Human Rights Film Festival Zurich
Programmübersicht
Do. 2. Dez. 2021
  1. 19:00
    Flee
    Do. 2. Dez.

    KOSMOS Tickets

    Odf 83' | Dänemark, Frankreich, Schweden 2021 | Jonas Poher Rasmussen | Dokumentarfilm

    Seit mehr als zwanzig Jahren hält Amin eine Version seiner Fluchtgeschichte aufrecht, die nicht der Wahrheit entspricht. 1989 aus Afghanistan nach Dänemark gekommen, ist er mittlerweile ein erfolgreicher Akademiker. Aus Angst, seine Aufenthaltsbewilligung zu verlieren, hat er nie jemandem von den eigentlichen Umständen und dem Schicksal seiner Familie erzählt. Nun bereitet er sich auf die Hochzeit mit seinem langjährigen Partner vor, ein wichtiger Schritt, der ihn dazu bewegt, seinem Freund und Regisseur Jonas Poher Rasmussen alles zu berichten. Um die Anonymität von Amin zu wahren, inszeniert dieser das intime Gespräch in Form eines eindrücklich bebilderten Animationsfilms, gespickt mit Archivaufnahmen eines vergessenen progressiven Afghanistans. Die aufwühlende Vergangenheit von Amin und die präzise Schilderung seiner Traumata prallen mit seiner jetzigen Lebenswelt als offen homosexuell lebender Mann zusammen. Ein humorvoller und begnadeter Erzähler sowie ein sensibler Zuhörer-Filmemacher verweben diese Erinnerungsfragmente zu einem kunstvollen Ganzen, das dem Film in Sundance den Grand Jury Prize einbrachte. (slb)

    Bilder: © FinalCutforReal

    OPENING NIGHT

    Begrüssungsworte
    Sascha Lara Bleuler, Direktorin HRFF Zürich
    Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zürich
    Botschafter Simon Geissbühler, Frieden und Menschenrechte, Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA)

    Gespräch mit Jonas Poher Rasmussen. (Engl.)
    Moderation: Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zürich

  2. 20:30
    Ostrov
    Do. 2. Dez.

    KOSMOS Tickets

    Odf 90' | Schweiz 2021 | Svetlana Rodina, Laurent Stoop | Dokumentarfilm

    Auf der russischen Insel Ostrov im Kaspischen Meer leben nur noch ein paar Dutzend Menschen: ohne Strassen, zentrale Stromversorgung oder Gesundheitsdienste. Früher stand hier eine Militärbasis und die Störfischerei garantierte den Menschen ein Einkommen. Heute ist der Fischfang illegal. Der Film zeichnet das intime Porträt einer Familie, deren Männer mit kleinen Booten weiterhin aufs Meer fahren – in ständiger Angst, von der Küstenwache aufgegriffen zu werden. Mit gewilderten Fischen halten sie sich wirtschaftlich über Wasser. In ihrer prekären Situation kritisieren sie ein politisches System, in dem staatliche Hilfsgelder in den Taschen von Beamt*innen verschwinden. Im Hintergrund lärmt der Generator, im Vordergrund läuft der Fernseher, darin die kleine Figur von Wladimir Putin, die von der alten Grösse Russlands spricht. Das patriotische Narrativ einer unbesiegbaren Nation, die Nazideutschland in die Knie gezwungen hat und heute den «Kampf gegen den Faschismus» in der Ukraine weiterführt, gibt den Fischern auf Ostrov Hoffnung auf eine bessere Zukunft. (Emanuel Schäublin)

    KÜNSTLERISCHES SCHAFFEN AN DEN RÄNDERN EINES AUTORITÄREN SYSTEMS (Engl.)
    Im Anschluss an den Film diskutieren die russischstämmige Sozialwissenschaftlerin Dilyara Müller-Suleymanova und die Filmemacher*innen Svetlana Rodina und Laurent Stoop über die künstlerische Auseinandersetzung mit Lebensrealitäten im heutigen Russland.

    Moderation: Emanuel Schäublin, Vorstand HRFF Zurich

Fr. 3. Dez. 2021
  1. 10:00
    SHADOW GAME - Schulvorstellung
    Fr. 3. Dez.
    OVe 90' | Holland | Eefje Blankevoort, Els van Driel | Dokumentarfilm

    Ihr «Spiel» ist ein lebensgefährliches Unterfangen. Jugendliche, die auf der Suche nach Schutz und einer Zukunftsperspektive Familie und Heimat verlassen, begeben sich auf eine Reise ins Ungewisse. Der stetige Kampf um einen sicheren Unterschlupf, eiskalte Nächte unter Autobahnbrücken, Verstecke in Lastwagen oder Zügen, unbarmherzige Grenzwächter*innen: All das dokumentieren die jungen Protagonist*innen in Shadow Game mit ihren Handys, die so zu Filmkameras werden. Hautnah erzählen diese Bilder von ihrem gefährlichen, oft jahrelangen Bestreben, die Festung Europa zu überwinden. Der Spieleinsatz ist hoch: Sie werden schnell erwachsen auf ihrem gnadenlosen Abenteuer entlang der EU-Aussengrenzen. Und doch ist jede überschrittene Grenze der Anfang eines neuen Levels und ein Motivationsschub. Wer am Ende als Gewinner*in hervorgehen wird, bleibt ungewiss. Eine moderne Odyssee entlang von Migrationsrouten und ein erschreckender Blick hinter die Kulissen folgenschwerer politischer Entscheidungen. (nio)

    Anschliessendes Gespräch mit Filmemacherin Els van Driel
    Moderation: Lea Bloch, Journalistin

  2. 13:30
    My Name is Baghdad - Schulvorstellung
    Fr. 3. Dez.
    OVd 96' | Brasilien 2020 | Caru Alves De Souza | Spielfilm

    Auf ihrem Skateboard rollt sie durch São Paulo. Bagdá trägt die Haare kurz, die Hosen mit hohem Bund, den Pullover gern unter den Gürtel gestopft. Bagdá ist cool, ein Mädchen, das respektiert, wen sie respektieren will – und alle anderen auch schon mal mit nassen Wurfgeschossen attackiert. Ihr Zuhause ist ein eigensinniger, emanzipierter Frauenhaushalt, aber ihre Welt ist die der Suicide Ramps. Dort hängt sie mit ihren Jungs ab, die die Tage mit nacktem Oberkörper, Karten spielend und Brusthaare zupfend verbringen. Wie ihre Protagonistin gleitet die Regisseurin durch den Film: selbstbewusst, originell und mit freiem Schwenk. Und wie Bagdá macht sie auch vor Düsterem nicht Halt, thematisiert Gewalt, Sexismus und Diskriminierung – aber auch Solidarität und Aufbegehren.

    Im Anschluss findet ein animiertes Filmgespräch statt.
    Moderation: Anna Rosenwasser, LGBT-Expertin und feministische Autorin

    Präsentiert mit dem Latin American Center UZH

    Anmeldungen für Schulklassen bis 10.11. unter schuleundkultur.zh.ch

  3. 14:00
    Lunana - A Yak in the Classroom - Schulvorstellung
    Fr. 3. Dez.
    Odf 109' | Bhutan 2020 | Pawo Choyning Dorji | Spielfilm

    Ugyen, ein junger Lehrer in Bhutan, wird in die abgelegenste Schule der Welt zwangsversetzt. Fernab von seinem gewohnten Komfort findet sich Ugyen in einem Dorf namens Lunana wieder. Dort trifft er auf eine Gemeinschaft, die ihn mit grösstem Respekt betrachtet – nur ein Lehrer könne «die Zukunft der Kinder berühren», so die gängige Meinung. Nach und nach lernt Ugyen mehr über seinen Beruf, als es ihm seine Ausbildung zu vermitteln mochte.

    Im Anschluss findet ein animiertes Filmgespräch statt.
    Moderation: Lea Bloch, Journalistin

    Präsentiert mit der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation Switzerland

    Anmeldungen für Schulklassen bis 10.11. unter schuleundkultur.zh.ch

  4. 18:00
    Les Enfants Terribles
    Fr. 3. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 92' | Frankreich, Deutschland, Türkei 2021 | Ahmet Necdet Çupur | Dokumentarfilm

    Ahmet Necdet Çupur besucht seine Familie in seinem Heimatdorf im Südosten der Türkei, das er vor zwanzig Jahren verlassen hat, um zu studieren. Nun ergeht es seiner Schwester Zainap wie ihm, sie möchte nur noch weg und bereitet sich auf die Aufnahmeprüfungen an die Uni vor. Doch ihr Vater verbietet ihr das Studium. Stattdessen soll sie im Dorf bleiben, ihren Cousin heiraten und Kinder grossziehen. Auch der frisch verheiratete Bruder Mahmut hadert mit seiner arrangierten Ehe und wünscht sich ein freies Leben in der Stadt. Die Konflikte mit den traditionell denkenden Eltern sind heftig und zäh.

