Festival

AUSGABE 2022
Das achte Human Rights Film Festival Zurich findet vom 1. bis 6. Dezember 2022 im Kino Kosmos in Zürich statt. Über sechs Tage hinweg zeigen wir künstlerisch starke Filme, die Menschenrechtsthemen ergründen – ohne Stereotypen und moralischen Fingerzeig. Im Anschluss öffnen wir den Raum für Gespräche mit Regisseur:innen, Protagonist:innen und thematischen Expert:innen. So kann das Gesehene in grössere Zusammenhänge eingeordnet werden. Wir glauben an die aufrüttelnde Kraft des Kinos als Kunstform sowie an das Filmfestival als Begegnungsort für Menschen, die sich mit einer komplexen Welt auseinandersetzen möchten.

GESCHICHTE
Seit der Feuertaufe des Human Rights Film Festival Zurich 2015 ist viel passiert. Oftmals erstaunt und überfordert schauen wir auf das turbulente Weltgeschehen – das Medienspektakel lockt, filtert, steuert und rahmt unseren Blick. Die Unübersichtlichkeit stärkt das Bedürfnis nach klaren Orientierungspunkten und im gesamten politischen Spektrum herrscht eine tiefe Verunsicherung, wie mit der Forderungen nach der Verteidigung «unserer Werte» umgegangen werden soll. Bewegungen, die sich auf Nation, Religion oder Ethnie berufen, verführen ihre Anhänger:innen mit einem heimeligen Identitätsgefühl, das zugleich gesellschaftliche Ausgrenzungen zementiert.
Das Kino setzt sich seit jeher künstlerisch mit diesen Sehnsüchten und Dynamiken auseinander. Die Dokumentar- und Spielfilme (ausschliesslich Langfilme) des Human Rights Film Festival Zurich werfen einen neugierigen, unbequemen Blick auf Menschen, die mit festgefahrenen Zuschreibungen ringen und zeigen, dass Identitäten verästelt und kompliziert sind.
Es mutet naiv an zu denken, dass Filme und Diskussionen die Welt verändern können, doch ermöglichen sie ein Eintauchen in andere Wirklichkeiten und schärfen unseren Blick.

Sascha Lara Bleuler, Direktorin Human Rights Film Festival Zurich

RAHMENPROGRAMM

CALL TO ACTION

Es präsentieren sich Organisationen, die sich für eine gerechtere Welt einsetzen, sich sozial und nachhaltig engagieren und die Möglichkeit zur Bürger:innenpartizipation bieten. Kommt vorbei und lernt sie mit ihren Installationen, Aktionen und Auftritten kennen!

Wollt ihr bei der nächsten Ausgabe als Organisation mitwirken? Meldet euch bei der Kuratorin josephine.tedder@humanrightsfilmfestival.ch

Programm 2021 in Kooperation mit
SOCIAL FABRIC, ARCHITECTURE FOR REFUGEES, FASHION REVOLUTION SCHWEIZ, DATA CAFÉ, ANTONIO SCARPONI / CONCEPTUAL DEVICES, SOS MÉDITERRANÉE SCHWEIZ, SOLINETZ ZÜRICH, NOW YOU SEE ME MORIA, AKTION VIERVIERTEL, EINBÜRGERUNGSGESCHICHTEN.CH

HANGOUT BAR KASHEME

Als offizielles spät-abend Hangout begrüssen wir erneut die charmante Kasheme Bar mit den besten Cocktails der Stadt.
Schnappt euch ein Plätzchen und stossen wir gemeinsam an.

Adresse: Neugasse 56, 8005 Zürich

Archiv

Das Festival findet 2022 zum achten Mal statt.
Die Filmprogramme von 2015–2021 können hier aufgerufen werden.

Programm 2021
Do 2. Dez 2021
  1. 19:00
    Flee
    Odf 83' | Dänemark, Frankreich, Schweden 2021 | Jonas Poher Rasmussen | Dokumentarfilm

    Seit mehr als zwanzig Jahren hält Amin eine Version seiner Fluchtgeschichte aufrecht, die nicht der Wahrheit entspricht. 1989 aus Afghanistan nach Dänemark gekommen, ist er mittlerweile ein erfolgreicher Akademiker. Aus Angst, seine Aufenthaltsbewilligung zu verlieren, hat er nie jemandem von den eigentlichen Umständen und dem Schicksal seiner Familie erzählt. Nun bereitet er sich auf die Hochzeit mit seinem langjährigen Partner vor, ein wichtiger Schritt, der ihn dazu bewegt, seinem Freund und Regisseur Jonas Poher Rasmussen alles zu berichten. Um die Anonymität von Amin zu wahren, inszeniert dieser das intime Gespräch in Form eines eindrücklich bebilderten Animationsfilms, gespickt mit Archivaufnahmen eines vergessenen progressiven Afghanistans. Die aufwühlende Vergangenheit von Amin und die präzise Schilderung seiner Traumata prallen mit seiner jetzigen Lebenswelt als offen homosexuell lebender Mann zusammen. Ein humorvoller und begnadeter Erzähler sowie ein sensibler Zuhörer-Filmemacher verweben diese Erinnerungsfragmente zu einem kunstvollen Ganzen, das dem Film in Sundance den Grand Jury Prize einbrachte. (slb)

    Bilder: © FinalCutforReal

    OPENING NIGHT

    Begrüssungsworte
    Sascha Lara Bleuler, Direktorin HRFF Zürich
    Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zürich
    Botschafter Simon Geissbühler, Frieden und Menschenrechte, Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA)

    Gespräch mit Jonas Poher Rasmussen. (Engl.)
    Moderation: Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zürich

  2. 20:30
    Ostrov
    Odf 90' | Schweiz 2021 | Svetlana Rodina, Laurent Stoop | Dokumentarfilm

    Auf der russischen Insel Ostrov im Kaspischen Meer leben nur noch ein paar Dutzend Menschen: ohne Strassen, zentrale Stromversorgung oder Gesundheitsdienste. Früher stand hier eine Militärbasis und die Störfischerei garantierte den Menschen ein Einkommen. Heute ist der Fischfang illegal. Der Film zeichnet das intime Porträt einer Familie, deren Männer mit kleinen Booten weiterhin aufs Meer fahren – in ständiger Angst, von der Küstenwache aufgegriffen zu werden. Mit gewilderten Fischen halten sie sich wirtschaftlich über Wasser. In ihrer prekären Situation kritisieren sie ein politisches System, in dem staatliche Hilfsgelder in den Taschen von Beamt*innen verschwinden. Im Hintergrund lärmt der Generator, im Vordergrund läuft der Fernseher, darin die kleine Figur von Wladimir Putin, die von der alten Grösse Russlands spricht. Das patriotische Narrativ einer unbesiegbaren Nation, die Nazideutschland in die Knie gezwungen hat und heute den «Kampf gegen den Faschismus» in der Ukraine weiterführt, gibt den Fischern auf Ostrov Hoffnung auf eine bessere Zukunft. (Emanuel Schäublin)

    KÜNSTLERISCHES SCHAFFEN AN DEN RÄNDERN EINES AUTORITÄREN SYSTEMS (Engl.)
    Im Anschluss an den Film diskutieren die russischstämmige Sozialwissenschaftlerin Dilyara Müller-Suleymanova und die Filmemacher*innen Svetlana Rodina und Laurent Stoop über die künstlerische Auseinandersetzung mit Lebensrealitäten im heutigen Russland.

    Moderation: Emanuel Schäublin, Vorstand HRFF Zurich

Fr 3. Dez 2021
  1. 10:00
    SHADOW GAME - Schulvorstellung
    OVe 90' | Holland | Eefje Blankevoort, Els van Driel | Dokumentarfilm

    Ihr «Spiel» ist ein lebensgefährliches Unterfangen. Jugendliche, die auf der Suche nach Schutz und einer Zukunftsperspektive Familie und Heimat verlassen, begeben sich auf eine Reise ins Ungewisse. Der stetige Kampf um einen sicheren Unterschlupf, eiskalte Nächte unter Autobahnbrücken, Verstecke in Lastwagen oder Zügen, unbarmherzige Grenzwächter*innen: All das dokumentieren die jungen Protagonist*innen in Shadow Game mit ihren Handys, die so zu Filmkameras werden. Hautnah erzählen diese Bilder von ihrem gefährlichen, oft jahrelangen Bestreben, die Festung Europa zu überwinden. Der Spieleinsatz ist hoch: Sie werden schnell erwachsen auf ihrem gnadenlosen Abenteuer entlang der EU-Aussengrenzen. Und doch ist jede überschrittene Grenze der Anfang eines neuen Levels und ein Motivationsschub. Wer am Ende als Gewinner*in hervorgehen wird, bleibt ungewiss. Eine moderne Odyssee entlang von Migrationsrouten und ein erschreckender Blick hinter die Kulissen folgenschwerer politischer Entscheidungen. (nio)

    Anschliessendes Gespräch mit Filmemacherin Els van Driel
    Moderation: Lea Bloch, Journalistin

  2. 13:30
    My Name is Baghdad - Schulvorstellung
    OVd 96' | Brasilien 2020 | Caru Alves De Souza | Spielfilm

    Auf ihrem Skateboard rollt sie durch São Paulo. Bagdá trägt die Haare kurz, die Hosen mit hohem Bund, den Pullover gern unter den Gürtel gestopft. Bagdá ist cool, ein Mädchen, das respektiert, wen sie respektieren will – und alle anderen auch schon mal mit nassen Wurfgeschossen attackiert. Ihr Zuhause ist ein eigensinniger, emanzipierter Frauenhaushalt, aber ihre Welt ist die der Suicide Ramps. Dort hängt sie mit ihren Jungs ab, die die Tage mit nacktem Oberkörper, Karten spielend und Brusthaare zupfend verbringen. Wie ihre Protagonistin gleitet die Regisseurin durch den Film: selbstbewusst, originell und mit freiem Schwenk. Und wie Bagdá macht sie auch vor Düsterem nicht Halt, thematisiert Gewalt, Sexismus und Diskriminierung – aber auch Solidarität und Aufbegehren.

    Im Anschluss findet ein animiertes Filmgespräch statt.
    Moderation: Anna Rosenwasser, LGBT-Expertin und feministische Autorin

    Präsentiert mit dem Latin American Center UZH

    Anmeldungen für Schulklassen bis 10.11. unter schuleundkultur.zh.ch

  3. 14:00
    Lunana - A Yak in the Classroom - Schulvorstellung
    Odf 109' | Bhutan 2020 | Pawo Choyning Dorji | Spielfilm

    Ugyen, ein junger Lehrer in Bhutan, wird in die abgelegenste Schule der Welt zwangsversetzt. Fernab von seinem gewohnten Komfort findet sich Ugyen in einem Dorf namens Lunana wieder. Dort trifft er auf eine Gemeinschaft, die ihn mit grösstem Respekt betrachtet – nur ein Lehrer könne «die Zukunft der Kinder berühren», so die gängige Meinung. Nach und nach lernt Ugyen mehr über seinen Beruf, als es ihm seine Ausbildung zu vermitteln mochte.

    Im Anschluss findet ein animiertes Filmgespräch statt.
    Moderation: Lea Bloch, Journalistin

    Präsentiert mit der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation Switzerland

    Anmeldungen für Schulklassen bis 10.11. unter schuleundkultur.zh.ch

  4. 18:00
    Les Enfants Terribles
    OVe 92' | Frankreich, Deutschland, Türkei 2021 | Ahmet Necdet Çupur | Dokumentarfilm

    Ahmet Necdet Çupur besucht seine Familie in seinem Heimatdorf im Südosten der Türkei, das er vor zwanzig Jahren verlassen hat, um zu studieren. Nun ergeht es seiner Schwester Zainap wie ihm, sie möchte nur noch weg und bereitet sich auf die Aufnahmeprüfungen an die Uni vor. Doch ihr Vater verbietet ihr das Studium. Stattdessen soll sie im Dorf bleiben, ihren Cousin heiraten und Kinder grossziehen. Auch der frisch verheiratete Bruder Mahmut hadert mit seiner arrangierten Ehe und wünscht sich ein freies Leben in der Stadt. Die Konflikte mit den traditionell denkenden Eltern sind heftig und zäh.

    Der ältere Bruder richtet seine Kamera auf die familiären Schlachtfelder und fängt die Gefühlsausbrüche zwischen den Generationen ein, die in ihrem Verständnis von Zukunft und Privatleben weit auseinander gehen. Ihm gelingt ein packendes Familienepos, das die Wandlung der türkischen Gesellschaft reflektiert. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit dem Filmemacher Ahmet Necdet Çupur. (Engl.)
    Moderation: Lea Bloch, Journalistin

  5. 18:30
    I am Samuel
    OVe 68' | Kenia, Kanada, UK, USA 2020 | Peter Murimi | Dokumentarfilm

    Samuel und Alex leben eine in Kenia verbotene Liebe. Unter steter Gefährdung und Angst vor einer Freiheitsstrafe, leben sie ihre Beziehung im Versteckten. Samuel ist in einer sehr konservativen ländlichen Gegend aufgewachsen. Er steht seiner Mutter nahe, aber sein Vater, ein lokaler Pastor, versteht nicht, warum er noch nicht verheiratet ist. Nachdem er auf der Suche nach Arbeit und einem neuen Leben in die Hauptstadt Nairobi gezogen ist, verliebt sich Samuel in Alex und findet Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Ihre Liebe gedeiht trotz der Tatsache, dass die kenianischen Gesetze alle kriminalisieren, die sich als LGBTIQ+ identifizieren. Der im Direct Cinema-Stil gedrehte Film dekonstruiert indirekt ein rigides Verständnis von Maskulinität, das in Kenia – auch genährt von puritanisch geprägten Sitten der Kolonist*innen aus England – nach wie vor dominiert und Nährboden für Homophobie ist. (Valerie Thurner, Kino Xenix)

    WHEN LOVE IS A CRIME (Engl.)
    Im Anschluss spricht Regisseur Peter Murimi im Zoom-Gespräch über Ausgrenzung, Diskriminierung und Kriminalisierung von Menschen in Kenia nur aufgrund dessen, wen sie lieben. Graeme Reid, Direktor der Abteilung für LGBT-Rechte bei Human Rights Watch, setzt das Thema in einen grösseren menschenrechtlichen Kontext in der Region.

    Moderation: Marguerite Meyer, Journalistin

  6. 20:30
    Brother's Keeper
    OVe 85' | Türkei, Rumänien 2021 | Ferit Karahan | Dokumentarfilm

    «Es gibt keine kurdische Region!», ruft die Lehrperson. Yusuf und seine kurdischen Mitschüler besuchen ein Knaben-Internat im kargen Bergland Anatoliens. Es weht die türkische Flagge, die Kinder dürfen kein Kurdisch sprechen und die Erziehungsmassnahmen sind geprägt von einer schwarzen Pädagogik aus Strafe und Schlägen. Die Buben werden einmal die Woche kalt abgeduscht und die eisige Winterkälte dringt von draussen in die Schlafsäle. Eines Morgens wacht Memo schwerkrank auf und Yusuf kann seinen Freund nur noch mit Mühe auf die Krankenstation schleppen. Ein Krankenpfleger, ein Lehrer und der Rektor werden herbeigerufen, alle sichtlich überfordert mit dem sich zusehends verschlechternden Zustand von Memo.

    Ferit Karahan inszeniert mit grandiosen jungen Schauspieler*innen diesen von Armut, Angst und «Türkisierung» geprägten Mikrokosmos. Leise und beobachtend fangen die stimmungsvollen Bilder dieses beklemmenden Dramas die äussere wie innere Kälte ein. (slb)

    Bilder: © Diren Düzgün

    Im Anschluss Gespräch mit dem Filmemacher Ferit Karahan. (Engl.)
    Moderation: Aline Juchler

  7. 21:00
    Die Welt am Bildschirm
    Deutsch 60' | Schweiz | Katharina Morawek | Late Night Lecture

    Serien sind enorm populär. Neben bekannten Playern wie Netflix oder Sky bedienen auch Produzent*innen in Lateinamerika, im Nahen Osten und in Nordafrika die regionalen Märkte. Serien sind eine Form von «Soft Power», die macht- und geopolitische Interessen abseits der Leinwand widerspiegeln. Dies auch auf Seiten des Publikums – mit seinen mehrfachen Bezügen jenseits des Lokalen. Der Abend verbindet Information und Entertainment in einer entspannten Salon-Atmosphäre. Mit Anisha Imhasly (Beraterin für Diversität und transkulturelle Themen) und Ali Sonay (Assistenzdozent Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie, Universität Bern).

    Moderation: Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zürich

  8. 21:00
    Imad's Childhood
    OVe 78' | Schweden, Lettland 2021 | Zahavi Sanjavi | Dokumentarfilm

    Der fünfjährige Imad spielt am liebsten mit Kalaschnikows aus Plastik. Manchmal stellt er sich vor, Hunde oder auch Menschen zu köpfen. Über zwei Jahre seines Lebens hat Imad in Gefangenschaft von Isis-Anhänger*innen verbracht. Traumatisiert und seiner Kindheit beraubt, kehrt er nach der Befreiung gemeinsam mit dem jüngeren Bruder zu seiner Familie zurück. Gewalt ist Imads einzige Ausdrucksform und es wird klar: die Terrororganisation Islamischer Staat hat den Jungen einer perfiden Gehirnwäsche unterzogen, um ihn auf ein Leben als Kämpfer vorzubereiten. Seine Mutter, die die Schrecken ihrer eigenen Gefangenschaft und der erlebten sexualisierten Gewalt verarbeiten muss, findet keinen Zugang zu Imad – dies auch, weil er nur noch Arabisch spricht, im Gegensatz zu seiner kurdisch-jesidischen Familie. Die verstörenden Bilder dokumentieren die unwiderruflichen Folgen von Krieg und Gefangenschaft und die tiefen Wunden der Betroffenen. Immer wieder blitzt ein wenig Hoffnung auf: Obwohl das Erlebte Teil von Imads Identität geworden ist, macht er dank seinen Angehörigen und psychologischer Hilfe kleine Schritte auf seinem Weg zur Heilung und hin zu mehr Normalität. (nio)

    KINDER NACH DER IS-GEFANGENSCHAFT: WIE ERREICHEN WIR SCHUTZ UND HEILUNG? (Engl.)
    Gespräch mit Nicolette Waldmann, Expertin von Amnesty International für Kinder in bewaffneten Konflikten. Sie arbeitet seit Jahren zu Irak und Syrien und ist Autorin des Amnesty-Berichts «Das Erbe des Terrors: Das Schicksal der jesidischen Kinder, die den IS überlebt haben». Sie hat mit vielen jesidischen Kindern gesprochen und setzt sich für die Aufklärung der IS-Verbrechen ein, sowie für Gerechtigkeit, Schutz und Heilung der Überlebenden.

    Moderation: Alexandra Karle (Geschäftsleitung Amnesty International Schweiz)

    Präsentiert mit Amnesty International Schweiz

    Gewinnerfilm Prix Célestine von Interfilm Schweiz

    Laudatio Jury Interfilm (Karin Spiess, Renata Werlen, Katja Bury und Dieter Alpstäg):
    "Mit schonungslosen Bildern erzählt der Film die Entwicklung des fünf jährigen Imad, welcher in IS-Gefangenschaft misshandelt wurde. Gemeinsam mit seiner traumatisierten Mutter und seinem Bruder kehrt er in ein Camp für vertriebene Jesidinnen und Jesiden zurück. In all den verstörenden Verhaltensweisen des Jungen passiert durch geduldige Zuwendung und professionelle Unterstützung ein Wunder: Imad kann allmählich seine Aggressionen ablegen und Beziehungen zulassen. Damit berührt der Film als Hoffnungszeichen und zeigt, wie heilsame Veränderung auch unter schwierigsten Bedingungen möglich ist."

  9. 23:00
    District 9
    E 112' | USA | Neill Blomkamp | Spielfilm

    Am Rand von Johannesburg leben in einem riesigen Lager heimatlose Aliens, deren Mutterschiff vor 20 Jahren hier gestrandet ist. Sie werden abschätzig als «non humans» oder als «Garnelen» bezeichnet. Die Einheimischen ekeln sich vor ihnen und es wird entschieden, sie in ein weiter entferntes Lager zwangsumzusiedeln. Der für die Evakuierung zuständige Schreibtisch-Beamte Wikus van der Merve trifft auf den Widerstand der Aliens und wird durch eine Infizierung mit deren DNA selbst zum Gejagten. Die globale Flüchtlingspolitik und die meist damit einhergehenden, menschenverachtenden Umstände spiegelt District 9 und übersetzt die Problematik in einen packenden Genremix aus Mockumentary und Science-Fiction. (slb)

    Bilder: © 2009 Columbia TriStar Marketing Group, Inc.

    NOCTURNE
    Wir zeigen den von Peter Jackson produzierten Kultfilm als Late Night Special mit einer Einführung von Filmwissenschaftler und Sci-Fi-Experte Simon Spiegel.

Sa 4. Dez 2021
  1. 11:30
    Imad's Childhood
    OVe 78' | Schweden, Lettland 2021 | Zahavi Sanjavi | Dokumentarfilm

    Der fünfjährige Imad spielt am liebsten mit Kalaschnikows aus Plastik. Manchmal stellt er sich vor, Hunde oder auch Menschen zu köpfen. Über zwei Jahre seines Lebens hat Imad in Gefangenschaft von Isis-Anhänger*innen verbracht. Traumatisiert und seiner Kindheit beraubt, kehrt er nach der Befreiung gemeinsam mit dem jüngeren Bruder zu seiner Familie zurück. Gewalt ist Imads einzige Ausdrucksform und es wird klar: die Terrororganisation Islamischer Staat hat den Jungen einer perfiden Gehirnwäsche unterzogen, um ihn auf ein Leben als Kämpfer vorzubereiten. Seine Mutter, die die Schrecken ihrer eigenen Gefangenschaft und der erlebten sexualisierten Gewalt verarbeiten muss, findet keinen Zugang zu Imad – dies auch, weil er nur noch Arabisch spricht, im Gegensatz zu seiner kurdisch-jesidischen Familie. Die verstörenden Bilder dokumentieren die unwiderruflichen Folgen von Krieg und Gefangenschaft und die tiefen Wunden der Betroffenen. Immer wieder blitzt ein wenig Hoffnung auf: Obwohl das Erlebte Teil von Imads Identität geworden ist, macht er dank seinen Angehörigen und psychologischer Hilfe kleine Schritte auf seinem Weg zur Heilung und hin zu mehr Normalität. (nio)

  2. 13:00
    Brother's Keeper
    OVe 85' | Türkei, Rumänien 2021 | Ferit Karahan | Dokumentarfilm

    «Es gibt keine kurdische Region!», ruft die Lehrperson. Yusuf und seine kurdischen Mitschüler besuchen ein Knaben-Internat im kargen Bergland Anatoliens. Es weht die türkische Flagge, die Kinder dürfen kein Kurdisch sprechen und die Erziehungsmassnahmen sind geprägt von einer schwarzen Pädagogik aus Strafe und Schlägen. Die Buben werden einmal die Woche kalt abgeduscht und die eisige Winterkälte dringt von draussen in die Schlafsäle. Eines Morgens wacht Memo schwerkrank auf und Yusuf kann seinen Freund nur noch mit Mühe auf die Krankenstation schleppen. Ein Krankenpfleger, ein Lehrer und der Rektor werden herbeigerufen, alle sichtlich überfordert mit dem sich zusehends verschlechternden Zustand von Memo.

