HRFF Zurich
Programmübersicht
Do 1. Dez 2022
  1. 18:30
    Continental Drift (South)
    Do. 1. Dez.
    Fd 90' | Schweiz, Frankreich 2022 | Lionel Baier | Dok

    Nathalie Adler reist im Auftrag der EU durch Sizilien, um den Besuch von Macron und Merkel – Codename M&M's – in einem Camp für Geflüchtete vorzubereiten. Deren Präsenz ist von hohem Symbolwert und soll zeigen, dass die Lage unter Kontrolle ist. Doch wer glaubt noch wirklich an den Zusammenhalt der europäischen Familie, deren Mitglieder sich gegenseitig die Schuld zuschieben? Nathalies Sohn jedenfalls nicht: Albert arbeitet als Freiwilliger für eine NGO, taucht aus heiterem Himmel in Süditalien auf und will seine Mutter zur Rechenschaft ziehen. Noch immer verletzt, weil sie in seiner Kindheit mit einer Frau durchbrannte, empfindet er die steile Karriere seiner Mutter als abstossend und verlogen. Ihr Wiedersehen nach vielen Jahren Funkstille gestaltet sich noch explosiver als Nathalies diplomatisches Unterfangen: Sie muss die ranghohe Delegation davon überzeugen, dass es den Menschen auf der Flucht auch wirklich mies geht und das Lager weiterhin finanzielle Unterstützung braucht. Lionel Baier wagt viel mit dieser dunklen Mischung aus Drama und Komödie und spiegelt gnadenlos die Scheinheiligkeit und das Versagen der europäischen Flüchtlingspolitik. Die verästelten Identitätskrisen seiner Figuren verkörpert das charismatische Schauspielensemble mit Bravour! (slb)

    OPENING NIGHT
    BEGRÜSSUNGSWORTE
    Sascha Lara Bleuler, Direktorin HRFF Zurich
    Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zurich
    Rebekka Fässler, Co-Direktorin Kultur, Stadt Zürich

  2. 20:30
    Rotzloch
    Do. 1. Dez.
    Od 96' | Schweiz 2022 | Maja Tschumi | Dok

    Am Ende eines Steinbruchs, an einem gottverlassenen Ort namens Rotzloch, beginnt für vier junge Männer ein neues Leben. Nach langer Flucht versuchen sie von hier aus wieder Boden unter die Füsse zu kriegen. Sie sehnen sich vor allem nach Kontakt zu Frauen, nach Begegnungen, Liebe und Sex. Dabei treffen sie auf eine andere Kultur und geraten in Konflikte, von denen sie nichts geahnt haben. Im Film suchen sie einen Umgang mit der neuen Realität, aber auch mit sich selbst, mit ihrer Männlichkeit und ihrer Sexualität. (Distant Lights GmbH)

    Im Anschluss Gespräch mit der Filmemacherin Maja Tschumi
    Moderation: Dominic Schmid, Journalist WOZ

Fr 2. Dez 2022
  1. 10:00
    Where is Anne Frank? - Schulvorstellung
    Fr. 2. Dez.
    Odf 99' | Belgien, Luxembourg, Frankreich, Niederlande, Israel 2021 | Ari Folman | Animationsfilm

    Während des Zweiten Weltkriegs schrieb Anne Frank in ihrem Tagebuch an ihre imaginäre Freundin Kitty. 75 Jahre später erwacht diese auf magische Weise zum Leben. Verwirrt macht sich die 13-Jährige mit dem Tagebuch in der Hand im heutigen Amsterdam auf die Suche nach Anne, wird aber für ihre Recherche nur ausgelacht. Der Einzige, der ihr hilft, ist der Taschendieb Peter. Durch ihn erfährt Kitty, wie Migrant:innen im Land ausgegrenzt werden oder in Lagern auf eine Abschiebung warten müssen. Sie ist entsetzt und heckt einen Plan aus, um den Menschen zu helfen. Regisseur Ari Folman erweckt in diesem genauso originellen wie grandios gestalteten Animationsfilm die Geschichte von Anne Frank neu zum Leben und erinnert, dass ihre Botschaft auch in der heutigen Flüchtlingskrise nicht an Aktualität eingebüsst hat. (ZFF 2021)

    Anschliessende Diskussion mit Giulia Reimann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin / Stv. Leiterin der Eidgenössische Kommission gegen Rassismus EKR, und Stephanie Graetz-Pollak, Geschäftsleiterin der Stiftung GRA.
    Moderation: Lea Bloch
    In Kooperation mit der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation Switzerland

  2. 13:30
    Where is Anne Frank? - Schulvorstellung
    Fr. 2. Dez.
    Odf 99' | Belgien, Luxembourg, Frankreich, Niederlande, Israel 2021 | Ari Folman | Animationsfilm

    Während des Zweiten Weltkriegs schrieb Anne Frank in ihrem Tagebuch an ihre imaginäre Freundin Kitty. 75 Jahre später erwacht diese auf magische Weise zum Leben. Verwirrt macht sich die 13-Jährige mit dem Tagebuch in der Hand im heutigen Amsterdam auf die Suche nach Anne, wird aber für ihre Recherche nur ausgelacht. Der Einzige, der ihr hilft, ist der Taschendieb Peter. Durch ihn erfährt Kitty, wie Migrant:innen im Land ausgegrenzt werden oder in Lagern auf eine Abschiebung warten müssen. Sie ist entsetzt und heckt einen Plan aus, um den Menschen zu helfen. Regisseur Ari Folman erweckt in diesem genauso originellen wie grandios gestalteten Animationsfilm die Geschichte von Anne Frank neu zum Leben und erinnert, dass ihre Botschaft auch in der heutigen Flüchtlingskrise nicht an Aktualität eingebüsst hat. (ZFF 2021)

    Anschliessende Diskussion mit Giulia Reimann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin / Stv. Leiterin der Eidgenössische Kommission gegen Rassismus EKR.
    Moderation: Lea Bloch
    In Kooperation mit der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation Switzerland

  3. 14:00
    Un Triomphe - Schulvorstellung
    Fr. 2. Dez.
    Fd 107' | Frankreich 2020 | Emmanuel Courcol | Spielfilm

    Étienne ist leidenschaftlicher Schauspieler, doch damit kommt er nicht über die Runden. Da er von Rollenangeboten nicht gerade überhäuft wird, übernimmt er die Leitung eines Theaterworkshops in einem Gefängnis. Überrascht vom Talent dieser ungleichen Truppe, beschliesst er, Becketts «Warten auf Godot» ausserhalb der Gefängnismauern zu inszenieren. Energisch kämpft er dafür, dass die Häftlinge für die Aufführungen das Gefängnis jeweils unter Aufsicht verlassen dürfen. Eine triumphale Tournee beginnt. Mit jeder Probe und jedem Bühnenauftritt vertieft sich die Freundschaft zwischen dem Regisseur und den Gefangenen. Étienne darf endlich beruflichen Erfolg feiern, aber die Tournee bietet nicht nur ihm wunderbare Möglichkeiten … Inspiriert von wahren Begebenheiten, erzählt Regisseur Emmanuel Courcol eine berührende Geschichte mit Herz und Humor. Kad Merad brilliert in der Hauptrolle dieser unterhaltsamen und spritzigen Komödie.(Filmcoopi)

    Moderation: Sandrine Charlot-Zinsli, aux arts etc... und Barbara Peyer, Lehrerin im Strafvollzug

    In Zusammenarbeit mit aux arts etc...