    Der ältere Bruder richtet seine Kamera auf die familiären Schlachtfelder und fängt die Gefühlsausbrüche zwischen den Generationen ein, die in ihrem Verständnis von Zukunft und Privatleben weit auseinander gehen. Ihm gelingt ein packendes Familienepos, das die Wandlung der türkischen Gesellschaft reflektiert. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit dem Filmemacher Ahmet Necdet Çupur. (Engl.)
    Moderation: Lea Bloch, Journalistin

  5. 18:30
    I am Samuel
    Fr. 3. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 68' | Kenia, Kanada, UK, USA 2020 | Peter Murimi | Dokumentarfilm

    Samuel und Alex leben eine in Kenia verbotene Liebe. Unter steter Gefährdung und Angst vor einer Freiheitsstrafe, leben sie ihre Beziehung im Versteckten. Samuel ist in einer sehr konservativen ländlichen Gegend aufgewachsen. Er steht seiner Mutter nahe, aber sein Vater, ein lokaler Pastor, versteht nicht, warum er noch nicht verheiratet ist. Nachdem er auf der Suche nach Arbeit und einem neuen Leben in die Hauptstadt Nairobi gezogen ist, verliebt sich Samuel in Alex und findet Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Ihre Liebe gedeiht trotz der Tatsache, dass die kenianischen Gesetze alle kriminalisieren, die sich als LGBTIQ+ identifizieren. Der im Direct Cinema-Stil gedrehte Film dekonstruiert indirekt ein rigides Verständnis von Maskulinität, das in Kenia – auch genährt von puritanisch geprägten Sitten der Kolonist*innen aus England – nach wie vor dominiert und Nährboden für Homophobie ist. (Valerie Thurner, Kino Xenix)

    WHEN LOVE IS A CRIME (Engl.)
    Im Anschluss spricht Regisseur Peter Murimi im Zoom-Gespräch über Ausgrenzung, Diskriminierung und Kriminalisierung von Menschen in Kenia nur aufgrund dessen, wen sie lieben. Graeme Reid, Direktor der Abteilung für LGBT-Rechte bei Human Rights Watch, setzt das Thema in einen grösseren menschenrechtlichen Kontext in der Region.

    Moderation: Marguerite Meyer, Journalistin

  6. 20:30
    Brother's Keeper
    Fr. 3. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 85' | Türkei, Rumänien 2021 | Ferit Karahan | Dokumentarfilm

    «Es gibt keine kurdische Region!», ruft die Lehrperson. Yusuf und seine kurdischen Mitschüler besuchen ein Knaben-Internat im kargen Bergland Anatoliens. Es weht die türkische Flagge, die Kinder dürfen kein Kurdisch sprechen und die Erziehungsmassnahmen sind geprägt von einer schwarzen Pädagogik aus Strafe und Schlägen. Die Buben werden einmal die Woche kalt abgeduscht und die eisige Winterkälte dringt von draussen in die Schlafsäle. Eines Morgens wacht Memo schwerkrank auf und Yusuf kann seinen Freund nur noch mit Mühe auf die Krankenstation schleppen. Ein Krankenpfleger, ein Lehrer und der Rektor werden herbeigerufen, alle sichtlich überfordert mit dem sich zusehends verschlechternden Zustand von Memo.

    Ferit Karahan inszeniert mit grandiosen jungen Schauspieler*innen diesen von Armut, Angst und «Türkisierung» geprägten Mikrokosmos. Leise und beobachtend fangen die stimmungsvollen Bilder dieses beklemmenden Dramas die äussere wie innere Kälte ein. (slb)

    Bilder: © Diren Düzgün

    Im Anschluss Gespräch mit dem Filmemacher Ferit Karahan. (Engl.)
    Moderation: Aline Juchler

  7. 21:00
    Imad's Childhood
    Fr. 3. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 78' | Schweden, Lettland 2021 | Zahavi Sanjavi | Dokumentarfilm

    Der fünfjährige Imad spielt am liebsten mit Kalaschnikows aus Plastik. Manchmal stellt er sich vor, Hunde oder auch Menschen zu köpfen. Über zwei Jahre seines Lebens hat Imad in Gefangenschaft von Isis-Anhänger*innen verbracht. Traumatisiert und seiner Kindheit beraubt, kehrt er nach der Befreiung gemeinsam mit dem jüngeren Bruder zu seiner Familie zurück. Gewalt ist Imads einzige Ausdrucksform und es wird klar: die Terrororganisation Islamischer Staat hat den Jungen einer perfiden Gehirnwäsche unterzogen, um ihn auf ein Leben als Kämpfer vorzubereiten. Seine Mutter, die die Schrecken ihrer eigenen Gefangenschaft und der erlebten sexualisierten Gewalt verarbeiten muss, findet keinen Zugang zu Imad – dies auch, weil er nur noch Arabisch spricht, im Gegensatz zu seiner kurdisch-jesidischen Familie. Die verstörenden Bilder dokumentieren die unwiderruflichen Folgen von Krieg und Gefangenschaft und die tiefen Wunden der Betroffenen. Immer wieder blitzt ein wenig Hoffnung auf: Obwohl das Erlebte Teil von Imads Identität geworden ist, macht er dank seinen Angehörigen und psychologischer Hilfe kleine Schritte auf seinem Weg zur Heilung und hin zu mehr Normalität. (nio)

    KINDER NACH DER IS-GEFANGENSCHAFT: WIE ERREICHEN WIR SCHUTZ UND HEILUNG? (Engl.)
    Gespräch mit Nicolette Waldmann, Expertin von Amnesty International für Kinder in bewaffneten Konflikten. Sie arbeitet seit Jahren zu Irak und Syrien und ist Autorin des Amnesty-Berichts «Das Erbe des Terrors: Das Schicksal der jesidischen Kinder, die den IS überlebt haben». Sie hat mit vielen jesidischen Kindern gesprochen und setzt sich für die Aufklärung der IS-Verbrechen ein, sowie für Gerechtigkeit, Schutz und Heilung der Überlebenden.

    Moderation: Alexandra Karle (Geschäftsleitung Amnesty International Schweiz)

    Präsentiert mit Amnesty International Schweiz
    Gewinnerfilm Prix Célestine von Interfilm Schweiz

  8. 21:00
    Die Welt am Bildschirm
    Fr. 3. Dez.

    KOSMOS Infos

    Deutsch 60' | Schweiz | Katharina Morawek | Late Night Lecture

    Serien sind enorm populär. Neben bekannten Playern wie Netflix oder Sky bedienen auch Produzent*innen in Lateinamerika, im Nahen Osten und in Nordafrika die regionalen Märkte. Serien sind eine Form von «Soft Power», die macht- und geopolitische Interessen abseits der Leinwand widerspiegeln. Dies auch auf Seiten des Publikums – mit seinen mehrfachen Bezügen jenseits des Lokalen. Der Abend verbindet Information und Entertainment in einer entspannten Salon-Atmosphäre. Mit Anisha Imhasly (Beraterin für Diversität und transkulturelle Themen) und Ali Sonay (Assistenzdozent Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie, Universität Bern).

    Moderation: Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zürich

  9. 23:00
    District 9
    Fr. 3. Dez.

    KOSMOS Tickets

    E 112' | USA | Neill Blomkamp | Spielfilm

    Am Rand von Johannesburg leben in einem riesigen Lager heimatlose Aliens, deren Mutterschiff vor 20 Jahren hier gestrandet ist. Sie werden abschätzig als «non humans» oder als «Garnelen» bezeichnet. Die Einheimischen ekeln sich vor ihnen und es wird entschieden, sie in ein weiter entferntes Lager zwangsumzusiedeln. Der für die Evakuierung zuständige Schreibtisch-Beamte Wikus van der Merve trifft auf den Widerstand der Aliens und wird durch eine Infizierung mit deren DNA selbst zum Gejagten. Die globale Flüchtlingspolitik und die meist damit einhergehenden, menschenverachtenden Umstände spiegelt District 9 und übersetzt die Problematik in einen packenden Genremix aus Mockumentary und Science-Fiction. (slb)

    Bilder: © 2009 Columbia TriStar Marketing Group, Inc.

    NOCTURNE
    Wir zeigen den von Peter Jackson produzierten Kultfilm als Late Night Special mit einer Einführung von Filmwissenschaftler und Sci-Fi-Experte Simon Spiegel.

