Human Rights Film Festival Zurich
Programmübersicht
Do. 3. Dez. 2020
  1. 19:00
    Cat in the Wall
    Do. 3. Dez.
    OVe 92' | Bulgarien, UK, Frankreich 2019 | Mina Mileva, Vesela Kazakova | Spielfilm

    «Sprecht Englisch, oder ich loch euch ein!», brüllt ein Polizist Irina und ihren Bruder an. Er durchsucht die Wohnung der bulgarischen Geschwister, weil die Nachbarn sie verdächtigen, ihre Katze gestohlen zu haben. Diese und andere Streitereien prägen den Alltag der Bewohner*innen eines heruntergekommenen Hausblocks in London. Irina versucht sich im harten Milieu der Arbeiterklasse zurechtzufinden und macht Doppelschichten, während ihr Bruder auf die Anerkennung seines Lehrerdiploms wartet. Mitunter pinkelt ein Nachbar in den Lift, es wird gestritten und über den bevorstehenden Brexit politisiert. Irina wachsen die Absurditäten und sozialen Ungleichheiten über den Kopf und sie identifiziert sich zusehends mit der Katze, die sich in einem Heizrohr ihrer Küche verkrochen hat und auf bessere Zeiten wartet.
    Mina Mileva und Vesela Kazakova schaffen eine ergreifende Sozialstudie, die feinsensorische Kamera von Dimitar Kostov folgt den Darsteller*innen so leichtfüssig, dass man sich oft in einem Dokumentarfilm glaubt, dem Genre indem sich die Regisseurinnen bisher zuhause fühlten. Auch mit ihrem Spielfilmdebüt zeigen sie viel Gespür für Schauspielführung und Situationskomik. (slb)

    Begrüssungsworte
    Sascha Lara Bleuler, Direktorin HRFF Zurich
    Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zurich
    Kathrin Frey, Filmbeauftragte Stadt Zürich Kultur

    Im Anschluss Gespräch mit den Filmemacherinnen Mina Mileva und Vesela Kazakova

  2. 20:30
    Exil
    Do. 3. Dez.
    OVe 121' | Deutschland, Belgien, Kosovo 2020 | Visar Morina | Spielfilm

    Erst hängt eine tote Ratte an der Tür des Hauses, in dem Xhafer mit seiner Frau und den Kindern lebt. Dann kommen Mails «versehentlich» nicht an. Die Anzeichen, dass der Pharmaingenieur an seinem Arbeitsplatz gemobbt und schikaniert wird, mehren sich. Und auch wenn weder seine Frau noch seine Kolleg*innen ihm Glauben schenken, fühlt sich der seit Jahren gut integrierte Mann aus dem Kosovo immer stärker aus der deutschen Gemeinschaft ausgestossen. Oder verliert er den Bezug zur Realität?
    In seinem zweiten Langfilm seziert Regisseur Visar Morina die psychische Wirkung sozialer Ausgrenzung und inszeniert sie als Wechselspiel von Zugehörigkeit und Entfremdung. In subtilen, sich mit dem Zustand seines Protagonisten nach und nach verändernden Bildern und mit präzise agierenden Hauptdarsteller*innen zeigt er, welche Rolle die Persönlichkeit bei der Integration in eine andere Gesellschaft spielt, und wie schnell ein vermeintlich stabiles Identitätsgerüst Risse bekommen kann. (Berlinale 2020)

Fr. 4. Dez. 2020
  1. 09:30
    Los Lobos – Schulvorstellung
    Fr. 4. Dez.

    Nur für Schulklassen

    Odf 94' | Mexiko 2019 | Samuel Kishi Leopo | Spielfilm

    Jenseits der Grenze lockt Disneyland. Mit solchen Träumereien halten sich die Brüder Max und Leo aus Mexiko bei Laune. Ihre Mutter Lucía hingegen hat nach der harten Landung in der Realität keine Zeit mehr für Kopfreisen. In den USA angekommen, nimmt sie mehrere Gelegenheitsjobs an und lässt die Söhne in der Wohnung zurück. Sie lauschen in Endlosschleife den Regeln, welche Lucía auf Kassette aufgenommen hat: «Nie das Haus verlassen! Aufeinander aufpassen!». Wie Wölfe sollen sie sich und ihr Heim beschützen. Der Einöde entfliehen sie nur dank ihrer Fantasie: Auf die Wände der Wohnung kritzeln sie künftige Abenteuer. Basierend auf eigenen Kindheitserfahrungen gibt der Regisseur Einblick in die anhaltende Migrationskrise an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. (nio)

    Im Anschluss animiertes Gespräch mit Jennifer Niedermann, Moderatorin und Spoken Word Artistin

  2. 10:00
    The Grizzlies – Schulvorstellung
    Fr. 4. Dez.

    Nur für Schulklassen

    OVd 104' | Kanada 2018 | Miranda de Pencier | Spielfilm

    Ende der 1990er Jahre hat die kleine arktische Inuit-Gemeinde Kugluktuk eine der höchsten Selbstmordraten unter Jugendlichen in Nordamerika. Als der unerfahrene Lehrer Russ Sheppard dort eintrifft, um eine Stelle an der lokalen Schule anzutreten, sieht er sich mit massiven psychologischen und sozialen Problemen sowie den fatalen Folgen der Kolonisierung indigener Lebenswelten konfrontiert. Auf verlorenem Posten gründet Sheppard trotz allgemeiner Skepsis ein Lacrosse-Team an der Schule. Und diese vermeintlich völlig widersinnige Idee soll weitreichende Folgen haben.

    Anschliessendes Filmgespräch mit RFK Human Rights und Andreas Graf, Head of Human Rights & Anti-Discrimination bei der FIFA.
    Die Robert F. Kennedy Stiftung Schweiz hat gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Menschenrechte der Universität Zürich «Speak Truth To Power» ein facettenreiches Programm zur Menschenrechtsbildung an Schulen entwickelt. Das begleitende Buch kann über info@rfkhumanrights.ch bestellt werden.

  3. 13:30
    And Then We Danced – Schulvorstellung
    Fr. 4. Dez.

    Nur für Schulklassen

    OVd 106' | Schweden, Georgien 2019 | Levan Akin | Spielfilm

    Merab trainiert seit jungen Jahren mit seiner Tanzpartnerin im nationalen georgischen Staatsballett. Als der charismatische und ungezwungene Irakli auftaucht, wird Merabs Welt unversehens auf den Kopf gestellt. Der Neue wird zu seinem grössten Rivalen und zu seiner grössten Leidenschaft. Immer stärker verspürt Merab den Drang, aus seinem konservativen Umfeld auszubrechen und seine Sexualität auszuleben. Dafür muss er alles riskieren. Der schwedische Regisseur Levan Akin kehrt mit «And Then We Danced» zu seinen Wurzeln nach Georgien zurück. In seiner berührenden universell gültigen Emanzipations-Geschichte avanciert die Inszenierung von Körperlichkeit und Tanz zum Brennpunkt. Der Film transportiert das Bewusstsein einer jungen Generation im Korsett strenger Riten und Traditionen, gegen die sich Merab mit den Waffen eines Tänzers auflehnt.

    Im Anschluss animiertes Gespräch mit Tobias Urech (LGBTIQ-Aktivist und Vorstandsmitglied Milchjugend)

  4. 14:00
    Les Hirondelles de Kaboul – Schulvorstellung
    Fr. 4. Dez.