  4. 18:00
    Vera Dreams of the Sea
    Fr. 2. Dez.
    OVe 87' | Kosovo, Mazedonien 2021 | Kaltrina Krasniqi | Spielfilm

    Als Gebärdensprachdolmetscherin spricht Vera oft für andere, selten für sich selbst. Der Suizid ihres Mannes löst in ihrer Familie und in ihrem kosovarischen Dorf einen Schock aus – und weckt bei Vera den Willen, endlich für sich einzustehen. Denn es dauert nicht lange, bis männliche Verwandte auftauchen und Anspruch auf den Familienbesitz erheben. Im Kosovo erben Frauen keine Häuser. Doch Vera hat nicht im Sinn, sich diesen überholten Traditionen zu beugen – auch, weil direkt daneben eine neue Autobahn entsteht, die den Wert in die Höhe schnellen lässt. Für sie ist klar: Das Haus soll die finanzielle Zukunft ihrer Tochter sichern. Konfrontiert mit konservativen Geschlechterrollen, Korruption und alten Spannungen in der Familie, mischt sich Veras Trauer schnell mit Angst und Misstrauen. Sie beschliesst zu kämpfen und dem maroden männerdominierten System die Stirn zu bieten. (nio)

    BEGRÜSSUNGSWORTE
    Léo Kaneman, Ehrenpräsident HRFF Zurich
    Sibylle Obrist, Stabschefin Abteilung Frieden und Menschenrechte, EDA

    FEMINISTISCHER WANDEL IM WESTBALKAN (Engl.)
    In vielen Gegenden der Welt stossen Frauen nach wie vor auf uralte, festgefahrene patriarchale Strukturen. Traditionelle Abläufe berauben die Frauen ihrer Menschen- und Grundrechte trotz rechtstaatlicher Strukturen. Wie werden die Rechte der Frauen entgegen der Tradition garantiert? Es diskutieren Zana Hoxha (Kosova Womens Network, Gründerin Femart Festival) und Adelina Gashi (Journalistin).
    Moderation: Dana Landau

    Präsentiert mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA

  5. 18:30
    Among Us Women
    Fr. 2. Dez.
    OVe 92' | Deutschland, Äthiopien | Sarah Noa Bozenhardt, Daniel Abate Tilahun | Dok

    Warum finden in Äthiopien Geburten oft zuhause statt? Beispielsweise weil das Benzin für die Ambulanz fehlt. Auf dem Land ist der Anfang des Lebens oft gefährlich und mit Entbehrungen verbunden. Eine Vorschau auf den Alltag, der danach kommt. Es fehlt an Infrastruktur und medizinischem Personal, aber auch an Wissen und einer konstruktiven Verknüpfung von traditioneller Hebammenarbeit und moderner Medizin. Auch Hulu Ager hat wenig Vertrauen ins Geburtshaus, das eigentlich dafür geschaffen wurde, die Müttersterblichkeit zu bekämpfen. Unaufgeregt und oft humorvoll zeigt die Dokumentation den herausfordernden Alltag der 25-Jährigen, die ihr viertes Kind erwartet. Die Kamera ist dabei, wenn sie sich mit Freundinnen beim Friseur über die Qualität ihres Sexlebens unterhält, bei den Schwangerschaftskontrollen und schliesslich auch bei der Geburt. Ein intimes, von weiblicher Solidarität und Ruhe geprägtes Ereignis, das deutlich macht: Für einmal haben die Frauen das Sagen. (nio)

    MEDIZINISCHE AUFKLÄRUNG VON TRADITIONELLEN GEBURTSHELFERINNEN
    Medizinische Betreuung rund um die Geburt kann Leben retten. Traditionelle Auffassungen und fehlendes Wissen führen dazu, dass sich Frauen in Äthiopien oft vor einer Klinikgeburt fürchten. Anigna Waldegg (Pflegefachfrau, MSF), Christina Blecher (Green Lamp) und Sonja Kilbertus (Produzentin) diskutieren, wie mit Aufklärung und gezielter Zusammenarbeit mit lokalen Hebammen Geburtshilfe verbessert werden kann.
    Moderation: Flavia Giorgetta

    Präsentiert mit Médecins Sans Frontières

  6. 20:30
    The Return: Life after ISIS
    Fr. 2. Dez.
    OVe 90' | Spanien, UK 2021 | Alba Sotorra Clua | Dok

    Desillusioniert von ihrem Leben im Westen wollten sie helfen, einen neuen Staat zu errichten: europäische Musliminnen und Konvertitinnen, die – von der Propaganda des Islamischen Staats (IS) verführt – nach Syrien und in den Irak auswanderten. Der IS kontrollierte dort ein Gebiet, auf dem er 2014 ein «Kalifat» ausrief. Doch die Versprechungen des IS erwiesen sich als leer, der «Gottesstaat» zerfiel 2019 nach blutigen Kämpfen. Zurück blieben auch die IS-Frauen und ihre Kinder, die niemand mehr wollte: weder Syrien noch der Irak, die den IS mit ausländischer Hilfe bezwangen, noch die europäischen und nordamerikanischen Herkunftsländer der IS-Frauen. Dort reagierten Öffentlichkeit und Medien mit heftiger Ablehnung. Gewisse westliche Länder entzogen ihnen gar die Staatsbürgerschaft und machten sie damit staatenlos. Gestrandet in kurdischen Flüchtlingslagern kämpfen die Frauen bis heute mit den Schatten ihrer Vergangenheit und für eine Rückkehr in ihre alte Heimat. Unterstützt werden sie dabei ausgerechnet von Kurd:innen, die den IS zuvor heftig bekämpften. (luk)

    REHABILITATION AND ACCOUNTABILITY (Engl.)
    Im Anschluss sprechen Letta Tayler, Associate Director der Abteilung Krisen und Konflikte bei Human Rights Watch und Azadeh Moaveni, iranisch-amerikanische Akademikerin, Journalistin und Autorin von «Guest House for Young Widows: Among the Women of ISIS», in einem Zoom-Gespräch darüber, weswegen es für westliche Regierungen aus sicherheitspolitischer, menschenrechtlicher und moralischer Perspektive angebracht ist, ihre Staatsangehörigen nach Hause zu holen.
    Moderation: Marguerite Meyer, Journalistin

    Präsentiert mit Human Rights Watch

  7. 21:00
    Casablanca Beats
    Fr. 2. Dez.
    OVe 101' | Marokko, Frankreich 2021 | Nabil Ayouch | Spielfilm

    Früher hat Anas sein Geld als Rapper verdient, nun arbeitet er als Lehrer im Jugendzentrum von Sidi Moumen. Der Aussenbezirk von Casablanca gilt als Nährboden für Terrorismus und ist bisher nicht für seine Hip-Hop-Szene bekannt. Anas hat ein Gespür für das Potenzial der Jugendlichen und für Musik als Ventil: «Lauft nicht vor eurer Realität davon!», fordert er sie auf. Denn er kennt die Konsequenzen von Armut, fehlenden Perspektiven und einem Leben auf engstem Raum selber nur zu gut. In seinem Kurs treffen streng religiöse Ansichten und ein konservatives Frauenbild auf den Freiheitsdrang und die Kreativität einer rebellischen Generation. Anas kennt keine Tabus und fordert sowohl die schüchternen wie auch die selbstbewussten Schützlinge heraus, ihre wunden Punkte zu finden, um sie in schlagkräftige Liedzeilen zu verwandeln. Sie kreieren eine wilde Mischung aus französischen, berberischen und englischen Songzeilen und finden nach und nach ihre Stimme. Als empörte Eltern ihre Tochter aus dem Unterricht holen, wird endgültig klar: Anas Weckruf kommt nicht bei allen gut an. Die Standpauke seiner Vorgesetzten lässt nicht lange auf sich warten und auch innerhalb der Gruppe lassen sich die Spannungen nicht aus dem Weg rappen. (nio)

Sa 3. Dez 2022
  1. 11:30
    Into the Ice
    Sa. 3. Dez.
    OVe 85' | Dänemark, Deutschland 2022 | Lars Ostenfeld | Dok

    Abenteuer und Forschung liegen auf dem Grönländischen Eisschild nahe beieinander. Wenn sich ein Glaziologe fast 200 Meter tief in eine Gletschermühle abseilt, scheint der Nervenkitzel im Vordergrund zu stehen. Die Bilder sind spektakulär: Eisformationen wie gefrorene Wasserwirbel winden sich in die scheinbar endlose Tiefe. Es knackt und knarzt im Eis. Da wird es selbst dem erfahrenen Forscher mulmig. Doch der Hintergrund des Abenteuers ist ernst: Into the Ice porträtiert eine Glaziologin und zwei Glaziologen, die das Schmelzen und die Bewegung des Eises besser verstehen wollen. Mit Untersuchungen direkt auf dem und im Eis ergänzen sie bisherige Messungen mit Radar und Satelliten. Befindet sich auch im Winter Wasser unter dem Gletscher? Wie setzen sich die Eisschichten zusammen? Welchen Einfluss haben zunehmender Schneefall und Regen? Die Erkenntnisse der Forscher:innen könnten bisherige Prognosen zum Anstieg des Meeresspiegels über den Haufen werfen. Mit Konsequenzen für Millionen von Küstenbewohner:innen auf der ganzen Welt. (luk)

    ON THIN ICE – WAS BEDEUTET DIE EISSCHMELZE FÜR UNSERE ZUKUNFT?
    Nach einer kritischen Würdigung des Films widmen sich Mylène Jacquemart (Glaziologin) und Marcel Hänggi (Initiant der Gletscherinitiative) dem Zustand des Eises weltweit und in der Schweiz. Wie steht es um «unsere» Eismassen, die Gletscher? Was sind die Folgen des Eisschwunds und was kann dagegen getan werden? Wo stehen wir bei der Klimapolitik in der Schweiz?Moderation: Georg Klingler, Greenpeace Schweiz

    Präsentiert mit Greenpeace Schweiz

  2. 13:00
    Vera Dreams of the Sea
    Sa. 3. Dez.