    Ferit Karahan inszeniert mit grandiosen jungen Schauspieler*innen diesen von Armut, Angst und «Türkisierung» geprägten Mikrokosmos. Leise und beobachtend fangen die stimmungsvollen Bilder dieses beklemmenden Dramas die äussere wie innere Kälte ein. (slb)

    Bilder: © Diren Düzgün

  3. 15:00
    Wet Sand
    OVd 115' | Schweiz, Georgien 2021 | Elene Naveriani | Spielfilm

    «Follow your fucking dreams», steht auf Fleshkas Jacke, als bräuchte sie eine tägliche Erinnerung daran, endlich aus ihrem Leben als Barangestellte im «Wet Sand» auszubrechen. Amnon, der Besitzer dieser Strandbar irgendwo an der georgischen Schwarzmeerküste, scheint sich ebenso wenig ins Dorfleben einzufügen. Die Bewohner*innen treffen sich hier, lästern und führen die ewiggleichen Gespräche, begleitet vom monotonen Geräusch der brechenden Wellen. Als das Gerücht eines Selbstmordes die Runde macht, ist schnell klar, dass es sich um den Aussenseiter Eliko handeln muss – um dessen Beerdigung sich aber niemand kümmern will. Die Gleichgültigkeit seiner Mitmenschen lässt erahnen, dass Eliko sich vom geselligen Leben und von Ritualen fernhielt. Mit dem Auftauchen seiner Enkelin Moe kommen nach und nach die Bigotterie und Intoleranz seiner Mitmenschen und ein Netz von Lügen zum Vorschein. Elikos und Amnons jahrelange, heimliche Liebe hebt das Dorfleben aus den Fugen und entlarvt eine homophobe, repressive Gesellschaft, in der auch Fleshka und Moe keine Perspektive sehen. Eine kraftvolle Hommage an die Liebe – und an alle, die sich gegen Konformismus auflehnen und Wege finden müssen, ihre Träume zu leben. (nio)

    Bilder: © Maximage Sister distribution

    Im Anschluss Gespräch mit der Filmemacherin Elene Naveriani.
    Moderation: Jenny Billeter, Kino Xenix

  4. 15:30
    Writing with Fire
    OVe 94' | India 2021 | Sushmit Ghosh, Rintu Thomas | Dokumentarfilm

    «Khabar Lahariya» ist die erste von Dalit-Frauen geleitete Zeitung Indiens. Die Dalits gehören im Kastensystem zu den «Unberührbaren» und obwohl deren Diskriminierung offiziell verboten ist, kämpfen sie tagtäglich mit Herablassung und Respektlosigkeit. Die furchtlosen Frauen stellen sich in ihrem Beruf der Herausforderung einer digitalisierten Welt und lernen, ihre Mobiltelefone als Waffen zu nutzen, um korrupte Systeme und Missstände durch investigativen Journalismus aufzudecken. Ihr Kampf um das Sichtbarmachen von illegalen Minenarbeiter*innen, mafiösen Hierarchien und um die Aufklärung von Verbrechen an Frauen birgt grosse Gefahren – oftmals stellen sich auch die Ehemänner oder die Familie gegen ihre Arbeit. Unbeirrt und getragen vom Erfolg ihrer Publikationen, stemmen sich die jungen Frauen den patriarchalen Strukturen entgegen und ermöglichen einen Einblick in das komplexe Gefüge kulturgegebener Verschränkungen Indiens. (slb)

    Bilder: © Black Ticket Films

    NEW(S) WAVES BY WOMEN (Engl.)
    Wo steht Khabar Lahariya heute? Schlagen ihre journalistischen Recherchen weiterhin so hohe Wellen und wie trägt ihre Arbeit zur Unterstützung des Frauenrechtskampfes in Indien bei? Im Skype-Gespräch erläutern die Protagonistinnen Meera Devi (Leiterin) und Shyamkali Devi (Chefredakteurin) den aktuellen Stand ihrer Arbeit. Zusammen mit Elena Valdameri (Postdoctoral Researcher, History of the Modern World, ETH Zürich) diskutieren wir, wie aktivistische Tätigkeit wie die des Khabar Lahariya-Teams zur Emanzipation von Frauen in der indischen Gesellschaft beitragen kann.

    Moderation: Josefa Haas, Reporter ohne Grenzen
    Präsentiert mit Reportagen

  5. 18:00
    Grosser Baum auf Reise – Taming the Garden
    Odf 92' | Schweiz, Deutschland, Georgien 2021 | Salomé Jashi | Dokumentarfilm

    Majestätisch thront ein Baum, getragen von einem Floss, mitten auf dem georgischen Schwarzen Meer. Diesem surreal anmutenden Bild ging eine gewaltsame Entwurzelung voraus. Einer der mächtigsten Politiker des Landes kauft uralte Bäume ein, lässt sie aufwändig freilegen und ohne Rücksicht auf die umliegende Natur an ihren neuen Zielort transportieren. Er will Bäume versetzen, einzig und allein zu seinem persönlichen Vergnügen – und weil er es sich leisten kann. Die gemächliche Reise übers Wasser endet in seinem privaten Garten. Dort reiht sich die aktuellste Errungenschaft ein in eine exklusive Plantage, die – ähnlich einer privaten Kunstsammlung – fast nur für seine Augen bestimmt ist. Dieses dekadente Unterfangen verstört die Gemeinschaften, aus denen die Bäume stammen. In einer Mischung aus Ungläubigkeit, Neugierde und Trauer wohnen sie dem ungewöhnlichen Schauspiel bei. Zurück bleiben ein wenig Geld und zahlreiche vernarbte Dörfer, denen es ohne den Schutz dieser riesigen Bäume an Schatten mangelt. Und es bleibt das schale Gefühl, die fragile Verbindung von Mensch und Natur sei endgültig gekappt. (nio)

    Im Anschluss Gespräch mit der Filmemacherin Salomé Jashi und einem/einer Vertreter*in von Greenpeace. (Engl.)
    Moderation: Chantal Hirschi

    Präsentiert mit Greenpeace Schweiz und dem Film Festival Diritti Umani Lugano

  6. 18:30
    The Case You
    OVe 80' | Deutschland 2020 | Alison Kuhn | Dokumentarfilm

    Mit entschlossenen Schritten kommen fünf junge Schauspieler*innen auf uns zu, bleiben stehen, schauen uns eindringlich an: Sie haben etwas Wichtiges zu berichten und wissen doch nicht recht, wie ihnen geschah. In einem kargen Theatersaal konfrontieren sie sich und uns mit einem traumatischen Casting-Erlebnis, das sie bis heute nicht loslässt. Nach und nach kommt anhand von Interviews, Rekonstruktion und performativen Elementen ein perfider Fall von Machtmissbrauch an die Oberfläche. Ihre Erzählungen machen klar: jede Einzelne von ihnen wurde in die Enge getrieben, gelähmt durch Berührungen und Regieanweisungen, die sie zu Marionetten eines abstrusen Experiments werden liessen. «Ich habe einfach gehofft, dass mir da jemand hilft», sagt Aileen, eine der Protagonist*innen. Hilflosigkeit, Scham und Enttäuschung sind spürbar. Die Schauspieler*innen versuchen zu verstehen: Wie konnten sie so manipuliert werden, sämtliche Hemmungen und Hüllen fallen zu lassen? Unweigerlich drängt sich die Frage auf, wie weit Schauspieler*innen im Namen der Kunst getrieben werden dürfen und welchen Preis sie bereit sind für ihre Karrierehoffnungen zu zahlen. Ihre gemeinsame Aufarbeitung ist ein eindrückliches Zeugnis von Selbstermächtigung und Einstehen für die eigenen Rechte. The Case You weist so auch weit über die Schauspielerei und MeToo hinaus und wirft ein Schlaglicht auf sexualisierte Gewalt und ihre unmittelbaren Folgen. (nio)

    Bilder: © Lenn Lamster

    SEXUALISIERTE GEWALT IM FILM UND DARÜBER HINAUS Alison Kuhn (Filmemacherin) und Aileen Lakatos (Protagonistin), Agota Lavoyer (Opferhilfe Kanton Solothurn) und Simone Eggler (Brava) sprechen über sexualisierte Gewalt im Filmbusiness und darüber hinaus. Wie kann es zu solch systematischen Übergriffen kommen? Welche Machtverhältnisse und gesellschaftlichen Bilder wirken hier? Was bedeutet das für die Verarbeitung der Betroffenen? Und was muss sich ändern?

    Moderation: Rafaela Roth, Journalistin NZZ am Sonntag

    Präsentiert mit Brava (ehemals TERRE DES FEMMES Schweiz)
    Unterstützt von SWAN – Swiss Women’s Audiovisual Network Association

  7. 20:30
    Should the Wind Drop
    OVe 100' | Armenien, Frankreich, Belgien 2021 | Nora Martirosyan | Spielfilm

    Mit der Eröffnung des Flughafens in ihrer Hauptstadt erhofft sich die Bevölkerung des nicht anerkannten Staats Bergkarabach internationale Anerkennung. Der Flughafenprüfer Alain soll das definitive Gutachten für die Zulassung ausstellen und findet sich in einer schwierigen Situation wieder: Soll er auf die Regularien der Luftfahrtbehörde bestehen und eine negative Beurteilung schreiben, oder die Bevölkerung, für die er unverkennbare Sympathien hegt, in ihrem Unabhängigkeitskampf unterstützen?

    Das eindrückliche Debüt von Nora Martirosyan befasst sich mit diesem Dilemma, dessen aktueller und realer Hintergrund lange kaum beachtet wurde. Zwischen den Hoheitsansprüchen Armeniens und Aserbaidschans positioniert sich der Film unaufgeregt und mit einer Ästhetik, die den Wunsch nach Frieden in sich trägt, für Freiheit und Hoffnung. Doch trotz des sanften Tones verzagt der Film nicht in seiner Rolle als Ort der Konfrontation, die ihn zu einem relevanten politischen Statement werden lässt. (goEast Film Festival)

    Bilder: © SISTER PRODUCTIONS

    Einführung von Eliane Menghetti, Vorstandsmitglied der ICJ-CH

    Präsentiert mit ICJ-CH – Schweizerische Sektion der Internationalen Juristenkommission

  8. 21:00
    Mir wächst ein Schnauz - Transtrender Chroniken
    D 60' | Schweiz | Sascha Rijkeboer | Performance

    Sascha Rijkeboer ist Pop-Aktivist*in, Sichtbarmacher*in, Story-Quing auf Instagram und am Human Rights Film Festival Zurich mit einem neuem Spokenword-Programm vertreten. Sascha performt Texte, die sich mit trans und non-binärer Identifizierung, Transmaskulinität und den Zwängen einer heteronormativen Gesellschaft auseinandersetzen. Es werden reflektiert: Die eigenen Privilegien, die Komplexität einer pluralistischen Gesellschaft mit einer Million Subjektangeboten, aber auch einigen Reglementierungen dazu. Vor allem darf jedoch beherzt gelacht werden, übers Anderssein und -nichtsein und über die «Normalen».

    Eintritt frei

    Tipp: Sascha Rijkeboer ist Protagonist*in im Kurzfilm «Being Sascha» (OVe 35’ | Manuel Gübeli | Schweiz, Deutschland 2020 | Dok), den man hier online on demand schauen kann. Eine Geschichte davon, was es heisst, in einer Gesellschaft zu leben, in der man nicht vorgesehen ist. Ein Blick in ein Leben, das uns unsere eigenen Kategorien hinterfragen lässt. Und ein Film darüber, was es bedeutet, sich selbst zu sein.

  9. 21:00
    Shadow Game
    OVe 90' | Holland 2021 | Eefje Blankevoort, Els van Driel | Dokumentarfilm

    Ihr «Spiel» ist ein lebensgefährliches Unterfangen. Jugendliche, die auf der Suche nach Schutz und einer Zukunftsperspektive Familie und Heimat verlassen, begeben sich auf eine Reise ins Ungewisse. Der stetige Kampf um einen sicheren Unterschlupf, eiskalte Nächte unter Autobahnbrücken, Verstecke in Lastwagen oder Zügen, unbarmherzige Grenzwächter*innen: All das dokumentieren die jungen Protagonist*innen in Shadow Game mit ihren Handys, die so zu Filmkameras werden. Hautnah erzählen diese Bilder von ihrem gefährlichen, oft jahrelangen Bestreben, die Festung Europa zu überwinden. Der Spieleinsatz ist hoch: Sie werden schnell erwachsen auf ihrem gnadenlosen Abenteuer entlang der EU-Aussengrenzen. Und doch ist jede überschrittene Grenze der Anfang eines neuen Levels und ein Motivationsschub. Wer am Ende als Gewinner*in hervorgehen wird, bleibt ungewiss. Eine moderne Odyssee entlang von Migrationsrouten und ein erschreckender Blick hinter die Kulissen folgenschwerer politischer Entscheidungen. (nio)

    «THE GAME» ALS LEBENSBEDROHLICHE REALITÄT – WIE KÖNNEN NGOs UND DIE ZIVILGESELLSCHAFT HELFEN? (Engl.)
    Gespräch mit Michel Anglade (Director and UN Representative, Geneva Advocacy Office, Save the Children) und Els van Driel (Filmemacherin Shadow Game) über die Situation von unbegleiteten Kindern und Jugendlichen entlang von Migrationsrouten und den Möglichkeiten für NGOs und die Zivilgesellschaft, ihre Situation zu verbessern.

    Moderation: Marcy Goldberg

    Präsentiert mit Save the Children

So 5. Dez 2021
  1. 11:00
    Should the Wind Drop
    OVe 100' | Armenien, Frankreich, Belgien 2021 | Nora Martirosyan | Spielfilm

    Mit der Eröffnung des Flughafens in ihrer Hauptstadt erhofft sich die Bevölkerung des nicht anerkannten Staats Bergkarabach internationale Anerkennung. Der Flughafenprüfer Alain soll das definitive Gutachten für die Zulassung ausstellen und findet sich in einer schwierigen Situation wieder: Soll er auf die Regularien der Luftfahrtbehörde bestehen und eine negative Beurteilung schreiben, oder die Bevölkerung, für die er unverkennbare Sympathien hegt, in ihrem Unabhängigkeitskampf unterstützen?

    Das eindrückliche Debüt von Nora Martirosyan befasst sich mit diesem Dilemma, dessen aktueller und realer Hintergrund lange kaum beachtet wurde. Zwischen den Hoheitsansprüchen Armeniens und Aserbaidschans positioniert sich der Film unaufgeregt und mit einer Ästhetik, die den Wunsch nach Frieden in sich trägt, für Freiheit und Hoffnung. Doch trotz des sanften Tones verzagt der Film nicht in seiner Rolle als Ort der Konfrontation, die ihn zu einem relevanten politischen Statement werden lässt. (goEast Film Festival)

    Bilder: © SISTER PRODUCTIONS

  2. 11:30
    Ostrov
    Odf 90' | Schweiz 2021 | Svetlana Rodina, Laurent Stoop | Dokumentarfilm

    Auf der russischen Insel Ostrov im Kaspischen Meer leben nur noch ein paar Dutzend Menschen: ohne Strassen, zentrale Stromversorgung oder Gesundheitsdienste. Früher stand hier eine Militärbasis und die Störfischerei garantierte den Menschen ein Einkommen. Heute ist der Fischfang illegal. Der Film zeichnet das intime Porträt einer Familie, deren Männer mit kleinen Booten weiterhin aufs Meer fahren – in ständiger Angst, von der Küstenwache aufgegriffen zu werden. Mit gewilderten Fischen halten sie sich wirtschaftlich über Wasser. In ihrer prekären Situation kritisieren sie ein politisches System, in dem staatliche Hilfsgelder in den Taschen von Beamt*innen verschwinden. Im Hintergrund lärmt der Generator, im Vordergrund läuft der Fernseher, darin die kleine Figur von Wladimir Putin, die von der alten Grösse Russlands spricht. Das patriotische Narrativ einer unbesiegbaren Nation, die Nazideutschland in die Knie gezwungen hat und heute den «Kampf gegen den Faschismus» in der Ukraine weiterführt, gibt den Fischern auf Ostrov Hoffnung auf eine bessere Zukunft. (Emanuel Schäublin)

  3. 13:00
    Les Enfants Terribles
    OVe 92' | Frankreich, Deutschland, Türkei 2021 | Ahmet Necdet Çupur | Dokumentarfilm

    Ahmet Necdet Çupur besucht seine Familie in seinem Heimatdorf im Südosten der Türkei, das er vor zwanzig Jahren verlassen hat, um zu studieren. Nun ergeht es seiner Schwester Zainap wie ihm, sie möchte nur noch weg und bereitet sich auf die Aufnahmeprüfungen an die Uni vor. Doch ihr Vater verbietet ihr das Studium. Stattdessen soll sie im Dorf bleiben, ihren Cousin heiraten und Kinder grossziehen. Auch der frisch verheiratete Bruder Mahmut hadert mit seiner arrangierten Ehe und wünscht sich ein freies Leben in der Stadt. Die Konflikte mit den traditionell denkenden Eltern sind heftig und zäh.

    Der ältere Bruder richtet seine Kamera auf die familiären Schlachtfelder und fängt die Gefühlsausbrüche zwischen den Generationen ein, die in ihrem Verständnis von Zukunft und Privatleben weit auseinander gehen. Ihm gelingt ein packendes Familienepos, das die Wandlung der türkischen Gesellschaft reflektiert. (slb)

  4. 15:00
    Grosser Baum auf Reise – Taming the Garden
    Odf 92' | Schweiz, Deutschland, Georgien 2021 | Salomé Jashi | Dokumentarfilm

    Majestätisch thront ein Baum, getragen von einem Floss, mitten auf dem georgischen Schwarzen Meer. Diesem surreal anmutenden Bild ging eine gewaltsame Entwurzelung voraus. Einer der mächtigsten Politiker des Landes kauft uralte Bäume ein, lässt sie aufwändig freilegen und ohne Rücksicht auf die umliegende Natur an ihren neuen Zielort transportieren. Er will Bäume versetzen, einzig und allein zu seinem persönlichen Vergnügen – und weil er es sich leisten kann. Die gemächliche Reise übers Wasser endet in seinem privaten Garten. Dort reiht sich die aktuellste Errungenschaft ein in eine exklusive Plantage, die – ähnlich einer privaten Kunstsammlung – fast nur für seine Augen bestimmt ist. Dieses dekadente Unterfangen verstört die Gemeinschaften, aus denen die Bäume stammen. In einer Mischung aus Ungläubigkeit, Neugierde und Trauer wohnen sie dem ungewöhnlichen Schauspiel bei. Zurück bleiben ein wenig Geld und zahlreiche vernarbte Dörfer, denen es ohne den Schutz dieser riesigen Bäume an Schatten mangelt. Und es bleibt das schale Gefühl, die fragile Verbindung von Mensch und Natur sei endgültig gekappt. (nio)

  5. 15:30
    Mis hermanos sueñan despiertos
    OVe 85' | Chile 2021 | Claudia Huaiquimilla | Spielfilm

    Von der Gesellschaft im Stich gelassen warten Ángel und sein jüngerer Bruder Franco seit einem Jahr in einem Jugendgefängnis im Süden von Chile auf die Verhandlung ihres Falles. Die Geschwisterliebe und die Freundschaft zu den Mitgefangenen machen die harten Haftbedingungen erträglicher. Gemeinsam träumen sie von der Freiheit, die sie eines Tages erwartet – vom ersten Fussballspiel im Stadion, von einer heissen Dusche oder einem Ausflug an den Strand. Diese Solidarität scheint lange der Schlüssel dafür zu sein, in einem System von Unterdrückung, Hierarchien und Gewalt zu überleben. Dann wird Jaime aus einem anderen Jugendzentrum überführt und sein Hang zur Rebellion macht die Tagträume der Jugendlichen plötzlich greifbar. Jaime plant eine Meuterei, um mit ein paar Mitgefangenen auszubrechen. Von der wahren Begebenheit, auf der die Geschichte basiert, existieren kaum Aufzeichnungen. Mis hermanos sueñan despiertos rekonstruiert denn auch nicht die tatsächlichen Ereignisse, sondern versucht die zunehmende Verzweiflung zu bebildern: Was bringt die Jugendlichen dazu, ihr Leben für eine verhängnisvolle Fluchtidee aufs Spiel zu setzen? Gleichzeitig offenbart der Film das problematische chilenische Justizsystem – eine Politik der Bestrafung, die neue Opfer hervorbringt anstatt Perspektiven für marginalisierten Jugendlichen zu schaffen. (nio)

    Präsentiert mit dem Latin American Center UZH

  6. 18:00
    Flee
    Odf 83' | Dänemark, Frankreich, Schweden 2021 | Jonas Poher Rasmussen | Dokumentarfilm

    Seit mehr als zwanzig Jahren hält Amin eine Version seiner Fluchtgeschichte aufrecht, die nicht der Wahrheit entspricht. 1989 aus Afghanistan nach Dänemark gekommen, ist er mittlerweile ein erfolgreicher Akademiker. Aus Angst, seine Aufenthaltsbewilligung zu verlieren, hat er nie jemandem von den eigentlichen Umständen und dem Schicksal seiner Familie erzählt. Nun bereitet er sich auf die Hochzeit mit seinem langjährigen Partner vor, ein wichtiger Schritt, der ihn dazu bewegt, seinem Freund und Regisseur Jonas Poher Rasmussen alles zu berichten. Um die Anonymität von Amin zu wahren, inszeniert dieser das intime Gespräch in Form eines eindrücklich bebilderten Animationsfilms, gespickt mit Archivaufnahmen eines vergessenen progressiven Afghanistans. Die aufwühlende Vergangenheit von Amin und die präzise Schilderung seiner Traumata prallen mit seiner jetzigen Lebenswelt als offen homosexuell lebender Mann zusammen. Ein humorvoller und begnadeter Erzähler sowie ein sensibler Zuhörer-Filmemacher verweben diese Erinnerungsfragmente zu einem kunstvollen Ganzen, das dem Film in Sundance den Grand Jury Prize einbrachte. (slb)