    Nur für Schulklassen

    Fd 80' | Frankreich, Schweiz 2019 | Zabou Breitman, Eléa Gobbé-Mévellec | Animation

    Sommer 1998 in Kabul. Zunaira ist jung und voller Lebenshunger. Diesen zu stillen ist alles andere als einfach: Die Kinos und Theater in ihrer von den Taliban besetzten Heimatstadt sind geschlossen, Musik ist aus der Öffentlichkeit verbannt, die Universität liegt in Trümmern. Also verbringt Zunaira viel Zeit zu Hause, wo sie auch ihren Freund Mohsen trifft. Die zwei lieben sich von ganzem Herzen – doch dann verändert ein dramatischer Unfall alles. Zunaira wird zum Tode verurteilt.
    Der Animationsfilm basiert auf Yasmina Khadras Roman «Die Schwalben von Kabul», den die Regisseurin Zabou Breitman und die Illustratorin Eléa Gobbé-Mévellec für die Leinwand adaptiert haben. Die Geschichte erzählt von Unterdrückung, vom Kampf um ein würdevolles Leben und von der Kraft der Frauen.

    Anschliessendes Filmgespräch mit RFK Human Rights und Farooq Haq, Mitglied der afghanischen Königsfamilie im Exil in der Schweiz.
    Die Robert F. Kennedy Stiftung Schweiz hat gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Menschenrechte der Universität Zürich «Speak Truth To Power» ein facettenreiches Programm zur Menschenrechtsbildung an Schulen entwickelt. Das begleitende Buch kann über info@rfkhumanrights.ch bestellt werden.

  5. 17:30
    Los Lobos
    Fr. 4. Dez.
    Odf 94' | Mexiko 2019 | Samuel Kishi Leopo | Spielfilm

    Jenseits der Grenze lockt Disneyland. Mit solchen Träumereien halten sich die Brüder Max und Leo aus Mexiko bei Laune. Ihre Mutter Lucía hingegen hat nach der harten Landung in der Realität keine Zeit mehr für Kopfreisen. In den USA angekommen, nimmt sie mehrere Gelegenheitsjobs an und lässt die Söhne in der Wohnung zurück. Sie lauschen in Endlosschleife den Regeln, welche Lucía auf Kassette aufgenommen hat: «Nie das Haus verlassen! Aufeinander aufpassen!». Wie Wölfe sollen sie sich und ihr Heim beschützen. Der Einöde entfliehen sie nur dank ihrer Fantasie: Auf die Wände der Wohnung kritzeln sie künftige Abenteuer. Basierend auf eigenen Kindheitserfahrungen gibt der Regisseur Einblick in die anhaltende Migrationskrise an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. (nio)

    Begrüssungsworte
    Léo Kaneman, Gründer und Ehrenpräsident HRFF Zurich
    Pietro Mona, Schweizer Botschafter für Entwicklung, Flucht und Migration

    EINE VERLORENE GENERATION VERHINDERN
    Bildung verbessert die sozioökonomische Perspektive von Migrant*innen, Geflüchteten und Binnenvertriebenen. Sie ist ein Menschenrecht und Katalysator für eine gerechte, friedliche Gesellschaft. Wie kann das Recht auf Bildung für Kinder mit Migrationshintergrund geschützt werden? Es diskutieren Rolf Gollob (Abteilung «Internationale Bildungsentwicklung» der PH Zürich), Valeria Kunz (Bildungschefin, Save the Children Switzerland) und Christine Löw (Direktorin UN-Frauen Verbindungsbüro Genf)

    Moderation: Marguerite Meyer

    Präsentiert mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA, Abteilung Menschliche Sicherheit und dem Latin American Center UZH

  6. 18:15
    Otac/Father
    Fr. 4. Dez.
    OVe 120' | Serbien, Frankreich, Deutschland 2020 | Srdan Golubović | Spielfilm

    Wie weit geht jemand für seine Kinder? Der Behördenwillkür und Korruption in seinem Dorf ausgeliefert, nimmt Nikola 300 Kilometer Fussmarsch von Südserbien nach Belgrad auf sich. Der wortkarge Vater will beim Ministerium für Soziales Beschwerde einlegen und Gerechtigkeit für sich und seine Kinder einfordern. Denn nach einem Selbstmordversuch seiner Frau wegen ausstehenden Lohnzahlungen ist dem Vater das Sorgerecht entzogen worden. Die fadenscheinige Begründung: Er sei zu arm, um seine Familie zu versorgen. Überzeugt, ihm widerfahre Unrecht, will er sich gegen das System wehren. Doch die beschwerliche Reise wird zur Zäsur. Jede Begegnung führt ihm die Ausweglosigkeit seiner Situation weiter vor Augen. Mit jedem Schritt Richtung Belgrad wächst seine Verzweiflung. Nikolas Beharrlichkeit wird mit einem persönlichen Treffen im Ministerium belohnt, doch damit ist sein Kampf noch lange nicht zu Ende. (nio)

  7. 20:30
    Made in Bangladesh
    Fr. 4. Dez.
    OVe 95' | Bangladesch, Dänemark, Frankreich 2019 | Rubaiyat Hossain | Spielfilm

    Shimu und ihre Kolleg*innen arbeiten in einer Textilfabrik. Die Arbeitsstunden sind lang, die Luft ist heiss und stickig und um Strom zu sparen, schaltet der Aufseher gerne mal die Lüftung ab. Auch sexuelle Übergriffe und verbale Erniedrigungen durch die Vorgesetzten sind an der Tagesordnung. Shimu nimmt gegen den Willen ihres Ehemannes und trotz den Drohungen ihres Chefs den Kampf auf und überzeugt ihre Kolleg*innen, eine Gewerkschaft zu gründen. Mit Hilfe einer Anwältin lernt sie, Druck auf die Geschäftsleitung auszuüben.
    Rubaiyat Hossain inszeniert mit viel Feingefühl Shimus Bemühungen, die tief verankerten patriarchalen Strukturen in den Konzernen zu zerschlagen und für ihre Freiheit und Rechte als Frau und Arbeiter*in einzustehen. Das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit mit realen Textilarbeiter*innen und zwingt uns, deren Leidensgeschichte anzuerkennen und unser eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen. (slb)

    FAST FASHION: WELCHE VERANTWORTUNG TRAGEN MODEBRANDS UND KONSUMENT*INNEN?
    Simone Wasmann (Solidar Suisse) und Elisabeth Schenk (Public Eye) diskutieren die aktuelle Situation der Textilarbeiter*innen, die zivilgesellschaftlichen Bewegungen und die Auswirkungen von COVID-19 auf die Textilindustrie im globalen Süden. Simone Wasmann ist Kampagnenverantwortliche für faire Arbeit in Asien und unterstützt den gewerkschaftlichen Aufbau von Arbeiter*innen vor Ort. Elisabeth Schenk ist verantwortlich für die Clean Clothes Campaign (CCC).

    Moderation: Marcy Goldberg

    Präsentiert mit Public Eye, Solidar Suisse und dem International Film Festival and Forum on Human Rights, Geneva

  8. 21:00
    Cat in the Wall
    Fr. 4. Dez.
    OVe 92' | Bulgarien, UK, Frankreich 2019 | Mina Mileva, Vesela Kazakova | Spielfilm

    «Sprecht Englisch, oder ich loch euch ein!», brüllt ein Polizist Irina und ihren Bruder an. Er durchsucht die Wohnung der bulgarischen Geschwister, weil die Nachbarn sie verdächtigen, ihre Katze gestohlen zu haben. Diese und andere Streitereien prägen den Alltag der Bewohner*innen eines heruntergekommenen Hausblocks in London. Irina versucht sich im harten Milieu der Arbeiterklasse zurechtzufinden und macht Doppelschichten, während ihr Bruder auf die Anerkennung seines Lehrerdiploms wartet. Mitunter pinkelt ein Nachbar in den Lift, es wird gestritten und über den bevorstehenden Brexit politisiert. Irina wachsen die Absurditäten und sozialen Ungleichheiten über den Kopf und sie identifiziert sich zusehends mit der Katze, die sich in einem Heizrohr ihrer Küche verkrochen hat und auf bessere Zeiten wartet.
    Mina Mileva und Vesela Kazakova schaffen eine ergreifende Sozialstudie, die feinsensorische Kamera von Dimitar Kostov folgt den Darsteller*innen so leichtfüssig, dass man sich oft in einem Dokumentarfilm glaubt, dem Genre indem sich die Regisseurinnen bisher zuhause fühlten. Auch mit ihrem Spielfilmdebüt zeigen sie viel Gespür für Schauspielführung und Situationskomik. (slb)