    Tickets
    Wiederholung ohne Gäste

    OVe 87' | Kosovo, Mazedonien 2021 | Kaltrina Krasniqi | Spielfilm

    Als Gebärdensprachdolmetscherin spricht Vera oft für andere, selten für sich selbst. Der Suizid ihres Mannes löst in ihrer Familie und in ihrem kosovarischen Dorf einen Schock aus – und weckt bei Vera den Willen, endlich für sich einzustehen. Denn es dauert nicht lange, bis männliche Verwandte auftauchen und Anspruch auf den Familienbesitz erheben. Im Kosovo erben Frauen keine Häuser. Doch Vera hat nicht im Sinn, sich diesen überholten Traditionen zu beugen – auch, weil direkt daneben eine neue Autobahn entsteht, die den Wert in die Höhe schnellen lässt. Für sie ist klar: Das Haus soll die finanzielle Zukunft ihrer Tochter sichern. Konfrontiert mit konservativen Geschlechterrollen, Korruption und alten Spannungen in der Familie, mischt sich Veras Trauer schnell mit Angst und Misstrauen. Sie beschliesst zu kämpfen und dem maroden männerdominierten System die Stirn zu bieten. (nio)

  3. 15:00
    Among Us Women
    Sa. 3. Dez.

    Tickets
    Wiederholung ohne Gäste

    OVe 92' | Deutschland, Äthiopien | Sarah Noa Bozenhardt, Daniel Abate Tilahun | Dok

    Warum finden in Äthiopien Geburten oft zuhause statt? Beispielsweise weil das Benzin für die Ambulanz fehlt. Auf dem Land ist der Anfang des Lebens oft gefährlich und mit Entbehrungen verbunden. Eine Vorschau auf den Alltag, der danach kommt. Es fehlt an Infrastruktur und medizinischem Personal, aber auch an Wissen und einer konstruktiven Verknüpfung von traditioneller Hebammenarbeit und moderner Medizin. Auch Hulu Ager hat wenig Vertrauen ins Geburtshaus, das eigentlich dafür geschaffen wurde, die Müttersterblichkeit zu bekämpfen. Unaufgeregt und oft humorvoll zeigt die Dokumentation den herausfordernden Alltag der 25-Jährigen, die ihr viertes Kind erwartet. Die Kamera ist dabei, wenn sie sich mit Freundinnen beim Friseur über die Qualität ihres Sexlebens unterhält, bei den Schwangerschaftskontrollen und schliesslich auch bei der Geburt. Ein intimes, von weiblicher Solidarität und Ruhe geprägtes Ereignis, das deutlich macht: Für einmal haben die Frauen das Sagen. (nio)

  4. 15:30
    Alis
    Sa. 3. Dez.
    OVe 84' | Kolumbien, Chile, Rumänien | Clare Weiskopf, Nicolas van Hemelryck | Dok

    In einem Heim finden Teenager:innen Zuflucht vor der Gewalt und dem Überlebenskampf auf den Strassen von Bogotá. Wer ohne Perspektiven zur Welt kommt, hat es schwer, sich eine Zukunft vorzustellen – doch manchmal hilft das Eintauchen in die eigene Fantasie. Es ist eine schlichte Idee, die diese intime Geschichte vom Erwachsenwerden trägt: die Jugendlichen sitzen auf einem Stuhl, die Kamera frontal auf sie gerichtet und mit geschlossenen Augen malen sie sich eine fiktive Freundin aus. Jede Protagonistin trägt mit ihren Anekdoten und Antworten auf die Fragen der Filmemacher:innen zu einem immer komplexer werdenden Bild von «Alis» bei. Die Figur wird so zur Projektionsfläche für vergangene Erlebnisse, unerfüllte Wünsche und Zukunftsträume. Über die imaginäre Identität von «Alis» finden sie Worte für Missbrauch, Traumata und Einsamkeit und können ausdrücken, wofür es sich heute zu kämpfen lohnt – für die Liebe, für Freiheit und für Anerkennung in der Gesellschaft. (nio)

    ZWISCHEN TRÜMMERN UND TRÄUMEN – WEGE ZUR TRAUMABEWÄLTIGUNG (Engl.)
    Die Filmemacher:innen Clare Weiskopf und Nicolas van Hemelryck diskutieren mit Virginia León Torrez (Literaturwissenschafterin Universität Zurich) über die prekäre Situation von jungen Frauen in Lateinamerika und zeigen mögliche Heilungsprozesse von Missbrauchsopfern auf. Wie kann Figuren- und therapeutische Arbeit helfen, die eigene schmerzvolle Vergangenheit zu überwinden und ein neues Leben in Angriff zu nehmen?
    Moderation: Rachele Airoldi Asturias

    Gewinnerfilm Prix Célestine von Interfilm Schweiz

  5. 18:00
    Ascension
    Sa. 3. Dez.
    OVe 97' | USA 2021 | Jessica Kindon | Dok

    Die Plastikfrau schaut in die Kamera, die Pupillen starr, der Mund aufgerissen – wie ein stummer Schrei wirkt dieses Bild. Dann vervollständigt eine chinesische Arbeiterin mit versierten Handgriffen ihr Werk: Sie bemalt die Lippen, färbt die Augen grün, leimt die Vagina – alles nach westlichem Vorbild auf dem Handydisplay. Es entsteht eine Sexpuppe für den globalen Markt – eine von vielen denkwürdigen Szenen in dieser künstlerisch ambitionierten Dokumentation. In einem grössenwahnsinnigen Wasserpark vergnügen sich Menschenmassen, Soldat:innen üben perfekt choreografierte Paraden. Die Bilder bleiben unkommentiert und hinterlassen ein Gefühl, dass das Individuum wenig zählt. Schnitt, Sounddesign und Bildsprache fügen sich zu einer beeindruckenden Collage chinesischer Produktionsketten und Alltagsszenen: Sie zeigen die Menschen ganz unten, die für 2.99 Dollar pro Stunde schuften, sowie die Manager:innen ganz oben, die dank weltweitem Konsumwahn zu Milliardär:innen geworden sind. (slb)

    «FORTSCHRITT» AUF KOSTEN VON ARBEITS- UND MENSCHENRECHTEN
    Nirgendwo werden die Folgen unserer Fortschrittsgläubigkeit und den damit verbundenen Problemen deutlicher als in China, wo Produktivität und Massenkonsum über allem stehen. Bernhard Herold (ehem. Programmverantwortlicher Asien, Solidar) und Thomas Braunschweig (Experte Handelspolitik, Public Eye) diskutieren, wie sich unser Konsumverhalten und weltweite Lieferketten auf das Klima und soziale Ungleichheiten auswirken und warum die Verantwortung für würdige Arbeitsbedingungen auch in China bei uns allen liegt.
    Moderation: Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zurich