Sa. 4. Dez. 2021
  1. 11:30
    Imad's Childhood
    Sa. 4. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 78' | Schweden, Lettland 2021 | Zahavi Sanjavi | Dokumentarfilm

    Der fünfjährige Imad spielt am liebsten mit Kalaschnikows aus Plastik. Manchmal stellt er sich vor, Hunde oder auch Menschen zu köpfen. Über zwei Jahre seines Lebens hat Imad in Gefangenschaft von Isis-Anhänger*innen verbracht. Traumatisiert und seiner Kindheit beraubt, kehrt er nach der Befreiung gemeinsam mit dem jüngeren Bruder zu seiner Familie zurück. Gewalt ist Imads einzige Ausdrucksform und es wird klar: die Terrororganisation Islamischer Staat hat den Jungen einer perfiden Gehirnwäsche unterzogen, um ihn auf ein Leben als Kämpfer vorzubereiten. Seine Mutter, die die Schrecken ihrer eigenen Gefangenschaft und der erlebten sexualisierten Gewalt verarbeiten muss, findet keinen Zugang zu Imad – dies auch, weil er nur noch Arabisch spricht, im Gegensatz zu seiner kurdisch-jesidischen Familie. Die verstörenden Bilder dokumentieren die unwiderruflichen Folgen von Krieg und Gefangenschaft und die tiefen Wunden der Betroffenen. Immer wieder blitzt ein wenig Hoffnung auf: Obwohl das Erlebte Teil von Imads Identität geworden ist, macht er dank seinen Angehörigen und psychologischer Hilfe kleine Schritte auf seinem Weg zur Heilung und hin zu mehr Normalität. (nio)

  2. 13:00
    Brother's Keeper
    Sa. 4. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 85' | Türkei, Rumänien 2021 | Ferit Karahan | Dokumentarfilm

    «Es gibt keine kurdische Region!», ruft die Lehrperson. Yusuf und seine kurdischen Mitschüler besuchen ein Knaben-Internat im kargen Bergland Anatoliens. Es weht die türkische Flagge, die Kinder dürfen kein Kurdisch sprechen und die Erziehungsmassnahmen sind geprägt von einer schwarzen Pädagogik aus Strafe und Schlägen. Die Buben werden einmal die Woche kalt abgeduscht und die eisige Winterkälte dringt von draussen in die Schlafsäle. Eines Morgens wacht Memo schwerkrank auf und Yusuf kann seinen Freund nur noch mit Mühe auf die Krankenstation schleppen. Ein Krankenpfleger, ein Lehrer und der Rektor werden herbeigerufen, alle sichtlich überfordert mit dem sich zusehends verschlechternden Zustand von Memo.

    Ferit Karahan inszeniert mit grandiosen jungen Schauspieler*innen diesen von Armut, Angst und «Türkisierung» geprägten Mikrokosmos. Leise und beobachtend fangen die stimmungsvollen Bilder dieses beklemmenden Dramas die äussere wie innere Kälte ein. (slb)

    Bilder: © Diren Düzgün

  3. 15:00
    Wet Sand
    Sa. 4. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVd 115' | Schweiz, Georgien 2021 | Elene Naveriani | Spielfilm

    «Follow your fucking dreams», steht auf Fleshkas Jacke, als bräuchte sie eine tägliche Erinnerung daran, endlich aus ihrem Leben als Barangestellte im «Wet Sand» auszubrechen. Amnon, der Besitzer dieser Strandbar irgendwo an der georgischen Schwarzmeerküste, scheint sich ebenso wenig ins Dorfleben einzufügen. Die Bewohner*innen treffen sich hier, lästern und führen die ewiggleichen Gespräche, begleitet vom monotonen Geräusch der brechenden Wellen. Als das Gerücht eines Selbstmordes die Runde macht, ist schnell klar, dass es sich um den Aussenseiter Eliko handeln muss – um dessen Beerdigung sich aber niemand kümmern will. Die Gleichgültigkeit seiner Mitmenschen lässt erahnen, dass Eliko sich vom geselligen Leben und von Ritualen fernhielt. Mit dem Auftauchen seiner Enkelin Moe kommen nach und nach die Bigotterie und Intoleranz seiner Mitmenschen und ein Netz von Lügen zum Vorschein. Elikos und Amnons jahrelange, heimliche Liebe hebt das Dorfleben aus den Fugen und entlarvt eine homophobe, repressive Gesellschaft, in der auch Fleshka und Moe keine Perspektive sehen. Eine kraftvolle Hommage an die Liebe – und an alle, die sich gegen Konformismus auflehnen und Wege finden müssen, ihre Träume zu leben. (nio)

    Bilder: © Maximage Sister distribution

    Im Anschluss Gespräch mit der Filmemacherin Elene Naveriani.
    Moderation: Jenny Billeter, Kino Xenix

  4. 15:30
    Writing with Fire
    Sa. 4. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 94' | India 2021 | Sushmit Ghosh, Rintu Thomas | Dokumentarfilm

    «Khabar Lahariya» ist die erste von Dalit-Frauen geleitete Zeitung Indiens. Die Dalits gehören im Kastensystem zu den «Unberührbaren» und obwohl deren Diskriminierung offiziell verboten ist, kämpfen sie tagtäglich mit Herablassung und Respektlosigkeit. Die furchtlosen Frauen stellen sich in ihrem Beruf der Herausforderung einer digitalisierten Welt und lernen, ihre Mobiltelefone als Waffen zu nutzen, um korrupte Systeme und Missstände durch investigativen Journalismus aufzudecken. Ihr Kampf um das Sichtbarmachen von illegalen Minenarbeiter*innen, mafiösen Hierarchien und um die Aufklärung von Verbrechen an Frauen birgt grosse Gefahren – oftmals stellen sich auch die Ehemänner oder die Familie gegen ihre Arbeit. Unbeirrt und getragen vom Erfolg ihrer Publikationen, stemmen sich die jungen Frauen den patriarchalen Strukturen entgegen und ermöglichen einen Einblick in das komplexe Gefüge kulturgegebener Verschränkungen Indiens. (slb)

    Bilder: © Black Ticket Films

    NEW(S) WAVES BY WOMEN (Engl.)
    Wo steht Khabar Lahariya heute? Schlagen ihre journalistischen Recherchen weiterhin so hohe Wellen und wie trägt ihre Arbeit zur Unterstützung des Frauenrechtskampfes in Indien bei? Im Skype-Gespräch erläutern die Protagonistinnen Meera Devi (Leiterin) und Shyamkali Devi (Chefredakteurin) den aktuellen Stand ihrer Arbeit. Zusammen mit Elena Valdameri (Postdoctoral Researcher, History of the Modern World, ETH Zürich) diskutieren wir, wie aktivistische Tätigkeit wie die des Khabar Lahariya-Teams zur Emanzipation von Frauen in der indischen Gesellschaft beitragen kann.

    Moderation: Josefa Haas, Reporter ohne Grenzen
    Präsentiert mit Reportagen

  5. 18:00
    Grosser Baum auf Reise – Taming the Garden
    Sa. 4. Dez.

    KOSMOS Tickets

    Odf 92' | Schweiz, Deutschland, Georgien 2021 | Salomé Jashi | Dokumentarfilm

    Majestätisch thront ein Baum, getragen von einem Floss, mitten auf dem georgischen Schwarzen Meer. Diesem surreal anmutenden Bild ging eine gewaltsame Entwurzelung voraus. Einer der mächtigsten Politiker des Landes kauft uralte Bäume ein, lässt sie aufwändig freilegen und ohne Rücksicht auf die umliegende Natur an ihren neuen Zielort transportieren. Er will Bäume versetzen, einzig und allein zu seinem persönlichen Vergnügen – und weil er es sich leisten kann. Die gemächliche Reise übers Wasser endet in seinem privaten Garten. Dort reiht sich die aktuellste Errungenschaft ein in eine exklusive Plantage, die – ähnlich einer privaten Kunstsammlung – fast nur für seine Augen bestimmt ist. Dieses dekadente Unterfangen verstört die Gemeinschaften, aus denen die Bäume stammen. In einer Mischung aus Ungläubigkeit, Neugierde und Trauer wohnen sie dem ungewöhnlichen Schauspiel bei. Zurück bleiben ein wenig Geld und zahlreiche vernarbte Dörfer, denen es ohne den Schutz dieser riesigen Bäume an Schatten mangelt. Und es bleibt das schale Gefühl, die fragile Verbindung von Mensch und Natur sei endgültig gekappt. (nio)

    Im Anschluss Gespräch mit der Filmemacherin Salomé Jashi und einem/einer Vertreter*in von Greenpeace. (Engl.)
    Moderation: Chantal Hirschi

    Präsentiert mit Greenpeace Schweiz und dem Film Festival Diritti Umani Lugano

  6. 18:30
    The Case You
    Sa. 4. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 80' | Deutschland 2020 | Alison Kuhn | Dokumentarfilm