Sa. 5. Dez. 2020
  1. 11:00
    Made in Bangladesh
    Sa. 5. Dez.
    OVe 95' | Bangladesch, Dänemark, Frankreich 2019 | Rubaiyat Hossain | Spielfilm

    Shimu und ihre Kolleg*innen arbeiten in einer Textilfabrik. Die Arbeitsstunden sind lang, die Luft ist heiss und stickig und um Strom zu sparen, schaltet der Aufseher gerne mal die Lüftung ab. Auch sexuelle Übergriffe und verbale Erniedrigungen durch die Vorgesetzten sind an der Tagesordnung. Shimu nimmt gegen den Willen ihres Ehemannes und trotz den Drohungen ihres Chefs den Kampf auf und überzeugt ihre Kolleg*innen, eine Gewerkschaft zu gründen. Mit Hilfe einer Anwältin lernt sie, Druck auf die Geschäftsleitung auszuüben.
    Rubaiyat Hossain inszeniert mit viel Feingefühl Shimus Bemühungen, die tief verankerten patriarchalen Strukturen in den Konzernen zu zerschlagen und für ihre Freiheit und Rechte als Frau und Arbeiter*in einzustehen. Das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit mit realen Textilarbeiter*innen und zwingt uns, deren Leidensgeschichte anzuerkennen und unser eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen. (slb)

  2. 11:30
    A Thousand Cuts
    Sa. 5. Dez.
    OVe 110' | USA 2020 | Ramona S. Diaz | Dok

    Auf den Philippinen stirbt die Demokratie einen «langsamen Tod durch tausend Messerstiche». Die regierungskritische Journalistin Maria Ressa benennt eine blutige Realität, die der autokratische Präsident Rodrigo Duterte als persönlichen Erfolg bezeichnet. Seit 2016 regiert er den Inselstaat mit eiserner Hand und geht bei seiner Anti-Drogenpolitik über Leichen. Furchtlos stellen sich Maria Ressa und ihre Mitarbeiter*innen mit dem unabhängigen News-Portal «Rappler» gegen das Regime. Manipulierte Informationen, Machtmissbrauch, Social Media als Brandbeschleuniger: Ihre schonungslose Berichterstattung lässt kein gutes Haar am Präsidenten und seiner Gefolgschaft. Im Namen der Pressefreiheit und für die Aufklärung ihrer Mitbürger*innen riskiert Maria Ressa als Kopf von «Rappler» ihr Leben. (nio)

    PHILIPPINEN: DEMOKRATIE UNTER BESCHUSS (Engl.)
    Im Anschluss erläutert Carlos Conde, Philippinen-Experte bei Human Rights Watch, im Skype-Gespräch die jahrelange, systematische und gewaltsame Unterdrückung von Presse- und Meinungsfreiheit auf den Philippinen. Ein massiver Anstieg an aussergerichtlichen Tötungen sowie gezielte Desinformations- und Hasskampagnen in den sozialen Medien haben diese Entwicklung unter dem derzeitigen Präsidenten Rodrigo Duterte weiter verschärft.

    Moderation: Annette Hug, Autorin und Übersetzerin philippinischer Literatur

    Präsentiert mit Human Rights Watch und Reportagen

  3. 13:00
    Otac/Father
    Sa. 5. Dez.
    OVe 120' | Serbien, Frankreich, Deutschland 2020 | Srdan Golubović | Spielfilm

    Wie weit geht jemand für seine Kinder? Der Behördenwillkür und Korruption in seinem Dorf ausgeliefert, nimmt Nikola 300 Kilometer Fussmarsch von Südserbien nach Belgrad auf sich. Der wortkarge Vater will beim Ministerium für Soziales Beschwerde einlegen und Gerechtigkeit für sich und seine Kinder einfordern. Denn nach einem Selbstmordversuch seiner Frau wegen ausstehenden Lohnzahlungen ist dem Vater das Sorgerecht entzogen worden. Die fadenscheinige Begründung: Er sei zu arm, um seine Familie zu versorgen. Überzeugt, ihm widerfahre Unrecht, will er sich gegen das System wehren. Doch die beschwerliche Reise wird zur Zäsur. Jede Begegnung führt ihm die Ausweglosigkeit seiner Situation weiter vor Augen. Mit jedem Schritt Richtung Belgrad wächst seine Verzweiflung. Nikolas Beharrlichkeit wird mit einem persönlichen Treffen im Ministerium belohnt, doch damit ist sein Kampf noch lange nicht zu Ende. (nio)

  4. 14:45
    Exil
    Sa. 5. Dez.
    OVe 121' | Deutschland, Belgien, Kosovo 2020 | Visar Morina | Spielfilm

    Erst hängt eine tote Ratte an der Tür des Hauses, in dem Xhafer mit seiner Frau und den Kindern lebt. Dann kommen Mails «versehentlich» nicht an. Die Anzeichen, dass der Pharmaingenieur an seinem Arbeitsplatz gemobbt und schikaniert wird, mehren sich. Und auch wenn weder seine Frau noch seine Kolleg*innen ihm Glauben schenken, fühlt sich der seit Jahren gut integrierte Mann aus dem Kosovo immer stärker aus der deutschen Gemeinschaft ausgestossen. Oder verliert er den Bezug zur Realität?
    In seinem zweiten Langfilm seziert Regisseur Visar Morina die psychische Wirkung sozialer Ausgrenzung und inszeniert sie als Wechselspiel von Zugehörigkeit und Entfremdung. In subtilen, sich mit dem Zustand seines Protagonisten nach und nach verändernden Bildern und mit präzise agierenden Hauptdarsteller*innen zeigt er, welche Rolle die Persönlichkeit bei der Integration in eine andere Gesellschaft spielt, und wie schnell ein vermeintlich stabiles Identitätsgerüst Risse bekommen kann. (Berlinale 2020)

  5. 15:45
    Days of Cannibalism
    Sa. 5. Dez.
    OVe 78' | Frankreich, Südafrika, Niederlande 2020 | Teboho Edkins | Dok

    Fressen oder gefressen werden? Seit Arbeitsmigrant*innen aus China ihre Geschäfte im bergigen Hinterland um Lesotho zu etablieren versuchen, bestimmen neue Prinzipien das Leben im Distrikt Thaba-Tseka. Chinesische Waren verdrängen lokale Produkte und wo eine Kuh gerade noch das wertvollste Gut war, ersetzt nun eine währungsbasierte Wirtschaft den traditionellen Tauschhandel. Zwischen Inszenierung und Dokumentation treffen Viehdieb*innen, Ordnungshüter*innen und opportunistische Geschäftsleute in einem modernen, ethnologischen Western aufeinander. Ein Schlaglicht auf Fragen der Assimilation und eine scharfe Beobachtung globalisierter Realität. (nio)

    Im Anschluss Gespräch mit dem Filmemacher Teboho Edkins (Engl.)
    Moderation: Josephine Tedder

  6. 17:30
    The Cave
    Sa. 5. Dez.
    OVe 106' | Dänemark, Deutschland, Katar 2019 | Feras Fayyad | Dok

    Oben lauert der Tod, unter der Erde keimt Hoffnung. In der Hochburg der syrischen Aufständischen in Ost-Ghuta fallen täglich Zivilist*innen den bewaffneten Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen zum Opfer. Mitten in dieser humanitären Katastrophe versuchen mutige Ärzt*innen, unterirdisch den Schutz der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. In den dunklen, labyrinthähnlichen Gängen und Sälen von «The Cave» warten Patient*innen auf eine Behandlung. Kinder, Eltern, alte Menschen, die Opfer von Giftgasangriffen oder Splitterbomben wurden. Unter der Leitung der angehenden Kinderärztin Dr. Amani – eine Frau würde im patriarchal geprägten Syrien unter gewöhnlichen Umständen niemals eine Führungsposition einnehmen – kämpft das Team ums Überleben und oft auch gegen die eigenen Traumata. (nio)

    MEDICAL ORDER WITHIN THE CHAOS OF WAR (Engl.)
    Wie ist es möglich, unter den widrigsten Bedingungen, Menschen medizinisch zu versorgen? Wo liegt die Grenze zwischen ärztlicher Pflicht und lebensbedrohlicher Selbstaufgabe? Gespräch mit dem Filmemacher Feras Fayyad und Imad Aoun, Communications & Advocacy Adviser von MSF.