    Präsentiert mit Solidar Suisse und Public Eye

  6. Sa. 3. Dez.
    OVe 85' | Tschechien, Norwegen, Slowakei 2022 | Veronika Lišková | Dok

    Es sei kein Ort zum Bleiben, sagt ein Mann über seine Heimat, das Dorf Longyearbyen auf Spitzbergen. Kalt und unwirtlich ist es hier, die meisten machen sich nach ein paar Jahren wieder davon. Insbesondere seit viele Kohleminen stillgelegt wurden und Tourist:innen das abgelegene Archipel überrennen. Die norwegische Inselgruppe im Arktischen Ozean und ihre gut 2’500 Bewohner:innen sind in ständigem Wandel. Nicht nur das Eis schmilzt auf Spitzbergen rasant, auch die Toleranz für die internationale Gemeinschaft auf der Insel scheint zu schwinden. Die Regierung in Oslo will die Bevölkerung «norwegischer» machen. Dies obwohl der Spitzbergenvertrag von 1925 allen Bürger:innen der Vertragsstaaten gleiche Rechte auf Arbeit und Handel einräumt – und dadurch auch auf Wohnsitz. Das sorgt bei den Zugezogenen für Unmut. Die tschechische Anthropologin Zdenka Sokolíčková misst der äusserst heterogenen Gemeinschaft Longyearbyens den Puls. Und ringt selbst mit der Frage, ob sie und ihre junge Familie in ihrer Wahlheimat im hohen Norden eine Zukunft haben. (luk)

    VULNERABILITY & POLITICAL EXCLUSION (Engl.)
    Im Anschluss an den Film diskutieren die Filmemacherin Veronika Lišková und die visuelle Anthropologin Darcy Alexandra (Universität Bern) über menschliche Verletzlichkeit angesichts des Klimawandels und wirtschaftlicher Umwälzungen. Wieso führt die Erfahrung des Ausgeliefertseins zu einem Rückfall auf nationale Identität und zur Spaltung von Gemeinschaften wie jener von Spitzbergen?
    Moderation: Emanuel Schäublin, Vorstand HRFF Zurich

  7. 20:30
    The Hamlet Syndrome
    Sa. 3. Dez.
    OVe 85' | Polen, Deutschland 2022 | Elwira Niewiera, Piotr Rosołowski | Dok

    «The problem of overthinking and lack of action. It often causes intelligent individuals to be unsuccessful and live a sad and unproductive life»: Das ist das Hamlet-Syndrom. Ausgangspunkt des Films ist eine Neuinszenierung des Shakespeare-Klassikers, in der eine ukrainische Theaterregisseurin uns auf eine Reise auf der Suche nach dem modernen Hamlet mitnimmt. Sie will den Stoff mit persönlichen Lebensentwürfen konfrontieren, um zu verstehen, wofür ein Mensch bereit ist zu kämpfen, wenn er sagt: Sein oder Nichtsein? Tun oder nicht tun?
    Der Film zeichnet das Porträt einer jungen Generation von Ukrainer:innen, die sich Zweifeln, Ängsten und Hoffnungen stellt. Die persönlichen Erfahrungen der «Maidan-Generation» und die Traumata aus dem Krieg im Donbass drängen im Verlaufe des Arbeitsprozesses immer wieder an die Oberfläche. Dank einer dynamischen Montage sowie der Verflechtung von dokumentarischer Beobachtung und Bühneninszenierung nimmt das Publikum am Probengeschehen teil. Die Bühne wird zum Raum für Bekenntnisse, der Kinoraum öffnet sich zur Selbstbefragung und die Worte «Sein oder Nichtsein» bekommen unter diesen Kriegsbedingungen eine ganz neue Bedeutung – hier und jetzt. (Ruth Baettig, Semaine de la Critique, Locarno Film Festival)

    Im Anschluss Gespräch mit den Filmemacher:innen Elwira Niewiera und Piotr Rosołowski.
    Moderation: Till Brockmann, Semaine de la Critique Locarno Film Festival

    Präsentiert mit dem Film Festival Diritti Umani Lugano

  8. 21:00
    NEU: Melinda Nadj Abonji & Jurczok 1001 – Lidija Burčak ABGESAGT!
    Sa. 3. Dez.

    Eintritt frei

    D 45' | diverse | Melinda Nadj Abonji & Jurczok 1001 | Text Performance mit Musik

    Die Performance von Lidija Burčak NÖD US ZUCKER – EXTENDED wurde aus gesundheitlichen Gründen abgesagt.
    Wir schätzen uns glücklich, dass wir extrem kurzfristig zwei wunderbare wortgewandte Künstler:innen buchen konnten: Melinda Nadj Abonji & Jurczok 1001

    Seit 1998 arbeiten die Autorin, Musikerin und Textperformerin Melinda Nadj Abonji und der Spoken Word-Künstler und Sänger Jurczok 1001 an einer eigenständigen Bühnensprache aus kurzen Erzählungen, Spoken Word-Texten, Elektrischer Geige, Gesang, Human Beatbox und Loops.

    Über die Jahre haben sie vom gemeinsamen Theaterstück, über eine gemeinsame CD bis hin zur Romanlesung mit Musik ganz unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit erprobt. Konstant haben sie dabei ihre Verschiedenheit herausgearbeitet, Brüche und Reibungen in ihrer Arbeitsweise verstärkt und sich damit einen Ruf als virtuose Sprachartisten gemacht. Zuletzt hat Jurczok die Lesungen aus den beiden preisgekrönten Romanen „Tauben fliegen auf“ und „Schildkrötensoldat“ mit filigranen Gesangs- und Beatboxloops begleitet.

    Ihre genreübergreifende Zusammenarbeit ist einmalig in der deutschsprachigen Literatur. Ihr Mut zur Innovation wurde mit Einladungen an zahlreiche internationale Literaturfestivals und Sprechbühnen belohnt. So haben sie ihre Performances u.a. an der Volksbühne Berlin, an der Leipziger Buchmesse, in der Villa Aurora in Los Angeles oder an den Solothurner Literaturtagen gezeigt.

    EINTRITT FREI | KOSMOS KLUB
    Fotos: Andreas Greber, Gaëtan Bally

  9. 21:00
    Freda
    Sa. 3. Dez.
    OVe 93' | Haiti, Benin, Frankreich 2021 | Gessica Généus | Spielfilm

    Der Song «Should I stay or should I go» würde gut zur emotionalen Zerrissenheit der Protagonistin Freda passen: Die schlagfertige 20-Jährige lebt mit ihrer Mutter und Schwester in Port-au-Prince und versucht sich mit dem von Erdbeben, Armut, Korruption und kolonialen Altlasten gebeutelten Alltag zu arrangieren. Ihr Freund will sie überreden, wie viele junge Haitianer:innen, die Halbinsel zu verlassen und sich eine neue Heimat mit besseren wirtschaftlichen Aussichten zu suchen. Die weibliche Heldin schaut mit kritischem Blick auf ein System, das stets Männern den Vortritt lässt und muss mitansehen, wie ihre Schwester keine weiteren Ambitionen hat als einen reichen Mann zu finden. Gessica Généus verwebt gekonnt die fiktionalisierte Geschichte mittels Archivmaterial mit den aktuellen politischen Unruhen Haitis. Ein Film von grosser Virtuosität, der seine Schauspieler:innen feiert und von Haiti ins Oscar-Rennen geschickt wurde. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit der Filmemacherin Gessica Généus (Engl.)
    Moderation: Marguerite Meyer

So 4. Dez 2022
  1. 11:30
    Illusion of Abundance
    So. 4. Dez.
    OVe 58' | Belgien 2022 | Erika González Ramírez, Matthieu Lietaert | Dok

    Trotz Einschüchterung, Betrug und Gewalt: Die drei Aktivistinnen Carolina, Berta und Máxima stellen sich furchtlos den neuen Kolonist:innen Süd- und Zentralamerikas entgegen. Es sind transnationale Bergbau- und Energiekonzerne, die die Länder oft skrupellos ausbeuten. Ohne Rücksicht auf die Natur und die lokale Bevölkerung. Die Journalistin Erika González porträtiert die drei Aktivistinnen, die sich für den Schutz der Umwelt und ihrer Communities einsetzen. Hartnäckig legen sie sich mit den Verantwortlichen und Profiteur:innen dieses ausbeuterischen Systems an: von Peru, Honduras und Brasilien bis nach Brüssel. Es wird deutlich: Der Preis unseres Energie- und Ressourcenhungers ist hoch, der ungleiche Kampf gegen die Folgen scheint endlos. Aufgeben ist für Carolina, Berta und Máxima trotzdem keine Option. (luk)