    Bilder: © FinalCutforReal

    FLUCHT AUS AFGHANISTAN
    Panel zur aktuellen Lage in Afghanistan und der Situation von LGBT* Asylsuchenden in der Schweiz. Mit Corinne Troxler (Schweizerische Flüchtlingshilfe) und Stefan Faust (Queeramnesty Schweiz).
    Moderation: Nicola Diday

  7. 18:30
    Shadow Game
    OVe 90' | Holland 2021 | Eefje Blankevoort, Els van Driel | Dokumentarfilm

    Ihr «Spiel» ist ein lebensgefährliches Unterfangen. Jugendliche, die auf der Suche nach Schutz und einer Zukunftsperspektive Familie und Heimat verlassen, begeben sich auf eine Reise ins Ungewisse. Der stetige Kampf um einen sicheren Unterschlupf, eiskalte Nächte unter Autobahnbrücken, Verstecke in Lastwagen oder Zügen, unbarmherzige Grenzwächter*innen: All das dokumentieren die jungen Protagonist*innen in Shadow Game mit ihren Handys, die so zu Filmkameras werden. Hautnah erzählen diese Bilder von ihrem gefährlichen, oft jahrelangen Bestreben, die Festung Europa zu überwinden. Der Spieleinsatz ist hoch: Sie werden schnell erwachsen auf ihrem gnadenlosen Abenteuer entlang der EU-Aussengrenzen. Und doch ist jede überschrittene Grenze der Anfang eines neuen Levels und ein Motivationsschub. Wer am Ende als Gewinner*in hervorgehen wird, bleibt ungewiss. Eine moderne Odyssee entlang von Migrationsrouten und ein erschreckender Blick hinter die Kulissen folgenschwerer politischer Entscheidungen. (nio)

  8. 20:30
    Der Ast, auf dem ich sitze
    Odf 102' | Schweiz, Deutschland 2020 | Luzia Schmid | Dokumentarfilm

    Wer bezahlt den Preis für unseren Wohlstand? Die Filmemacherin Luzia Schmid wagt sich in diesem persönlichen Film an ein illustres Kapitel der Schweizer Finanzgeschichte. Einst sass ihre Heimatstadt Zug auf einem Schuldenberg, doch dann kam «die Sache mit den niedrigen Steuern». Heute ist Zug ein Steuerparadies – auch dank ihrem Vater und seinen Anwaltskollegen, die nach dem zweiten Weltkrieg geschickte Lösungen fanden, reiche Unternehmen in die Stadt holten und rasch riesige finanzielle Erfolge verbuchten. Bis zu 40 Briefkastenfirmen unterhielt Schmids Vater zu Spitzenzeiten. So trug auch er dazu bei, dass Zug bis heute im Standortwettbewerb in einer Liga mit Shanghai, London und New York spielt. Seine Tochter hält den Finger auf die wunden Stellen dieser Finanzstrategie und stellt diejenigen Fragen, denen die meisten ihrer Protagonist*innen gekonnt aus dem zu Weg gehen versuchen. Aus gutem Grund: Sie sind Profiteur*innen vom Aufstieg Zugs und schauen heute von ihren Terrassen auf die gutbürgerliche Kleinstadt hinunter. Ein kritischer Blick auf die Steueroase Zug, eine Reflektion über Doppelmoral und Verdrängung und eine Geschichtslektion, die der reichen Schweiz den Spiegel vorhält. (nio)

    STEUERPARADIES SCHWEIZ – BOOSTER FÜR DIE GLOBALE UNGLEICHHEIT
    Dominik Gross (Experte für internationale Finanz- und Steuerpolitik, Alliance Sud) und Rita Kesselring (Ethnologin mit Forschungsschwerpunkt Rohstoffabbau im südlichen Afrika, Universität Basel) diskutieren, weshalb der Kampf gegen die globale Ungleichheit auch einer für mehr internationale Steuergerechtigkeit ist und über die Verantwortung, die Politik und Wirtschaft dabei zukommt.

    Moderation: Iwan Schauwecker

    Präsentiert mit Solidar Suisse

  9. 21:00
    Writing with Fire
    OVe 94' | India 2021 | Sushmit Ghosh, Rintu Thomas | Dokumentarfilm

    «Khabar Lahariya» ist die erste von Dalit-Frauen geleitete Zeitung Indiens. Die Dalits gehören im Kastensystem zu den «Unberührbaren» und obwohl deren Diskriminierung offiziell verboten ist, kämpfen sie tagtäglich mit Herablassung und Respektlosigkeit. Die furchtlosen Frauen stellen sich in ihrem Beruf der Herausforderung einer digitalisierten Welt und lernen, ihre Mobiltelefone als Waffen zu nutzen, um korrupte Systeme und Missstände durch investigativen Journalismus aufzudecken. Ihr Kampf um das Sichtbarmachen von illegalen Minenarbeiter*innen, mafiösen Hierarchien und um die Aufklärung von Verbrechen an Frauen birgt grosse Gefahren – oftmals stellen sich auch die Ehemänner oder die Familie gegen ihre Arbeit. Unbeirrt und getragen vom Erfolg ihrer Publikationen, stemmen sich die jungen Frauen den patriarchalen Strukturen entgegen und ermöglichen einen Einblick in das komplexe Gefüge kulturgegebener Verschränkungen Indiens. (slb)

    Bilder: © Black Ticket Films

Mo 6. Dez 2021
  1. 09:30
    Lunana - A Yak in the Classroom - Schulvorstellung
    Odf 109' | Bhutan 2020 | Pawo Choyning Dorji | Spielfilm

    Ugyen, ein junger Lehrer in Bhutan, wird in die abgelegenste Schule der Welt zwangsversetzt. Fernab von seinem gewohnten Komfort findet sich Ugyen in einem Dorf namens Lunana wieder. Dort trifft er auf eine Gemeinschaft, die ihn mit grösstem Respekt betrachtet – nur ein Lehrer könne «die Zukunft der Kinder berühren», so die gängige Meinung. Nach und nach lernt Ugyen mehr über seinen Beruf, als es ihm seine Ausbildung zu vermitteln mochte.

    Im Anschluss findet ein animiertes Filmgespräch statt.
    Moderation: Claudia Solanes

    Präsentiert mit der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation Switzerland

    Anmeldungen für Schulklassen bis 10.11. unter schuleundkultur.zh.ch

  2. 10:00
    My Name is Baghdad - Schulvorstellung
    OVd 96' | Brasilien 2020 | Caru Alves De Souza | Spielfilm

    Auf ihrem Skateboard rollt sie durch São Paulo. Bagdá trägt die Haare kurz, die Hosen mit hohem Bund, den Pullover gern unter den Gürtel gestopft. Bagdá ist cool, ein Mädchen, das respektiert, wen sie respektieren will – und alle anderen auch schon mal mit nassen Wurfgeschossen attackiert. Ihr Zuhause ist ein eigensinniger, emanzipierter Frauenhaushalt, aber ihre Welt ist die der Suicide Ramps. Dort hängt sie mit ihren Jungs ab, die die Tage mit nacktem Oberkörper, Karten spielend und Brusthaare zupfend verbringen. Wie ihre Protagonistin gleitet die Regisseurin durch den Film: selbstbewusst, originell und mit freiem Schwenk. Und wie Bagdá macht sie auch vor Düsterem nicht Halt, thematisiert Gewalt, Sexismus und Diskriminierung – aber auch Solidarität und Aufbegehren.

    Im Anschluss findet ein animiertes Filmgespräch statt.
    Moderation: Annina Brühwiler, Journalistin und Skate-Coach

    Präsentiert mit dem Latin American Center UZH

    Anmeldungen für Schulklassen bis 10.11. unter schuleundkultur.zh.ch

  3. 13:30
    SHADOW GAME - Schulvorstellung
    OVe 90' | Holland | Eefje Blankevoort, Els van Driel | Dokumentarfilm

    Ihr «Spiel» ist ein lebensgefährliches Unterfangen. Jugendliche, die auf der Suche nach Schutz und einer Zukunftsperspektive Familie und Heimat verlassen, begeben sich auf eine Reise ins Ungewisse. Der stetige Kampf um einen sicheren Unterschlupf, eiskalte Nächte unter Autobahnbrücken, Verstecke in Lastwagen oder Zügen, unbarmherzige Grenzwächter*innen: All das dokumentieren die jungen Protagonist*innen in Shadow Game mit ihren Handys, die so zu Filmkameras werden. Hautnah erzählen diese Bilder von ihrem gefährlichen, oft jahrelangen Bestreben, die Festung Europa zu überwinden. Der Spieleinsatz ist hoch: Sie werden schnell erwachsen auf ihrem gnadenlosen Abenteuer entlang der EU-Aussengrenzen. Und doch ist jede überschrittene Grenze der Anfang eines neuen Levels und ein Motivationsschub. Wer am Ende als Gewinner*in hervorgehen wird, bleibt ungewiss. Eine moderne Odyssee entlang von Migrationsrouten und ein erschreckender Blick hinter die Kulissen folgenschwerer politischer Entscheidungen. (nio)

    Anschliessendes Gespräch mit Filmemacherin Els van Driel
    Moderation: Claudia Solanes

  4. 14:00
    La mif Schulvorstellung
    Ode 110' | Schweiz 2021 | Fred Baillif | Spielfilm

    «Ihr sagt, ihr seid für uns da, aber in Wirklichkeit sind wir alleine!» In einem Heim in Genf für Mädchen aus schwierigen familiären Verhältnissen zanken sich die Heimleiter*innen und die jungen Frauen täglich. Auch zwischen den Teenagern knallt es oft, sie beleidigen einander, schreien, schlagen zu und versöhnen sich wieder. Der Filmemacher Fred Baillif, selber ehemaliger Sozialarbeiter, beweist mit seinem zweiten Spielfilm erneut sein grosses Talent in Laien-Schauspielführung und für den gewieften Wechsel zwischen Inszenierung und Improvisation. Über zwei Jahre hat er mit den tatsächlich im Heim wohnhaften Mädchen im Vorfeld gearbeitet und jede einzelne ihre Geschichte erzählen lassen. Eindrücklich verwebt er diese oft von sexualisierter Gewalt geprägten Traumata mit dem emotional intensiven Heim-Alltag in der «Ersatzfamilie». Gleichzeitig entlarvt der Film gravierende Mängel des Schweizerischen Jugendschutzsystems und die Überforderung der Sozialarbeiter*innen. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit Protagonistinnen. (FR/DE)
    Moderation: Sandrine Charlot Zinsli

    Präsentiert mit Aux Arts Etc ... und Ambassade de France en Suisse

    Anmeldungen für Schulklassen bis 10.11. unter schuleundkultur.zh.ch

    Bilder: © Joseph Areddy / Stephane Gros

  5. 17:30
    La mif
    Ode 110' | Schweiz 2021 | Fred Baillif | Spielfilm

    «Ihr sagt, ihr seid für uns da, aber in Wirklichkeit sind wir alleine!» In einem Heim in Genf für Mädchen aus schwierigen familiären Verhältnissen zanken sich die Heimleiter*innen und die jungen Frauen täglich. Auch zwischen den Teenagern knallt es oft, sie beleidigen einander, schreien, schlagen zu und versöhnen sich wieder. Der Filmemacher Fred Baillif, selber ehemaliger Sozialarbeiter, beweist mit seinem zweiten Spielfilm erneut sein grosses Talent in Laien-Schauspielführung und für den gewieften Wechsel zwischen Inszenierung und Improvisation. Über zwei Jahre hat er mit den tatsächlich im Heim wohnhaften Mädchen im Vorfeld gearbeitet und jede einzelne ihre Geschichte erzählen lassen. Eindrücklich verwebt er diese oft von sexualisierter Gewalt geprägten Traumata mit dem emotional intensiven Heim-Alltag in der «Ersatzfamilie». Gleichzeitig entlarvt der Film gravierende Mängel des Schweizerischen Jugendschutzsystems und die Überforderung der Sozialarbeiter*innen. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit Protagonistinnen. (FR/DE)
    Moderation: Sandrine Charlot Zinsli

    KOSMOPOLITICS I 20h I Forum
    VERNISSAGE HANDBUCH NEUE SCHWEIZ

    Für alle, die da sind und alle,
    die noch kommen werden

    An der Vernissage zum Handbuch Neue Schweiz gehen wir den Spuren der Bürger*innenrechtskämpfe seit den 1960er-Jahren bis zur Black Lives Matter-Bewegung nach. Unter anderem mit Francesca Falk, Kijan Espahangizi, Paola de Martin, Fatima Moumouni und Hannan Salamat.

    Moderation: Mardoché Kabengele

    Präsentiert mit INES – Institut Neue Schweiz

  6. 18:30
    Mis hermanos sueñan despiertos
    OVe 85' | Chile 2021 | Claudia Huaiquimilla | Spielfilm

    Von der Gesellschaft im Stich gelassen warten Ángel und sein jüngerer Bruder Franco seit einem Jahr in einem Jugendgefängnis im Süden von Chile auf die Verhandlung ihres Falles. Die Geschwisterliebe und die Freundschaft zu den Mitgefangenen machen die harten Haftbedingungen erträglicher. Gemeinsam träumen sie von der Freiheit, die sie eines Tages erwartet – vom ersten Fussballspiel im Stadion, von einer heissen Dusche oder einem Ausflug an den Strand. Diese Solidarität scheint lange der Schlüssel dafür zu sein, in einem System von Unterdrückung, Hierarchien und Gewalt zu überleben. Dann wird Jaime aus einem anderen Jugendzentrum überführt und sein Hang zur Rebellion macht die Tagträume der Jugendlichen plötzlich greifbar. Jaime plant eine Meuterei, um mit ein paar Mitgefangenen auszubrechen. Von der wahren Begebenheit, auf der die Geschichte basiert, existieren kaum Aufzeichnungen. Mis hermanos sueñan despiertos rekonstruiert denn auch nicht die tatsächlichen Ereignisse, sondern versucht die zunehmende Verzweiflung zu bebildern: Was bringt die Jugendlichen dazu, ihr Leben für eine verhängnisvolle Fluchtidee aufs Spiel zu setzen? Gleichzeitig offenbart der Film das problematische chilenische Justizsystem – eine Politik der Bestrafung, die neue Opfer hervorbringt anstatt Perspektiven für marginalisierten Jugendlichen zu schaffen. (nio)

    Präsentiert mit dem Latin American Center UZH

  7. 20:30
    Rouge
    OVe 86' | Frankreich, Belgien 2020 | Farid Bentoumi | Spielfilm

    «Soll ich euch alle sterben lassen?», fragt die junge Krankenpflegerin Nour ihren Vater Slimane. Beide arbeiten für einen grossen Chemiekonzern in Frankreich – Nours Vater schon seit fast drei Jahrzehnten. Mittlerweile ist der langjährige Vertraute der Geschäftsleitung auch Gewerkschaftsvertreter, er arbeitet viel und beklagt sich nicht. Slimane verschafft nicht nur der Tochter einen neuen Job bei seinem Arbeitgeber, sondern fühlt sich auch für den Rest der Belegschaft verantwortlich. Das Drama nimmt seinen Lauf, als Nour Lücken in den Gesundheitsakten der Angestellten bemerkt. Gemeinsam mit einer Journalistin kommt sie einem jahrelang vertuschten Entsorgungsskandal – mit gravierenden gesundheitlichen Folgen für die Belegschaft – auf die Spur. Ihr Drang nach Gerechtigkeit treibt sie zu einem gefährlichen Spiel mit dem Feuer und vergiftet zusehends die harmonische Vater-Tochter-Beziehung. Bringt sie die Wahrheit ans Licht, gefährdet sie nicht nur Slimanes Ruf, sondern auch unzählige Arbeitsplätze. Nour muss sich entscheiden zwischen der Loyalität zu ihrem Vater und einem Leben als Whistleblowerin. (nio)

    Im Anschluss Gespräch mit dem Filmemacher Farid Bentoumi.
    Moderation: Marcy Goldberg

    Präsentiert mit Public Eye

  8. 21:00
    Wet Sand
    OVd 115' | Schweiz, Georgien 2021 | Elene Naveriani | Spielfilm

    «Follow your fucking dreams», steht auf Fleshkas Jacke, als bräuchte sie eine tägliche Erinnerung daran, endlich aus ihrem Leben als Barangestellte im «Wet Sand» auszubrechen. Amnon, der Besitzer dieser Strandbar irgendwo an der georgischen Schwarzmeerküste, scheint sich ebenso wenig ins Dorfleben einzufügen. Die Bewohner*innen treffen sich hier, lästern und führen die ewiggleichen Gespräche, begleitet vom monotonen Geräusch der brechenden Wellen. Als das Gerücht eines Selbstmordes die Runde macht, ist schnell klar, dass es sich um den Aussenseiter Eliko handeln muss – um dessen Beerdigung sich aber niemand kümmern will. Die Gleichgültigkeit seiner Mitmenschen lässt erahnen, dass Eliko sich vom geselligen Leben und von Ritualen fernhielt. Mit dem Auftauchen seiner Enkelin Moe kommen nach und nach die Bigotterie und Intoleranz seiner Mitmenschen und ein Netz von Lügen zum Vorschein. Elikos und Amnons jahrelange, heimliche Liebe hebt das Dorfleben aus den Fugen und entlarvt eine homophobe, repressive Gesellschaft, in der auch Fleshka und Moe keine Perspektive sehen. Eine kraftvolle Hommage an die Liebe – und an alle, die sich gegen Konformismus auflehnen und Wege finden müssen, ihre Träume zu leben. (nio)

    Bilder: © Maximage Sister distribution

Di 7. Dez 2021
  1. 10:00
    La mif Schulvorstellung
    Ode 110' | Schweiz 2021 | Fred Baillif | Spielfilm

    «Ihr sagt, ihr seid für uns da, aber in Wirklichkeit sind wir alleine!» In einem Heim in Genf für Mädchen aus schwierigen familiären Verhältnissen zanken sich die Heimleiter*innen und die jungen Frauen täglich. Auch zwischen den Teenagern knallt es oft, sie beleidigen einander, schreien, schlagen zu und versöhnen sich wieder. Der Filmemacher Fred Baillif, selber ehemaliger Sozialarbeiter, beweist mit seinem zweiten Spielfilm erneut sein grosses Talent in Laien-Schauspielführung und für den gewieften Wechsel zwischen Inszenierung und Improvisation. Über zwei Jahre hat er mit den tatsächlich im Heim wohnhaften Mädchen im Vorfeld gearbeitet und jede einzelne ihre Geschichte erzählen lassen. Eindrücklich verwebt er diese oft von sexualisierter Gewalt geprägten Traumata mit dem emotional intensiven Heim-Alltag in der «Ersatzfamilie». Gleichzeitig entlarvt der Film gravierende Mängel des Schweizerischen Jugendschutzsystems und die Überforderung der Sozialarbeiter*innen. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit Protagonistinnen. (FR/DE)
    Moderation: Sandrine Charlot Zinsli

    Präsentiert mit Aux Arts Etc ... und Ambassade de France en Suisse

    Anmeldungen für Schulklassen bis 10.11. unter schuleundkultur.zh.ch

    Bilder: © Joseph Areddy / Stephane Gros

  2. 18:00
    Zinder
    OVe 82' | Frankreich, Niger, Deutschland 2021 | Aïcha Macky | Dokumentarfilm

    Der Alltag in der Stadt Zinder in Niger ist von Armut geprägt. Viele Jugendliche stammen aus Karakara, einem Viertel, wo früher Leprakranke lebten. Ohne Recht auf Bildung und von der Gesellschaft ausgegrenzt, schlagen sie ihre Zeit tot. Die in Zinder aufgewachsene Filmemacherin fühlt den oft in Gangs organisierten jungen Männern auf den Puls. Bawa, ein ehemaliger Anführer, erzählt ihr offen von seiner früheren Gewaltbereitschaft, die sich in Schlägereien und Vergewaltigungen entlud. Andere prahlen weiterhin mit ihrer toxischen Männlichkeit. Macky lässt diese teils beklemmenden Aussagen unkommentiert – sie hört zu und zeichnet das Bild einer Jugend, die durch Aufbegehren und Machtdemonstration ihrer Perspektivenlosigkeit zu entkommen versucht. (slb)

    Begrüssungsworte
    Léo Kaneman, Ehrenpräsident HRFF Zürich

    Christine Löw, Stv. Chefin Abteilung Frieden und Menschenrechte (AFM), Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA)

    FRIEDEN UND MENSCHENRECHTE IM SAHEL (Engl.)
    Viele Länder der Sahelzone sind mit Armut, sozialer Ungleichheit, Straflosigkeit und Korruption konfrontiert. Menschenrechtsverletzungen oder die unzureichende Garantie der Grundfreiheiten sind ein Zeichen dafür, dass Frieden und Sicherheit gefährdet sind. Wie können die Grundbedürfnisse der Bevölkerung ins Zentrum gerückt und die Stabilität gefördert werden? Gespräch mit Aïcha Macky (Filmemacherin), sowie Marie-Emilie Dozin, (Head of Advocacy and Communication for the Global Protection Cluster, UNHCR).