    Moderation: Rafaela Roth (Journalistin NZZ am Sonntag)

    Präsentiert mit Médecins Sans Frontières

    The Cave gewinnt den erstmals vergebenen Prix Célestine von Interfilm Schweiz.

  7. 18:00
    Lovemobil
    Sa. 5. Dez.
    OVe 106' | Deutschland 2019 | Elke Margarete Lehrenkrauss | Dok

    Irgendwo am Waldrand an einer Autostrasse steht ein Camper mit farbigen Lämpchen. Rita und Milena, die abwechslungsweise im Lovemobil auf Freier warten, telefonieren mit Freundinnen, machen ihre Wäsche oder streiten mit der Wohnmobilbesitzerin und Zuhälterin Uschi.
    Ohne Sexarbeit zu beschönigen erscheint weder Uschi als simple Täterin noch wirken die beiden für sie arbeitenden Frauen – Rita aus Nigeria, Milena aus Bulgarien – nur als Opfer. Diese Grauzonen interessieren die Filmregisseurin Elke Lehrenkrauss, die ihren Protagonistinnen aufmerksam zuhört. Schillernd in den Farben der Nacht gefilmt, spiegelt Lovemobil die Ambivalenz der Prostitution. Kleine, für den Film arrangierte Szenen zeigen, dass die Frauen bei der Entstehung des Filmes mitgewirkt haben und sorgen neben teils brutalen auch für vergnügliche Momente. Der Film besticht durch seine mit Krimielementen angereicherte Mischung aus Figuren- und Sozialstudie. Aufgrund dieser Vielseitigkeit gehen die individuellen und gleichzeitig von einem grausamen Menschenhandelssystem geprägten Geschichten besonders nah. (Jenny Billeter, Xenix)

    SEX GEGEN GELD: ZWISCHEN SELBSTBESTIMMUNG UND PREKARIAT
    Sexarbeit ist Arbeit unter erschwerten Bedingungen. In der Schweiz ist sie zwar legal, aber von strukturellen Problemen geprägt. Gesellschaftliche Stigmata, politische Barrieren, ökonomische Abhängigkeiten und nicht zuletzt die aktuelle Pandemie machen den Sexarbeiter*innen das Leben schwer. Eine Diskussion zur Lage der Sexarbeit in der Schweiz mit der Regisseurin Elke Lehrenkrauss und Lelia Hunziker (Geschäftsführerin FIZ – Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration).

    Moderation: Noëmi Landolt (Journalistin WOZ)

  8. 20:30
    17 Blocks
    Sa. 5. Dez.
    E 98' | USA 2019 | Davy Rothbart | Dok

    Nur 17 Strassen vom Kapitol in Washington D. C. entfernt prägen Drogenprobleme, Gewalt und Armut Emmanuels Nachbarschaft. 1999 erhält der Neunjährige eine Videokamera, mit der er während zwei Jahrzehnten seine Familie begleitet. Zu Beginn fängt der unschuldige Kinderblick Alltagsszenen ein. Bald deckt die Kamera auf, was das Aufwachsen in einer vernachlässigten Gegend der USA für People of Colour bedeuten kann und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur Davy Rothbart entstand in dieser Langzeitdokumentation ein intimes Familienporträt, das weit über den Horizont des Quartiers und Emmanuels Familie hinaus weist. Schonungslos und emotional gibt sie Einblick in das von strukturellem Rassismus geprägte Amerika und in die hochaktuelle Krise eines Landes. (nio)

    RASSISMUS – KLASSISMUS | HEUTE & DAMALS (Deutsch & Engl.)
    Ausgrenzung, Benachteiligung, Chancenungerechtigkeit, institutioneller und struktureller Rassismus: Privilegien haben oder nicht haben, und die daraus resultierenden Folgen zeigt 17 Blocks exemplarisch auf. Es ist die Dokumentation einer Geschichte von vielen in den USA – von damals, sowie von heute. Noch immer ist die gezeigte Problematik Teil der gesellschaftlichen Strukturen und prägt den Alltag von BIPOC. Was liegt dazwischen, was hat sich verändert? Wie sieht es in der Schweiz aus? Das Gespräch mit Fork Burke (Dichterin) und Tarek Naguib (Jurist, Aktivist) wirft einen Blick auf die USA und schlägt die Brücke zur Schweiz.

    Moderation: Elisa da Costa (Black Film Festival Zurich)

    Präsentiert mit dem Black Film Festival Zurich

  9. 21:00
    «How Does it Feel?» Konzert mit Soya The Cow
    Sa. 5. Dez.

    !NEUE ANFANGSZEIT!

    im Kosmos Klub & virtuell
    Freier Eintritt

    D 60' | Berlin | Daniel Hellmann | Konzert

    Soya ist die erste sex-positive, feministische, vegane Drag-Kuh der Welt. Singend, tanzend, muhend und sprechend kämpft sie für die Befreiung von allen. Sie sprengt die Grenzen von Gender und Spezies und steht ein für eine Welt voller Freude und Mitgefühl.
    Für ihre Performance am Human Rights Film Festival Zurich kombiniert Soya Elektropop-Songs aus der Perspektive einer Milchkuh mit persönlich-menschlichen Geschichten und Träumen. Wie würde unser Leben aussehen, wenn wir damit aufhörten, andere in Stücke zu schneiden? Können wir frei sein, wenn nicht alle frei sind? Soyas Musik bewegt, regt zum Denken an und rüttelt am Selbstbild, welches den Menschen stets ins Zentrum stellt.

  10. 21:00
    The Earth Is Blue as an Orange
    Sa. 5. Dez.
    OVe 74' | Ukraine, Litauen 2020 | Iryna Tsilyk | Dok

    «Der Krieg hat mich reizbar und böse werden lassen!», sagt die junge Nastja in die Kamera. Die alleinstehende Mutter Anna befragt ihre vier Kinder, wie sie im ukrainischen Donbas mit dem Lärm der Granaten, dem Stromausfall und der Angst umgehen. Seit fünf Jahren leben sie mit dem Krieg, regelmässig stürzen Häuser ein, viele Bewohner*innen haben das Dorf verlassen. Die älteste Tochter Mira, die sich für die Aufnahmeprüfung an der Filmschule in Kiev vorbereitet, macht derweil einen Film im Film. Sie inszeniert stilsicher die im Dorf stationierten Soldaten, ihre Geschwister und Grossmutter und erzählt durch diese Metaebene ihre Version der ukrainischen Verstrickung von Geschichte, Krieg und Überlebenskampf.
    Iryna Tsilyk beobachtet die Familie mit unglaublicher Empathie. Sie lässt uns teilhaben an der Absurdität des Krieges, aber auch an ganz normalen Alltagsmomenten, wenn Anna dem Kleinsten mit einem entschlossenen Ruck am Faden einen Zahn zieht – auch hier liegen Schmerz und Erleichterung nahe zusammen. Ein wunderbares Dokument über den Zusammenhalt einer Familie und Filmschaffen als Trost und Kraftquelle. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit der Filmemacherin Iryna Tsilyk
    Moderation: Aline Juchler