    ZIVILBEVÖLKERUNG UNTER DRUCK VON WIRTSCHAFT UND POLITIK (Engl.)
    Regierungen schlagen Proteste gewaltsam nieder, Aktivist:innen werden kriminalisiert und bürokratische Hürden erschweren die politische Partizipation der Zivilbevölkerung. Weltweit nimmt die Repression gegen Menschenrechtsverteidiger:innen zu. Ueli Locher, Präsident von Peace Watch Switzerland und Nina Burri, Rechtsanwältin und Fachverantwortliche Unternehmen und Menschenrechte bei HEKS diskutieren mit dem Filmemacher Matthieu Lietaert die Auswirkungen dieses politischen Klimas der Angst: Was bedeutet es für die Arbeit von Aktivist:innen und NGOs und welche realistischen Handlungsmöglichkeiten gibt es für die zivilen Kräfte?
    Moderation: Marguerite Meyer

    Präsentiert mit Peace Watch Switzerland

    In Zusammenarbeit mit HEKS, Reportagen und this human world

  2. 12:00
    Special Screening: Until Tomorrow
    So. 4. Dez.
    Ode 86' | Iran, France, Qatar, 2022 | Ali Asgari | Spielfilm

    Anlässlich der aktuellen Situation im Iran zeigen wir als Special Screening den iranischen Film UNTIL TOMORROW.

    Fereshteh studiert und arbeitet in einer Druckerei in Teheran und hat ein zwei Monate altes Baby, von dem ihre Eltern nichts wissen. Als diese kurzfristig ihren Besuch ankündigen, muss Fereshteh für eine Nacht einen Platz für ihr uneheliches Kind finden. Was ganz einfach lösbar scheint, entwickelt sich bald zu einem schwierigen Unterfangen. Fereshtehs schlagfertige Freundin Atefeh bietet ihr ihre Unterstützung an, doch ihre anschliessende Odyssee durch die Stadt zeigt den beiden nur, wie begrenzt ihre Möglichkeiten sind. In einer Gesellschaft, die nicht jedem die gleichen Rechte gewährt, müssen die jungen Frauen ihre Verbündeten sorgfältig auswählen. (Xenix Film)

    FRAU, LEBEN, FREIHEIT!
    Im Anschluss Gespräch mit der Aktivistin Maryam Banihashemi zu der Realität der Frauen und den Protestbewegungen im Iran.
    Moderation: Sascha Bleuler, Direktorin HRFF Zurich

  3. 15:00
    Ascension
    So. 4. Dez.

    Tickets
    Wiederholung ohne Gäste

    OVe 97' | USA 2021 | Jessica Kindon | Dok

    Die Plastikfrau schaut in die Kamera, die Pupillen starr, der Mund aufgerissen – wie ein stummer Schrei wirkt dieses Bild. Dann vervollständigt eine chinesische Arbeiterin mit versierten Handgriffen ihr Werk: Sie bemalt die Lippen, färbt die Augen grün, leimt die Vagina – alles nach westlichem Vorbild auf dem Handydisplay. Es entsteht eine Sexpuppe für den globalen Markt – eine von vielen denkwürdigen Szenen in dieser künstlerisch ambitionierten Dokumentation. In einem grössenwahnsinnigen Wasserpark vergnügen sich Menschenmassen, Soldat:innen üben perfekt choreografierte Paraden. Die Bilder bleiben unkommentiert und hinterlassen ein Gefühl, dass das Individuum wenig zählt. Schnitt, Sounddesign und Bildsprache fügen sich zu einer beeindruckenden Collage chinesischer Produktionsketten und Alltagsszenen: Sie zeigen die Menschen ganz unten, die für 2.99 Dollar pro Stunde schuften, sowie die Manager:innen ganz oben, die dank weltweitem Konsumwahn zu Milliardär:innen geworden sind. (slb)

  4. 15:30
    Freda
    So. 4. Dez.

    Tickets
    Wiederholung ohne Gäste

    OVe 93' | Haiti, Benin, Frankreich 2021 | Gessica Généus | Spielfilm

    Der Song «Should I stay or should I go» würde gut zur emotionalen Zerrissenheit der Protagonistin Freda passen: Die schlagfertige 20-Jährige lebt mit ihrer Mutter und Schwester in Port-au-Prince und versucht sich mit dem von Erdbeben, Armut, Korruption und kolonialen Altlasten gebeutelten Alltag zu arrangieren. Ihr Freund will sie überreden, wie viele junge Haitianer:innen, die Halbinsel zu verlassen und sich eine neue Heimat mit besseren wirtschaftlichen Aussichten zu suchen. Die weibliche Heldin schaut mit kritischem Blick auf ein System, das stets Männern den Vortritt lässt und muss mitansehen, wie ihre Schwester keine weiteren Ambitionen hat als einen reichen Mann zu finden. Gessica Généus verwebt gekonnt die fiktionalisierte Geschichte mittels Archivmaterial mit den aktuellen politischen Unruhen Haitis. Ein Film von grosser Virtuosität, der seine Schauspieler:innen feiert und von Haiti ins Oscar-Rennen geschickt wurde. (slb)

  5. 18:00
    Continental Drift (South)
    So. 4. Dez.
    Fd 90' | Schweiz, Frankreich 2022 | Lionel Baier | Dok

    Nathalie Adler reist im Auftrag der EU durch Sizilien, um den Besuch von Macron und Merkel – Codename M&M's – in einem Camp für Geflüchtete vorzubereiten. Deren Präsenz ist von hohem Symbolwert und soll zeigen, dass die Lage unter Kontrolle ist. Doch wer glaubt noch wirklich an den Zusammenhalt der europäischen Familie, deren Mitglieder sich gegenseitig die Schuld zuschieben? Nathalies Sohn jedenfalls nicht: Albert arbeitet als Freiwilliger für eine NGO, taucht aus heiterem Himmel in Süditalien auf und will seine Mutter zur Rechenschaft ziehen. Noch immer verletzt, weil sie in seiner Kindheit mit einer Frau durchbrannte, empfindet er die steile Karriere seiner Mutter als abstossend und verlogen. Ihr Wiedersehen nach vielen Jahren Funkstille gestaltet sich noch explosiver als Nathalies diplomatisches Unterfangen: Sie muss die ranghohe Delegation davon überzeugen, dass es den Menschen auf der Flucht auch wirklich mies geht und das Lager weiterhin finanzielle Unterstützung braucht. Lionel Baier wagt viel mit dieser dunklen Mischung aus Drama und Komödie und spiegelt gnadenlos die Scheinheiligkeit und das Versagen der europäischen Flüchtlingspolitik. Die verästelten Identitätskrisen seiner Figuren verkörpert das charismatische Schauspielensemble mit Bravour! (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit dem Filmemacher Lionel Baier (Engl.)
    Moderation: Marcy Goldberg

  6. 18:30
    Je suis noires & Ethereality
    So. 4. Dez.
    Odf 67' | Schweiz 2022 & 2020 | Rachel M’Bon, Juliana Fanjul & Kantarama Gahigiri | Dok

    In der Schweiz, einem Land der Neutralität, werden neue, ungewohnte Stimmen laut. Stimmen von Frauen, die für die Anerkennung des strukturellen Rassismus kämpfen, Stereotypen dekonstruieren und sich zu ihrer doppelten Identität als Schweizerin und Schwarze bekennen. In diesem Kontext beginnt Rachel M’Bon ihre eigene Identitätssuche. Auf ihrem Weg zur Befreiung hinterfragt sie ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart und hält ihrem Land und ihren Altersgenoss:innen einen Spiegel vor. (First Hand Films)

    Vorfilm: Ethereality
    30 Jahre lang im Weltraum gestrandet. Wie fühlt es sich an, endlich nach Hause zu kommen? Eine Reflexion über Migration und das Gefühl der Zugehörigkeit. (First Hand Films)

    SCHWARZ UND FRAU (Engl.)
    Im Anschluss diskutieren die Filmemacherin und Journalistin Rachel M’Bon, Carmel Fröhlicher-Stines (Psychologin) und Mandy Abou Shoak (Expertin Gewaltprävention, Kantonsratskandidatin SP Kreis 3/9) über ihre Erfahrung mit strukturellen Rassismen und ihrem Kampf um gesellschaftliche Anerkennung als Schwarze Frau.
    Moderation: Ania Anna Mathis, Juristin und Mitorganisatorin Black Film Festival Zurich

    Präsentiert mit dem Black Film Festival Zurich

  7. 20:30
    Alis
    So. 4. Dez.