    Mit entschlossenen Schritten kommen fünf junge Schauspieler*innen auf uns zu, bleiben stehen, schauen uns eindringlich an: Sie haben etwas Wichtiges zu berichten und wissen doch nicht recht, wie ihnen geschah. In einem kargen Theatersaal konfrontieren sie sich und uns mit einem traumatischen Casting-Erlebnis, das sie bis heute nicht loslässt. Nach und nach kommt anhand von Interviews, Rekonstruktion und performativen Elementen ein perfider Fall von Machtmissbrauch an die Oberfläche. Ihre Erzählungen machen klar: jede Einzelne von ihnen wurde in die Enge getrieben, gelähmt durch Berührungen und Regieanweisungen, die sie zu Marionetten eines abstrusen Experiments werden liessen. «Ich habe einfach gehofft, dass mir da jemand hilft», sagt Aileen, eine der Protagonist*innen. Hilflosigkeit, Scham und Enttäuschung sind spürbar. Die Schauspieler*innen versuchen zu verstehen: Wie konnten sie so manipuliert werden, sämtliche Hemmungen und Hüllen fallen zu lassen? Unweigerlich drängt sich die Frage auf, wie weit Schauspieler*innen im Namen der Kunst getrieben werden dürfen und welchen Preis sie bereit sind für ihre Karrierehoffnungen zu zahlen. Ihre gemeinsame Aufarbeitung ist ein eindrückliches Zeugnis von Selbstermächtigung und Einstehen für die eigenen Rechte. The Case You weist so auch weit über die Schauspielerei und MeToo hinaus und wirft ein Schlaglicht auf sexualisierte Gewalt und ihre unmittelbaren Folgen. (nio)

    Bilder: © Lenn Lamster

    SEXUALISIERTE GEWALT IM FILM UND DARÜBER HINAUSAlison Kuhn (Filmemacherin) und Aileen Lakatos (Protagonistin), Agota Lavoyer (Opferhilfe Kanton Solothurn) und Simone Eggler (Brava) sprechen über sexualisierte Gewalt im Filmbusiness und darüber hinaus. Wie kann es zu solch systematischen Übergriffen kommen? Welche Machtverhältnisse und gesellschaftlichen Bilder wirken hier? Was bedeutet das für die Verarbeitung der Betroffenen? Und was muss sich ändern?

    Moderation: Rafaela Roth, Journalistin NZZ am Sonntag

    Präsentiert mit Brava (ehemals TERRE DES FEMMES Schweiz)
    Unterstützt von SWAN – Swiss Women’s Audiovisual Network Association

  7. 20:30
    Should the Wind Drop
    Sa. 4. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 100' | Armenien, Frankreich, Belgien 2021 | Nora Martirosyan | Spielfilm

    Mit der Eröffnung des Flughafens in ihrer Hauptstadt erhofft sich die Bevölkerung des nicht anerkannten Staats Bergkarabach internationale Anerkennung. Der Flughafenprüfer Alain soll das definitive Gutachten für die Zulassung ausstellen und findet sich in einer schwierigen Situation wieder: Soll er auf die Regularien der Luftfahrtbehörde bestehen und eine negative Beurteilung schreiben, oder die Bevölkerung, für die er unverkennbare Sympathien hegt, in ihrem Unabhängigkeitskampf unterstützen?

    Das eindrückliche Debüt von Nora Martirosyan befasst sich mit diesem Dilemma, dessen aktueller und realer Hintergrund lange kaum beachtet wurde. Zwischen den Hoheitsansprüchen Armeniens und Aserbaidschans positioniert sich der Film unaufgeregt und mit einer Ästhetik, die den Wunsch nach Frieden in sich trägt, für Freiheit und Hoffnung. Doch trotz des sanften Tones verzagt der Film nicht in seiner Rolle als Ort der Konfrontation, die ihn zu einem relevanten politischen Statement werden lässt. (goEast Film Festival)

    Bilder: © SISTER PRODUCTIONS

    Einführung von Eliane Menghetti, Vorstandsmitglied der ICJ-CH

    Präsentiert mit ICJ-CH – Schweizerische Sektion der Internationalen Juristenkommission

  8. 21:00
    Mir wächst ein Schnauz - Transtrender Chroniken
    Sa. 4. Dez.

    KOSMOS Infos

    D 60' | Schweiz | Sascha Rijkeboer | Performance

    Sascha Rijkeboer ist Pop-Aktivist*in, Sichtbarmacher*in, Story-Quing auf Instagram und am Human Rights Film Festival Zurich mit einem neuem Spokenword-Programm vertreten. Sascha performt Texte, die sich mit trans und non-binärer Identifizierung, Transmaskulinität und den Zwängen einer heteronormativen Gesellschaft auseinandersetzen. Es werden reflektiert: Die eigenen Privilegien, die Komplexität einer pluralistischen Gesellschaft mit einer Million Subjektangeboten, aber auch einigen Reglementierungen dazu. Vor allem darf jedoch beherzt gelacht werden, übers Anderssein und -nichtsein und über die «Normalen».

    Eintritt frei

    Tipp: Sascha Rijkeboer ist Protagonist*in im Kurzfilm «Being Sascha» (OVe 35’ | Manuel Gübeli | Schweiz, Deutschland 2020 | Dok), den man hier online on demand schauen kann. Eine Geschichte davon, was es heisst, in einer Gesellschaft zu leben, in der man nicht vorgesehen ist. Ein Blick in ein Leben, das uns unsere eigenen Kategorien hinterfragen lässt. Und ein Film darüber, was es bedeutet, sich selbst zu sein.

  9. 21:00
    Shadow Game
    Sa. 4. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 90' | Holland 2021 | Eefje Blankevoort, Els van Driel | Dokumentarfilm

    Ihr «Spiel» ist ein lebensgefährliches Unterfangen. Jugendliche, die auf der Suche nach Schutz und einer Zukunftsperspektive Familie und Heimat verlassen, begeben sich auf eine Reise ins Ungewisse. Der stetige Kampf um einen sicheren Unterschlupf, eiskalte Nächte unter Autobahnbrücken, Verstecke in Lastwagen oder Zügen, unbarmherzige Grenzwächter*innen: All das dokumentieren die jungen Protagonist*innen in Shadow Game mit ihren Handys, die so zu Filmkameras werden. Hautnah erzählen diese Bilder von ihrem gefährlichen, oft jahrelangen Bestreben, die Festung Europa zu überwinden. Der Spieleinsatz ist hoch: Sie werden schnell erwachsen auf ihrem gnadenlosen Abenteuer entlang der EU-Aussengrenzen. Und doch ist jede überschrittene Grenze der Anfang eines neuen Levels und ein Motivationsschub. Wer am Ende als Gewinner*in hervorgehen wird, bleibt ungewiss. Eine moderne Odyssee entlang von Migrationsrouten und ein erschreckender Blick hinter die Kulissen folgenschwerer politischer Entscheidungen. (nio)

    «THE GAME» ALS LEBENSBEDROHLICHE REALITÄT – WIE KÖNNEN NGOs UND DIE ZIVILGESELLSCHAFT HELFEN? (Engl.)
    Gespräch mit Michel Anglade (Director and UN Representative, Geneva Advocacy Office, Save the Children) und Els van Driel (Filmemacherin Shadow Game) über die Situation von unbegleiteten Kindern und Jugendlichen entlang von Migrationsrouten und den Möglichkeiten für NGOs und die Zivilgesellschaft, ihre Situation zu verbessern.

    Moderation: Marcy Goldberg

    Präsentiert mit Save the Children

So. 5. Dez. 2021
  1. 11:00
    Should the Wind Drop
    So. 5. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 100' | Armenien, Frankreich, Belgien 2021 | Nora Martirosyan | Spielfilm

    Mit der Eröffnung des Flughafens in ihrer Hauptstadt erhofft sich die Bevölkerung des nicht anerkannten Staats Bergkarabach internationale Anerkennung. Der Flughafenprüfer Alain soll das definitive Gutachten für die Zulassung ausstellen und findet sich in einer schwierigen Situation wieder: Soll er auf die Regularien der Luftfahrtbehörde bestehen und eine negative Beurteilung schreiben, oder die Bevölkerung, für die er unverkennbare Sympathien hegt, in ihrem Unabhängigkeitskampf unterstützen?

    Das eindrückliche Debüt von Nora Martirosyan befasst sich mit diesem Dilemma, dessen aktueller und realer Hintergrund lange kaum beachtet wurde. Zwischen den Hoheitsansprüchen Armeniens und Aserbaidschans positioniert sich der Film unaufgeregt und mit einer Ästhetik, die den Wunsch nach Frieden in sich trägt, für Freiheit und Hoffnung. Doch trotz des sanften Tones verzagt der Film nicht in seiner Rolle als Ort der Konfrontation, die ihn zu einem relevanten politischen Statement werden lässt. (goEast Film Festival)

    Bilder: © SISTER PRODUCTIONS

  2. 11:30
    Ostrov
    So. 5. Dez.