So. 6. Dez. 2020
  1. 11:00
    I am Greta
    So. 6. Dez.
    Odf 102' | Schweden 2020 | Nathan Grossman | Dok

    Die 15-jährige Greta Thunberg hat ein nahezu fotografisches Gedächtnis. Sie kennt mehr Fakten zur Erderwärmung als manche Politiker*in, deren Prioritäten bei ganz anderen Themen liegen. Greta will sie aufwecken und setzt sich vor das schwedische Parlament. Auf ihrem Pappschild steht «Schulstreik für das Klima». Lange protestiert sie alleine, wird angepöbelt, zurück in die Schule geschickt, bis sich schliesslich ein Mädchen dazu setzt. Wenige Monate später geht sie mit Tausenden auf die Strasse und weltweit unterstützen sie Millionen von Jugendlichen mit der Bewegung «Fridays for Future».
    Nathan Grossman begleitet Greta an die Demonstrationen, Treffen mit Politiker*innen, auf ihrer Ozeanüberquerung nach New York. Er erschafft ein sorgfältiges Porträt über das Mädchen hinter dem Medienrummel, ihre Nähe zum Vater, der sie auf den anstrengenden Reisen unterstützt, ihre Liebe zu Hunden, ihren Umgang mit dem Asperger-Syndrom. Ein dichter und ergreifender Film, der die Motivation der Klimaaktivistin und ihre unerbittliche Persönlichkeit angesichts der Dringlichkeit der Krise nachvollziehbar macht. (slb)

    WIE VERÄNDERT SICH DIE KLIMA-ARBEIT DURCH DIE NEUE KLIMABEWEGUNG?
    Wird es uns gelingen die Klimaerhitzung zu stoppen? Seit Greta Thunberg und mit ihr weltweit millionen junge Menschen auf den Plan getreten sind, kann diese Frage wieder optimistischer beantwortet werden. Und dennoch sind wir längst nicht am Ziel. Welche Strategien bestimmen die aktuelle Klima-Arbeit und wie kann jede*r zur Lösung beitragen? Greenpeace Schweiz wird nach dem Film Rede und Antwort stehen.

    Präsentiert mit Greenpeace Schweiz und Film Festival Diritti Umani Lugano

  2. 11:30
    Los Lobos
    So. 6. Dez.
    Odf 94' | Mexiko 2019 | Samuel Kishi Leopo | Spielfilm

    Jenseits der Grenze lockt Disneyland. Mit solchen Träumereien halten sich die Brüder Max und Leo aus Mexiko bei Laune. Ihre Mutter Lucía hingegen hat nach der harten Landung in der Realität keine Zeit mehr für Kopfreisen. In den USA angekommen, nimmt sie mehrere Gelegenheitsjobs an und lässt die Söhne in der Wohnung zurück. Sie lauschen in Endlosschleife den Regeln, welche Lucía auf Kassette aufgenommen hat: «Nie das Haus verlassen! Aufeinander aufpassen!». Wie Wölfe sollen sie sich und ihr Heim beschützen. Der Einöde entfliehen sie nur dank ihrer Fantasie: Auf die Wände der Wohnung kritzeln sie künftige Abenteuer. Basierend auf eigenen Kindheitserfahrungen gibt der Regisseur Einblick in die anhaltende Migrationskrise an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. (nio)

  3. 13:30
    Reunited
    So. 6. Dez.
    OVe 78' | Dänemark 2020 | Mira Jargil | Dok

    «In welchem Land in Europa würdest du dich sicher fühlen?», fragt der Helfer auf dem Rettungsboot. Die verstörte Rana antwortet: «Egal, Hauptsache unsere Familie wird nicht auseinandergerissen». Doch genau diese Befürchtungen treffen ein. Ranas Familie wird durch die chaotischen Fluchtumstände auf drei Länder zerstreut. Ihr Mann strandet in Kanada, sie selbst kommt nach Dänemark, und die Söhne Jad (11) und Nidal (17) sitzen alleine in der Türkei fest. Der Film folgt den Bemühungen der Mutter, Visa für ihre Kinder zu bekommen, während der Vater, der bereits in Kanada arbeiten darf, das nötige Geld schickt. Die zermürbende Bürokratie wird entlarvt und wirft die Familie in eine Endlosschlaufe des Wartens. Das intime Porträt zeigt die Verzweiflung der Eltern und Kinder, die auch die zahlreichen Video-Calls nicht überwinden können. Es feiert aber auch die kleinen Erfolgsmomente, wenn sie sich der Wiedervereinigung ein kleines Stück nähern. (slb)

    WARTESCHLEIFE ASYL – PERSPEKTIVEN AUF JURISTISCHE UND ALLTÄGLICHE HERAUSFORDE-RUNGEN VON GEFLÜCHTETEN IN DER SCHWEIZ
    Diskussion mit Stephanie Motz, Asylanwältin und Malek Ossi, Aktivist bei der Autonomen Schule Zürich und Student der Sozialen Arbeit. Wie steht es um die Familienzusammenführung in der Schweiz? Welche juristischen und alltäglichen Herausforderungen stellen sich für Geflüchtete? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es?

    Moderation: Nicola Diday

  4. 14:00
    Days of Cannibalism
    So. 6. Dez.
    OVe 78' | Frankreich, Südafrika, Niederlande 2020 | Teboho Edkins | Dok

    Fressen oder gefressen werden? Seit Arbeitsmigrant*innen aus China ihre Geschäfte im bergigen Hinterland um Lesotho zu etablieren versuchen, bestimmen neue Prinzipien das Leben im Distrikt Thaba-Tseka. Chinesische Waren verdrängen lokale Produkte und wo eine Kuh gerade noch das wertvollste Gut war, ersetzt nun eine währungsbasierte Wirtschaft den traditionellen Tauschhandel. Zwischen Inszenierung und Dokumentation treffen Viehdieb*innen, Ordnungshüter*innen und opportunistische Geschäftsleute in einem modernen, ethnologischen Western aufeinander. Ein Schlaglicht auf Fragen der Assimilation und eine scharfe Beobachtung globalisierter Realität. (nio)

  5. 15:45
    17 Blocks
    So. 6. Dez.
    E 98' | USA 2019 | Davy Rothbart | Dok

    Nur 17 Strassen vom Kapitol in Washington D. C. entfernt prägen Drogenprobleme, Gewalt und Armut Emmanuels Nachbarschaft. 1999 erhält der Neunjährige eine Videokamera, mit der er während zwei Jahrzehnten seine Familie begleitet. Zu Beginn fängt der unschuldige Kinderblick Alltagsszenen ein. Bald deckt die Kamera auf, was das Aufwachsen in einer vernachlässigten Gegend der USA für People of Colour bedeuten kann und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur Davy Rothbart entstand in dieser Langzeitdokumentation ein intimes Familienporträt, das weit über den Horizont des Quartiers und Emmanuels Familie hinaus weist. Schonungslos und emotional gibt sie Einblick in das von strukturellem Rassismus geprägte Amerika und in die hochaktuelle Krise eines Landes. (nio)

  6. 16:15
    Lovemobil
    So. 6. Dez.
    OVe 106' | Deutschland 2019 | Elke Margarete Lehrenkrauss | Dok