    Moderation: Flavia Giorgetta

    Präsentiert mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA

  3. 18:30
    La mif
    Ode 110' | Schweiz 2021 | Fred Baillif | Spielfilm

    «Ihr sagt, ihr seid für uns da, aber in Wirklichkeit sind wir alleine!» In einem Heim in Genf für Mädchen aus schwierigen familiären Verhältnissen zanken sich die Heimleiter*innen und die jungen Frauen täglich. Auch zwischen den Teenagern knallt es oft, sie beleidigen einander, schreien, schlagen zu und versöhnen sich wieder. Der Filmemacher Fred Baillif, selber ehemaliger Sozialarbeiter, beweist mit seinem zweiten Spielfilm erneut sein grosses Talent in Laien-Schauspielführung und für den gewieften Wechsel zwischen Inszenierung und Improvisation. Über zwei Jahre hat er mit den tatsächlich im Heim wohnhaften Mädchen im Vorfeld gearbeitet und jede einzelne ihre Geschichte erzählen lassen. Eindrücklich verwebt er diese oft von sexualisierter Gewalt geprägten Traumata mit dem emotional intensiven Heim-Alltag in der «Ersatzfamilie». Gleichzeitig entlarvt der Film gravierende Mängel des Schweizerischen Jugendschutzsystems und die Überforderung der Sozialarbeiter*innen. (slb)

  4. 20:30
    Réveil sur Mars
    Odf 74' | Schweiz, Frankreich | Dea Gjinovci | Dokumentarfilm

    Reglos und mit geschlossenen Augen liegen die Schwestern Ibadeta and Djeneta nebeneinander. Nur der Sauerstoffschlauch in ihren Nasen verrät, dass sie nicht schlafen, sondern im Koma liegen. Ihr kleiner Bruder Furkan glaubt, dass sie ihn trotzdem hören können, wenn er ihnen vom Mars erzählt. Orange sei der fremde Planet und es sei sehr dunkel während der langen Reise dorthin. In seiner lebhaften Fantasie bestreitet Furkan Abenteuer fern von Traurigkeit und seelischer Erschütterung, die die Flucht seiner Familie aus dem Kosovo ausgelöst hat. Das «resignation syndrom» der Schwestern setzte ein, als der zweite negative Asylentscheid der schwedischen Behörden eintraf. Seither fristet die Familie ein Dasein in einer Zwischenwelt, gefangen in einer Spirale des Wartens. Die Eltern hoffen, dass ihre Mädchen bald aufwachen und trotzen gleichzeitig der Ungewissheit und ihrer Angst vor einer Rückweisung in den Balkan. Dort wurden sie als Angehörige einer ethnischen Minderheit diskriminiert und verfolgt. Furkan entzieht sich immer wieder dieser bitteren Realität und baut an seinem Raumschiff aus Schrott, um bald auf dem Mars ein neues Leben zu beginnen. Eine Ode an die menschliche Fähigkeit zum Widerstand, aufwühlend und poetisch zugleich. (nio)

    MENTAL HEALTH ISSUES CAUSED BY FLIGHT AND RESIGNATION (Engl.)
    Die beiden Mädchen in Réveil sur Mars sind von einem sehr seltenen medizinischen Phänomen betroffen: Das «resignation syndrom» wird ausgelöst durch die traumatische Fluchterfahrung, aber auch die Verunsicherung und Angst vor dem Asylentscheid im Ankunftsland. Nach dem Film diskutieren die Dea Gjinovci (Filmemacherin) und Marcos Moyano (Psychologe und «Mental Health Advisor» bei MSF mit langjähriger Erfahrung in der Behandlung von Betroffenen in Krieg- und Konfliktgebieten).

    Moderation: Dana Landau

    Präsentiert mit Médecins Sans Frontières

  5. 21:00
    Rouge
    OVe 86' | Frankreich, Belgien 2020 | Farid Bentoumi | Spielfilm

    «Soll ich euch alle sterben lassen?», fragt die junge Krankenpflegerin Nour ihren Vater Slimane. Beide arbeiten für einen grossen Chemiekonzern in Frankreich – Nours Vater schon seit fast drei Jahrzehnten. Mittlerweile ist der langjährige Vertraute der Geschäftsleitung auch Gewerkschaftsvertreter, er arbeitet viel und beklagt sich nicht. Slimane verschafft nicht nur der Tochter einen neuen Job bei seinem Arbeitgeber, sondern fühlt sich auch für den Rest der Belegschaft verantwortlich. Das Drama nimmt seinen Lauf, als Nour Lücken in den Gesundheitsakten der Angestellten bemerkt. Gemeinsam mit einer Journalistin kommt sie einem jahrelang vertuschten Entsorgungsskandal – mit gravierenden gesundheitlichen Folgen für die Belegschaft – auf die Spur. Ihr Drang nach Gerechtigkeit treibt sie zu einem gefährlichen Spiel mit dem Feuer und vergiftet zusehends die harmonische Vater-Tochter-Beziehung. Bringt sie die Wahrheit ans Licht, gefährdet sie nicht nur Slimanes Ruf, sondern auch unzählige Arbeitsplätze. Nour muss sich entscheiden zwischen der Loyalität zu ihrem Vater und einem Leben als Whistleblowerin. (nio)

Programm 2020
Do 3. Dez 2020
  1. 19:00
    Cat in the Wall
    OVe 92' | Bulgarien, UK, Frankreich 2019 | Mina Mileva, Vesela Kazakova | Spielfilm

    «Sprecht Englisch, oder ich loch euch ein!», brüllt ein Polizist Irina und ihren Bruder an. Er durchsucht die Wohnung der bulgarischen Geschwister, weil die Nachbarn sie verdächtigen, ihre Katze gestohlen zu haben. Diese und andere Streitereien prägen den Alltag der Bewohner*innen eines heruntergekommenen Hausblocks in London. Irina versucht sich im harten Milieu der Arbeiterklasse zurechtzufinden und macht Doppelschichten, während ihr Bruder auf die Anerkennung seines Lehrerdiploms wartet. Mitunter pinkelt ein Nachbar in den Lift, es wird gestritten und über den bevorstehenden Brexit politisiert. Irina wachsen die Absurditäten und sozialen Ungleichheiten über den Kopf und sie identifiziert sich zusehends mit der Katze, die sich in einem Heizrohr ihrer Küche verkrochen hat und auf bessere Zeiten wartet.
    Mina Mileva und Vesela Kazakova schaffen eine ergreifende Sozialstudie, die feinsensorische Kamera von Dimitar Kostov folgt den Darsteller*innen so leichtfüssig, dass man sich oft in einem Dokumentarfilm glaubt, dem Genre indem sich die Regisseurinnen bisher zuhause fühlten. Auch mit ihrem Spielfilmdebüt zeigen sie viel Gespür für Schauspielführung und Situationskomik. (slb)

    Begrüssungsworte
    Sascha Lara Bleuler, Direktorin HRFF Zurich
    Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zurich
    Kathrin Frey, Filmbeauftragte Stadt Zürich Kultur

    Im Anschluss Gespräch mit den Filmemacherinnen Mina Mileva und Vesela Kazakova

  2. 20:30
    Exil
    OVe 121' | Deutschland, Belgien, Kosovo 2020 | Visar Morina | Spielfilm

    Erst hängt eine tote Ratte an der Tür des Hauses, in dem Xhafer mit seiner Frau und den Kindern lebt. Dann kommen Mails «versehentlich» nicht an. Die Anzeichen, dass der Pharmaingenieur an seinem Arbeitsplatz gemobbt und schikaniert wird, mehren sich. Und auch wenn weder seine Frau noch seine Kolleg*innen ihm Glauben schenken, fühlt sich der seit Jahren gut integrierte Mann aus dem Kosovo immer stärker aus der deutschen Gemeinschaft ausgestossen. Oder verliert er den Bezug zur Realität?
    In seinem zweiten Langfilm seziert Regisseur Visar Morina die psychische Wirkung sozialer Ausgrenzung und inszeniert sie als Wechselspiel von Zugehörigkeit und Entfremdung. In subtilen, sich mit dem Zustand seines Protagonisten nach und nach verändernden Bildern und mit präzise agierenden Hauptdarsteller*innen zeigt er, welche Rolle die Persönlichkeit bei der Integration in eine andere Gesellschaft spielt, und wie schnell ein vermeintlich stabiles Identitätsgerüst Risse bekommen kann. (Berlinale 2020)

Fr 4. Dez 2020
  1. 09:30
    Los Lobos – Schulvorstellung
    Odf 94' | Mexiko 2019 | Samuel Kishi Leopo | Spielfilm

    Jenseits der Grenze lockt Disneyland. Mit solchen Träumereien halten sich die Brüder Max und Leo aus Mexiko bei Laune. Ihre Mutter Lucía hingegen hat nach der harten Landung in der Realität keine Zeit mehr für Kopfreisen. In den USA angekommen, nimmt sie mehrere Gelegenheitsjobs an und lässt die Söhne in der Wohnung zurück. Sie lauschen in Endlosschleife den Regeln, welche Lucía auf Kassette aufgenommen hat: «Nie das Haus verlassen! Aufeinander aufpassen!». Wie Wölfe sollen sie sich und ihr Heim beschützen. Der Einöde entfliehen sie nur dank ihrer Fantasie: Auf die Wände der Wohnung kritzeln sie künftige Abenteuer. Basierend auf eigenen Kindheitserfahrungen gibt der Regisseur Einblick in die anhaltende Migrationskrise an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. (nio)

    Im Anschluss animiertes Gespräch mit Jennifer Niedermann, Moderatorin und Spoken Word Artistin

  2. 10:00
    The Grizzlies – Schulvorstellung
    OVd 104' | Kanada 2018 | Miranda de Pencier | Spielfilm

    Ende der 1990er Jahre hat die kleine arktische Inuit-Gemeinde Kugluktuk eine der höchsten Selbstmordraten unter Jugendlichen in Nordamerika. Als der unerfahrene Lehrer Russ Sheppard dort eintrifft, um eine Stelle an der lokalen Schule anzutreten, sieht er sich mit massiven psychologischen und sozialen Problemen sowie den fatalen Folgen der Kolonisierung indigener Lebenswelten konfrontiert. Auf verlorenem Posten gründet Sheppard trotz allgemeiner Skepsis ein Lacrosse-Team an der Schule. Und diese vermeintlich völlig widersinnige Idee soll weitreichende Folgen haben.

    Anschliessendes Filmgespräch mit RFK Human Rights und Andreas Graf, Head of Human Rights & Anti-Discrimination bei der FIFA.
    Die Robert F. Kennedy Stiftung Schweiz hat gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Menschenrechte der Universität Zürich «Speak Truth To Power» ein facettenreiches Programm zur Menschenrechtsbildung an Schulen entwickelt. Das begleitende Buch kann über info@rfkhumanrights.ch bestellt werden.

  3. 13:30
    And Then We Danced – Schulvorstellung
    OVd 106' | Schweden, Georgien 2019 | Levan Akin | Spielfilm

    Merab trainiert seit jungen Jahren mit seiner Tanzpartnerin im nationalen georgischen Staatsballett. Als der charismatische und ungezwungene Irakli auftaucht, wird Merabs Welt unversehens auf den Kopf gestellt. Der Neue wird zu seinem grössten Rivalen und zu seiner grössten Leidenschaft. Immer stärker verspürt Merab den Drang, aus seinem konservativen Umfeld auszubrechen und seine Sexualität auszuleben. Dafür muss er alles riskieren. Der schwedische Regisseur Levan Akin kehrt mit «And Then We Danced» zu seinen Wurzeln nach Georgien zurück. In seiner berührenden universell gültigen Emanzipations-Geschichte avanciert die Inszenierung von Körperlichkeit und Tanz zum Brennpunkt. Der Film transportiert das Bewusstsein einer jungen Generation im Korsett strenger Riten und Traditionen, gegen die sich Merab mit den Waffen eines Tänzers auflehnt.

    Im Anschluss animiertes Gespräch mit Tobias Urech (LGBTIQ-Aktivist und Vorstandsmitglied Milchjugend)

  4. 14:00
    Les Hirondelles de Kaboul – Schulvorstellung
    Fd 80' | Frankreich, Schweiz 2019 | Zabou Breitman, Eléa Gobbé-Mévellec | Animation

    Sommer 1998 in Kabul. Zunaira ist jung und voller Lebenshunger. Diesen zu stillen ist alles andere als einfach: Die Kinos und Theater in ihrer von den Taliban besetzten Heimatstadt sind geschlossen, Musik ist aus der Öffentlichkeit verbannt, die Universität liegt in Trümmern. Also verbringt Zunaira viel Zeit zu Hause, wo sie auch ihren Freund Mohsen trifft. Die zwei lieben sich von ganzem Herzen – doch dann verändert ein dramatischer Unfall alles. Zunaira wird zum Tode verurteilt.
    Der Animationsfilm basiert auf Yasmina Khadras Roman «Die Schwalben von Kabul», den die Regisseurin Zabou Breitman und die Illustratorin Eléa Gobbé-Mévellec für die Leinwand adaptiert haben. Die Geschichte erzählt von Unterdrückung, vom Kampf um ein würdevolles Leben und von der Kraft der Frauen.

    Anschliessendes Filmgespräch mit RFK Human Rights und Farooq Haq, Mitglied der afghanischen Königsfamilie im Exil in der Schweiz.
    Die Robert F. Kennedy Stiftung Schweiz hat gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Menschenrechte der Universität Zürich «Speak Truth To Power» ein facettenreiches Programm zur Menschenrechtsbildung an Schulen entwickelt. Das begleitende Buch kann über info@rfkhumanrights.ch bestellt werden.

  5. 17:30
    Los Lobos
    Odf 94' | Mexiko 2019 | Samuel Kishi Leopo | Spielfilm

    Jenseits der Grenze lockt Disneyland. Mit solchen Träumereien halten sich die Brüder Max und Leo aus Mexiko bei Laune. Ihre Mutter Lucía hingegen hat nach der harten Landung in der Realität keine Zeit mehr für Kopfreisen. In den USA angekommen, nimmt sie mehrere Gelegenheitsjobs an und lässt die Söhne in der Wohnung zurück. Sie lauschen in Endlosschleife den Regeln, welche Lucía auf Kassette aufgenommen hat: «Nie das Haus verlassen! Aufeinander aufpassen!». Wie Wölfe sollen sie sich und ihr Heim beschützen. Der Einöde entfliehen sie nur dank ihrer Fantasie: Auf die Wände der Wohnung kritzeln sie künftige Abenteuer. Basierend auf eigenen Kindheitserfahrungen gibt der Regisseur Einblick in die anhaltende Migrationskrise an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. (nio)

    Begrüssungsworte
    Léo Kaneman, Gründer und Ehrenpräsident HRFF Zurich
    Pietro Mona, Schweizer Botschafter für Entwicklung, Flucht und Migration

    EINE VERLORENE GENERATION VERHINDERN
    Bildung verbessert die sozioökonomische Perspektive von Migrant*innen, Geflüchteten und Binnenvertriebenen. Sie ist ein Menschenrecht und Katalysator für eine gerechte, friedliche Gesellschaft. Wie kann das Recht auf Bildung für Kinder mit Migrationshintergrund geschützt werden? Es diskutieren Rolf Gollob (Abteilung «Internationale Bildungsentwicklung» der PH Zürich), Valeria Kunz (Bildungschefin, Save the Children Switzerland) und Christine Löw (Direktorin UN-Frauen Verbindungsbüro Genf)

    Moderation: Marguerite Meyer

    Präsentiert mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA, Abteilung Menschliche Sicherheit und dem Latin American Center UZH

  6. 18:15
    Otac/Father
    OVe 120' | Serbien, Frankreich, Deutschland 2020 | Srdan Golubović | Spielfilm

    Wie weit geht jemand für seine Kinder? Der Behördenwillkür und Korruption in seinem Dorf ausgeliefert, nimmt Nikola 300 Kilometer Fussmarsch von Südserbien nach Belgrad auf sich. Der wortkarge Vater will beim Ministerium für Soziales Beschwerde einlegen und Gerechtigkeit für sich und seine Kinder einfordern. Denn nach einem Selbstmordversuch seiner Frau wegen ausstehenden Lohnzahlungen ist dem Vater das Sorgerecht entzogen worden. Die fadenscheinige Begründung: Er sei zu arm, um seine Familie zu versorgen. Überzeugt, ihm widerfahre Unrecht, will er sich gegen das System wehren. Doch die beschwerliche Reise wird zur Zäsur. Jede Begegnung führt ihm die Ausweglosigkeit seiner Situation weiter vor Augen. Mit jedem Schritt Richtung Belgrad wächst seine Verzweiflung. Nikolas Beharrlichkeit wird mit einem persönlichen Treffen im Ministerium belohnt, doch damit ist sein Kampf noch lange nicht zu Ende. (nio)

  7. 20:30
    Made in Bangladesh
    OVe 95' | Bangladesch, Dänemark, Frankreich 2019 | Rubaiyat Hossain | Spielfilm

    Shimu und ihre Kolleg*innen arbeiten in einer Textilfabrik. Die Arbeitsstunden sind lang, die Luft ist heiss und stickig und um Strom zu sparen, schaltet der Aufseher gerne mal die Lüftung ab. Auch sexuelle Übergriffe und verbale Erniedrigungen durch die Vorgesetzten sind an der Tagesordnung. Shimu nimmt gegen den Willen ihres Ehemannes und trotz den Drohungen ihres Chefs den Kampf auf und überzeugt ihre Kolleg*innen, eine Gewerkschaft zu gründen. Mit Hilfe einer Anwältin lernt sie, Druck auf die Geschäftsleitung auszuüben.
    Rubaiyat Hossain inszeniert mit viel Feingefühl Shimus Bemühungen, die tief verankerten patriarchalen Strukturen in den Konzernen zu zerschlagen und für ihre Freiheit und Rechte als Frau und Arbeiter*in einzustehen. Das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit mit realen Textilarbeiter*innen und zwingt uns, deren Leidensgeschichte anzuerkennen und unser eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen. (slb)

    FAST FASHION: WELCHE VERANTWORTUNG TRAGEN MODEBRANDS UND KONSUMENT*INNEN?
    Simone Wasmann (Solidar Suisse) und Elisabeth Schenk (Public Eye) diskutieren die aktuelle Situation der Textilarbeiter*innen, die zivilgesellschaftlichen Bewegungen und die Auswirkungen von COVID-19 auf die Textilindustrie im globalen Süden. Simone Wasmann ist Kampagnenverantwortliche für faire Arbeit in Asien und unterstützt den gewerkschaftlichen Aufbau von Arbeiter*innen vor Ort. Elisabeth Schenk ist verantwortlich für die Clean Clothes Campaign (CCC).

    Moderation: Marcy Goldberg

    Präsentiert mit Public Eye, Solidar Suisse und dem International Film Festival and Forum on Human Rights, Geneva

  8. 21:00
    Cat in the Wall
    OVe 92' | Bulgarien, UK, Frankreich 2019 | Mina Mileva, Vesela Kazakova | Spielfilm

    «Sprecht Englisch, oder ich loch euch ein!», brüllt ein Polizist Irina und ihren Bruder an. Er durchsucht die Wohnung der bulgarischen Geschwister, weil die Nachbarn sie verdächtigen, ihre Katze gestohlen zu haben. Diese und andere Streitereien prägen den Alltag der Bewohner*innen eines heruntergekommenen Hausblocks in London. Irina versucht sich im harten Milieu der Arbeiterklasse zurechtzufinden und macht Doppelschichten, während ihr Bruder auf die Anerkennung seines Lehrerdiploms wartet. Mitunter pinkelt ein Nachbar in den Lift, es wird gestritten und über den bevorstehenden Brexit politisiert. Irina wachsen die Absurditäten und sozialen Ungleichheiten über den Kopf und sie identifiziert sich zusehends mit der Katze, die sich in einem Heizrohr ihrer Küche verkrochen hat und auf bessere Zeiten wartet.
    Mina Mileva und Vesela Kazakova schaffen eine ergreifende Sozialstudie, die feinsensorische Kamera von Dimitar Kostov folgt den Darsteller*innen so leichtfüssig, dass man sich oft in einem Dokumentarfilm glaubt, dem Genre indem sich die Regisseurinnen bisher zuhause fühlten. Auch mit ihrem Spielfilmdebüt zeigen sie viel Gespür für Schauspielführung und Situationskomik. (slb)

Sa 5. Dez 2020
  1. 11:00
    Made in Bangladesh
    OVe 95' | Bangladesch, Dänemark, Frankreich 2019 | Rubaiyat Hossain | Spielfilm

    Shimu und ihre Kolleg*innen arbeiten in einer Textilfabrik. Die Arbeitsstunden sind lang, die Luft ist heiss und stickig und um Strom zu sparen, schaltet der Aufseher gerne mal die Lüftung ab. Auch sexuelle Übergriffe und verbale Erniedrigungen durch die Vorgesetzten sind an der Tagesordnung. Shimu nimmt gegen den Willen ihres Ehemannes und trotz den Drohungen ihres Chefs den Kampf auf und überzeugt ihre Kolleg*innen, eine Gewerkschaft zu gründen. Mit Hilfe einer Anwältin lernt sie, Druck auf die Geschäftsleitung auszuüben.
    Rubaiyat Hossain inszeniert mit viel Feingefühl Shimus Bemühungen, die tief verankerten patriarchalen Strukturen in den Konzernen zu zerschlagen und für ihre Freiheit und Rechte als Frau und Arbeiter*in einzustehen. Das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit mit realen Textilarbeiter*innen und zwingt uns, deren Leidensgeschichte anzuerkennen und unser eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen. (slb)

  2. 11:30
    A Thousand Cuts
    OVe 110' | USA 2020 | Ramona S. Diaz | Dok

    Auf den Philippinen stirbt die Demokratie einen «langsamen Tod durch tausend Messerstiche». Die regierungskritische Journalistin Maria Ressa benennt eine blutige Realität, die der autokratische Präsident Rodrigo Duterte als persönlichen Erfolg bezeichnet. Seit 2016 regiert er den Inselstaat mit eiserner Hand und geht bei seiner Anti-Drogenpolitik über Leichen. Furchtlos stellen sich Maria Ressa und ihre Mitarbeiter*innen mit dem unabhängigen News-Portal «Rappler» gegen das Regime. Manipulierte Informationen, Machtmissbrauch, Social Media als Brandbeschleuniger: Ihre schonungslose Berichterstattung lässt kein gutes Haar am Präsidenten und seiner Gefolgschaft. Im Namen der Pressefreiheit und für die Aufklärung ihrer Mitbürger*innen riskiert Maria Ressa als Kopf von «Rappler» ihr Leben. (nio)

    PHILIPPINEN: DEMOKRATIE UNTER BESCHUSS (Engl.)
    Im Anschluss erläutert Carlos Conde, Philippinen-Experte bei Human Rights Watch, im Skype-Gespräch die jahrelange, systematische und gewaltsame Unterdrückung von Presse- und Meinungsfreiheit auf den Philippinen. Ein massiver Anstieg an aussergerichtlichen Tötungen sowie gezielte Desinformations- und Hasskampagnen in den sozialen Medien haben diese Entwicklung unter dem derzeitigen Präsidenten Rodrigo Duterte weiter verschärft.