    Tickets
    Wiederholung ohne Gäste

    OVe 84' | Kolumbien, Chile, Rumänien | Clare Weiskopf, Nicolas van Hemelryck | Dok

    In einem Heim finden Teenager:innen Zuflucht vor der Gewalt und dem Überlebenskampf auf den Strassen von Bogotá. Wer ohne Perspektiven zur Welt kommt, hat es schwer, sich eine Zukunft vorzustellen – doch manchmal hilft das Eintauchen in die eigene Fantasie. Es ist eine schlichte Idee, die diese intime Geschichte vom Erwachsenwerden trägt: die Jugendlichen sitzen auf einem Stuhl, die Kamera frontal auf sie gerichtet und mit geschlossenen Augen malen sie sich eine fiktive Freundin aus. Jede Protagonistin trägt mit ihren Anekdoten und Antworten auf die Fragen der Filmemacher:innen zu einem immer komplexer werdenden Bild von «Alis» bei. Die Figur wird so zur Projektionsfläche für vergangene Erlebnisse, unerfüllte Wünsche und Zukunftsträume. Über die imaginäre Identität von «Alis» finden sie Worte für Missbrauch, Traumata und Einsamkeit und können ausdrücken, wofür es sich heute zu kämpfen lohnt – für die Liebe, für Freiheit und für Anerkennung in der Gesellschaft. (nio)

  8. So. 4. Dez.

    Tickets
    Wiederholung ohne Gäste

    OVe 85' | Tschechien, Norwegen, Slowakei 2022 | Veronika Lišková | Dok

    Es sei kein Ort zum Bleiben, sagt ein Mann über seine Heimat, das Dorf Longyearbyen auf Spitzbergen. Kalt und unwirtlich ist es hier, die meisten machen sich nach ein paar Jahren wieder davon. Insbesondere seit viele Kohleminen stillgelegt wurden und Tourist:innen das abgelegene Archipel überrennen. Die norwegische Inselgruppe im Arktischen Ozean und ihre gut 2’500 Bewohner:innen sind in ständigem Wandel. Nicht nur das Eis schmilzt auf Spitzbergen rasant, auch die Toleranz für die internationale Gemeinschaft auf der Insel scheint zu schwinden. Die Regierung in Oslo will die Bevölkerung «norwegischer» machen. Dies obwohl der Spitzbergenvertrag von 1925 allen Bürger:innen der Vertragsstaaten gleiche Rechte auf Arbeit und Handel einräumt – und dadurch auch auf Wohnsitz. Das sorgt bei den Zugezogenen für Unmut. Die tschechische Anthropologin Zdenka Sokolíčková misst der äusserst heterogenen Gemeinschaft Longyearbyens den Puls. Und ringt selbst mit der Frage, ob sie und ihre junge Familie in ihrer Wahlheimat im hohen Norden eine Zukunft haben. (luk)

Mo 5. Dez 2022
  1. 10:00
    Un Triomphe - Schulvorstellung
    Mo. 5. Dez.
    Fd 107' | Frankreich 2020 | Emmanuel Courcol | Spielfilm

    Étienne ist leidenschaftlicher Schauspieler, doch damit kommt er nicht über die Runden. Da er von Rollenangeboten nicht gerade überhäuft wird, übernimmt er die Leitung eines Theaterworkshops in einem Gefängnis. Überrascht vom Talent dieser ungleichen Truppe, beschliesst er, Becketts «Warten auf Godot» ausserhalb der Gefängnismauern zu inszenieren. Energisch kämpft er dafür, dass die Häftlinge für die Aufführungen das Gefängnis jeweils unter Aufsicht verlassen dürfen. Eine triumphale Tournee beginnt. Mit jeder Probe und jedem Bühnenauftritt vertieft sich die Freundschaft zwischen dem Regisseur und den Gefangenen. Étienne darf endlich beruflichen Erfolg feiern, aber die Tournee bietet nicht nur ihm wunderbare Möglichkeiten … Inspiriert von wahren Begebenheiten, erzählt Regisseur Emmanuel Courcol eine berührende Geschichte mit Herz und Humor. Kad Merad brilliert in der Hauptrolle dieser unterhaltsamen und spritzigen Komödie.(Filmcoopi)

    Moderation: Sandrine Charlot-Zinsli, aux arts etc... und Barbara Peyer, Lehrerin im Strafvollzug

    In Zusammenarbeit mit aux arts etc...

  2. 13:30
    Animal - Schulvorstellung
    Mo. 5. Dez.
    Odf 105' | Frankreich 2021 | Cyril Dion | Dok

    Bella und Vipulan sind 16. Sie gehören zu der Generation, der stärker als anderen zuvor bewusst ist, dass unsere Welt aufgrund des Klimawandels und des Artensterbens innerhalb von wenigen Jahrzehnten zu einem unbewohnbaren Ort werden könnte. Bella und Vipulan beschliessen, tiefer in das Thema einzutauchen. Auf einer ungewöhnlichen Reise rund um den Globus begreifen sie, dass der Mensch lange geglaubt hat, von der Natur getrennt leben zu können – obwohl er selbst Teil von ihr und mit allen anderen Lebensformen verbunden ist. Und die beiden erkennen, dass die Rettung der Artenvielfalt auch die Menschheit retten kann.
    Die Verschmutzung des Planeten, die Übernutzung von Ressourcen und die damit einhergehende Zerstörung des Lebensraums von Tieren: Davon handelt «Animal» ebenso wie von Menschen, die an Lösungen für diese Probleme arbeiten und sie in die Praxis umsetzen. Eindrücklich zeigt der mit «Tomorrow» international bekanntgewordene Regisseur Cyril Dion, dass das Wissen um Zusammenhänge und die Liebe zu allem Lebendigen grundlegend sind, um dem Artensterben Einhalt zu gebieten. Ein starker Film, der unter die Haut geht und der Hoffnung macht. (Filmcoopi)

    Anschliessende Diskussion mit Marie-Claire Graf, Rednerin für eine gerechte nachhaltige Entwicklung und ehrgeizige Klimaschutzmaßnahmen, in Kooperation mit der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation Switzerland.

  3. 14:00
    Kalle Kosmonaut - Schulvorstellung
    Mo. 5. Dez.
    D (SDH)* 99' | Deutschland 2022 | Tine Kugler, Günther Kurth | Dok

    Die Allee der Kosmonauten führt nicht zu den Sternen. Wer hier im Nordosten Berlins in den Plattenbauten aufwächst, dessen Weg ist eher in andere Richtungen vorgezeichnet. Selbst wenn er so pfiffig ist wie der zu Beginn des Films zehnjährige Pascal, genannt Kalle. Über ein Jahrzehnt haben Tine Kugler und Günther Kurth ihn begleitet. Mal voll Hoffnung und Ehrgeiz, mal von Ängsten und Problemen, quälenden Gedanken und Erfahrungen belastet, sucht er nach seinem Platz im Leben. Eine dokumentarische Beobachtung, in der Animationssequenzen ergänzen, was abseits der Kamera geschieht. Empathisch, poetisch und humorvoll zeichnet das Regie-Duo nicht nur ein präzises Porträt ihres charismatischen Protagonisten, sondern auch ein kaleidoskopisches Bild der unglamourösen Seite Berlins, fernab der Wahrzeichen und Szenekieze. (Berlinale 2022)

    Anschliessende Diskussion mit den Filmemacher:innen
    Moderation: Aline Juchler