    Irgendwo am Waldrand an einer Autostrasse steht ein Camper mit farbigen Lämpchen. Rita und Milena, die abwechslungsweise im Lovemobil auf Freier warten, telefonieren mit Freundinnen, machen ihre Wäsche oder streiten mit der Wohnmobilbesitzerin und Zuhälterin Uschi.
    Ohne Sexarbeit zu beschönigen erscheint weder Uschi als simple Täterin noch wirken die beiden für sie arbeitenden Frauen – Rita aus Nigeria, Milena aus Bulgarien – nur als Opfer. Diese Grauzonen interessieren die Filmregisseurin Elke Lehrenkrauss, die ihren Protagonistinnen aufmerksam zuhört. Schillernd in den Farben der Nacht gefilmt, spiegelt Lovemobil die Ambivalenz der Prostitution. Kleine, für den Film arrangierte Szenen zeigen, dass die Frauen bei der Entstehung des Filmes mitgewirkt haben und sorgen neben teils brutalen auch für vergnügliche Momente. Der Film besticht durch seine mit Krimielementen angereicherte Mischung aus Figuren- und Sozialstudie. Aufgrund dieser Vielseitigkeit gehen die individuellen und gleichzeitig von einem grausamen Menschenhandelssystem geprägten Geschichten besonders nah. (Jenny Billeter, Xenix)

  7. 18:00
    I Owe You a Letter About Brazil
    So. 6. Dez.
    OVe 90' | Brasilien 2020 | Carol Benjamin | Dok

    Ein Vater, der schweigt, eine Grossmutter als Widerstandsfigur und eine Tochter, die versucht, die blinden Flecken ihrer Familiengeschichte zu verstehen: I Owe You a Letter About Brazil blickt zurück ins Brasilien der 70er-Jahre, als Carols Vater César sich als Jugendlicher gegen die Militärdiktatur auflehnt. Sein politisches Engagement wird ihm zum Verhängnis. Noch minderjährig wird César zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt, gefoltert und durch Einzelhaft zum Schweigen gebracht. Dank dem unerbittlichen Kampf seiner Mutter Iramaya, Grossmutter der Regisseurin, wird er nach fünf Jahren freigelassen. Als roter Faden des Films dient der Briefwechsel, welcher Iramaya mit einer schwedischen Mitarbeiterin von Amnesty International während vielen Jahren führte. Carol Benjamin richtet so einen filmischen Liebesbrief an den gezeichneten Vater und gibt gleichzeitig Einblick in ein Land, auf dessen Schultern die Vergangenheit noch immer schwer lastet. (nio)

    DIE DEMOKRATIE IN BRASILIEN RETTEN: EIN HOFFNUNGSLOSES UNTERFANGEN? (Engl.)
    Gespräch mit der Filmemacherin Carol Benjamin und mit Lisa Salza von Amnesty International. 35 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist mit Jair Bolsonaro ein Mann an der Regierungsspitze, der die Diktatur verherrlicht, Folter befürwortet und eine offen menschenrechtsfeindliche Politik betreibt. Seit seiner Amtsübernahme hat das Militär seinen Einfluss stark ausgebaut. Wie nahe ist das heutige Brasilien an den repressiven Zuständen von damals? Was haben Oppositionelle zu befürchten?

    Moderation: Jenny Billeter

    Präsentiert mit Amnesty International Schweiz, dem International Film Festival and Forum on Human Rights, Geneva und dem Latin American Center UZH

  8. 18:30
    A Thousand Cuts
    So. 6. Dez.
    OVe 110' | USA 2020 | Ramona S. Diaz | Dok

    Auf den Philippinen stirbt die Demokratie einen «langsamen Tod durch tausend Messerstiche». Die regierungskritische Journalistin Maria Ressa benennt eine blutige Realität, die der autokratische Präsident Rodrigo Duterte als persönlichen Erfolg bezeichnet. Seit 2016 regiert er den Inselstaat mit eiserner Hand und geht bei seiner Anti-Drogenpolitik über Leichen. Furchtlos stellen sich Maria Ressa und ihre Mitarbeiter*innen mit dem unabhängigen News-Portal «Rappler» gegen das Regime. Manipulierte Informationen, Machtmissbrauch, Social Media als Brandbeschleuniger: Ihre schonungslose Berichterstattung lässt kein gutes Haar am Präsidenten und seiner Gefolgschaft. Im Namen der Pressefreiheit und für die Aufklärung ihrer Mitbürger*innen riskiert Maria Ressa als Kopf von «Rappler» ihr Leben. (nio)

  9. 20:30
    iHUMAN
    So. 6. Dez.
    OVe 99' | Norwegen 2019 | Tonje Hessen Schei | Dok

    Ob Armut, Krankheiten, Terror oder gar der Klimawandel: Künstliche Intelligenz, heisst es, wird alle Probleme der heutigen Gesellschaft lösen. Gleichzeitig werde sie uns vor neue Probleme stellen, Cyber-Kriege auslösen, Falschinformationen verbreiten und schliesslich die soziale Kontrolle übernehmen. Aus dem Innern der florierenden KI-Branche zeichnen Expert*innen ein düsteres Bild bevorstehender Zeiten. Im Wissen um die soziale und politische Sprengkraft ihrer Arbeit bastelt die Wissenschaft an einer kontroversen Zukunft, in der Maschinen regieren werden. Entwickelt die Menschheit gerade ein neues Leben, das sie selbst überflüssig macht? Lassen wir uns von einer unberechenbaren Supermacht eine neue Realität diktieren? Inwiefern wird die Technologie unser Selbstverständnis verändern und wie ist es möglich, den Algorithmen trotz allem Menschlichkeit beizubringen? Zwischen Science-Fiction und politischem Thriller fragt iHuman nach den Konsequenzen einer anrollenden Revolution. (nio)

    ARTIFICIAL INTELLIGENCE: CURSE OR BLESSING? Gespräch mit Sanija Ameti, Senior Advisor ICT4Peace und Sophie Charlotte Fischer vom Center for Security Studies der ETH Zürich über Gefahren und Potenzial künstlicher Intelligenz. Wieviel Eigenständigkeit kann Robotern zugestanden werden und wie können wir unsere Menschenrechte und Ethik vor dieser künstlichen Spezies schützen?

    Moderation: Marguerite Meyer

    Präsentiert mit ICT4Peace Foundation, ETH for Development und dem International Film Festival and Forum on Human Rights, Geneva

  10. 21:00
    The Cave
    So. 6. Dez.
    OVe 106' | Dänemark, Deutschland, Katar 2019 | Feras Fayyad | Dok

    Oben lauert der Tod, unter der Erde keimt Hoffnung. In der Hochburg der syrischen Aufständischen in Ost-Ghuta fallen täglich Zivilist*innen den bewaffneten Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen zum Opfer. Mitten in dieser humanitären Katastrophe versuchen mutige Ärzt*innen, unterirdisch den Schutz der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. In den dunklen, labyrinthähnlichen Gängen und Sälen von «The Cave» warten Patient*innen auf eine Behandlung. Kinder, Eltern, alte Menschen, die Opfer von Giftgasangriffen oder Splitterbomben wurden. Unter der Leitung der angehenden Kinderärztin Dr. Amani – eine Frau würde im patriarchal geprägten Syrien unter gewöhnlichen Umständen niemals eine Führungsposition einnehmen – kämpft das Team ums Überleben und oft auch gegen die eigenen Traumata. (nio)

Mo. 7. Dez. 2020
  1. 09:30
    The Grizzlies – Schulvorstellung
    Mo. 7. Dez.

    Nur für Schulklassen

    OVd 104' | Kanada 2018 | Miranda de Pencier | Spielfilm

    Ende der 1990er Jahre hat die kleine arktische Inuit-Gemeinde Kugluktuk eine der höchsten Selbstmordraten unter Jugendlichen in Nordamerika. Als der unerfahrene Lehrer Russ Sheppard dort eintrifft, um eine Stelle an der lokalen Schule anzutreten, sieht er sich mit massiven psychologischen und sozialen Problemen sowie den fatalen Folgen der Kolonisierung indigener Lebenswelten konfrontiert. Auf verlorenem Posten gründet Sheppard trotz allgemeiner Skepsis ein Lacrosse-Team an der Schule. Und diese vermeintlich völlig widersinnige Idee soll weitreichende Folgen haben.

