
    Avi­ Buskila (Peace Now) im Forum.
    Moderation: Dr. Dana Landau

    Israelis and Palestinians against ­the Occupation (Engl.)
    In December 2016, the UN Security Council adopted Resolution 2334 condemning the construction and expansion of Israeli settlements in the occupied territories. It denounced acts of violence on both sides. This gives new hope to the ­
    Israeli and Palestinian peace camps. On this panel Ali Abu Awwad who initiated the nonviolent Palestinian movement «Roots» and Avi Buskila leader of «Peace Now» will discuss their strategies against the backdrop of a shifting political landscape.
    (Leo Kaneman)

    Präsentiert mit NIF und JCall Switzerland.

  6. 18:00
    For Akheem
    Ed 89' | USA 2017 | Jeremy S. Levine, Landon Van Soest | Dok

    Daje ist 17 Jahre alt, sie wächst in einem «all black» Viertel von St. Louis auf. In der Schule eckt sie wegen ihrer aufmüpfigen Haltung und wird deswegen mit ihrer Mutter vor den Jugendrichter zitiert. Doch wirklich begreifen lässt sich ihreSituation erst allmählich, als man auf ihrem Schulheft die gekritzelten Namen von ihren Freunden sieht – dahinter ein R.I.P. und ein frisches Datum. Mit ihrem Freund überlegt sie, ob sie wohl auch so jung sterben werden, viele von ihren männlichen Freunden sind bereits tot – niedergeschossen von Polizisten oder Gang-Mitgliedern. Zwei Jahre lang haben die Regisseure ihre Protagonistin durch ihren von Stigmatisierung geprägten Alltag begleitet und machen erfahrbar, was es heisst, in Amerika jung und schwarz zu sein. (slb)

    Black Lives Matter. Growing up with ­s­tructural racism (Engl.)
    Im Anschluss Gespräch mit Jeremy Levine (Regisseur), Jeff Truesdell (Produzent) und Brandy Bütler (Bla.sh Zürich) über die Black Lives Matter Bewegung und der Realität afroamerikanischer Jugendlicher, die von Rassismus und Polizeigewalt geprägt ist. Welche Einschränkungen bringt alltägliche Diskriminierung mit sich? Was zeichnet rassistische Strukturen in der Schweiz aus? Welche Lösungen gibt es?

    Moderation: Jenny Billeter

  7. 20:30
    Favela Olimpica
    OVdf 93' | Schweiz | Samuel Chalard | Dok

    Im Frühling 2016 haben wir die Schlagzeilen gelesen, gehört und uns kurz empört: «Zwangsumsiedelungen in Rio», «Favela muss Olympischen Spielen weichen» hiessen sie. Die Schlagzeilen verschwanden wieder und mit ihnen die Erinnerung an die Menschen, die diesem grössenwahnsinnigen Sportanlass im Weg waren. Favela Olímpica von Samuel Chalard holt diese Geschichte zurück auf die Leinwand. Eigentlich wäre die «Vila Autódromo» eine Art Vorzeigefavela: Hier leben Familien, die ihre Favela von Kriminalität und Drogen freizuhalten versuchen und selbst verwalten. Obwohl vieles nicht ideal ist, obwohl sie von der Regierung vergessen werden, wenn es um Kanalisation, Strom und Infrastruktur geht. Nun aber geraten sie in den Blick der Stadt: Umgesiedelt sollen sie werden oder für wenig Geld entschädigt – die Favela stört den olympischen Glanz. Was Chalards Film unterscheidet von den Zeitungsberichten: Die Bewohner sind Individuen, Menschen mit Gesichtern und Geschichten, mit einer Vergangenheit in diesem Dorf, das sie ihre Heimat nennen. (Brigitte Häring)

    In the shadow of the Olympic Games (Engl.)
    Gespräch mit dem Filmemacher Samuel Chalard, Lisa Salza (Amnesty International) und einem Vertreter eines internationalen Sportverbandes über deren Verantwortung in Bezug auf Menschenrechte, urbane Umstrukturierung, Machtkämpfe und Korruption im Schatten von spotlichen Mega-Events.

    Moderation: Oliver Classen (Public Eye)

    Präsentiert mit Public Eye.