    Moderation: Annette Hug, Autorin und Übersetzerin philippinischer Literatur

    Präsentiert mit Human Rights Watch und Reportagen

  3. 13:00
    Otac/Father
    OVe 120' | Serbien, Frankreich, Deutschland 2020 | Srdan Golubović | Spielfilm

    Wie weit geht jemand für seine Kinder? Der Behördenwillkür und Korruption in seinem Dorf ausgeliefert, nimmt Nikola 300 Kilometer Fussmarsch von Südserbien nach Belgrad auf sich. Der wortkarge Vater will beim Ministerium für Soziales Beschwerde einlegen und Gerechtigkeit für sich und seine Kinder einfordern. Denn nach einem Selbstmordversuch seiner Frau wegen ausstehenden Lohnzahlungen ist dem Vater das Sorgerecht entzogen worden. Die fadenscheinige Begründung: Er sei zu arm, um seine Familie zu versorgen. Überzeugt, ihm widerfahre Unrecht, will er sich gegen das System wehren. Doch die beschwerliche Reise wird zur Zäsur. Jede Begegnung führt ihm die Ausweglosigkeit seiner Situation weiter vor Augen. Mit jedem Schritt Richtung Belgrad wächst seine Verzweiflung. Nikolas Beharrlichkeit wird mit einem persönlichen Treffen im Ministerium belohnt, doch damit ist sein Kampf noch lange nicht zu Ende. (nio)

  4. 14:45
    Exil
    OVe 121' | Deutschland, Belgien, Kosovo 2020 | Visar Morina | Spielfilm

    Erst hängt eine tote Ratte an der Tür des Hauses, in dem Xhafer mit seiner Frau und den Kindern lebt. Dann kommen Mails «versehentlich» nicht an. Die Anzeichen, dass der Pharmaingenieur an seinem Arbeitsplatz gemobbt und schikaniert wird, mehren sich. Und auch wenn weder seine Frau noch seine Kolleg*innen ihm Glauben schenken, fühlt sich der seit Jahren gut integrierte Mann aus dem Kosovo immer stärker aus der deutschen Gemeinschaft ausgestossen. Oder verliert er den Bezug zur Realität?
    In seinem zweiten Langfilm seziert Regisseur Visar Morina die psychische Wirkung sozialer Ausgrenzung und inszeniert sie als Wechselspiel von Zugehörigkeit und Entfremdung. In subtilen, sich mit dem Zustand seines Protagonisten nach und nach verändernden Bildern und mit präzise agierenden Hauptdarsteller*innen zeigt er, welche Rolle die Persönlichkeit bei der Integration in eine andere Gesellschaft spielt, und wie schnell ein vermeintlich stabiles Identitätsgerüst Risse bekommen kann. (Berlinale 2020)

  5. 15:45
    Days of Cannibalism
    OVe 78' | Frankreich, Südafrika, Niederlande 2020 | Teboho Edkins | Dok

    Fressen oder gefressen werden? Seit Arbeitsmigrant*innen aus China ihre Geschäfte im bergigen Hinterland um Lesotho zu etablieren versuchen, bestimmen neue Prinzipien das Leben im Distrikt Thaba-Tseka. Chinesische Waren verdrängen lokale Produkte und wo eine Kuh gerade noch das wertvollste Gut war, ersetzt nun eine währungsbasierte Wirtschaft den traditionellen Tauschhandel. Zwischen Inszenierung und Dokumentation treffen Viehdieb*innen, Ordnungshüter*innen und opportunistische Geschäftsleute in einem modernen, ethnologischen Western aufeinander. Ein Schlaglicht auf Fragen der Assimilation und eine scharfe Beobachtung globalisierter Realität. (nio)

    Im Anschluss Gespräch mit dem Filmemacher Teboho Edkins (Engl.)
    Moderation: Josephine Tedder

  6. 17:30
    The Cave
    OVe 106' | Dänemark, Deutschland, Katar 2019 | Feras Fayyad | Dok

    Oben lauert der Tod, unter der Erde keimt Hoffnung. In der Hochburg der syrischen Aufständischen in Ost-Ghuta fallen täglich Zivilist*innen den bewaffneten Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen zum Opfer. Mitten in dieser humanitären Katastrophe versuchen mutige Ärzt*innen, unterirdisch den Schutz der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. In den dunklen, labyrinthähnlichen Gängen und Sälen von «The Cave» warten Patient*innen auf eine Behandlung. Kinder, Eltern, alte Menschen, die Opfer von Giftgasangriffen oder Splitterbomben wurden. Unter der Leitung der angehenden Kinderärztin Dr. Amani – eine Frau würde im patriarchal geprägten Syrien unter gewöhnlichen Umständen niemals eine Führungsposition einnehmen – kämpft das Team ums Überleben und oft auch gegen die eigenen Traumata. (nio)

    MEDICAL ORDER WITHIN THE CHAOS OF WAR (Engl.)
    Wie ist es möglich, unter den widrigsten Bedingungen, Menschen medizinisch zu versorgen? Wo liegt die Grenze zwischen ärztlicher Pflicht und lebensbedrohlicher Selbstaufgabe? Gespräch mit dem Filmemacher Feras Fayyad und Imad Aoun, Communications & Advocacy Adviser von MSF.

    Moderation: Rafaela Roth (Journalistin NZZ am Sonntag)

    Präsentiert mit Médecins Sans Frontières

    The Cave gewinnt den erstmals vergebenen Prix Célestine von Interfilm Schweiz.

  7. 18:00
    Lovemobil
    OVe 106' | Deutschland 2019 | Elke Margarete Lehrenkrauss | Dok

    Irgendwo am Waldrand an einer Autostrasse steht ein Camper mit farbigen Lämpchen. Rita und Milena, die abwechslungsweise im Lovemobil auf Freier warten, telefonieren mit Freundinnen, machen ihre Wäsche oder streiten mit der Wohnmobilbesitzerin und Zuhälterin Uschi.
    Ohne Sexarbeit zu beschönigen erscheint weder Uschi als simple Täterin noch wirken die beiden für sie arbeitenden Frauen – Rita aus Nigeria, Milena aus Bulgarien – nur als Opfer. Diese Grauzonen interessieren die Filmregisseurin Elke Lehrenkrauss, die ihren Protagonistinnen aufmerksam zuhört. Schillernd in den Farben der Nacht gefilmt, spiegelt Lovemobil die Ambivalenz der Prostitution. Kleine, für den Film arrangierte Szenen zeigen, dass die Frauen bei der Entstehung des Filmes mitgewirkt haben und sorgen neben teils brutalen auch für vergnügliche Momente. Der Film besticht durch seine mit Krimielementen angereicherte Mischung aus Figuren- und Sozialstudie. Aufgrund dieser Vielseitigkeit gehen die individuellen und gleichzeitig von einem grausamen Menschenhandelssystem geprägten Geschichten besonders nah. (Jenny Billeter, Xenix)

    SEX GEGEN GELD: ZWISCHEN SELBSTBESTIMMUNG UND PREKARIAT
    Sexarbeit ist Arbeit unter erschwerten Bedingungen. In der Schweiz ist sie zwar legal, aber von strukturellen Problemen geprägt. Gesellschaftliche Stigmata, politische Barrieren, ökonomische Abhängigkeiten und nicht zuletzt die aktuelle Pandemie machen den Sexarbeiter*innen das Leben schwer. Eine Diskussion zur Lage der Sexarbeit in der Schweiz mit der Regisseurin Elke Lehrenkrauss und Lelia Hunziker (Geschäftsführerin FIZ – Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration).

    Moderation: Noëmi Landolt (Journalistin WOZ)

  8. 20:30
    17 Blocks
    E 98' | USA 2019 | Davy Rothbart | Dok

    Nur 17 Strassen vom Kapitol in Washington D. C. entfernt prägen Drogenprobleme, Gewalt und Armut Emmanuels Nachbarschaft. 1999 erhält der Neunjährige eine Videokamera, mit der er während zwei Jahrzehnten seine Familie begleitet. Zu Beginn fängt der unschuldige Kinderblick Alltagsszenen ein. Bald deckt die Kamera auf, was das Aufwachsen in einer vernachlässigten Gegend der USA für People of Colour bedeuten kann und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur Davy Rothbart entstand in dieser Langzeitdokumentation ein intimes Familienporträt, das weit über den Horizont des Quartiers und Emmanuels Familie hinaus weist. Schonungslos und emotional gibt sie Einblick in das von strukturellem Rassismus geprägte Amerika und in die hochaktuelle Krise eines Landes. (nio)

    RASSISMUS – KLASSISMUS | HEUTE & DAMALS (Deutsch & Engl.)
    Ausgrenzung, Benachteiligung, Chancenungerechtigkeit, institutioneller und struktureller Rassismus: Privilegien haben oder nicht haben, und die daraus resultierenden Folgen zeigt 17 Blocks exemplarisch auf. Es ist die Dokumentation einer Geschichte von vielen in den USA – von damals, sowie von heute. Noch immer ist die gezeigte Problematik Teil der gesellschaftlichen Strukturen und prägt den Alltag von BIPOC. Was liegt dazwischen, was hat sich verändert? Wie sieht es in der Schweiz aus? Das Gespräch mit Fork Burke (Dichterin) und Tarek Naguib (Jurist, Aktivist) wirft einen Blick auf die USA und schlägt die Brücke zur Schweiz.

    Moderation: Elisa da Costa (Black Film Festival Zurich)

    Präsentiert mit dem Black Film Festival Zurich

  9. 21:00
    «How Does it Feel?» Konzert mit Soya The Cow
    D 60' | Berlin | Daniel Hellmann | Konzert

    Soya ist die erste sex-positive, feministische, vegane Drag-Kuh der Welt. Singend, tanzend, muhend und sprechend kämpft sie für die Befreiung von allen. Sie sprengt die Grenzen von Gender und Spezies und steht ein für eine Welt voller Freude und Mitgefühl.
    Für ihre Performance am Human Rights Film Festival Zurich kombiniert Soya Elektropop-Songs aus der Perspektive einer Milchkuh mit persönlich-menschlichen Geschichten und Träumen. Wie würde unser Leben aussehen, wenn wir damit aufhörten, andere in Stücke zu schneiden? Können wir frei sein, wenn nicht alle frei sind? Soyas Musik bewegt, regt zum Denken an und rüttelt am Selbstbild, welches den Menschen stets ins Zentrum stellt.

  10. 21:00
    The Earth Is Blue as an Orange
    OVe 74' | Ukraine, Litauen 2020 | Iryna Tsilyk | Dok

    «Der Krieg hat mich reizbar und böse werden lassen!», sagt die junge Nastja in die Kamera. Die alleinstehende Mutter Anna befragt ihre vier Kinder, wie sie im ukrainischen Donbas mit dem Lärm der Granaten, dem Stromausfall und der Angst umgehen. Seit fünf Jahren leben sie mit dem Krieg, regelmässig stürzen Häuser ein, viele Bewohner*innen haben das Dorf verlassen. Die älteste Tochter Mira, die sich für die Aufnahmeprüfung an der Filmschule in Kiev vorbereitet, macht derweil einen Film im Film. Sie inszeniert stilsicher die im Dorf stationierten Soldaten, ihre Geschwister und Grossmutter und erzählt durch diese Metaebene ihre Version der ukrainischen Verstrickung von Geschichte, Krieg und Überlebenskampf.
    Iryna Tsilyk beobachtet die Familie mit unglaublicher Empathie. Sie lässt uns teilhaben an der Absurdität des Krieges, aber auch an ganz normalen Alltagsmomenten, wenn Anna dem Kleinsten mit einem entschlossenen Ruck am Faden einen Zahn zieht – auch hier liegen Schmerz und Erleichterung nahe zusammen. Ein wunderbares Dokument über den Zusammenhalt einer Familie und Filmschaffen als Trost und Kraftquelle. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit der Filmemacherin Iryna Tsilyk
    Moderation: Aline Juchler

So 6. Dez 2020
  1. 11:00
    I am Greta
    Odf 102' | Schweden 2020 | Nathan Grossman | Dok

    Die 15-jährige Greta Thunberg hat ein nahezu fotografisches Gedächtnis. Sie kennt mehr Fakten zur Erderwärmung als manche Politiker*in, deren Prioritäten bei ganz anderen Themen liegen. Greta will sie aufwecken und setzt sich vor das schwedische Parlament. Auf ihrem Pappschild steht «Schulstreik für das Klima». Lange protestiert sie alleine, wird angepöbelt, zurück in die Schule geschickt, bis sich schliesslich ein Mädchen dazu setzt. Wenige Monate später geht sie mit Tausenden auf die Strasse und weltweit unterstützen sie Millionen von Jugendlichen mit der Bewegung «Fridays for Future».
    Nathan Grossman begleitet Greta an die Demonstrationen, Treffen mit Politiker*innen, auf ihrer Ozeanüberquerung nach New York. Er erschafft ein sorgfältiges Porträt über das Mädchen hinter dem Medienrummel, ihre Nähe zum Vater, der sie auf den anstrengenden Reisen unterstützt, ihre Liebe zu Hunden, ihren Umgang mit dem Asperger-Syndrom. Ein dichter und ergreifender Film, der die Motivation der Klimaaktivistin und ihre unerbittliche Persönlichkeit angesichts der Dringlichkeit der Krise nachvollziehbar macht. (slb)

    WIE VERÄNDERT SICH DIE KLIMA-ARBEIT DURCH DIE NEUE KLIMABEWEGUNG?
    Wird es uns gelingen die Klimaerhitzung zu stoppen? Seit Greta Thunberg und mit ihr weltweit millionen junge Menschen auf den Plan getreten sind, kann diese Frage wieder optimistischer beantwortet werden. Und dennoch sind wir längst nicht am Ziel. Welche Strategien bestimmen die aktuelle Klima-Arbeit und wie kann jede*r zur Lösung beitragen? Greenpeace Schweiz wird nach dem Film Rede und Antwort stehen.

    Präsentiert mit Greenpeace Schweiz und Film Festival Diritti Umani Lugano

  2. 11:30
    Los Lobos
    Odf 94' | Mexiko 2019 | Samuel Kishi Leopo | Spielfilm

    Jenseits der Grenze lockt Disneyland. Mit solchen Träumereien halten sich die Brüder Max und Leo aus Mexiko bei Laune. Ihre Mutter Lucía hingegen hat nach der harten Landung in der Realität keine Zeit mehr für Kopfreisen. In den USA angekommen, nimmt sie mehrere Gelegenheitsjobs an und lässt die Söhne in der Wohnung zurück. Sie lauschen in Endlosschleife den Regeln, welche Lucía auf Kassette aufgenommen hat: «Nie das Haus verlassen! Aufeinander aufpassen!». Wie Wölfe sollen sie sich und ihr Heim beschützen. Der Einöde entfliehen sie nur dank ihrer Fantasie: Auf die Wände der Wohnung kritzeln sie künftige Abenteuer. Basierend auf eigenen Kindheitserfahrungen gibt der Regisseur Einblick in die anhaltende Migrationskrise an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. (nio)

  3. 13:30
    Reunited
    OVe 78' | Dänemark 2020 | Mira Jargil | Dok

    «In welchem Land in Europa würdest du dich sicher fühlen?», fragt der Helfer auf dem Rettungsboot. Die verstörte Rana antwortet: «Egal, Hauptsache unsere Familie wird nicht auseinandergerissen». Doch genau diese Befürchtungen treffen ein. Ranas Familie wird durch die chaotischen Fluchtumstände auf drei Länder zerstreut. Ihr Mann strandet in Kanada, sie selbst kommt nach Dänemark, und die Söhne Jad (11) und Nidal (17) sitzen alleine in der Türkei fest. Der Film folgt den Bemühungen der Mutter, Visa für ihre Kinder zu bekommen, während der Vater, der bereits in Kanada arbeiten darf, das nötige Geld schickt. Die zermürbende Bürokratie wird entlarvt und wirft die Familie in eine Endlosschlaufe des Wartens. Das intime Porträt zeigt die Verzweiflung der Eltern und Kinder, die auch die zahlreichen Video-Calls nicht überwinden können. Es feiert aber auch die kleinen Erfolgsmomente, wenn sie sich der Wiedervereinigung ein kleines Stück nähern. (slb)

    WARTESCHLEIFE ASYL – PERSPEKTIVEN AUF JURISTISCHE UND ALLTÄGLICHE HERAUSFORDE-RUNGEN VON GEFLÜCHTETEN IN DER SCHWEIZ
    Diskussion mit Stephanie Motz, Asylanwältin und Malek Ossi, Aktivist bei der Autonomen Schule Zürich und Student der Sozialen Arbeit. Wie steht es um die Familienzusammenführung in der Schweiz? Welche juristischen und alltäglichen Herausforderungen stellen sich für Geflüchtete? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es?

    Moderation: Nicola Diday

  4. 14:00
    Days of Cannibalism
    OVe 78' | Frankreich, Südafrika, Niederlande 2020 | Teboho Edkins | Dok

    Fressen oder gefressen werden? Seit Arbeitsmigrant*innen aus China ihre Geschäfte im bergigen Hinterland um Lesotho zu etablieren versuchen, bestimmen neue Prinzipien das Leben im Distrikt Thaba-Tseka. Chinesische Waren verdrängen lokale Produkte und wo eine Kuh gerade noch das wertvollste Gut war, ersetzt nun eine währungsbasierte Wirtschaft den traditionellen Tauschhandel. Zwischen Inszenierung und Dokumentation treffen Viehdieb*innen, Ordnungshüter*innen und opportunistische Geschäftsleute in einem modernen, ethnologischen Western aufeinander. Ein Schlaglicht auf Fragen der Assimilation und eine scharfe Beobachtung globalisierter Realität. (nio)

  5. 15:45
    17 Blocks
    E 98' | USA 2019 | Davy Rothbart | Dok

    Nur 17 Strassen vom Kapitol in Washington D. C. entfernt prägen Drogenprobleme, Gewalt und Armut Emmanuels Nachbarschaft. 1999 erhält der Neunjährige eine Videokamera, mit der er während zwei Jahrzehnten seine Familie begleitet. Zu Beginn fängt der unschuldige Kinderblick Alltagsszenen ein. Bald deckt die Kamera auf, was das Aufwachsen in einer vernachlässigten Gegend der USA für People of Colour bedeuten kann und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur Davy Rothbart entstand in dieser Langzeitdokumentation ein intimes Familienporträt, das weit über den Horizont des Quartiers und Emmanuels Familie hinaus weist. Schonungslos und emotional gibt sie Einblick in das von strukturellem Rassismus geprägte Amerika und in die hochaktuelle Krise eines Landes. (nio)

  6. 16:15
    Lovemobil
    OVe 106' | Deutschland 2019 | Elke Margarete Lehrenkrauss | Dok

    Irgendwo am Waldrand an einer Autostrasse steht ein Camper mit farbigen Lämpchen. Rita und Milena, die abwechslungsweise im Lovemobil auf Freier warten, telefonieren mit Freundinnen, machen ihre Wäsche oder streiten mit der Wohnmobilbesitzerin und Zuhälterin Uschi.
    Ohne Sexarbeit zu beschönigen erscheint weder Uschi als simple Täterin noch wirken die beiden für sie arbeitenden Frauen – Rita aus Nigeria, Milena aus Bulgarien – nur als Opfer. Diese Grauzonen interessieren die Filmregisseurin Elke Lehrenkrauss, die ihren Protagonistinnen aufmerksam zuhört. Schillernd in den Farben der Nacht gefilmt, spiegelt Lovemobil die Ambivalenz der Prostitution. Kleine, für den Film arrangierte Szenen zeigen, dass die Frauen bei der Entstehung des Filmes mitgewirkt haben und sorgen neben teils brutalen auch für vergnügliche Momente. Der Film besticht durch seine mit Krimielementen angereicherte Mischung aus Figuren- und Sozialstudie. Aufgrund dieser Vielseitigkeit gehen die individuellen und gleichzeitig von einem grausamen Menschenhandelssystem geprägten Geschichten besonders nah. (Jenny Billeter, Xenix)

  7. 18:00
    I Owe You a Letter About Brazil
    OVe 90' | Brasilien 2020 | Carol Benjamin | Dok

    Ein Vater, der schweigt, eine Grossmutter als Widerstandsfigur und eine Tochter, die versucht, die blinden Flecken ihrer Familiengeschichte zu verstehen: I Owe You a Letter About Brazil blickt zurück ins Brasilien der 70er-Jahre, als Carols Vater César sich als Jugendlicher gegen die Militärdiktatur auflehnt. Sein politisches Engagement wird ihm zum Verhängnis. Noch minderjährig wird César zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt, gefoltert und durch Einzelhaft zum Schweigen gebracht. Dank dem unerbittlichen Kampf seiner Mutter Iramaya, Grossmutter der Regisseurin, wird er nach fünf Jahren freigelassen. Als roter Faden des Films dient der Briefwechsel, welcher Iramaya mit einer schwedischen Mitarbeiterin von Amnesty International während vielen Jahren führte. Carol Benjamin richtet so einen filmischen Liebesbrief an den gezeichneten Vater und gibt gleichzeitig Einblick in ein Land, auf dessen Schultern die Vergangenheit noch immer schwer lastet. (nio)

    DIE DEMOKRATIE IN BRASILIEN RETTEN: EIN HOFFNUNGSLOSES UNTERFANGEN? (Engl.)
    Gespräch mit der Filmemacherin Carol Benjamin und mit Lisa Salza von Amnesty International. 35 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist mit Jair Bolsonaro ein Mann an der Regierungsspitze, der die Diktatur verherrlicht, Folter befürwortet und eine offen menschenrechtsfeindliche Politik betreibt. Seit seiner Amtsübernahme hat das Militär seinen Einfluss stark ausgebaut. Wie nahe ist das heutige Brasilien an den repressiven Zuständen von damals? Was haben Oppositionelle zu befürchten?