    Anschliessendes Filmgespräch mit RFK Human Rights und Andreas Graf, Head of Human Rights & Anti-Discrimination bei der FIFA.
    Die Robert F. Kennedy Stiftung Schweiz hat gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Menschenrechte der Universität Zürich «Speak Truth To Power» ein facettenreiches Programm zur Menschenrechtsbildung an Schulen entwickelt. Das begleitende Buch kann über info@rfkhumanrights.ch bestellt werden.

  2. 13:30
    Les Hirondelles de Kaboul – Schulvorstellung
    Mo. 7. Dez.

    Nur für Schulklassen

    Fd 80' | Frankreich, Schweiz 2019 | Zabou Breitman, Eléa Gobbé-Mévellec | Animation

    Sommer 1998 in Kabul. Zunaira ist jung und voller Lebenshunger. Diesen zu stillen ist alles andere als einfach: Die Kinos und Theater in ihrer von den Taliban besetzten Heimatstadt sind geschlossen, Musik ist aus der Öffentlichkeit verbannt, die Universität liegt in Trümmern. Also verbringt Zunaira viel Zeit zu Hause, wo sie auch ihren Freund Mohsen trifft. Die zwei lieben sich von ganzem Herzen – doch dann verändert ein dramatischer Unfall alles. Zunaira wird zum Tode verurteilt.
    Der Animationsfilm basiert auf Yasmina Khadras Roman «Die Schwalben von Kabul», den die Regisseurin Zabou Breitman und die Illustratorin Eléa Gobbé-Mévellec für die Leinwand adaptiert haben. Die Geschichte erzählt von Unterdrückung, vom Kampf um ein würdevolles Leben und von der Kraft der Frauen.

    Anschliessendes Filmgespräch mit RFK Human Rights und Farooq Haq, Mitglied der afghanischen Königsfamilie im Exil in der Schweiz.
    Die Robert F. Kennedy Stiftung Schweiz hat gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Menschenrechte der Universität Zürich «Speak Truth To Power» ein facettenreiches Programm zur Menschenrechtsbildung an Schulen entwickelt. Das begleitende Buch kann über info@rfkhumanrights.ch bestellt werden.

  3. 14:00
    And Then We Danced – Schulvorstellung
    Mo. 7. Dez.

    Nur für Schulklassen

    OVd 106' | Schweden, Georgien 2019 | Levan Akin | Spielfilm

    Merab trainiert seit jungen Jahren mit seiner Tanzpartnerin im nationalen georgischen Staatsballett. Als der charismatische und ungezwungene Irakli auftaucht, wird Merabs Welt unversehens auf den Kopf gestellt. Der Neue wird zu seinem grössten Rivalen und zu seiner grössten Leidenschaft. Immer stärker verspürt Merab den Drang, aus seinem konservativen Umfeld auszubrechen und seine Sexualität auszuleben. Dafür muss er alles riskieren. Der schwedische Regisseur Levan Akin kehrt mit «And Then We Danced» zu seinen Wurzeln nach Georgien zurück. In seiner berührenden universell gültigen Emanzipations-Geschichte avanciert die Inszenierung von Körperlichkeit und Tanz zum Brennpunkt. Der Film transportiert das Bewusstsein einer jungen Generation im Korsett strenger Riten und Traditionen, gegen die sich Merab mit den Waffen eines Tänzers auflehnt.

    Im Anschluss animiertes Gespräch mit Tobias Urech (LGBTIQ-Aktivist und Vorstandsmitglied Milchjugend)

  4. 18:00
    ACASA, MY HOME
    Mo. 7. Dez.
    OVe 86' | Rumänien 2020 | Radu Ciorniciuc | Dok

    Sie fangen Fische, pirschen durchs Dickicht, kennen jede Pflanze und jedes Versteck. In der Grossstadt hingegen ist die elfköpfige Familie Enache orientierungslos. Vergeblich sträuben sie sich gegen die Entscheidung der Regierung, sie nach Bukarest umzusiedeln. Ihr altes Zuhause im stillgelegten Wasserreservoir am Stadtrand soll aufgewertet werden und ihre Baracke einem Naturschutzgebiet weichen. Die Pflichten und Zwänge, die die moderne Gesellschaft mit sich bringt, sind ein Kulturschock für die Familie. Die Enaches versuchen, sich an die neue Situation zu gewöhnen, doch die angeblichen Annehmlichkeiten entpuppen sich als tägliche Herausforderungen. Das Leben in der Natur war mit vielen Entbehrungen verbunden, doch dasjenige in der Zivilisation konfrontiert sie mit einem ganz neuen Kampf ums Überleben. (nio)

    KOSMOPOLITICS (STREAMING) 20:00

    WOHN(T)RÄUME. WER HAT PLATZ IN UNSERER STADT?
    Städte sind Orte an denen verschiedenste Menschen leben. Auch in Zürich. Doch der Boden, auf dem eine Stadt steht, ist nicht vermehrbar. Weitergebaut wird trotzdem. Für wen hat es in Zürich Platz? Wer wird in Zukunft bleiben können, wer nicht? Und wer entscheidet überhaupt, wie sich die Stadt weiterentwickelt? Ein Gespräch mit Monika Streule (Stadtethnologin Departement Architektur ETH), Felix Bosshard (Präsident Gemeinnützige Bau- und Mietergenossenschaft Zürich) und Anna Schindler (Direktorin Stadtentwicklung, Stadt Zürich) über Wohnräume, Träume und Realitäten unserer Stadt.

    Moderation: Rahel Bains (Journalistin Tsüri.ch)

    Präsentiert mit Tsüri.ch

  5. 18:30
    The Earth Is Blue as an Orange
    Mo. 7. Dez.
    OVe 74' | Ukraine, Litauen 2020 | Iryna Tsilyk | Dok

    «Der Krieg hat mich reizbar und böse werden lassen!», sagt die junge Nastja in die Kamera. Die alleinstehende Mutter Anna befragt ihre vier Kinder, wie sie im ukrainischen Donbas mit dem Lärm der Granaten, dem Stromausfall und der Angst umgehen. Seit fünf Jahren leben sie mit dem Krieg, regelmässig stürzen Häuser ein, viele Bewohner*innen haben das Dorf verlassen. Die älteste Tochter Mira, die sich für die Aufnahmeprüfung an der Filmschule in Kiev vorbereitet, macht derweil einen Film im Film. Sie inszeniert stilsicher die im Dorf stationierten Soldaten, ihre Geschwister und Grossmutter und erzählt durch diese Metaebene ihre Version der ukrainischen Verstrickung von Geschichte, Krieg und Überlebenskampf.
    Iryna Tsilyk beobachtet die Familie mit unglaublicher Empathie. Sie lässt uns teilhaben an der Absurdität des Krieges, aber auch an ganz normalen Alltagsmomenten, wenn Anna dem Kleinsten mit einem entschlossenen Ruck am Faden einen Zahn zieht – auch hier liegen Schmerz und Erleichterung nahe zusammen. Ein wunderbares Dokument über den Zusammenhalt einer Familie und Filmschaffen als Trost und Kraftquelle. (slb)

  6. 20:30
    DAS NEUE EVANGELIUM
    Mo. 7. Dez.
    Odf 107' | Deutschland, Schweiz 2020 | Milo Rau | Hybrider Dok