    KOSMOS Tickets

    Odf 90' | Schweiz 2021 | Svetlana Rodina, Laurent Stoop | Dokumentarfilm

    Auf der russischen Insel Ostrov im Kaspischen Meer leben nur noch ein paar Dutzend Menschen: ohne Strassen, zentrale Stromversorgung oder Gesundheitsdienste. Früher stand hier eine Militärbasis und die Störfischerei garantierte den Menschen ein Einkommen. Heute ist der Fischfang illegal. Der Film zeichnet das intime Porträt einer Familie, deren Männer mit kleinen Booten weiterhin aufs Meer fahren – in ständiger Angst, von der Küstenwache aufgegriffen zu werden. Mit gewilderten Fischen halten sie sich wirtschaftlich über Wasser. In ihrer prekären Situation kritisieren sie ein politisches System, in dem staatliche Hilfsgelder in den Taschen von Beamt*innen verschwinden. Im Hintergrund lärmt der Generator, im Vordergrund läuft der Fernseher, darin die kleine Figur von Wladimir Putin, die von der alten Grösse Russlands spricht. Das patriotische Narrativ einer unbesiegbaren Nation, die Nazideutschland in die Knie gezwungen hat und heute den «Kampf gegen den Faschismus» in der Ukraine weiterführt, gibt den Fischern auf Ostrov Hoffnung auf eine bessere Zukunft. (Emanuel Schäublin)

  3. 13:00
    Les Enfants Terribles
    So. 5. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 92' | Frankreich, Deutschland, Türkei 2021 | Ahmet Necdet Çupur | Dokumentarfilm

    Ahmet Necdet Çupur besucht seine Familie in seinem Heimatdorf im Südosten der Türkei, das er vor zwanzig Jahren verlassen hat, um zu studieren. Nun ergeht es seiner Schwester Zainap wie ihm, sie möchte nur noch weg und bereitet sich auf die Aufnahmeprüfungen an die Uni vor. Doch ihr Vater verbietet ihr das Studium. Stattdessen soll sie im Dorf bleiben, ihren Cousin heiraten und Kinder grossziehen. Auch der frisch verheiratete Bruder Mahmut hadert mit seiner arrangierten Ehe und wünscht sich ein freies Leben in der Stadt. Die Konflikte mit den traditionell denkenden Eltern sind heftig und zäh.

    Der ältere Bruder richtet seine Kamera auf die familiären Schlachtfelder und fängt die Gefühlsausbrüche zwischen den Generationen ein, die in ihrem Verständnis von Zukunft und Privatleben weit auseinander gehen. Ihm gelingt ein packendes Familienepos, das die Wandlung der türkischen Gesellschaft reflektiert. (slb)

  4. 15:00
    Grosser Baum auf Reise – Taming the Garden
    So. 5. Dez.

    KOSMOS Tickets

    Odf 92' | Schweiz, Deutschland, Georgien 2021 | Salomé Jashi | Dokumentarfilm

    Majestätisch thront ein Baum, getragen von einem Floss, mitten auf dem georgischen Schwarzen Meer. Diesem surreal anmutenden Bild ging eine gewaltsame Entwurzelung voraus. Einer der mächtigsten Politiker des Landes kauft uralte Bäume ein, lässt sie aufwändig freilegen und ohne Rücksicht auf die umliegende Natur an ihren neuen Zielort transportieren. Er will Bäume versetzen, einzig und allein zu seinem persönlichen Vergnügen – und weil er es sich leisten kann. Die gemächliche Reise übers Wasser endet in seinem privaten Garten. Dort reiht sich die aktuellste Errungenschaft ein in eine exklusive Plantage, die – ähnlich einer privaten Kunstsammlung – fast nur für seine Augen bestimmt ist. Dieses dekadente Unterfangen verstört die Gemeinschaften, aus denen die Bäume stammen. In einer Mischung aus Ungläubigkeit, Neugierde und Trauer wohnen sie dem ungewöhnlichen Schauspiel bei. Zurück bleiben ein wenig Geld und zahlreiche vernarbte Dörfer, denen es ohne den Schutz dieser riesigen Bäume an Schatten mangelt. Und es bleibt das schale Gefühl, die fragile Verbindung von Mensch und Natur sei endgültig gekappt. (nio)

  5. 15:30
    Mis hermanos sueñan despiertos
    So. 5. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 85' | Chile 2021 | Claudia Huaiquimilla | Spielfilm

    Von der Gesellschaft im Stich gelassen warten Ángel und sein jüngerer Bruder Franco seit einem Jahr in einem Jugendgefängnis im Süden von Chile auf die Verhandlung ihres Falles. Die Geschwisterliebe und die Freundschaft zu den Mitgefangenen machen die harten Haftbedingungen erträglicher. Gemeinsam träumen sie von der Freiheit, die sie eines Tages erwartet – vom ersten Fussballspiel im Stadion, von einer heissen Dusche oder einem Ausflug an den Strand. Diese Solidarität scheint lange der Schlüssel dafür zu sein, in einem System von Unterdrückung, Hierarchien und Gewalt zu überleben. Dann wird Jaime aus einem anderen Jugendzentrum überführt und sein Hang zur Rebellion macht die Tagträume der Jugendlichen plötzlich greifbar. Jaime plant eine Meuterei, um mit ein paar Mitgefangenen auszubrechen. Von der wahren Begebenheit, auf der die Geschichte basiert, existieren kaum Aufzeichnungen. Mis hermanos sueñan despiertos rekonstruiert denn auch nicht die tatsächlichen Ereignisse, sondern versucht die zunehmende Verzweiflung zu bebildern: Was bringt die Jugendlichen dazu, ihr Leben für eine verhängnisvolle Fluchtidee aufs Spiel zu setzen? Gleichzeitig offenbart der Film das problematische chilenische Justizsystem – eine Politik der Bestrafung, die neue Opfer hervorbringt anstatt Perspektiven für marginalisierten Jugendlichen zu schaffen. (nio)

    Präsentiert mit dem Latin American Center UZH

  6. 18:00
    Flee
    So. 5. Dez.

    KOSMOS Tickets

    Odf 83' | Dänemark, Frankreich, Schweden 2021 | Jonas Poher Rasmussen | Dokumentarfilm

    Seit mehr als zwanzig Jahren hält Amin eine Version seiner Fluchtgeschichte aufrecht, die nicht der Wahrheit entspricht. 1989 aus Afghanistan nach Dänemark gekommen, ist er mittlerweile ein erfolgreicher Akademiker. Aus Angst, seine Aufenthaltsbewilligung zu verlieren, hat er nie jemandem von den eigentlichen Umständen und dem Schicksal seiner Familie erzählt. Nun bereitet er sich auf die Hochzeit mit seinem langjährigen Partner vor, ein wichtiger Schritt, der ihn dazu bewegt, seinem Freund und Regisseur Jonas Poher Rasmussen alles zu berichten. Um die Anonymität von Amin zu wahren, inszeniert dieser das intime Gespräch in Form eines eindrücklich bebilderten Animationsfilms, gespickt mit Archivaufnahmen eines vergessenen progressiven Afghanistans. Die aufwühlende Vergangenheit von Amin und die präzise Schilderung seiner Traumata prallen mit seiner jetzigen Lebenswelt als offen homosexuell lebender Mann zusammen. Ein humorvoller und begnadeter Erzähler sowie ein sensibler Zuhörer-Filmemacher verweben diese Erinnerungsfragmente zu einem kunstvollen Ganzen, das dem Film in Sundance den Grand Jury Prize einbrachte. (slb)

    Bilder: © FinalCutforReal

    FLUCHT AUS AFGHANISTAN
    Panel zur aktuellen Lage in Afghanistan und der Situation von LGBT* Asylsuchenden in der Schweiz. Mit Corinne Troxler (Schweizerische Flüchtlingshilfe) und Stefan Faust (Queeramnesty Schweiz).
    Moderation: Nicola Diday

  7. 18:30
    Shadow Game
    So. 5. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 90' | Holland 2021 | Eefje Blankevoort, Els van Driel | Dokumentarfilm

    Ihr «Spiel» ist ein lebensgefährliches Unterfangen. Jugendliche, die auf der Suche nach Schutz und einer Zukunftsperspektive Familie und Heimat verlassen, begeben sich auf eine Reise ins Ungewisse. Der stetige Kampf um einen sicheren Unterschlupf, eiskalte Nächte unter Autobahnbrücken, Verstecke in Lastwagen oder Zügen, unbarmherzige Grenzwächter*innen: All das dokumentieren die jungen Protagonist*innen in Shadow Game mit ihren Handys, die so zu Filmkameras werden. Hautnah erzählen diese Bilder von ihrem gefährlichen, oft jahrelangen Bestreben, die Festung Europa zu überwinden. Der Spieleinsatz ist hoch: Sie werden schnell erwachsen auf ihrem gnadenlosen Abenteuer entlang der EU-Aussengrenzen. Und doch ist jede überschrittene Grenze der Anfang eines neuen Levels und ein Motivationsschub. Wer am Ende als Gewinner*in hervorgehen wird, bleibt ungewiss. Eine moderne Odyssee entlang von Migrationsrouten und ein erschreckender Blick hinter die Kulissen folgenschwerer politischer Entscheidungen. (nio)

  8. 20:30
    Der Ast, auf dem ich sitze
    So. 5. Dez.