    Moderation: Jenny Billeter

    Präsentiert mit Amnesty International Schweiz, dem International Film Festival and Forum on Human Rights, Geneva und dem Latin American Center UZH

  8. 18:30
    A Thousand Cuts
    OVe 110' | USA 2020 | Ramona S. Diaz | Dok

    Auf den Philippinen stirbt die Demokratie einen «langsamen Tod durch tausend Messerstiche». Die regierungskritische Journalistin Maria Ressa benennt eine blutige Realität, die der autokratische Präsident Rodrigo Duterte als persönlichen Erfolg bezeichnet. Seit 2016 regiert er den Inselstaat mit eiserner Hand und geht bei seiner Anti-Drogenpolitik über Leichen. Furchtlos stellen sich Maria Ressa und ihre Mitarbeiter*innen mit dem unabhängigen News-Portal «Rappler» gegen das Regime. Manipulierte Informationen, Machtmissbrauch, Social Media als Brandbeschleuniger: Ihre schonungslose Berichterstattung lässt kein gutes Haar am Präsidenten und seiner Gefolgschaft. Im Namen der Pressefreiheit und für die Aufklärung ihrer Mitbürger*innen riskiert Maria Ressa als Kopf von «Rappler» ihr Leben. (nio)

  9. 20:30
    iHUMAN
    OVe 99' | Norwegen 2019 | Tonje Hessen Schei | Dok

    Ob Armut, Krankheiten, Terror oder gar der Klimawandel: Künstliche Intelligenz, heisst es, wird alle Probleme der heutigen Gesellschaft lösen. Gleichzeitig werde sie uns vor neue Probleme stellen, Cyber-Kriege auslösen, Falschinformationen verbreiten und schliesslich die soziale Kontrolle übernehmen. Aus dem Innern der florierenden KI-Branche zeichnen Expert*innen ein düsteres Bild bevorstehender Zeiten. Im Wissen um die soziale und politische Sprengkraft ihrer Arbeit bastelt die Wissenschaft an einer kontroversen Zukunft, in der Maschinen regieren werden. Entwickelt die Menschheit gerade ein neues Leben, das sie selbst überflüssig macht? Lassen wir uns von einer unberechenbaren Supermacht eine neue Realität diktieren? Inwiefern wird die Technologie unser Selbstverständnis verändern und wie ist es möglich, den Algorithmen trotz allem Menschlichkeit beizubringen? Zwischen Science-Fiction und politischem Thriller fragt iHuman nach den Konsequenzen einer anrollenden Revolution. (nio)

    ARTIFICIAL INTELLIGENCE: CURSE OR BLESSING? Gespräch mit Sanija Ameti, Senior Advisor ICT4Peace und Sophie Charlotte Fischer vom Center for Security Studies der ETH Zürich über Gefahren und Potenzial künstlicher Intelligenz. Wieviel Eigenständigkeit kann Robotern zugestanden werden und wie können wir unsere Menschenrechte und Ethik vor dieser künstlichen Spezies schützen?

    Moderation: Marguerite Meyer

    Präsentiert mit ICT4Peace Foundation, ETH for Development und dem International Film Festival and Forum on Human Rights, Geneva

  10. 21:00
    The Cave
    OVe 106' | Dänemark, Deutschland, Katar 2019 | Feras Fayyad | Dok

    Oben lauert der Tod, unter der Erde keimt Hoffnung. In der Hochburg der syrischen Aufständischen in Ost-Ghuta fallen täglich Zivilist*innen den bewaffneten Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen zum Opfer. Mitten in dieser humanitären Katastrophe versuchen mutige Ärzt*innen, unterirdisch den Schutz der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. In den dunklen, labyrinthähnlichen Gängen und Sälen von «The Cave» warten Patient*innen auf eine Behandlung. Kinder, Eltern, alte Menschen, die Opfer von Giftgasangriffen oder Splitterbomben wurden. Unter der Leitung der angehenden Kinderärztin Dr. Amani – eine Frau würde im patriarchal geprägten Syrien unter gewöhnlichen Umständen niemals eine Führungsposition einnehmen – kämpft das Team ums Überleben und oft auch gegen die eigenen Traumata. (nio)

Mo 7. Dez 2020
  1. 09:30
    The Grizzlies – Schulvorstellung
    OVd 104' | Kanada 2018 | Miranda de Pencier | Spielfilm

    Ende der 1990er Jahre hat die kleine arktische Inuit-Gemeinde Kugluktuk eine der höchsten Selbstmordraten unter Jugendlichen in Nordamerika. Als der unerfahrene Lehrer Russ Sheppard dort eintrifft, um eine Stelle an der lokalen Schule anzutreten, sieht er sich mit massiven psychologischen und sozialen Problemen sowie den fatalen Folgen der Kolonisierung indigener Lebenswelten konfrontiert. Auf verlorenem Posten gründet Sheppard trotz allgemeiner Skepsis ein Lacrosse-Team an der Schule. Und diese vermeintlich völlig widersinnige Idee soll weitreichende Folgen haben.

    Anschliessendes Filmgespräch mit RFK Human Rights und Andreas Graf, Head of Human Rights & Anti-Discrimination bei der FIFA.
    Die Robert F. Kennedy Stiftung Schweiz hat gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Menschenrechte der Universität Zürich «Speak Truth To Power» ein facettenreiches Programm zur Menschenrechtsbildung an Schulen entwickelt. Das begleitende Buch kann über info@rfkhumanrights.ch bestellt werden.

  2. 13:30
    Les Hirondelles de Kaboul – Schulvorstellung
    Fd 80' | Frankreich, Schweiz 2019 | Zabou Breitman, Eléa Gobbé-Mévellec | Animation

    Sommer 1998 in Kabul. Zunaira ist jung und voller Lebenshunger. Diesen zu stillen ist alles andere als einfach: Die Kinos und Theater in ihrer von den Taliban besetzten Heimatstadt sind geschlossen, Musik ist aus der Öffentlichkeit verbannt, die Universität liegt in Trümmern. Also verbringt Zunaira viel Zeit zu Hause, wo sie auch ihren Freund Mohsen trifft. Die zwei lieben sich von ganzem Herzen – doch dann verändert ein dramatischer Unfall alles. Zunaira wird zum Tode verurteilt.
    Der Animationsfilm basiert auf Yasmina Khadras Roman «Die Schwalben von Kabul», den die Regisseurin Zabou Breitman und die Illustratorin Eléa Gobbé-Mévellec für die Leinwand adaptiert haben. Die Geschichte erzählt von Unterdrückung, vom Kampf um ein würdevolles Leben und von der Kraft der Frauen.

    Anschliessendes Filmgespräch mit RFK Human Rights und Farooq Haq, Mitglied der afghanischen Königsfamilie im Exil in der Schweiz.
    Die Robert F. Kennedy Stiftung Schweiz hat gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Menschenrechte der Universität Zürich «Speak Truth To Power» ein facettenreiches Programm zur Menschenrechtsbildung an Schulen entwickelt. Das begleitende Buch kann über info@rfkhumanrights.ch bestellt werden.

  3. 14:00
    And Then We Danced – Schulvorstellung
    OVd 106' | Schweden, Georgien 2019 | Levan Akin | Spielfilm

    Merab trainiert seit jungen Jahren mit seiner Tanzpartnerin im nationalen georgischen Staatsballett. Als der charismatische und ungezwungene Irakli auftaucht, wird Merabs Welt unversehens auf den Kopf gestellt. Der Neue wird zu seinem grössten Rivalen und zu seiner grössten Leidenschaft. Immer stärker verspürt Merab den Drang, aus seinem konservativen Umfeld auszubrechen und seine Sexualität auszuleben. Dafür muss er alles riskieren. Der schwedische Regisseur Levan Akin kehrt mit «And Then We Danced» zu seinen Wurzeln nach Georgien zurück. In seiner berührenden universell gültigen Emanzipations-Geschichte avanciert die Inszenierung von Körperlichkeit und Tanz zum Brennpunkt. Der Film transportiert das Bewusstsein einer jungen Generation im Korsett strenger Riten und Traditionen, gegen die sich Merab mit den Waffen eines Tänzers auflehnt.

    Im Anschluss animiertes Gespräch mit Tobias Urech (LGBTIQ-Aktivist und Vorstandsmitglied Milchjugend)

  4. 18:00
    ACASA, MY HOME
    OVe 86' | Rumänien 2020 | Radu Ciorniciuc | Dok

    Sie fangen Fische, pirschen durchs Dickicht, kennen jede Pflanze und jedes Versteck. In der Grossstadt hingegen ist die elfköpfige Familie Enache orientierungslos. Vergeblich sträuben sie sich gegen die Entscheidung der Regierung, sie nach Bukarest umzusiedeln. Ihr altes Zuhause im stillgelegten Wasserreservoir am Stadtrand soll aufgewertet werden und ihre Baracke einem Naturschutzgebiet weichen. Die Pflichten und Zwänge, die die moderne Gesellschaft mit sich bringt, sind ein Kulturschock für die Familie. Die Enaches versuchen, sich an die neue Situation zu gewöhnen, doch die angeblichen Annehmlichkeiten entpuppen sich als tägliche Herausforderungen. Das Leben in der Natur war mit vielen Entbehrungen verbunden, doch dasjenige in der Zivilisation konfrontiert sie mit einem ganz neuen Kampf ums Überleben. (nio)

    KOSMOPOLITICS (STREAMING) 20:00

    WOHN(T)RÄUME. WER HAT PLATZ IN UNSERER STADT?
    Städte sind Orte an denen verschiedenste Menschen leben. Auch in Zürich. Doch der Boden, auf dem eine Stadt steht, ist nicht vermehrbar. Weitergebaut wird trotzdem. Für wen hat es in Zürich Platz? Wer wird in Zukunft bleiben können, wer nicht? Und wer entscheidet überhaupt, wie sich die Stadt weiterentwickelt? Ein Gespräch mit Monika Streule (Stadtethnologin Departement Architektur ETH), Felix Bosshard (Präsident Gemeinnützige Bau- und Mietergenossenschaft Zürich) und Anna Schindler (Direktorin Stadtentwicklung, Stadt Zürich) über Wohnräume, Träume und Realitäten unserer Stadt.

    Moderation: Rahel Bains (Journalistin Tsüri.ch)

    Präsentiert mit Tsüri.ch

  5. 18:30
    The Earth Is Blue as an Orange
    OVe 74' | Ukraine, Litauen 2020 | Iryna Tsilyk | Dok

    «Der Krieg hat mich reizbar und böse werden lassen!», sagt die junge Nastja in die Kamera. Die alleinstehende Mutter Anna befragt ihre vier Kinder, wie sie im ukrainischen Donbas mit dem Lärm der Granaten, dem Stromausfall und der Angst umgehen. Seit fünf Jahren leben sie mit dem Krieg, regelmässig stürzen Häuser ein, viele Bewohner*innen haben das Dorf verlassen. Die älteste Tochter Mira, die sich für die Aufnahmeprüfung an der Filmschule in Kiev vorbereitet, macht derweil einen Film im Film. Sie inszeniert stilsicher die im Dorf stationierten Soldaten, ihre Geschwister und Grossmutter und erzählt durch diese Metaebene ihre Version der ukrainischen Verstrickung von Geschichte, Krieg und Überlebenskampf.
    Iryna Tsilyk beobachtet die Familie mit unglaublicher Empathie. Sie lässt uns teilhaben an der Absurdität des Krieges, aber auch an ganz normalen Alltagsmomenten, wenn Anna dem Kleinsten mit einem entschlossenen Ruck am Faden einen Zahn zieht – auch hier liegen Schmerz und Erleichterung nahe zusammen. Ein wunderbares Dokument über den Zusammenhalt einer Familie und Filmschaffen als Trost und Kraftquelle. (slb)

  6. 20:30
    DAS NEUE EVANGELIUM
    Odf 107' | Deutschland, Schweiz 2020 | Milo Rau | Hybrider Dok

    Matera in Italien ist 2019 Kulturhauptstadt Europas. In den pittoresken Gassen wurde schon mancher Jesusfilm gedreht. Keiner war so ketzerisch wie dieser: Milo Rau stellt die Frage, was Gottes Sohn und seine Apostel heute predigen würden. Er besetzt Yvan Sagnet als Jesus, weitere schwarze Geflüchtete spielen seine Jünger. Jesus verhandelt mit dem Teufel und spricht mit einer Prostituierten, die wie er von einem paradiesischen Leben in Europa geträumt hatte. Viele der Protagonisten arbeiten für einen Hungerlohn in der italienischen Tomatenproduktion. Mit der «Rivolta della dignità» möchten die Aktivist*innen auf die Missstände aufmerksam machen und die Anerkennung ihrer Menschenwürde erreichen – was nicht die Räumung der Lager bedeuten soll, sondern vorerst eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Milo Rau begleitet sie bei ihrem Kampf und inszeniert das Schicksal von Jesus als hybride, bildgewaltige Leidensgeschichte. So erschafft er ein neues Narrativ der Armen und Entrechteten. Die Via Dolorosa führt heute übers Mittelmeer und in Europa warten die blutrünstigen Massen, die die Kreuzigung mit ihrem Handy filmen. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit Gästen.
    Moderation Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zurich

  7. 21:00
    I Owe You a Letter About Brazil
    OVe 90' | Brasilien 2020 | Carol Benjamin | Dok

    Ein Vater, der schweigt, eine Grossmutter als Widerstandsfigur und eine Tochter, die versucht, die blinden Flecken ihrer Familiengeschichte zu verstehen: I Owe You a Letter About Brazil blickt zurück ins Brasilien der 70er-Jahre, als Carols Vater César sich als Jugendlicher gegen die Militärdiktatur auflehnt. Sein politisches Engagement wird ihm zum Verhängnis. Noch minderjährig wird César zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt, gefoltert und durch Einzelhaft zum Schweigen gebracht. Dank dem unerbittlichen Kampf seiner Mutter Iramaya, Grossmutter der Regisseurin, wird er nach fünf Jahren freigelassen. Als roter Faden des Films dient der Briefwechsel, welcher Iramaya mit einer schwedischen Mitarbeiterin von Amnesty International während vielen Jahren führte. Carol Benjamin richtet so einen filmischen Liebesbrief an den gezeichneten Vater und gibt gleichzeitig Einblick in ein Land, auf dessen Schultern die Vergangenheit noch immer schwer lastet. (nio)

Di 8. Dez 2020
  1. 13:30
    Los Lobos – Schulvorstellung
    Odf 94' | Mexiko 2019 | Samuel Kishi Leopo | Spielfilm

    Jenseits der Grenze lockt Disneyland. Mit solchen Träumereien halten sich die Brüder Max und Leo aus Mexiko bei Laune. Ihre Mutter Lucía hingegen hat nach der harten Landung in der Realität keine Zeit mehr für Kopfreisen. In den USA angekommen, nimmt sie mehrere Gelegenheitsjobs an und lässt die Söhne in der Wohnung zurück. Sie lauschen in Endlosschleife den Regeln, welche Lucía auf Kassette aufgenommen hat: «Nie das Haus verlassen! Aufeinander aufpassen!». Wie Wölfe sollen sie sich und ihr Heim beschützen. Der Einöde entfliehen sie nur dank ihrer Fantasie: Auf die Wände der Wohnung kritzeln sie künftige Abenteuer. Basierend auf eigenen Kindheitserfahrungen gibt der Regisseur Einblick in die anhaltende Migrationskrise an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. (nio)

    Im Anschluss animiertes Gespräch mit Jennifer Niedermann, Moderatorin und Spoken Word Artistin

  2. 18:00
    DAS NEUE EVANGELIUM
    Odf 107' | Deutschland, Schweiz 2020 | Milo Rau | Hybrider Dok

    Matera in Italien ist 2019 Kulturhauptstadt Europas. In den pittoresken Gassen wurde schon mancher Jesusfilm gedreht. Keiner war so ketzerisch wie dieser: Milo Rau stellt die Frage, was Gottes Sohn und seine Apostel heute predigen würden. Er besetzt Yvan Sagnet als Jesus, weitere schwarze Geflüchtete spielen seine Jünger. Jesus verhandelt mit dem Teufel und spricht mit einer Prostituierten, die wie er von einem paradiesischen Leben in Europa geträumt hatte. Viele der Protagonisten arbeiten für einen Hungerlohn in der italienischen Tomatenproduktion. Mit der «Rivolta della dignità» möchten die Aktivist*innen auf die Missstände aufmerksam machen und die Anerkennung ihrer Menschenwürde erreichen – was nicht die Räumung der Lager bedeuten soll, sondern vorerst eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Milo Rau begleitet sie bei ihrem Kampf und inszeniert das Schicksal von Jesus als hybride, bildgewaltige Leidensgeschichte. So erschafft er ein neues Narrativ der Armen und Entrechteten. Die Via Dolorosa führt heute übers Mittelmeer und in Europa warten die blutrünstigen Massen, die die Kreuzigung mit ihrem Handy filmen. (slb)

  3. 18:30
    Reunited
    OVe 78' | Dänemark 2020 | Mira Jargil | Dok

    «In welchem Land in Europa würdest du dich sicher fühlen?», fragt der Helfer auf dem Rettungsboot. Die verstörte Rana antwortet: «Egal, Hauptsache unsere Familie wird nicht auseinandergerissen». Doch genau diese Befürchtungen treffen ein. Ranas Familie wird durch die chaotischen Fluchtumstände auf drei Länder zerstreut. Ihr Mann strandet in Kanada, sie selbst kommt nach Dänemark, und die Söhne Jad (11) und Nidal (17) sitzen alleine in der Türkei fest. Der Film folgt den Bemühungen der Mutter, Visa für ihre Kinder zu bekommen, während der Vater, der bereits in Kanada arbeiten darf, das nötige Geld schickt. Die zermürbende Bürokratie wird entlarvt und wirft die Familie in eine Endlosschlaufe des Wartens. Das intime Porträt zeigt die Verzweiflung der Eltern und Kinder, die auch die zahlreichen Video-Calls nicht überwinden können. Es feiert aber auch die kleinen Erfolgsmomente, wenn sie sich der Wiedervereinigung ein kleines Stück nähern. (slb)

  4. 20:30
    Yalda – Closing Night
    OVd 89' | Massoud Bakhshi | Frankreich, Deutschland, Schweiz, Iran | Massoud Bakhshi | | Spielfilm

    «Sie können immer noch an unserem SMS-Wettbewerb teilnehmen. Verdient Maryam Komijani Vergebung? Senden Sie 1 für ja, 2 für nein.» So unterhält der iranische Moderator einer Reality Show die Zuschauer*innen. Maryam hat in einem Streit ihren viel älteren Ehemann umgebracht. Nun sitzt sie im Fernsehstudio dessen Tochter Mona gegenüber. Vor Millionenpublikum – und dramatisch inszeniert zum persischen Yalda-Fest – soll sie Maryam vergeben. Lässt sich Monas Herz nicht erweichen, droht Maryam die Todesstrafe. Die beiden Frauen waren sich vor dem vermeintlichen Mord schwesterlich verbunden, nun entscheidet die eine über das Leben der anderen. Die Studiosituation wird zu einem beklemmenden Kammerspiel zwischen den beiden, die wie Gladiatorinnen um die Gunst des Volkes buhlen müssen. Basierend auf einer real existierenden Fernsehshow führt der Film patriarchale Machtstrukturen und die systematische Einschüchterung durch die Todesstrafe im Iran vor. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit dem Filmemacher Massoud Bakhshi
    Moderation: Jasmin Basic (FIFDH, Geneva)

    Präsentiert mit dem International Film Festival and Forum on Human Rights, Geneva

  5. 21:00
    ACASA, MY HOME
    OVe 86' | Rumänien 2020 | Radu Ciorniciuc | Dok

    Sie fangen Fische, pirschen durchs Dickicht, kennen jede Pflanze und jedes Versteck. In der Grossstadt hingegen ist die elfköpfige Familie Enache orientierungslos. Vergeblich sträuben sie sich gegen die Entscheidung der Regierung, sie nach Bukarest umzusiedeln. Ihr altes Zuhause im stillgelegten Wasserreservoir am Stadtrand soll aufgewertet werden und ihre Baracke einem Naturschutzgebiet weichen. Die Pflichten und Zwänge, die die moderne Gesellschaft mit sich bringt, sind ein Kulturschock für die Familie. Die Enaches versuchen, sich an die neue Situation zu gewöhnen, doch die angeblichen Annehmlichkeiten entpuppen sich als tägliche Herausforderungen. Das Leben in der Natur war mit vielen Entbehrungen verbunden, doch dasjenige in der Zivilisation konfrontiert sie mit einem ganz neuen Kampf ums Überleben. (nio)

Programm 2019
Do 5. Dez 2019
  1. 19:00
    Gods of Molenbeek
    OVe 75' | Finnland, Belgien, Deutschland 2019 | Reeta Huhtanen | Dok

    Der sechsjährige Aatos lebt mit seiner finnischen Mutter und seinem chilenischen Vater im kulturell durchmischten Bezirk Molenbeek von Brüssel. Aatos und sein bester Freund Amin erkunden ihre kindlichen Welten bewohnt von Ahnen, Fabelwesen und Spiderman. Aatos beneidet Amin um seinen allwissenden Gott Allah und sucht nach einer eigenen Gottheit, die Antworten auf seine Fragen geben könnte. Die Kamera begleitet die Kinder auf ihren philosophischen Streifzügen auf Augenhöhe.
    Als Molenbeek von einem Terroranschlag erschüttert wird, entdecken die beiden Buben, wie sich schlagartig alles ändern kann: Nun sind die Strassen voll von bewaffneten Soldaten und Absperrungen, die Nachbarschaft demonstriert gegen die Diskriminierung, die den muslimischen Menschen plötzlich entgegenschlägt. Die Kinder verarbeiten die Geschehnisse auf spielerische Weise und ihre Freundschaft bleibt ungetrübt. (slb)

    Begrüssungsworte
    Sascha Lara Bleuler, Direktorin HRFF Zurich
    Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zurich
    Sandra Lendenmann, Chefin Sektion Menschenrechtspolitik, EDA

    Im Anschluss Gespräch mit der Filmemacherin Reetta Huhtanen

Fr 6. Dez 2019
  1. 09:30
    Gods of Molenbeek - Schulvorstellung
    OVd 75' | Finnland, Belgien, Deutschland 2019 | Reeta Huhtanen | Dok

    Der sechsjährige Aatos lebt mit seiner finnischen Mutter und seinem chilenischen Vater im kulturell durchmischten Bezirk Molenbeek von Brüssel. Aatos und sein bester Freund Amin erkunden ihre kindlichen Welten bewohnt von Ahnen, Fabelwesen und Spiderman. Aatos beneidet Amin um seinen allwissenden Gott Allah und sucht nach einer eigenen Gottheit, die Antworten auf seine Fragen geben könnte. Die Kamera begleitet die Kinder auf ihren philosophischen Streifzügen auf Augenhöhe. Als Molenbeek von einem Terroranschlag erschüttert wird, entdecken die beiden Buben, wie sich schlagartig alles ändern kann: Nun sind die Strassen voll von bewaffneten Soldaten und Absperrungen, die Nachbarschaft demonstriert gegen die Diskriminierung, die den muslimischen Menschen plötzlich entgegenschlägt. Die Kinder verarbeiten die Geschehnisse auf spielerische Weise und ihre Freundschaft bleibt ungetrübt. (slb)

    Mit anschliesendem Filmgespräch.
    Moderation: Aline Juchler

  2. 10:00
    MATANGI/MAYA/M.I.A. - Schulvorstellung
    OVd 97' | Russland 2018 | Stephen Loveridge | Dok

    Matangi „Maya“ Arulpragasam, besser bekannt als M.I.A., flieht als Kind eines Mitbegründers der tamilischen Unabhängigkeitsbewegung mit ihrer Mutter aus Sri Lanka und verbringt ihre Kindheit in London, bevor sie als unkonventioneller Popstar die ganze Welt erobert. Das vorliegende Porträt ist genauso eklektisch und verspielt wie die Künstlerin selbst: Privates Archivmaterial, Immigrationsgeschichte, politische Statements, begeisternde Songs und provokative Bühnenshows verschmelzen zu einem inspirierenden Ganzen, an dem die Sängerin und ausgebildete Filmemacherin nicht unerheblich mitgewirkt hat.