  4. 18:00
    Rotzloch
    Mo. 5. Dez.
    Od 96' | Schweiz 2022 | Maja Tschumi | Dok

    Am Ende eines Steinbruchs, an einem gottverlassenen Ort namens Rotzloch, beginnt für vier junge Männer ein neues Leben. Nach langer Flucht versuchen sie von hier aus wieder Boden unter die Füsse zu kriegen. Sie sehnen sich vor allem nach Kontakt zu Frauen, nach Begegnungen, Liebe und Sex. Dabei treffen sie auf eine andere Kultur und geraten in Konflikte, von denen sie nichts geahnt haben. Im Film suchen sie einen Umgang mit der neuen Realität, aber auch mit sich selbst, mit ihrer Männlichkeit und ihrer Sexualität. (Distant Lights GmbH)

    KOSMOPOLITICS | 20:00 Forum
    A COLD WELCOME TO SWITZERLAND?
    Wie schaffen wir Räume für die Begegnung zwischen geflüchteten Menschen und der lokalen Bevölkerung? Welche Orte sind für Geflüchtete vorgesehen und unter welchen Bedingungen? Welche Vorurteile und Hemmungen stehen im Weg? Ein Gespräch mit Filmemacherin Maja Tschumi, Ivo Grossert von Architecture for Refugees und Hatim Baloch von Solinetz Zürich über Ausgrenzung und darüber, was es heisst, wirklich willkommen zu sein.
    Moderation: Natalia Guecheva

  5. 18:30
    Chaylla
    Mo. 5. Dez.
    Fe 72' | Frankreich 2022 | Paul Pirritano, Clara Teper | Dok

    Als William seiner Frau Chaylla die Nase bricht, steht der kleine Sohn gleich daneben. Sie sei von einem Garderobenständer getroffen worden, sagt sie im Krankenhaus. Chaylla hat den Glauben an die Liebe verloren und kann sich doch nicht von der Idee eines heilen Familienlebens mit ihrem Mann befreien. Mehrere Jahre begleitet eine Kamera die junge Frau und schafft ein sensibles Porträt der Protagonistin, geprägt von einer zutiefst toxischen Beziehung. Sie lässt Gefühle kaum zu, nur gelegentlich bröckelt die Fassade – wenn die Kamera einen abgekauten Nagel einfängt, ein vor Anspannung zitterndes Knie, oder ihre vom Weinen geröteten Augen. Zwischen dem Rechtsstreit mit ihrem Mann und Chayllas innerem Kampf blitzt immer wieder Hoffnung auf Heilung auf. Dass sie William schliesslich anzeigt und Kraft findet, sich aus der Spirale der Gewalt zu lösen, ist psychologischer Betreuung aber auch der Solidarität ihrer Schwiegermutter und ihrer besten Freundin zu verdanken. Zusammen lachen sie, teilen ihre Sorgen und singen und tanzen lustvoll gegen das Patriarchat an. (nio)

    HÄUSLICHE GEWALT: ÜBER TABUS, OHNMACHT UND DEN MUT ZU HANDELN
    Clara Teper und Paul Pirritano (Filmemacher:innen) und Rozë Berisha (Verantwortliche Beratung, Brava) sprechen über ihre Erfahrungen im Umgang mit Betroffenen von häuslicher Gewalt. Weshalb gestaltet sich die Ablösung oft schwierig und mit welchen Problemen sehen sich Betroffene konfrontiert? Warum ist die Hürde, sich Hilfe zu holen, so hoch und welche Rolle können Beratungsstellen einnehmen?Moderation: Christina Caprez, Journalistin, Soziologin, Autorin

    Präsentiert mit Brava (ehemals TERRE DES FEMMES Schweiz)

  6. 20:30
    Kalle Kosmonaut
    Mo. 5. Dez.
    D (SDH)* 99' | Deutschland 2022 | Tine Kugler, Günther Kurth | Dok

    The Allee der Kosmonauten does not lead to the stars. If you grow up in the prefabricated high-rises here in north-eastern Berlin, your path is more likely to be mapped out in other directions. Even if you’re as smart as Pascal, also known as Kalle, who is ten-years-old at the beginning of the film. Tine Kugler and Günther Kurth have accompanied him for over a decade. Sometimes full of hope and ambition, sometimes burdened by fears and problems, tormenting thoughts and experiences, he looks for his place in life. A documentary observation in which animated sequences complement what is transpiring beyond the camera. Empathetic, poetic and humorous, the directing duo not only draws a precise portrait of the charismatic protagonist, but it also creates a kaleidoscopic picture of the unglamorous side of Berlin, far from the landmarks and trendy neighbourhoods. (Berlinale)

    Anschliessende Diskussion mit den Filmemacher:innen
    Moderation: Aline Juchler

  7. 21:00
    Fly So Far
    Mo. 5. Dez.
    OVe 88' | El Salvador, Schweden 2021 | Celina Escher | Dok

    Als Teodora im Krankenhaus aufwacht, beginnt ihr Albtraum: Nach einer Fehlgeburt wird sie beschuldigt, ihr Baby getötet zu haben – und wird wegen Mordes angeklagt. Teodora ist Sprecherin von «The Seventeen», einer Gruppe von Frauen, die wie sie selbst mit bis zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt wurden. In El Salvador werden nicht nur Abtreibungen, sondern auch Totgeburten kriminalisiert. Der Film zeigt, wie Politiker:innen auf perfide Weise über weibliche Schicksale verfügen und stets mit der Glaubensfahne wedeln, um den Blick zu verstellen. Teodoras Fall ist zum Sinnbild für die Härte geworden, mit der gegen betroffene Frauen vorgegangen wird. Sie sind einer schreienden Ungerechtigkeit ausgeliefert, die niemanden kalt lässt – auch nicht das Kinopublikum, das sich unweigerlich fragen muss: Wie kann Auflehnung gegen toxische Männlichkeit und Unterdrückung gelingen? Die Anleitung liefern die Protagonistin und ihre Verbündeten selbst. Denn letztlich ist Fly so far ein filmischer Weckruf, wie mittels Ermächtigung Resilienz und Solidarität die staatliche Kontrolle über den Körper der Frau bekämpft werden kann. (slb)

    MY BODY, MY RIGHTS: WELTWEITE ANGRIFFE AUF DAS RECHT AUF ABTREIBUNGEN
    Gespräch mit Celina Escher (Filmemacherin) und Cyrielle Huguenot (Frauenrechtsexpertin, Amnesty Schweiz). El Salvador hält am Abtreibungsverbot fest, Polen hat ein vollständiges Verbot eingeführt, das höchste US-Gericht hat das Recht auf Abtreibung gestrichen – und selbst in der Schweiz fordern Volksinitiativen neue Einschränkungen: Sind wir an einem Wendepunkt? Wie können wir uns dagegen wehren?
    Moderation: Stephanie Eger, Frauengruppe Amnesty Zürich

    Präsentiert mit Amnesty International Schweiz

Di 6. Dez 2022
  1. 09:30
    Kalle Kosmonaut - Schulvorstellung
    Di. 6. Dez.
    D (SDH)* 99' | Deutschland 2022 | Tine Kugler, Günther Kurth | Dok

    Die Allee der Kosmonauten führt nicht zu den Sternen. Wer hier im Nordosten Berlins in den Plattenbauten aufwächst, dessen Weg ist eher in andere Richtungen vorgezeichnet. Selbst wenn er so pfiffig ist wie der zu Beginn des Films zehnjährige Pascal, genannt Kalle. Über ein Jahrzehnt haben Tine Kugler und Günther Kurth ihn begleitet. Mal voll Hoffnung und Ehrgeiz, mal von Ängsten und Problemen, quälenden Gedanken und Erfahrungen belastet, sucht er nach seinem Platz im Leben. Eine dokumentarische Beobachtung, in der Animationssequenzen ergänzen, was abseits der Kamera geschieht. Empathisch, poetisch und humorvoll zeichnet das Regie-Duo nicht nur ein präzises Porträt ihres charismatischen Protagonisten, sondern auch ein kaleidoskopisches Bild der unglamourösen Seite Berlins, fernab der Wahrzeichen und Szenekieze. (Berlinale 2022)