    KOSMOS Tickets

    Odf 102' | Schweiz, Deutschland 2020 | Luzia Schmid | Dokumentarfilm

    Wer bezahlt den Preis für unseren Wohlstand? Die Filmemacherin Luzia Schmid wagt sich in diesem persönlichen Film an ein illustres Kapitel der Schweizer Finanzgeschichte. Einst sass ihre Heimatstadt Zug auf einem Schuldenberg, doch dann kam «die Sache mit den niedrigen Steuern». Heute ist Zug ein Steuerparadies – auch dank ihrem Vater und seinen Anwaltskollegen, die nach dem zweiten Weltkrieg geschickte Lösungen fanden, reiche Unternehmen in die Stadt holten und rasch riesige finanzielle Erfolge verbuchten. Bis zu 40 Briefkastenfirmen unterhielt Schmids Vater zu Spitzenzeiten. So trug auch er dazu bei, dass Zug bis heute im Standortwettbewerb in einer Liga mit Shanghai, London und New York spielt. Seine Tochter hält den Finger auf die wunden Stellen dieser Finanzstrategie und stellt diejenigen Fragen, denen die meisten ihrer Protagonist*innen gekonnt aus dem zu Weg gehen versuchen. Aus gutem Grund: Sie sind Profiteur*innen vom Aufstieg Zugs und schauen heute von ihren Terrassen auf die gutbürgerliche Kleinstadt hinunter. Ein kritischer Blick auf die Steueroase Zug, eine Reflektion über Doppelmoral und Verdrängung und eine Geschichtslektion, die der reichen Schweiz den Spiegel vorhält. (nio)

    STEUERPARADIES SCHWEIZ – BOOSTER FÜR DIE GLOBALE UNGLEICHHEIT
    Dominik Gross (Experte für internationale Finanz- und Steuerpolitik, Alliance Sud) und Rita Kesselring (Ethnologin mit Forschungsschwerpunkt Rohstoffabbau im südlichen Afrika, Universität Basel) diskutieren, weshalb der Kampf gegen die globale Ungleichheit auch einer für mehr internationale Steuergerechtigkeit ist und über die Verantwortung, die Politik und Wirtschaft dabei zukommt.

    Moderation: Iwan Schauwecker

    Präsentiert mit Solidar Suisse

  9. 21:00
    Writing with Fire
    So. 5. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 94' | India 2021 | Sushmit Ghosh, Rintu Thomas | Dokumentarfilm

    «Khabar Lahariya» ist die erste von Dalit-Frauen geleitete Zeitung Indiens. Die Dalits gehören im Kastensystem zu den «Unberührbaren» und obwohl deren Diskriminierung offiziell verboten ist, kämpfen sie tagtäglich mit Herablassung und Respektlosigkeit. Die furchtlosen Frauen stellen sich in ihrem Beruf der Herausforderung einer digitalisierten Welt und lernen, ihre Mobiltelefone als Waffen zu nutzen, um korrupte Systeme und Missstände durch investigativen Journalismus aufzudecken. Ihr Kampf um das Sichtbarmachen von illegalen Minenarbeiter*innen, mafiösen Hierarchien und um die Aufklärung von Verbrechen an Frauen birgt grosse Gefahren – oftmals stellen sich auch die Ehemänner oder die Familie gegen ihre Arbeit. Unbeirrt und getragen vom Erfolg ihrer Publikationen, stemmen sich die jungen Frauen den patriarchalen Strukturen entgegen und ermöglichen einen Einblick in das komplexe Gefüge kulturgegebener Verschränkungen Indiens. (slb)

    Bilder: © Black Ticket Films

Mo. 6. Dez. 2021
  1. 09:30
    Lunana - A Yak in the Classroom - Schulvorstellung
    Mo. 6. Dez.
    Odf 109' | Bhutan 2020 | Pawo Choyning Dorji | Spielfilm

    Ugyen, ein junger Lehrer in Bhutan, wird in die abgelegenste Schule der Welt zwangsversetzt. Fernab von seinem gewohnten Komfort findet sich Ugyen in einem Dorf namens Lunana wieder. Dort trifft er auf eine Gemeinschaft, die ihn mit grösstem Respekt betrachtet – nur ein Lehrer könne «die Zukunft der Kinder berühren», so die gängige Meinung. Nach und nach lernt Ugyen mehr über seinen Beruf, als es ihm seine Ausbildung zu vermitteln mochte.

    Im Anschluss findet ein animiertes Filmgespräch statt.
    Moderation: Claudia Solanes

    Präsentiert mit der Robert F. Kennedy Human Rights Foundation Switzerland

    Anmeldungen für Schulklassen bis 10.11. unter schuleundkultur.zh.ch

  2. 10:00
    My Name is Baghdad - Schulvorstellung
    Mo. 6. Dez.
    OVd 96' | Brasilien 2020 | Caru Alves De Souza | Spielfilm

    Auf ihrem Skateboard rollt sie durch São Paulo. Bagdá trägt die Haare kurz, die Hosen mit hohem Bund, den Pullover gern unter den Gürtel gestopft. Bagdá ist cool, ein Mädchen, das respektiert, wen sie respektieren will – und alle anderen auch schon mal mit nassen Wurfgeschossen attackiert. Ihr Zuhause ist ein eigensinniger, emanzipierter Frauenhaushalt, aber ihre Welt ist die der Suicide Ramps. Dort hängt sie mit ihren Jungs ab, die die Tage mit nacktem Oberkörper, Karten spielend und Brusthaare zupfend verbringen. Wie ihre Protagonistin gleitet die Regisseurin durch den Film: selbstbewusst, originell und mit freiem Schwenk. Und wie Bagdá macht sie auch vor Düsterem nicht Halt, thematisiert Gewalt, Sexismus und Diskriminierung – aber auch Solidarität und Aufbegehren.

    Im Anschluss findet ein animiertes Filmgespräch statt.
    Moderation: Annina Brühwiler, Journalistin und Skate-Coach

    Präsentiert mit dem Latin American Center UZH

    Anmeldungen für Schulklassen bis 10.11. unter schuleundkultur.zh.ch

  3. 13:30
    SHADOW GAME - Schulvorstellung
    Mo. 6. Dez.
    OVe 90' | Holland | Eefje Blankevoort, Els van Driel | Dokumentarfilm

    Ihr «Spiel» ist ein lebensgefährliches Unterfangen. Jugendliche, die auf der Suche nach Schutz und einer Zukunftsperspektive Familie und Heimat verlassen, begeben sich auf eine Reise ins Ungewisse. Der stetige Kampf um einen sicheren Unterschlupf, eiskalte Nächte unter Autobahnbrücken, Verstecke in Lastwagen oder Zügen, unbarmherzige Grenzwächter*innen: All das dokumentieren die jungen Protagonist*innen in Shadow Game mit ihren Handys, die so zu Filmkameras werden. Hautnah erzählen diese Bilder von ihrem gefährlichen, oft jahrelangen Bestreben, die Festung Europa zu überwinden. Der Spieleinsatz ist hoch: Sie werden schnell erwachsen auf ihrem gnadenlosen Abenteuer entlang der EU-Aussengrenzen. Und doch ist jede überschrittene Grenze der Anfang eines neuen Levels und ein Motivationsschub. Wer am Ende als Gewinner*in hervorgehen wird, bleibt ungewiss. Eine moderne Odyssee entlang von Migrationsrouten und ein erschreckender Blick hinter die Kulissen folgenschwerer politischer Entscheidungen. (nio)

    Anschliessendes Gespräch mit Filmemacherin Els van Driel
    Moderation: Claudia Solanes

  4. 14:00
    La mif Schulvorstellung
    Mo. 6. Dez.
    Ode 110' | Schweiz 2021 | Fred Baillif | Spielfilm