Fr. 8. Dez. 2017
  1. 09:30
    The Idol
    OVdf 100' | Niederlande 2015 | Hany Abu-Assad | Spielfilm

    Schon als Kind träumt Mohammed davon, im Opernhaus in Kairo aufzutreten und seiner Stimme weltweit Gehör zu verschaffen. Doch auch wenn ihm das nötige Talent in die Wiege gelegt wurde, bleibt dies vorerst nur eine Träumerei. Bis er als Jugendlicher aus einem Flüchtlingslager in Gaza nach Ägypten flüchtet, um an der äusserst beliebten Talentshow «Arab Idol» teilzunehmen. Nach einer beschwerlichen Reise und einigen unerwarteten Hürden, wird er schliesslich zu den Auditions zugelassen. Nun muss Mohammed seinen Ängsten gegenübertreten und sein Schicksal in die eigene Hand nehmen. Auf einer wahren Geschichte beruhend, schafft der Regisseur Hany Abu-Assad einen dynamischen und bezaubernden Film, der die Bedeutsamkeit von Familie, Freundschaft und Gemeinschaft anhand von Musik aufzeigt.

  2. 13:30
    Noces
    OVdf 98' | Belgien, Frankreich 2016 | Stephan Streker | Spielfilm

    Die 18jährige Zahira ist ein Teenager, deren Leben sich zwischen Schule und Freundeskreis abspielt. Sie wächst in Bel­gien in einer moderat religiösen Familie auf. Dann wird sie von den Eltern gedrängt, den traditionellen Weg einer arrangierten Ehe zu gehen – via Skype soll sie sich für einen Anwärter entscheiden und ihr künftiges Leben in Pakistan vorbereiten. Zwischen familiären Bräuchen und westlichem Lebensstil navigierend, wendet sich die junge Frau an ihre beste Freundin Aurore und ihren geliebten Bruder Amir. Denn neben der geplanten Heirat stemmt Zahira eine zweite Herausforderung: Sie ist schwanger und will das Kind trotz dem Rat der belgischen Sozialhilfe nicht abtreiben. (slb)

  3. 18:00
    Taste of Cement
    OVd 85' | Deutschland, Syrien, Qatar | Zhiad Kalthoum | Dok

    „In Syrien weiss jeder, wie Zement schmeckt“, sagt Regisseur Ziad Kalthoum zu seinem Film Taste of Cement. Der Krieg zerstört und zerstäubt den Zement - und begräbt die Menschen, die in ihm lebten. Hauptschauplatz ist eine Baustelle in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Die geflohenen Syrer, die hier arbeiten, dürfen die Baustelle nicht verlassen. Tagsüber bauen sie unter Lebensgefahr an einem Hochhaus, nachts wohnen sie in dessen kahlen, noch unfertigen Untergeschossen. Besorgt verfolgen sie auf ihren Smartphones die Nachrichten aus der in Trümmer liegenden Heimat. Für diese Existenz zwischen Zerstörung und Aufbau findet Kalthoums preisgekrönter Film Bilder von schlichter, roher Schönheit. (mg)

    Syrian refugees in Libanon: Life, work and exploitation (Engl.)

    Gespräch mit Tarek Daher (Büroleiter von Solidar Suisse im Libanon) über die prekäre Situation von geflüchteten SyrerInnen im Libanon: Welche Perspektiven haben sie als meist illegale ArbeiterInnen auf Baustellen und Plantagen? Wie können sie als Arbeiter ihre Rechte einfordern?

    Moderation: Jenny Billeter

    Präsentiert mit Solidar Suisse

  4. 18:00
    Noces
    OVdf 98' | Belgien, Frankreich 2016 | Stephan Streker | Spielfilm

    Die 18jährige Zahira ist ein Teenager, deren Leben sich zwischen Schule und Freundeskreis abspielt. Sie wächst in Bel­gien in einer moderat religiösen Familie auf. Dann wird sie von den Eltern gedrängt, den traditionellen Weg einer arrangierten Ehe zu gehen – via Skype soll sie sich für einen Anwärter entscheiden und ihr künftiges Leben in Pakistan vorbereiten. Zwischen familiären Bräuchen und westlichem Lebensstil navigierend, wendet sich die junge Frau an ihre beste Freundin Aurore und ihren geliebten Bruder Amir. Denn neben der geplanten Heirat stemmt Zahira eine zweite Herausforderung: Sie ist schwanger und will das Kind trotz dem Rat der belgischen Sozialhilfe nicht abtreiben. (slb)

    Bitter honeymoons – forced marriage and violence against women (Engl.)
    Im Anschluss Gespräch mit Simone Eggler, Expertin für Zwangsverheiratung/-ehe bei Terre des Femmes Schweiz. Die freie Wahl des Ehepartners, der Ehepartnerin ist in der Menschenrechtserklärung ver­ankert. Dennoch werden Menschen unterschiedlicher Herkunft – auch in der Schweiz – zur Ehe gezwungen. Warum zwingt eine Familie oder Gemeinschaft junge Menschen zur Ehe? Was kann Präventionsarbeit leisten und wie schützt man ­Betroffene?

    Moderation: Rhea Plangg

    Präsentiert mit Terre des Femmes Schweiz.