    Anschliessendes Gespräch mit dem Schweizer Künstler, Entertainer, Rapper und Aktivisten Knackeboul, präsentiert von der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation
    Moderation: Tim Bettermann

  3. 13:30
    Rafiki - Schulvorstellung
    OVd 83' | Kenya 2018 | Wanuri Kahiu | Spielfilm

    Kena und Ziki sind zwei Teenager aus dem kenianischen Nairobi und dicke Freundinnen, obwohl ihre Familien politisch entgegengesetzte Ansichten vertreten. Sie halten zusammen, wollen mehr und verlieben sich ineinander, was sie in ihrer konservativen Gesellschaft in Bedrängnis bringt. Der Spielfilm Rafiki war mit seiner Buntheit und Frische ein Hit beim Publikum am Festival von Cannes, wo er im Programm «Un certain regard» lief.

    Talk in German with Anna Rosenwasser, director of Lesbenorganisation Schweiz (LOS)

  4. 14:00
    Les Misérables - Schulvorstellung
    OVd 102' | Frankreich 2018 | Ladj Ly | Spielfilm

    2005 schliesst sich Stéphane der Anti-Kriminalitäts-Brigade von Montfermeil im 93. Pariser Bezirk an. Chris und Gwada werden ihm zur Seite gestellt. Doch im Rahmen der Unruhen in den Vororten von Paris ist der Neuling gezwungen, schnell zu lernen, dass es große Spannungen zwischen unterschiedlichen Gruppen seines Einsatzgebietes gibt. Als die drei Kollegen probieren, eine Verhaftung durchzuführen, werden sie überrannt.

    Anschliessend findet ein Filmgespräch mit Sandrine Charlot Zinsli von Aux Arts etc... statt.

  5. 18:00
    Ghost Fleet
    OVe 88' | USA 2018 | Shannon Service, Jeffrey Waldron | Dok

    Thailand beliefert die Welt mit Meeresprodukten. Mittlerweile ist der thailändische Golf fast leergefischt. Boote müssen tausende Meilen fahren, um etwas zu fangen. Aber nicht nur die Fische geraten ins Netz: Die Flotten brauchen Besatzung und der Bedarf an Arbeitskräften treibt junge Männer aus Myanmar, Laos und Kambodscha in die Fänge des Menschenhandels. Mit falschen Versprechen angelockt, werden sie an Fischereibetriebe verkauft. Oft verbringen sie über zehn Jahre auf See, ohne das Schiff verlassen zu können. Einige sterben an Erschöpfung oder bringen sich um. Die Aktivistin Patima Tungpuchayakul aus Bangkok hat es sich zur Aufgabe gemacht, versklavte Fischer zu befreien und zurück in ihre Heimat zu bringen. Viele sind nur schwer zu überzeugen, aus Scham nach so vielen Jahren mit leeren Händen zurückzukehren.
    Der Film dokumentiert den unermüdlichen Einsatz der Aktivist*innen und zwingt uns, das eigene Konsumverhalten zu überdenken. (slb)

    GLOBALE LIEFERKETTEN UND KONZERNVERANTWORTUNG
    Welche Verantwortung tragen Schweizer Konzerne für ihre globalen Lieferketten? Mit welchen Methoden kann der Grosshandel sicherstellen, dass die Produkte unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt werden?
    Gespräch mit einer Vertretung aus dem Schweizer Detailhandel und Bernhard Herold von Solidar Suisse.
    Moderation: Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zurich

    Präsentiert mit Solidar Suisse

  6. 18:30
    XY Chelsea
    E 92' | UK 2019 | Tim Travers Hawkins | Dok

    «Life is a coming-of-age story», stellt Chelsea Manning fest. Die Dokumentation zeigt den Weg der Whistleblowerin zurück in die Gesellschaft, nachdem sie von Präsident Obama begnadigt wurde. Weil sie während ihres Einsatzes im Irak-Krieg unzählige, für die USA belastende Dokumente veröffentlicht hatte, war sie zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Von den einen wurde sie zur Staatsfeindin erklärt, für die anderen wurde sie dank ihrem Aufruf zu Transparenz zur Heldin. Auch nach der Freilassung kämpft sie weiter. Der Rechtsrutsch in ihrem Land, die gegenwärtige politische Lage und ihre Realität als trans Frau veranlassen Chelsea dazu, für den Senat zu kandidieren. Gleichzeitig ist sie stets auf der Suche nach sich selbst, verunsichert und fragil. Die permanente Öffentlichkeit und der gesellschaftliche Druck lasten genauso schwer auf ihr wie die Vergangenheit, die sie auf ihrer Reise ins «Erwachsenenleben» immer wieder einholt. (nio)

    HEROES OR TRAITORS – WHISTLEBLOWERS IM VISIER
    Gespräch mit Adam Quadroni (Aufdecker des Bündner Baukartell-Skandals) und Alex Biscaro (Stv. Geschäftsführer von Transparency International Schweiz) über die privaten und politischen Seiten des Whistleblowings in der Schweiz, die bezüglich dem gesetzlichen Schutz der betroffenen Akteure immer noch ein Entwicklungsland ist.
    Während Quadroni über seine persönlichen Erfahrungen berichtet, beleuchtet Biscaro die gesellschaftliche und parlamentarische Debatte zu einem brisanten Thema, das auch für die Arbeit von Public Eye von zentraler Bedeutung ist.
    Moderation: Oliver Classen (Mediensprecher Public Eye)

    Präsentiert mit Public Eye

  7. 20:30
    One Child Nation
    OVe 85' | China, USA 2019 | Nanfu Wang, Jialing Zhang | Dok

    Nanfu wurde 1985 in der chinesischen Provinz geboren und lebt heute in New York. Als sie selber Mutter wird, beginnt sie, sich mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Sie stochert tief in den schlecht verheilten Wunden, welche die Ein-Kind-Politik in China hinterlassen hat. Schonungslos befragt sie ihre eigene Familie wie auch Täter*innen und Opfer eines sozialen Experiments, das zahlreiche Chines*innen zu Verbrechen verleiten liess – Frauen wurden zwangssterilisiert, neugeborene Mädchen wurden ausgesetzt oder als «Waisen» zur Adoption freigegeben. Durch die Montage von Interviews und Archivmaterial von Umerziehungsmethoden gelingt der Filmemacherin eine Abrechnung mit Chinas indoktrinierter Gesellschaft und einer Propaganda, die heute nicht weniger aggressiv ist: Seit 2016 werden chinesische Bürger*innen angespornt, zwei Kinder zu zeugen, um der Überalterung entgegenzuwirken. (slb)

    CHINA: VON DER EIN-KIND-POLITIK ZUR MASSENÜBERWACHUNG DURCH APPS (Engl.)
    Skype-Gespräch mit Sophie Richardson, China-Direktorin von Human Rights Watch über die langjährige Ein-Kind-Politik als Ausdruck eines Systems nahezu totaler Kontrolle zugunsten des ökonomischen Fortschritts. Sie zeigt auf, mit welchen Mitteln die umfassende Überwachung von Bürger*innen auch nach der Abschaffung der Ein-Kind-Politik aufrechterhalten wird und viele Bereiche des Lebens durchdringt.
    Moderation: Flavia Giorgetta

    Präsentiert mit Human Rights Watch

  8. 21:00
    Temblores
    OVe 107' | Guatemala, Frankreich, Luxemburg 2019 | Jayro Bustamante | Spielfilm

    Pablo ist Vater zweier Kinder und erfolgreicher Berater. Er stammt aus einer reichen Familie in Guatemala Stadt, die alles tut, um die glänzende Oberfläche zu wahren. Das vermeintliche Familienidyll wird erschüttert, als Pablo sich in Francisco verliebt und entscheidet, Frau und Kinder zu verlassen. Homosexualität hat in den streng religiösen Wertvorstellungen der Familie keinen Platz, im Gegenteil: Pablo muss von seiner Krankheit geheilt werden. Unterstützt von ihrer evangelikalen Gemeinde will die Familie den verlorenen Sohn mit einer Konversionstherapie wieder auf die richtige Bahn bringen. Den Kontakt zu seinem «Verführer» Francisco muss er abbrechen. Temblores zeichnet das Bild einer repressiven, vom Glauben geprägten Gesellschaft – und spiegelt deren Angst vor gleichgeschlechtlicher Liebe. (nio)

    Im Anschluss Gespräch mit dem Drehbuchautor Lisandro Sanchez
    Moderation: Marcy Goldberg

Sa 7. Dez 2019
  1. 11:00
    Shooting the Mafia
    OVe 97' | Irland, USA 2019 | Kim Longinotto | Dok

    Sizilien befindet sich schon lange im Würgegriff der Mafia – keine Politiker*innen, keine Medienschaffenden wagen es, sich ihr entgegenzusetzen. Das ändert sich in den 70er Jahren, als Letizia Battaglia als erste Fotojournalistin Italiens die brutalen Morde und den tiefgreifenden Einfluss der Mafia zu dokumentieren beginnt. Die damals 40jährige entdeckt die Fotokamera als Waffe gegen das organisierte Verbrechen. Oft ist sie als Erste am Tatort, hört heimlich den Polizeifunk ab, um herauszubekommen, wo die Cosa Nostra zugeschlagen hat. Ihre Schwarz-Weiss-Bilder wirken wie Schreie gegen das jahrzehntelange Schweigen und wecken die Bevölkerung aus ihrer Schockstarre. Als «fotografa militante» kämpft Battaglia auch mit anderen Mitteln gegen die Cosa Nostra: von 1985 bis 1996, zur Zeit der spektakulären Anti-Mafia-Prozesse der Untersuchungsrichter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, geht sie als Grüne in die Politik. Kim Longinotto bebildert Battaglias Jugend mit neorealistischen Filmausschnitten und schafft ein intimes Porträt einer unbestechlichen Frau. (slb)

    AUF DEN SPUREN DER MAFIA
    Gespräch mit Paolo Bernasconi, Rechtsanwalt und Mitglied der Schweizerischen Sektion der Internationalen Juristenkommission ICJ-CH über den Einfluss der Mafia auf die italienische Gesellschaft und die Verstrickung der Schweizer Waffenindustrie in die organisierte Kriminalität.
    Moderation: Andreas Fagetti (Journalist WOZ)

    Präsentiert mit ICJ-CH – Schweizerische Sektion der Internationalen Juristenkommission

  2. 13:00
    Maternal
    OVe 91' | Italien, Argentinien 2019 | Maura Delpero | Spielfilm

    In einem von Nonnen geführten Heim für Teenager-Mütter in Argentinien prallen zwei Welten aufeinander. Die Nonnen preisen die heilige Maria als mütterliches Idealbild. Für die Mädchen hingegen ist Mutterschaft verbunden mit ihren konfliktreichen Lebensgeschichten, fern von jungfräulicher Reinheit. Lu und ihre Tochter Nina finden im Heim Zuflucht, doch die freiheitsliebende Lu kommt mit den strengen Regeln, dem religiös geprägten Alltag und ihrer Mutterrolle nicht zurecht. Sie haut ab und überlässt Nina den Ordensschwestern und ihrer schwangeren Freundin Fati. Schwester Paola, gerade erst aus Italien angekommen, um hier ihr letztes Gelübde abzulegen, nimmt sich Nina an und steht bald vor einem Dilemma: Sie hat sich entschieden, niemals Kinder zu haben, nun führt Nina ihr vor Augen, was sie verpassen könnte. Maternal gibt Einblick in die vielen Facetten von biologischer und sozialer Mutterschaft – in einem Land, in dem Abtreibung noch immer illegal ist. (nio)

  3. 13:30
    Another Day of Life
    OVe 86' | Polen, Spanien 2018 | Raúl de la Fuente, Damian Nenow | Doku Animation

    Während in Angola 1975 die portugiesischen Kolonialherren abziehen, begibt sich der polnische Reporter Ryszard Kapuściński auf einen lebensgefährlichen Roadtrip. Im Süden des Landes ist angesichts des Machtvakuums ein Bürgerkrieg entbrannt, den Kapuściński um jeden Preis dokumentieren will. Wo sich die sozialistische MPLA und die Befreiungsbewegung FNLA mit internationaler Unterstützung unerbittliche Kämpfe liefern, wird Kapuściński Zeuge der blutigen Kriegsrealität. An der Front erkennt er wie machtlos er als Journalist ist. Trotzdem folgt er dem Drang, von diesem grausamen Schauplatz des Kalten Krieges zu erzählen. Ein Film zwischen Fiktion und Wirklichkeit, ein Reporter gefangen zwischen Geltungsdrang und journalistischem Ethos. (nio)

    VERANTWORTUNG UND GEFAHR: JOURNALIST*INNEN IN KONFLIKTGEBIETEN
    Gespräch mit Kurt Pelda (Journalist und Kriegsreporter) und Monika Bolliger (Korrespondentin Mittlerer Osten) über die Verantwortung von Journalist*innen in Konfliktgebieten. Wie weit darf Journalismus gehen? Wie hat sich die Kriegsberichterstattung in den letzten Jahren verändert? Welche Risiken gehen Journalist*innen ein?
    Moderation: Barbara Lüthi (SRF)

    Präsentiert mit Reportagen

  4. 15:30
    Temblores
    OVe 107' | Guatemala, Frankreich, Luxemburg 2019 | Jayro Bustamante | Spielfilm

    Pablo ist Vater zweier Kinder und erfolgreicher Berater. Er stammt aus einer reichen Familie in Guatemala Stadt, die alles tut, um die glänzende Oberfläche zu wahren. Das vermeintliche Familienidyll wird erschüttert, als Pablo sich in Francisco verliebt und entscheidet, Frau und Kinder zu verlassen. Homosexualität hat in den streng religiösen Wertvorstellungen der Familie keinen Platz, im Gegenteil: Pablo muss von seiner Krankheit geheilt werden. Unterstützt von ihrer evangelikalen Gemeinde will die Familie den verlorenen Sohn mit einer Konversionstherapie wieder auf die richtige Bahn bringen. Den Kontakt zu seinem «Verführer» Francisco muss er abbrechen. Temblores zeichnet das Bild einer repressiven, vom Glauben geprägten Gesellschaft – und spiegelt deren Angst vor gleichgeschlechtlicher Liebe. (nio)

  5. 16:00
    I Want to Break Free
    OVe 90' | diverse | diverse | Kurzfilme

    PRISONER OF SOCIETY
    OVe | Rati Tsiteladze | Georgien 2018 | 16’
    Was bedeutet es, im eigenen Zuhause und im eigenen Land fremd zu sein? Ein intimer Blick in die Welt einer jungen trans Frau, gefangen zwischen dem Wunsch nach persönlicher Freiheit und den traditionellen Erwartungen ihrer Familie.

    GARDHI (FENCE)
    OVe | Lendita Zeqiraj | Kosovo, Kroatien, Frankreich 2018 | 15’
    Mehrere Generationen von Frauen aus derselben Familie konfrontieren einander lautstark mit ihren Ansichten über Leben, Liebe, Lust und das Patriarchat, während der einzige Junge auf eine Fluchtgelegenheit wartet.

    ALL THESE CREATURES
    E | Charles Williams | Australien 2018 | 13'
    Ein Jugendlicher versucht seine Erinnerungen an eine mysteriöse Plage, seinen Vater und die kleinen Wesen, die in uns allen stecken, zu entwirren.

    SŒURS JARARIJU
    OVe | Jorge Cadena | Schweiz 2018 | 22’
    Viviana und Yandris, zwei Schwestern aus der ethnischen Gruppe der Wayuu in Kolumbien, entdecken durch überlieferte Rituale ihre Traditionen. Als ihr Vater stirbt, verlassen sie in einem mutigen Akt ihr Land.

    BROTHERHOOD
    OVe | Meryam Joobeur | Tunesien/Kanada 2018 | 25'
    Mohamed ist erschüttert und misstrauisch, als sein entfremdeter ältester Sohn mit einer rätselhaften jungen Frau ins ländliche Tunesien heimkehrt. Ein vielschichtiges Drama über Familienbeziehungen, alte Wunden und Missverständnisse.

    Das schönste Geschenk zu unserem 5. Jubiläum!
    Fünf Kurzfilme, ausgewählt von John Canciani, künstlerischer Leiter der Kurzfilmtage Winterthur. Im Anschluss führt Janis Huber vom KFT-Team ein Gespräch mit Jorge Cadena, dem Regisseur von Sœurs Jarariju.

    Präsentiert mit Kurzfilmtage Winterthur

  6. 18:00
    Gods of Molenbeek
    OVe 75' | Finnland, Belgien, Deutschland 2019 | Reeta Huhtanen | Dok

    Der sechsjährige Aatos lebt mit seiner finnischen Mutter und seinem chilenischen Vater im kulturell durchmischten Bezirk Molenbeek von Brüssel. Aatos und sein bester Freund Amin erkunden ihre kindlichen Welten bewohnt von Ahnen, Fabelwesen und Spiderman. Aatos beneidet Amin um seinen allwissenden Gott Allah und sucht nach einer eigenen Gottheit, die Antworten auf seine Fragen geben könnte. Die Kamera begleitet die Kinder auf ihren philosophischen Streifzügen auf Augenhöhe.
    Als Molenbeek von einem Terroranschlag erschüttert wird, entdecken die beiden Buben, wie sich schlagartig alles ändern kann: Nun sind die Strassen voll von bewaffneten Soldaten und Absperrungen, die Nachbarschaft demonstriert gegen die Diskriminierung, die den muslimischen Menschen plötzlich entgegenschlägt. Die Kinder verarbeiten die Geschehnisse auf spielerische Weise und ihre Freundschaft bleibt ungetrübt. (slb)

  7. 18:30
    Talking About Trees
    OVd 93' | Frankreich, Sudan, Deutschland 2019 | Suhaib Gasmelbari | Dok

    Suleiman und seine drei Freunde haben alle im Exil Film studiert, nun sitzen die alt gewordenen Männer zusammen in Khartoum und schmieden Pläne. Ihr Traum ist es, neben den lose organisierten Vorführungen ihres Sudanesischen Filmklubs, das grosse «Revolution Kino» wieder in Betrieb zu nehmen und unter freiem Himmel bahnbrechende Filme wie Tarantinos Django Unchained zu zeigen. Öffentliches Kino ist im Sudan seit langem verboten und die Politik tut sich schwer mit einer Lockerung. Trotzdem klopfen die Filmfreunde unermüdlich an die Türen der Behörden und bieten der zermürbenden Bürokratie mit lakonischem Humor die Stirn.
    Für die vier cinephilen Männer, deren Karrieren durch Militärputsche vereitelt und deren Talent nie ausgeschöpft wurde, hat die Liebe zur siebten Kunst eine Dringlichkeit, die weit über das gemeinsame Vergnügen hinausgeht: Sie spiegelt die Unzufriedenheit eines Volkes, das sich nach kreativer Freiheit sehnt und in den jüngsten Demonstrationen einmal mehr gegen die repressive Führung aufbegehrt. (slb)

    BIG DEBATE IM KOSMOS FORUM 20:15
    REVOLUTION ALS OPIUM FÜR DAS VOLK? (Engl.)
    Im Frühling dieses Jahres wurde Omar Bashir, der den Sudan während 30 Jahren autokratisch regierte, gestürzt. Seitdem ringen eine Protestbewegung und das Militär um die Vormacht und die Zukunft des Landes. Was machen die Protestierenden im Sudan anders als die Bewegungen in Syrien, Ägypten, Jemen oder Tunesien? Wie gehen sie mit der Einmischung von ausländischen Regierungen in den politischen Übergangsprozess im Sudan um? Und welche Formen der transnationalen Solidarität braucht es, um demokratische und friedliche Veränderungen nachhaltig zu unterstützen?

    Gespräch mit dem Filmemacher Suhaib Gasmelbari, Magdi El-Gizouli (Autor Rift Valley Institute) und Nada Hafiz (Filmstudentin Strasbourg)
    Moderation: Monika Bolliger

  8. 20:30
    Truth Detectives
    OVe 90' | Deutschland 2017 | Anja Reiss | Dok

    «Digitale Ermittler» arbeiten in den Konfliktgebieten der Welt – in der Ukraine, Kolumbien, Israel, Syrien oder Mali. Sie programmieren Algorithmen, um vergessene Gräber im kolumbianischen Dschungel aufzuspüren, oder erstellen aus verschiedenen Bilderquellen 3D-Modelle einer Stadt, um Beweise für eine der tragischsten Eskalationen des Israel-Gaza-Krieges von 2014 zu erbringen. Sie sind Jurist*innen, Journalist*innen oder Aktivist*innen und tragen zusammen mit Betroffenen ihren Teil zur Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen bei. Von Satellitenbildern über Handyfotos bis hin zu Social Media-Posts nutzen sie moderne Technologien im Kampf für Gerechtigkeit. Mittels akribischer Rekonstruktion von Verbrechen bringen sie die Verantwortlichen zur Anklage und die Wahrheit ans Licht. (nio)

    CRIME AND PUNISHMENT IN A POST-TRUTH WORLD
    Gespräch mit der Filmemacherin Anja Reiss und Serge Droz (Senior Advisor ICT4Peace Foundation) über die Herausforderungen und die Möglichkeiten neuer Technologien im Bereich digitaler Ermittlungen.
    Moderation: Marguerite Meyer

    Präsentiert mit ICT4Peace Foundation

  9. 21:00
    XY Chelsea
    E 92' | UK 2019 | Tim Travers Hawkins | Dok

    «Life is a coming-of-age story», stellt Chelsea Manning fest. Die Dokumentation zeigt den Weg der Whistleblowerin zurück in die Gesellschaft, nachdem sie von Präsident Obama begnadigt wurde. Weil sie während ihres Einsatzes im Irak-Krieg unzählige, für die USA belastende Dokumente veröffentlicht hatte, war sie zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Von den einen wurde sie zur Staatsfeindin erklärt, für die anderen wurde sie dank ihrem Aufruf zu Transparenz zur Heldin. Auch nach der Freilassung kämpft sie weiter. Der Rechtsrutsch in ihrem Land, die gegenwärtige politische Lage und ihre Realität als trans Frau veranlassen Chelsea dazu, für den Senat zu kandidieren. Gleichzeitig ist sie stets auf der Suche nach sich selbst, verunsichert und fragil. Die permanente Öffentlichkeit und der gesellschaftliche Druck lasten genauso schwer auf ihr wie die Vergangenheit, die sie auf ihrer Reise ins «Erwachsenenleben» immer wieder einholt. (nio)

So 8. Dez 2019
  1. 11:30
    Thank You for the Rain
    OVe 87' | UK, Norwegen, Kenia 2017 | Julia Dahr, Kisilu Musya | Dok

    Wie wird ein kenianischer Bauer zum internationalen Klimaaktivisten? Das Warten auf den Regen bestimmt Kisilus Alltag: In seine trockenen Felder reissen sich tiefe Furchen, das Essen für die Grossfamilie wird knapper und das Geld reicht nicht aus, um allen Kindern Schulunterricht zu ermöglichen. Als der ersehnte erste Tropfen fällt, zerstört ein Sturm ganze Häuser. Kisilu sieht sich bestärkt, die lokale Bevölkerung über den Klimawandel aufzuklären. Er greift selbst zur Kamera und hält fest, was die klimatischen Veränderungen mit seiner Lebensgrundlage machen und wie er dank freiwilliger Arbeit mit der Dorfgemeinschaft seine Existenz sichern will. Als er am Pariser Klimagipfel den Mächtigen der Welt von der Situation in Kenia berichten soll, wähnt er sich am Ziel: Kisilu bringt seine Botschaft der Hoffnung auf die internationale Politbühne. Doch seine Erwartungen kollidieren jäh mit den Interessen und der Lethargie der politischen Entscheidungsträger*innen. (nio)

    Einführung von Georg Klingler, Leiter Klima Greenpeace Schweiz

    VON INDIVIDUELLEN RECHTEN UND PLANETAREN PFLICHTEN (Engl.)
    Das erste Bild der Erde aus dem Weltraum hat die moderne Umweltbewegung begründet. 50 Jahre später macht uns der Klimawandel bewusst, dass unsere lokalen Handlungen Auswirkungen auf den Planeten haben. Die Astrophysikerin Ravit Helled lenkt in ihrem Vortrag den Blick weg vom Individuum hin zu den Planeten: Ändert das Wissen über die Planetenbildung und die Einzigartigkeit der Erde unsere individuellen Bedürfnisse und Haltungen? Ermöglicht ein planetares Denken, die grossen Zusammenhänge statt die kleinen Teile zu sehen?