    «Ihr sagt, ihr seid für uns da, aber in Wirklichkeit sind wir alleine!» In einem Heim in Genf für Mädchen aus schwierigen familiären Verhältnissen zanken sich die Heimleiter*innen und die jungen Frauen täglich. Auch zwischen den Teenagern knallt es oft, sie beleidigen einander, schreien, schlagen zu und versöhnen sich wieder. Der Filmemacher Fred Baillif, selber ehemaliger Sozialarbeiter, beweist mit seinem zweiten Spielfilm erneut sein grosses Talent in Laien-Schauspielführung und für den gewieften Wechsel zwischen Inszenierung und Improvisation. Über zwei Jahre hat er mit den tatsächlich im Heim wohnhaften Mädchen im Vorfeld gearbeitet und jede einzelne ihre Geschichte erzählen lassen. Eindrücklich verwebt er diese oft von sexualisierter Gewalt geprägten Traumata mit dem emotional intensiven Heim-Alltag in der «Ersatzfamilie». Gleichzeitig entlarvt der Film gravierende Mängel des Schweizerischen Jugendschutzsystems und die Überforderung der Sozialarbeiter*innen. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit Protagonistinnen. (FR/DE)
    Moderation: Sandrine Charlot Zinsli

    Präsentiert mit Aux Arts Etc ... und Ambassade de France en Suisse

    Anmeldungen für Schulklassen bis 10.11. unter schuleundkultur.zh.ch

    Bilder: © Joseph Areddy / Stephane Gros

  5. 17:30
    La mif
    Mo. 6. Dez.
    Weitere Spielzeiten:
    1. Di. 7. Dez., 18:30

    KOSMOS Tickets

    Ode 110' | Schweiz 2021 | Fred Baillif | Spielfilm

    «Ihr sagt, ihr seid für uns da, aber in Wirklichkeit sind wir alleine!» In einem Heim in Genf für Mädchen aus schwierigen familiären Verhältnissen zanken sich die Heimleiter*innen und die jungen Frauen täglich. Auch zwischen den Teenagern knallt es oft, sie beleidigen einander, schreien, schlagen zu und versöhnen sich wieder. Der Filmemacher Fred Baillif, selber ehemaliger Sozialarbeiter, beweist mit seinem zweiten Spielfilm erneut sein grosses Talent in Laien-Schauspielführung und für den gewieften Wechsel zwischen Inszenierung und Improvisation. Über zwei Jahre hat er mit den tatsächlich im Heim wohnhaften Mädchen im Vorfeld gearbeitet und jede einzelne ihre Geschichte erzählen lassen. Eindrücklich verwebt er diese oft von sexualisierter Gewalt geprägten Traumata mit dem emotional intensiven Heim-Alltag in der «Ersatzfamilie». Gleichzeitig entlarvt der Film gravierende Mängel des Schweizerischen Jugendschutzsystems und die Überforderung der Sozialarbeiter*innen. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit Protagonistinnen. (FR/DE)
    Moderation: Sandrine Charlot Zinsli

    KOSMOPOLITICS I 20h I Forum
    VERNISSAGE HANDBUCH NEUE SCHWEIZ

    Für alle, die da sind und alle,
    die noch kommen werden

    An der Vernissage zum Handbuch Neue Schweiz gehen wir den Spuren der Bürger*innenrechtskämpfe seit den 1960er-Jahren bis zur Black Lives Matter-Bewegung nach. Unter anderem mit Francesca Falk, Kijan Espahangizi, Paola de Martin, Fatima Moumouni und Hannan Salamat.

    Moderation: Mardoché Kabengele

    Präsentiert mit INES – Institut Neue Schweiz

  6. 18:30
    Mis hermanos sueñan despiertos
    Mo. 6. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 85' | Chile 2021 | Claudia Huaiquimilla | Spielfilm

    Von der Gesellschaft im Stich gelassen warten Ángel und sein jüngerer Bruder Franco seit einem Jahr in einem Jugendgefängnis im Süden von Chile auf die Verhandlung ihres Falles. Die Geschwisterliebe und die Freundschaft zu den Mitgefangenen machen die harten Haftbedingungen erträglicher. Gemeinsam träumen sie von der Freiheit, die sie eines Tages erwartet – vom ersten Fussballspiel im Stadion, von einer heissen Dusche oder einem Ausflug an den Strand. Diese Solidarität scheint lange der Schlüssel dafür zu sein, in einem System von Unterdrückung, Hierarchien und Gewalt zu überleben. Dann wird Jaime aus einem anderen Jugendzentrum überführt und sein Hang zur Rebellion macht die Tagträume der Jugendlichen plötzlich greifbar. Jaime plant eine Meuterei, um mit ein paar Mitgefangenen auszubrechen. Von der wahren Begebenheit, auf der die Geschichte basiert, existieren kaum Aufzeichnungen. Mis hermanos sueñan despiertos rekonstruiert denn auch nicht die tatsächlichen Ereignisse, sondern versucht die zunehmende Verzweiflung zu bebildern: Was bringt die Jugendlichen dazu, ihr Leben für eine verhängnisvolle Fluchtidee aufs Spiel zu setzen? Gleichzeitig offenbart der Film das problematische chilenische Justizsystem – eine Politik der Bestrafung, die neue Opfer hervorbringt anstatt Perspektiven für marginalisierten Jugendlichen zu schaffen. (nio)

    Präsentiert mit dem Latin American Center UZH

  7. 20:30
    Rouge
    Mo. 6. Dez.
    Weitere Spielzeiten:
    1. Di. 7. Dez., 21:00

    KOSMOS Tickets

    OVe 86' | Frankreich, Belgien 2020 | Farid Bentoumi | Spielfilm

    «Soll ich euch alle sterben lassen?», fragt die junge Krankenpflegerin Nour ihren Vater Slimane. Beide arbeiten für einen grossen Chemiekonzern in Frankreich – Nours Vater schon seit fast drei Jahrzehnten. Mittlerweile ist der langjährige Vertraute der Geschäftsleitung auch Gewerkschaftsvertreter, er arbeitet viel und beklagt sich nicht. Slimane verschafft nicht nur der Tochter einen neuen Job bei seinem Arbeitgeber, sondern fühlt sich auch für den Rest der Belegschaft verantwortlich. Das Drama nimmt seinen Lauf, als Nour Lücken in den Gesundheitsakten der Angestellten bemerkt. Gemeinsam mit einer Journalistin kommt sie einem jahrelang vertuschten Entsorgungsskandal – mit gravierenden gesundheitlichen Folgen für die Belegschaft – auf die Spur. Ihr Drang nach Gerechtigkeit treibt sie zu einem gefährlichen Spiel mit dem Feuer und vergiftet zusehends die harmonische Vater-Tochter-Beziehung. Bringt sie die Wahrheit ans Licht, gefährdet sie nicht nur Slimanes Ruf, sondern auch unzählige Arbeitsplätze. Nour muss sich entscheiden zwischen der Loyalität zu ihrem Vater und einem Leben als Whistleblowerin. (nio)

    Im Anschluss Gespräch mit dem Filmemacher Farid Bentoumi.
    Moderation: Marcy Goldberg

    Präsentiert mit Public Eye

  8. 21:00
    Wet Sand
    Mo. 6. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVd 115' | Schweiz, Georgien 2021 | Elene Naveriani | Spielfilm

    «Follow your fucking dreams», steht auf Fleshkas Jacke, als bräuchte sie eine tägliche Erinnerung daran, endlich aus ihrem Leben als Barangestellte im «Wet Sand» auszubrechen. Amnon, der Besitzer dieser Strandbar irgendwo an der georgischen Schwarzmeerküste, scheint sich ebenso wenig ins Dorfleben einzufügen. Die Bewohner*innen treffen sich hier, lästern und führen die ewiggleichen Gespräche, begleitet vom monotonen Geräusch der brechenden Wellen. Als das Gerücht eines Selbstmordes die Runde macht, ist schnell klar, dass es sich um den Aussenseiter Eliko handeln muss – um dessen Beerdigung sich aber niemand kümmern will. Die Gleichgültigkeit seiner Mitmenschen lässt erahnen, dass Eliko sich vom geselligen Leben und von Ritualen fernhielt. Mit dem Auftauchen seiner Enkelin Moe kommen nach und nach die Bigotterie und Intoleranz seiner Mitmenschen und ein Netz von Lügen zum Vorschein. Elikos und Amnons jahrelange, heimliche Liebe hebt das Dorfleben aus den Fugen und entlarvt eine homophobe, repressive Gesellschaft, in der auch Fleshka und Moe keine Perspektive sehen. Eine kraftvolle Hommage an die Liebe – und an alle, die sich gegen Konformismus auflehnen und Wege finden müssen, ihre Träume zu leben. (nio)

    Bilder: © Maximage Sister distribution

Di. 7. Dez. 2021
  1. 10:00
    La mif Schulvorstellung
    Di. 7. Dez.
    Ode 110' | Schweiz 2021 | Fred Baillif | Spielfilm