    Anschliessende Diskussion mit den Filmemacher:innen
    Moderation: Aline Juchler

  2. 10:00
    Animal - Schulvorstellung
    Di. 6. Dez.
    Odf 105' | Frankreich 2021 | Cyril Dion | Dok

    Bella und Vipulan sind 16. Sie gehören zu der Generation, der stärker als anderen zuvor bewusst ist, dass unsere Welt aufgrund des Klimawandels und des Artensterbens innerhalb von wenigen Jahrzehnten zu einem unbewohnbaren Ort werden könnte. Bella und Vipulan beschliessen, tiefer in das Thema einzutauchen. Auf einer ungewöhnlichen Reise rund um den Globus begreifen sie, dass der Mensch lange geglaubt hat, von der Natur getrennt leben zu können – obwohl er selbst Teil von ihr und mit allen anderen Lebensformen verbunden ist. Und die beiden erkennen, dass die Rettung der Artenvielfalt auch die Menschheit retten kann.
    Die Verschmutzung des Planeten, die Übernutzung von Ressourcen und die damit einhergehende Zerstörung des Lebensraums von Tieren: Davon handelt «Animal» ebenso wie von Menschen, die an Lösungen für diese Probleme arbeiten und sie in die Praxis umsetzen. Eindrücklich zeigt der mit «Tomorrow» international bekanntgewordene Regisseur Cyril Dion, dass das Wissen um Zusammenhänge und die Liebe zu allem Lebendigen grundlegend sind, um dem Artensterben Einhalt zu gebieten. Ein starker Film, der unter die Haut geht und der Hoffnung macht. (Filmcoopi)

    Anschliessende Diskussion mit Marie-Claire Graf, Rednerin für eine gerechte nachhaltige Entwicklung und ehrgeizige Klimaschutzmaßnahmen, in Kooperation mit der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation Switzerland.

  3. 18:00
    Casablanca Beats
    Di. 6. Dez.
    OVe 101' | Marokko, Frankreich 2021 | Nabil Ayouch | Spielfilm

    Früher hat Anas sein Geld als Rapper verdient, nun arbeitet er als Lehrer im Jugendzentrum von Sidi Moumen. Der Aussenbezirk von Casablanca gilt als Nährboden für Terrorismus und ist bisher nicht für seine Hip-Hop-Szene bekannt. Anas hat ein Gespür für das Potenzial der Jugendlichen und für Musik als Ventil: «Lauft nicht vor eurer Realität davon!», fordert er sie auf. Denn er kennt die Konsequenzen von Armut, fehlenden Perspektiven und einem Leben auf engstem Raum selber nur zu gut. In seinem Kurs treffen streng religiöse Ansichten und ein konservatives Frauenbild auf den Freiheitsdrang und die Kreativität einer rebellischen Generation. Anas kennt keine Tabus und fordert sowohl die schüchternen wie auch die selbstbewussten Schützlinge heraus, ihre wunden Punkte zu finden, um sie in schlagkräftige Liedzeilen zu verwandeln. Sie kreieren eine wilde Mischung aus französischen, berberischen und englischen Songzeilen und finden nach und nach ihre Stimme. Als empörte Eltern ihre Tochter aus dem Unterricht holen, wird endgültig klar: Anas Weckruf kommt nicht bei allen gut an. Die Standpauke seiner Vorgesetzten lässt nicht lange auf sich warten und auch innerhalb der Gruppe lassen sich die Spannungen nicht aus dem Weg rappen. (nio)

    Mit einer Einführung von Jasmin Basic, FIFDH

    Präsentiert mit dem Festival du film et forum international sur les droits humains (FIFDH)

  4. 18:30
    The Hamlet Syndrome
    Di. 6. Dez.

    Tickets
    Wiederholung ohne Gäste

    OVe 85' | Polen, Deutschland 2022 | Elwira Niewiera, Piotr Rosołowski | Dok

    «The problem of overthinking and lack of action. It often causes intelligent individuals to be unsuccessful and live a sad and unproductive life»: Das ist das Hamlet-Syndrom. Ausgangspunkt des Films ist eine Neuinszenierung des Shakespeare-Klassikers, in der eine ukrainische Theaterregisseurin uns auf eine Reise auf der Suche nach dem modernen Hamlet mitnimmt. Sie will den Stoff mit persönlichen Lebensentwürfen konfrontieren, um zu verstehen, wofür ein Mensch bereit ist zu kämpfen, wenn er sagt: Sein oder Nichtsein? Tun oder nicht tun?
    Der Film zeichnet das Porträt einer jungen Generation von Ukrainer:innen, die sich Zweifeln, Ängsten und Hoffnungen stellt. Die persönlichen Erfahrungen der «Maidan-Generation» und die Traumata aus dem Krieg im Donbass drängen im Verlaufe des Arbeitsprozesses immer wieder an die Oberfläche. Dank einer dynamischen Montage sowie der Verflechtung von dokumentarischer Beobachtung und Bühneninszenierung nimmt das Publikum am Probengeschehen teil. Die Bühne wird zum Raum für Bekenntnisse, der Kinoraum öffnet sich zur Selbstbefragung und die Worte «Sein oder Nichtsein» bekommen unter diesen Kriegsbedingungen eine ganz neue Bedeutung – hier und jetzt. (Ruth Baettig, Semaine de la Critique, Locarno Film Festival)

  5. 20:30
    Regra 34
    Di. 6. Dez.
    OVe 100' | Brasilien, Frankreich 2022 | Julia Murat | Spielfilm

    Von allem was existiert gibt es eine pornografische Variante, besagt die Regel 34. Mit diesem Internet-Meme kommt auch die angehende Pflichtverteidigerin Simone in Berührung. Als sie online einen BDSM-Film entdeckt, ist Simone fasziniert von dieser Welt zwischen Gewalt und Erotik. Der ekstatische und von Schmerz geprägte Blick weckt in ihr die Neugierde, sich selbst diesem sexuellen Spiel auszusetzen und das Spannungsfeld zwischen Macht, Unterwerfung und Begierde zu erkunden. In ihrem Jurastudium spezialisiert sie sich auf Missbrauchsfälle und will die Ursachen für Rassismus und die Femizide in Brasilien ergründen. Wie ist es möglich, gegen Gewalt an Frauen einzustehen und diese gleichzeitig selbstbewusst und kontrolliert in der eigenen Sexualität auszuleben? Das gewagte und politische Werk von Julia Murat macht ein Dilemma zum Thema, welche den Feminismus seit Jahrzehnten umtreibt. 2022 am Locarno Film Festival mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet, bringt Regra 34 in starken Bildern den Wunsch nach Selbstbestimmung und weiblicher Ermächtigung zum Ausdruck. (Dario Schoch, Porny Days)

    CLOSING NIGHT
    BEGRÜSSUNGSWORTE
    Team Porny Days
    Giona Nazzaro, künstlerischer Leiter Locarno Film Festival
    Präsentiert mit den Porny Days und dem Locarno Film Festival

    SAVE THE DATE: Am 10.12., dem Internationalen Tag der Menschenrechte, sind wir zu Gast im Neubad Luzern und zeigen REGRA 34 im wunderschönen Schwimmbad-Kino.

  6. 21:00
    Kalle Kosmonaut
    Di. 6. Dez.

    Tickets
    Wiederholung ohne Gäste

    D (SDH)* 99' | Deutschland 2022 | Tine Kugler, Günther Kurth | Dok

    The Allee der Kosmonauten does not lead to the stars. If you grow up in the prefabricated high-rises here in north-eastern Berlin, your path is more likely to be mapped out in other directions. Even if you’re as smart as Pascal, also known as Kalle, who is ten-years-old at the beginning of the film. Tine Kugler and Günther Kurth have accompanied him for over a decade. Sometimes full of hope and ambition, sometimes burdened by fears and problems, tormenting thoughts and experiences, he looks for his place in life. A documentary observation in which animated sequences complement what is transpiring beyond the camera. Empathetic, poetic and humorous, the directing duo not only draws a precise portrait of the charismatic protagonist, but it also creates a kaleidoscopic picture of the unglamorous side of Berlin, far from the landmarks and trendy neighbourhoods. (Berlinale)