    Nach dem Screening findet eine 20-minütige geführte Klimameditation statt mit Flavia Ghidossi
    Vortrag: Prof. Dr. Ravit Helled, Zentrum für Theoretische Astrophysik und Kosmologie, Universität Zürich

    Präsentiert mit Greenpeace Schweiz

  2. 13:00
    Truth Detectives
    OVe 90' | Deutschland 2017 | Anja Reiss | Dok

    «Digitale Ermittler» arbeiten in den Konfliktgebieten der Welt – in der Ukraine, Kolumbien, Israel, Syrien oder Mali. Sie programmieren Algorithmen, um vergessene Gräber im kolumbianischen Dschungel aufzuspüren, oder erstellen aus verschiedenen Bilderquellen 3D-Modelle einer Stadt, um Beweise für eine der tragischsten Eskalationen des Israel-Gaza-Krieges von 2014 zu erbringen. Sie sind Jurist*innen, Journalist*innen oder Aktivist*innen und tragen zusammen mit Betroffenen ihren Teil zur Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen bei. Von Satellitenbildern über Handyfotos bis hin zu Social Media-Posts nutzen sie moderne Technologien im Kampf für Gerechtigkeit. Mittels akribischer Rekonstruktion von Verbrechen bringen sie die Verantwortlichen zur Anklage und die Wahrheit ans Licht. (nio)

  3. 15:00
    What You Gonna Do When the World is on Fire?
    E 123' | USA 2018 | Roberto Minervini | Dok

    «Nowadays people don’t fight, they like to shoot», erklärt der 14jährige Rolando seinem kleinen Bruder Titus. Die beiden kurven durch ihr Quartier, erfinden Spiele und werden von ihrer Mutter gescholten, wenn sie zu spät nach Hause kommen. Vor dem Hintergrund eines brutalen Mordes durch den Ku Klux Klan begleitet Minervini die Bewohner*innen von New Orleans und schafft unvergessliche Bilder einer Gemeinschaft, die dem Rassenhass von Trumps Amerika entgegentritt. Die Anführerin der New Black Panther Bewegung skandiert «Black Power» und versucht gegen die weisse Übermacht zu mobilisieren. Verlorene Seelen treffen sich in einer Bar, wo die vom Leben gezeichnete Besitzerin die Nöte ihrer Freunde besingt. Kunstvoll navigiert Minervini zwischen den Perspektiven seiner Protagonist*innen und durchleuchtet ihren von Polizeigewalt und Rassismus geprägten Alltag. (slb)

  4. 15:30
    Maternal
    OVe 91' | Italien, Argentinien 2019 | Maura Delpero | Spielfilm

    In einem von Nonnen geführten Heim für Teenager-Mütter in Argentinien prallen zwei Welten aufeinander. Die Nonnen preisen die heilige Maria als mütterliches Idealbild. Für die Mädchen hingegen ist Mutterschaft verbunden mit ihren konfliktreichen Lebensgeschichten, fern von jungfräulicher Reinheit. Lu und ihre Tochter Nina finden im Heim Zuflucht, doch die freiheitsliebende Lu kommt mit den strengen Regeln, dem religiös geprägten Alltag und ihrer Mutterrolle nicht zurecht. Sie haut ab und überlässt Nina den Ordensschwestern und ihrer schwangeren Freundin Fati. Schwester Paola, gerade erst aus Italien angekommen, um hier ihr letztes Gelübde abzulegen, nimmt sich Nina an und steht bald vor einem Dilemma: Sie hat sich entschieden, niemals Kinder zu haben, nun führt Nina ihr vor Augen, was sie verpassen könnte. Maternal gibt Einblick in die vielen Facetten von biologischer und sozialer Mutterschaft – in einem Land, in dem Abtreibung noch immer illegal ist. (nio)

  5. 18:00
    Advocate
    OVe 110' | Israel, Kanada Schweiz 2019 | Rachel Leah Jones, Philippe Bellaiche | Dok

    «Losing lawyer», antwortet Lea Tsemel trocken in einem Fernsehinterview, als sie nach ihrem Beruf gefragt wird. Tatsächlich verteidigt die jüdische Anwältin seit Jahrzenten meist erfolglos palästinensische Angeklagte. Im besten Fall schafft sie es, dass geforderte Strafmass zu mildern. Trotzdem kämpft sie unermüdlich gegen die Willkür der israelischen Justiz und wählt ihre Klienten sorgsam aus. Das fesselnde Porträt begleitet Tsemel in einem von der israelischen Öffentlichkeit minutiös mitverfolgten Fall: Die Verteidigung von Ahmad Manasra, einem minderjährigen Palästinenser, der des Mordversuchs angeklagt ist. Ihr persönliches Engagement und den emotionalen Preis, den sie und ihre Familie zu zahlen bereit sind, zeigen die ideologische Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft. Zugleich zeigen sie, wieviel Kraft nötig ist, um inmitten dieses Spannungsfeldes die eigene Menschlichkeit zu bewahren. (slb)

    COURTING CONFLICTS: THE FIGHT AGAINST DISCRIMINATION OF PALESTINIAN DEFENDANTS (Engl.)
    Gespräch mit der Filmemacherin Rachel Leah Jones und Michael Warschawski (Aktivist und Ehemann von Lea Tsemel) über die Verteidigung von palästinensischen Angeklagten vor dem Hintergrund einer zerrissenen israelischen Gesellschaft.
    Moderation: Jenny Billeter

    Präsentiert mit Omanut

  6. 18:30
    One Child Nation
    OVe 85' | China, USA 2019 | Nanfu Wang, Jialing Zhang | Dok

    Nanfu wurde 1985 in der chinesischen Provinz geboren und lebt heute in New York. Als sie selber Mutter wird, beginnt sie, sich mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Sie stochert tief in den schlecht verheilten Wunden, welche die Ein-Kind-Politik in China hinterlassen hat. Schonungslos befragt sie ihre eigene Familie wie auch Täter*innen und Opfer eines sozialen Experiments, das zahlreiche Chines*innen zu Verbrechen verleiten liess – Frauen wurden zwangssterilisiert, neugeborene Mädchen wurden ausgesetzt oder als «Waisen» zur Adoption freigegeben. Durch die Montage von Interviews und Archivmaterial von Umerziehungsmethoden gelingt der Filmemacherin eine Abrechnung mit Chinas indoktrinierter Gesellschaft und einer Propaganda, die heute nicht weniger aggressiv ist: Seit 2016 werden chinesische Bürger*innen angespornt, zwei Kinder zu zeugen, um der Überalterung entgegenzuwirken. (slb)

  7. 20:30
    Talking About Trees
    OVd 93' | Frankreich, Sudan, Deutschland 2019 | Suhaib Gasmelbari | Dok

    Suleiman und seine drei Freunde haben alle im Exil Film studiert, nun sitzen die alt gewordenen Männer zusammen in Khartoum und schmieden Pläne. Ihr Traum ist es, neben den lose organisierten Vorführungen ihres Sudanesischen Filmklubs, das grosse «Revolution Kino» wieder in Betrieb zu nehmen und unter freiem Himmel bahnbrechende Filme wie Tarantinos Django Unchained zu zeigen. Öffentliches Kino ist im Sudan seit langem verboten und die Politik tut sich schwer mit einer Lockerung. Trotzdem klopfen die Filmfreunde unermüdlich an die Türen der Behörden und bieten der zermürbenden Bürokratie mit lakonischem Humor die Stirn.
    Für die vier cinephilen Männer, deren Karrieren durch Militärputsche vereitelt und deren Talent nie ausgeschöpft wurde, hat die Liebe zur siebten Kunst eine Dringlichkeit, die weit über das gemeinsame Vergnügen hinausgeht: Sie spiegelt die Unzufriedenheit eines Volkes, das sich nach kreativer Freiheit sehnt und in den jüngsten Demonstrationen einmal mehr gegen die repressive Führung aufbegehrt. (slb)

  8. 21:00
    Reconstructing Utoya
    OVe 98' | Schweden, Norwegen, Dänemark 2018 | Carl Javér | Dok

    Am 22. Juli 2011 erschoss ein rechtsradikaler Amokläufer 69 Jugendliche in einem Ferienlager der sozialdemokratischen Partei auf der norwegischen Insel Utøya. Rakel, Mohammed, Jenny und Torje sind Überlebende des Terroranschlags und versuchen sich sechs Jahre später ­– ­ im geschützten Raum eines Filmstudios und unter psychologischer Betreuung ­– zu erinnern. Zwölf Freiwillige stellen nach ihren Anweisungen die Ereignisse auf einem minimal mit weissem Klebeband markierten Boden nach, Schläge auf Metall symbolisieren die Schüsse. Die Teenager sind talentierte Erzähler*innen und schaffen eine packende filmische Traumabewältigung. Die Versuchsanordnung lässt viele Fragen offen, nicht zuletzt über den Erfolg der psychologischen Aufstellungsarbeit, und lässt uns teilhaben an diesem intimen Moment der Jugendlichen – dem Schwebezustand zwischen Leben und Tod, als sie auf der Insel blitzschnell eine Entscheidung treffen mussten. (slb)

Mo 9. Dez 2019
  1. 09:30
    Rafiki - Schulvorstellung
    OVd 83' | Kenya 2018 | Wanuri Kahiu | Spielfilm

    Kena und Ziki sind zwei Teenager aus dem kenianischen Nairobi und dicke Freundinnen, obwohl ihre Familien politisch entgegengesetzte Ansichten vertreten. Sie halten zusammen, wollen mehr und verlieben sich ineinander, was sie in ihrer konservativen Gesellschaft in Bedrängnis bringt. Der Spielfilm Rafiki war mit seiner Buntheit und Frische ein Hit beim Publikum am Festival von Cannes, wo er im Programm «Un certain regard» lief.

    Anschliessendes Filmgespräch auf Deutsch mit Anna Rosenwasser, Geschäftsführerin der Lesbenorganisation Schweiz (LOS)

  2. 10:00
    Minding the Gap - Schulvorstellung
    OVd 98' | USA 2018 | Bing Liu | Dok

    Schwungvoll brettert Bing Liu hinter seinen Freunden Zack und Keire durch heruntergekommene Parks, an bröckelnden Fassaden und leerstehenden Häusern vorbei. Für die Jungs aus ärmlichen Verhältnissen in Rockford, Illinois bildet die Skaterclique eine Art Ersatzfamilie. Als begeisterter Filmer fängt Bing das Leben seiner Freunde auch abseits des Skate-Parks ein: Zacks Alltag wird auf den Kopf gestellt, als seine Freundin Nina plötzlich schwanger wird. Keire ist auf der Suche nach seinem Platz in einer multikulturellen Gesellschaft. Und für Bing selbst wird es Zeit, seine Mutter mit einem dunklen Kapitel aus der eigenen Vergangenheit zu konfrontieren. MINDING THE GAP erzählt mit wunderbarer Lyrik von dem, was gemeinhin eine „schwierige“ Jugend genannt wird.

    Filmgespräch auf Englisch mit Oliver Percovich, Geschäftsführer von Skateistan präsentiert von der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation
    Moderation: Tim Bettermann

  3. 13:30
    Gods of Molenbeek - Schulvorstellung
    OVd 75' | Finnland, Belgien, Deutschland 2019 | Reeta Huhtanen | Dok

    Der sechsjährige Aatos lebt mit seiner finnischen Mutter und seinem chilenischen Vater im kulturell durchmischten Bezirk Molenbeek von Brüssel. Aatos und sein bester Freund Amin erkunden ihre kindlichen Welten bewohnt von Ahnen, Fabelwesen und Spiderman. Aatos beneidet Amin um seinen allwissenden Gott Allah und sucht nach einer eigenen Gottheit, die Antworten auf seine Fragen geben könnte. Die Kamera begleitet die Kinder auf ihren philosophischen Streifzügen auf Augenhöhe. Als Molenbeek von einem Terroranschlag erschüttert wird, entdecken die beiden Buben, wie sich schlagartig alles ändern kann: Nun sind die Strassen voll von bewaffneten Soldaten und Absperrungen, die Nachbarschaft demonstriert gegen die Diskriminierung, die den muslimischen Menschen plötzlich entgegenschlägt. Die Kinder verarbeiten die Geschehnisse auf spielerische Weise und ihre Freundschaft bleibt ungetrübt. (slb)

    Im Anschluss findet ein Filmgespräch statt.
    Moderation: Aline Juchler

  4. 14:00
    MATANGI/MAYA/M.I.A. - Schulvorstellung
    OVd 97' | Russland 2018 | Stephen Loveridge | Dok

    Matangi „Maya“ Arulpragasam, besser bekannt als M.I.A., flieht als Kind eines Mitbegründers der tamilischen Unabhängigkeitsbewegung mit ihrer Mutter aus Sri Lanka und verbringt ihre Kindheit in London, bevor sie als unkonventioneller Popstar die ganze Welt erobert. Das vorliegende Porträt ist genauso eklektisch und verspielt wie die Künstlerin selbst: Privates Archivmaterial, Immigrationsgeschichte, politische Statements, begeisternde Songs und provokative Bühnenshows verschmelzen zu einem inspirierenden Ganzen, an dem die Sängerin und ausgebildete Filmemacherin nicht unerheblich mitgewirkt hat.

    Anschliessendes Gespräch mit dem Schweizer Künstler, Entertainer, Rapper und Aktivisten Knackeboul, präsentiert von der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation
    Moderation: Tim Bettermann

  5. 18:00
    What You Gonna Do When the World is on Fire?
    E 123' | USA 2018 | Roberto Minervini | Dok

    «Nowadays people don’t fight, they like to shoot», erklärt der 14jährige Rolando seinem kleinen Bruder Titus. Die beiden kurven durch ihr Quartier, erfinden Spiele und werden von ihrer Mutter gescholten, wenn sie zu spät nach Hause kommen. Vor dem Hintergrund eines brutalen Mordes durch den Ku Klux Klan begleitet Minervini die Bewohner*innen von New Orleans und schafft unvergessliche Bilder einer Gemeinschaft, die dem Rassenhass von Trumps Amerika entgegentritt. Die Anführerin der New Black Panther Bewegung skandiert «Black Power» und versucht gegen die weisse Übermacht zu mobilisieren. Verlorene Seelen treffen sich in einer Bar, wo die vom Leben gezeichnete Besitzerin die Nöte ihrer Freunde besingt. Kunstvoll navigiert Minervini zwischen den Perspektiven seiner Protagonist*innen und durchleuchtet ihren von Polizeigewalt und Rassismus geprägten Alltag. (slb)

  6. 18:30
    Volunteer
    OVe 94' | Schweiz 2019 | Anna Thommen, Lorenz Nufer | Dok

    Wie bildet man eine Menschenkette, um Kinder auf der Flucht vom schwankenden Gummiboot aus ans Festland zu tragen? Wie schafft man es, eine Kiste Bananen «fair» und ohne Streit an Menschen zu verteilen, die nicht genug zu essen haben? Mit solchen Fragen sehen sich freiwillige Helfer*innen in Griechenland täglich konfrontiert. Die Antworten sind vielschichtig. Der neue Film von Anna Thommen (Neuland) und Lorenz Nufer begleitet Schweizer*innen, die dort mitanpacken, wo die Not besonders sichtbar ist: Am Ufer des Mittelmeers, wo täglich Hunderte von Menschen auf der Flucht ankommen. Ein Schweizer Bauer und seine Frau finden nach mehreren Einsätzen auf Lesbos nur schwer in ihren Alltag auf dem Hof zurück. Ein ehemaliger Kommandant der Armee nutzt seinen Ordnungssinn und baut eine der erfolgreichsten Flüchtlingsorganisationen auf. Die Protagonist*innen verbindet der Wille, Verantwortung für eine humanitäre Katastrophe zu übernehmen und die eigenen Privilegien nicht als selbstverständlich zu verstehen. (slb)

    KOSMOPOLITICS IM KOSMOS FORUM 20:15
    DARF SOLIDARITÄT BESTRAFT WERDEN?
    Gespräch mit dem Filmemacher Lorenz Nufer, den Protagonisten Michael Räber und Michael Grossenbacher, sowie Lisa Salza, Kampagnenleiterin von Amnesty International.
    Was muss geschehen, damit Staaten die Verantwortung für die Seenotrettung und die geretteten Menschen auf der Flucht übernehmen? Wie gehen freiwillige Helfer*innen mit dem Spannungsfeld zwischen Solidarität und der Angst vor Kriminalisierung um? Welche Fragen zu Schuld und Mitverantwortung werden uns die Nachfolgegenerationen stellen?
    Moderation: Noëmi Landolt (Journalistin WOZ)

    Präsentiert mit Amnesty International

  7. 20:30
    Los Silencios
    OVdf 89' | Brasilien, Kolumbien, Frankreich 2019 | Beatriz Seigner | Spielfilm

    Die kleine Nuria flüchtet mit ihrer Mutter und ihrem Bruder vor den Kriegswirren in Kolumbien auf eine kleine Insel im Amazonas. Nach einer Weile gesellt sich auch der Vater zu ihnen, der seit einem durch Ölbohrungen verursachten Landrutsch vermisst wurde. Die Bewohner*innen der Insel beobachten die Neuankömmlinge mit einer Mischung aus Argwohn und Mitgefühl. Nuria taucht ein in die Nacht und trifft auf ein mysteriöses Mädchen, das sie zur einer Versammlung von Geistern einlädt.
    Die brasilianische Regisseurin Beatriz Seigner erzeugt mit fantasievollen Bildkompositionen, Farbtönen und Naturklängen eine traumähnliche Stimmung. Sie seziert die Gefühlslagen eines entwurzelten Volkes, dessen kollektiver Schmerz allmählich schwächer wird und Raum für eine Versöhnung lässt. (slb)

    NACH DEM KRIEG – KOLUMBIENS LANGER WEG ZUM FRIEDEN (Engl.)
    Diskussion mit Arancha García del Soto, Koordinatorin der Arbeit der Kolumbianischen Wahrheitskommission mit Überlebenden in Europa. Wo steht der Friedensprozess in Kolumbien? Wie werden Betroffene in die Arbeit der Wahrheitskommission einbezogen?
    Moderation: Nicola Diday, Mitarbeiter Vergangenheitsarbeit swisspeace.

  8. 21:00
    Another Day of Life
    OVe 86' | Polen, Spanien 2018 | Raúl de la Fuente, Damian Nenow | Doku Animation

    Während in Angola 1975 die portugiesischen Kolonialherren abziehen, begibt sich der polnische Reporter Ryszard Kapuściński auf einen lebensgefährlichen Roadtrip. Im Süden des Landes ist angesichts des Machtvakuums ein Bürgerkrieg entbrannt, den Kapuściński um jeden Preis dokumentieren will. Wo sich die sozialistische MPLA und die Befreiungsbewegung FNLA mit internationaler Unterstützung unerbittliche Kämpfe liefern, wird Kapuściński Zeuge der blutigen Kriegsrealität. An der Front erkennt er wie machtlos er als Journalist ist. Trotzdem folgt er dem Drang, von diesem grausamen Schauplatz des Kalten Krieges zu erzählen. Ein Film zwischen Fiktion und Wirklichkeit, ein Reporter gefangen zwischen Geltungsdrang und journalistischem Ethos. (nio)

Di 10. Dez 2019
  1. 09:30
    Gods of Molenbeek - Schulvorstellung
    OVd 75' | Finnland, Belgien, Deutschland 2019 | Reeta Huhtanen | Dok

    Der sechsjährige Aatos lebt mit seiner finnischen Mutter und seinem chilenischen Vater im kulturell durchmischten Bezirk Molenbeek von Brüssel. Aatos und sein bester Freund Amin erkunden ihre kindlichen Welten bewohnt von Ahnen, Fabelwesen und Spiderman. Aatos beneidet Amin um seinen allwissenden Gott Allah und sucht nach einer eigenen Gottheit, die Antworten auf seine Fragen geben könnte. Die Kamera begleitet die Kinder auf ihren philosophischen Streifzügen auf Augenhöhe. Als Molenbeek von einem Terroranschlag erschüttert wird, entdecken die beiden Buben, wie sich schlagartig alles ändern kann: Nun sind die Strassen voll von bewaffneten Soldaten und Absperrungen, die Nachbarschaft demonstriert gegen die Diskriminierung, die den muslimischen Menschen plötzlich entgegenschlägt. Die Kinder verarbeiten die Geschehnisse auf spielerische Weise und ihre Freundschaft bleibt ungetrübt. (slb)

  2. 10:00
    Les Misérables - Schulvorstellung