    «Ihr sagt, ihr seid für uns da, aber in Wirklichkeit sind wir alleine!» In einem Heim in Genf für Mädchen aus schwierigen familiären Verhältnissen zanken sich die Heimleiter*innen und die jungen Frauen täglich. Auch zwischen den Teenagern knallt es oft, sie beleidigen einander, schreien, schlagen zu und versöhnen sich wieder. Der Filmemacher Fred Baillif, selber ehemaliger Sozialarbeiter, beweist mit seinem zweiten Spielfilm erneut sein grosses Talent in Laien-Schauspielführung und für den gewieften Wechsel zwischen Inszenierung und Improvisation. Über zwei Jahre hat er mit den tatsächlich im Heim wohnhaften Mädchen im Vorfeld gearbeitet und jede einzelne ihre Geschichte erzählen lassen. Eindrücklich verwebt er diese oft von sexualisierter Gewalt geprägten Traumata mit dem emotional intensiven Heim-Alltag in der «Ersatzfamilie». Gleichzeitig entlarvt der Film gravierende Mängel des Schweizerischen Jugendschutzsystems und die Überforderung der Sozialarbeiter*innen. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit Protagonistinnen. (FR/DE)
    Moderation: Sandrine Charlot Zinsli

    Präsentiert mit Aux Arts Etc ... und Ambassade de France en Suisse

    Anmeldungen für Schulklassen bis 10.11. unter schuleundkultur.zh.ch

    Bilder: © Joseph Areddy / Stephane Gros

  2. 18:00
    Zinder
    Di. 7. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 82' | Frankreich, Niger, Deutschland 2021 | Aïcha Macky | Dokumentarfilm

    Der Alltag in der Stadt Zinder in Niger ist von Armut geprägt. Viele Jugendliche stammen aus Karakara, einem Viertel, wo früher Leprakranke lebten. Ohne Recht auf Bildung und von der Gesellschaft ausgegrenzt, schlagen sie ihre Zeit tot. Die in Zinder aufgewachsene Filmemacherin fühlt den oft in Gangs organisierten jungen Männern auf den Puls. Bawa, ein ehemaliger Anführer, erzählt ihr offen von seiner früheren Gewaltbereitschaft, die sich in Schlägereien und Vergewaltigungen entlud. Andere prahlen weiterhin mit ihrer toxischen Männlichkeit. Macky lässt diese teils beklemmenden Aussagen unkommentiert – sie hört zu und zeichnet das Bild einer Jugend, die durch Aufbegehren und Machtdemonstration ihrer Perspektivenlosigkeit zu entkommen versucht. (slb)

    Begrüssungsworte
    Léo Kaneman, Ehrenpräsident HRFF Zürich

    Christine Löw, Stv. Chefin Abteilung Frieden und Menschenrechte (AFM), Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA)

    FRIEDEN UND MENSCHENRECHTE IM SAHEL (Engl.)
    Viele Länder der Sahelzone sind mit Armut, sozialer Ungleichheit, Straflosigkeit und Korruption konfrontiert. Menschenrechtsverletzungen oder die unzureichende Garantie der Grundfreiheiten sind ein Zeichen dafür, dass Frieden und Sicherheit gefährdet sind. Wie können die Grundbedürfnisse der Bevölkerung ins Zentrum gerückt und die Stabilität gefördert werden? Gespräch mit Aïcha Macky (Filmemacherin), sowie Marie-Emilie Dozin, (Head of Advocacy and Communication for the Global Protection Cluster, UNHCR).

    Moderation: Flavia Giorgetta

    Präsentiert mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA

  3. 18:30
    La mif
    Di. 7. Dez.

    KOSMOS Tickets

    Ode 110' | Schweiz 2021 | Fred Baillif | Spielfilm

    «Ihr sagt, ihr seid für uns da, aber in Wirklichkeit sind wir alleine!» In einem Heim in Genf für Mädchen aus schwierigen familiären Verhältnissen zanken sich die Heimleiter*innen und die jungen Frauen täglich. Auch zwischen den Teenagern knallt es oft, sie beleidigen einander, schreien, schlagen zu und versöhnen sich wieder. Der Filmemacher Fred Baillif, selber ehemaliger Sozialarbeiter, beweist mit seinem zweiten Spielfilm erneut sein grosses Talent in Laien-Schauspielführung und für den gewieften Wechsel zwischen Inszenierung und Improvisation. Über zwei Jahre hat er mit den tatsächlich im Heim wohnhaften Mädchen im Vorfeld gearbeitet und jede einzelne ihre Geschichte erzählen lassen. Eindrücklich verwebt er diese oft von sexualisierter Gewalt geprägten Traumata mit dem emotional intensiven Heim-Alltag in der «Ersatzfamilie». Gleichzeitig entlarvt der Film gravierende Mängel des Schweizerischen Jugendschutzsystems und die Überforderung der Sozialarbeiter*innen. (slb)

  4. 20:30
    Réveil sur Mars
    Di. 7. Dez.

    KOSMOS Tickets

    Odf 74' | Schweiz, Frankreich | Dea Gjinovci | Dokumentarfilm

    Reglos und mit geschlossenen Augen liegen die Schwestern Ibadeta and Djeneta nebeneinander. Nur der Sauerstoffschlauch in ihren Nasen verrät, dass sie nicht schlafen, sondern im Koma liegen. Ihr kleiner Bruder Furkan glaubt, dass sie ihn trotzdem hören können, wenn er ihnen vom Mars erzählt. Orange sei der fremde Planet und es sei sehr dunkel während der langen Reise dorthin. In seiner lebhaften Fantasie bestreitet Furkan Abenteuer fern von Traurigkeit und seelischer Erschütterung, die die Flucht seiner Familie aus dem Kosovo ausgelöst hat. Das «resignation syndrom» der Schwestern setzte ein, als der zweite negative Asylentscheid der schwedischen Behörden eintraf. Seither fristet die Familie ein Dasein in einer Zwischenwelt, gefangen in einer Spirale des Wartens. Die Eltern hoffen, dass ihre Mädchen bald aufwachen und trotzen gleichzeitig der Ungewissheit und ihrer Angst vor einer Rückweisung in den Balkan. Dort wurden sie als Angehörige einer ethnischen Minderheit diskriminiert und verfolgt. Furkan entzieht sich immer wieder dieser bitteren Realität und baut an seinem Raumschiff aus Schrott, um bald auf dem Mars ein neues Leben zu beginnen. Eine Ode an die menschliche Fähigkeit zum Widerstand, aufwühlend und poetisch zugleich. (nio)

    MENTAL HEALTH ISSUES CAUSED BY FLIGHT AND RESIGNATION (Engl.)
    Die beiden Mädchen in Réveil sur Mars sind von einem sehr seltenen medizinischen Phänomen betroffen: Das «resignation syndrom» wird ausgelöst durch die traumatische Fluchterfahrung, aber auch die Verunsicherung und Angst vor dem Asylentscheid im Ankunftsland. Nach dem Film diskutieren die Dea Gjinovci (Filmemacherin) und Marcos Moyano (Psychologe und «Mental Health Advisor» bei MSF mit langjähriger Erfahrung in der Behandlung von Betroffenen in Krieg- und Konfliktgebieten).

    Moderation: Dana Landau

    Präsentiert mit Médecins Sans Frontières

  5. 21:00
    Rouge
    Di. 7. Dez.

    KOSMOS Tickets

    OVe 86' | Frankreich, Belgien 2020 | Farid Bentoumi | Spielfilm

    «Soll ich euch alle sterben lassen?», fragt die junge Krankenpflegerin Nour ihren Vater Slimane. Beide arbeiten für einen grossen Chemiekonzern in Frankreich – Nours Vater schon seit fast drei Jahrzehnten. Mittlerweile ist der langjährige Vertraute der Geschäftsleitung auch Gewerkschaftsvertreter, er arbeitet viel und beklagt sich nicht. Slimane verschafft nicht nur der Tochter einen neuen Job bei seinem Arbeitgeber, sondern fühlt sich auch für den Rest der Belegschaft verantwortlich. Das Drama nimmt seinen Lauf, als Nour Lücken in den Gesundheitsakten der Angestellten bemerkt. Gemeinsam mit einer Journalistin kommt sie einem jahrelang vertuschten Entsorgungsskandal – mit gravierenden gesundheitlichen Folgen für die Belegschaft – auf die Spur. Ihr Drang nach Gerechtigkeit treibt sie zu einem gefährlichen Spiel mit dem Feuer und vergiftet zusehends die harmonische Vater-Tochter-Beziehung. Bringt sie die Wahrheit ans Licht, gefährdet sie nicht nur Slimanes Ruf, sondern auch unzählige Arbeitsplätze. Nour muss sich entscheiden zwischen der Loyalität zu ihrem Vater und einem Leben als Whistleblowerin. (nio)