    Matera in Italien ist 2019 Kulturhauptstadt Europas. In den pittoresken Gassen wurde schon mancher Jesusfilm gedreht. Keiner war so ketzerisch wie dieser: Milo Rau stellt die Frage, was Gottes Sohn und seine Apostel heute predigen würden. Er besetzt Yvan Sagnet als Jesus, weitere schwarze Geflüchtete spielen seine Jünger. Jesus verhandelt mit dem Teufel und spricht mit einer Prostituierten, die wie er von einem paradiesischen Leben in Europa geträumt hatte. Viele der Protagonisten arbeiten für einen Hungerlohn in der italienischen Tomatenproduktion. Mit der «Rivolta della dignità» möchten die Aktivist*innen auf die Missstände aufmerksam machen und die Anerkennung ihrer Menschenwürde erreichen – was nicht die Räumung der Lager bedeuten soll, sondern vorerst eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Milo Rau begleitet sie bei ihrem Kampf und inszeniert das Schicksal von Jesus als hybride, bildgewaltige Leidensgeschichte. So erschafft er ein neues Narrativ der Armen und Entrechteten. Die Via Dolorosa führt heute übers Mittelmeer und in Europa warten die blutrünstigen Massen, die die Kreuzigung mit ihrem Handy filmen. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit Gästen.
    Moderation Katharina Morawek, Präsidentin HRFF Zurich

  7. 21:00
    I Owe You a Letter About Brazil
    Mo. 7. Dez.
    OVe 90' | Brasilien 2020 | Carol Benjamin | Dok

    Ein Vater, der schweigt, eine Grossmutter als Widerstandsfigur und eine Tochter, die versucht, die blinden Flecken ihrer Familiengeschichte zu verstehen: I Owe You a Letter About Brazil blickt zurück ins Brasilien der 70er-Jahre, als Carols Vater César sich als Jugendlicher gegen die Militärdiktatur auflehnt. Sein politisches Engagement wird ihm zum Verhängnis. Noch minderjährig wird César zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt, gefoltert und durch Einzelhaft zum Schweigen gebracht. Dank dem unerbittlichen Kampf seiner Mutter Iramaya, Grossmutter der Regisseurin, wird er nach fünf Jahren freigelassen. Als roter Faden des Films dient der Briefwechsel, welcher Iramaya mit einer schwedischen Mitarbeiterin von Amnesty International während vielen Jahren führte. Carol Benjamin richtet so einen filmischen Liebesbrief an den gezeichneten Vater und gibt gleichzeitig Einblick in ein Land, auf dessen Schultern die Vergangenheit noch immer schwer lastet. (nio)

Di. 8. Dez. 2020
  1. 13:30
    Los Lobos – Schulvorstellung
    Di. 8. Dez.

    Nur für Schulklassen

    Odf 94' | Mexiko 2019 | Samuel Kishi Leopo | Spielfilm

    Jenseits der Grenze lockt Disneyland. Mit solchen Träumereien halten sich die Brüder Max und Leo aus Mexiko bei Laune. Ihre Mutter Lucía hingegen hat nach der harten Landung in der Realität keine Zeit mehr für Kopfreisen. In den USA angekommen, nimmt sie mehrere Gelegenheitsjobs an und lässt die Söhne in der Wohnung zurück. Sie lauschen in Endlosschleife den Regeln, welche Lucía auf Kassette aufgenommen hat: «Nie das Haus verlassen! Aufeinander aufpassen!». Wie Wölfe sollen sie sich und ihr Heim beschützen. Der Einöde entfliehen sie nur dank ihrer Fantasie: Auf die Wände der Wohnung kritzeln sie künftige Abenteuer. Basierend auf eigenen Kindheitserfahrungen gibt der Regisseur Einblick in die anhaltende Migrationskrise an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. (nio)

    Im Anschluss animiertes Gespräch mit Jennifer Niedermann, Moderatorin und Spoken Word Artistin

  2. 18:00
    DAS NEUE EVANGELIUM
    Di. 8. Dez.
    Odf 107' | Deutschland, Schweiz 2020 | Milo Rau | Hybrider Dok

    Matera in Italien ist 2019 Kulturhauptstadt Europas. In den pittoresken Gassen wurde schon mancher Jesusfilm gedreht. Keiner war so ketzerisch wie dieser: Milo Rau stellt die Frage, was Gottes Sohn und seine Apostel heute predigen würden. Er besetzt Yvan Sagnet als Jesus, weitere schwarze Geflüchtete spielen seine Jünger. Jesus verhandelt mit dem Teufel und spricht mit einer Prostituierten, die wie er von einem paradiesischen Leben in Europa geträumt hatte. Viele der Protagonisten arbeiten für einen Hungerlohn in der italienischen Tomatenproduktion. Mit der «Rivolta della dignità» möchten die Aktivist*innen auf die Missstände aufmerksam machen und die Anerkennung ihrer Menschenwürde erreichen – was nicht die Räumung der Lager bedeuten soll, sondern vorerst eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Milo Rau begleitet sie bei ihrem Kampf und inszeniert das Schicksal von Jesus als hybride, bildgewaltige Leidensgeschichte. So erschafft er ein neues Narrativ der Armen und Entrechteten. Die Via Dolorosa führt heute übers Mittelmeer und in Europa warten die blutrünstigen Massen, die die Kreuzigung mit ihrem Handy filmen. (slb)

  3. 18:30
    Reunited
    Di. 8. Dez.
    OVe 78' | Dänemark 2020 | Mira Jargil | Dok

    «In welchem Land in Europa würdest du dich sicher fühlen?», fragt der Helfer auf dem Rettungsboot. Die verstörte Rana antwortet: «Egal, Hauptsache unsere Familie wird nicht auseinandergerissen». Doch genau diese Befürchtungen treffen ein. Ranas Familie wird durch die chaotischen Fluchtumstände auf drei Länder zerstreut. Ihr Mann strandet in Kanada, sie selbst kommt nach Dänemark, und die Söhne Jad (11) und Nidal (17) sitzen alleine in der Türkei fest. Der Film folgt den Bemühungen der Mutter, Visa für ihre Kinder zu bekommen, während der Vater, der bereits in Kanada arbeiten darf, das nötige Geld schickt. Die zermürbende Bürokratie wird entlarvt und wirft die Familie in eine Endlosschlaufe des Wartens. Das intime Porträt zeigt die Verzweiflung der Eltern und Kinder, die auch die zahlreichen Video-Calls nicht überwinden können. Es feiert aber auch die kleinen Erfolgsmomente, wenn sie sich der Wiedervereinigung ein kleines Stück nähern. (slb)

  4. 20:30
    Yalda – Closing Night
    Di. 8. Dez.
    OVd 89' | Massoud Bakhshi | Frankreich, Deutschland, Schweiz, Iran | Massoud Bakhshi | | Spielfilm

    «Sie können immer noch an unserem SMS-Wettbewerb teilnehmen. Verdient Maryam Komijani Vergebung? Senden Sie 1 für ja, 2 für nein.» So unterhält der iranische Moderator einer Reality Show die Zuschauer*innen. Maryam hat in einem Streit ihren viel älteren Ehemann umgebracht. Nun sitzt sie im Fernsehstudio dessen Tochter Mona gegenüber. Vor Millionenpublikum – und dramatisch inszeniert zum persischen Yalda-Fest – soll sie Maryam vergeben. Lässt sich Monas Herz nicht erweichen, droht Maryam die Todesstrafe. Die beiden Frauen waren sich vor dem vermeintlichen Mord schwesterlich verbunden, nun entscheidet die eine über das Leben der anderen. Die Studiosituation wird zu einem beklemmenden Kammerspiel zwischen den beiden, die wie Gladiatorinnen um die Gunst des Volkes buhlen müssen. Basierend auf einer real existierenden Fernsehshow führt der Film patriarchale Machtstrukturen und die systematische Einschüchterung durch die Todesstrafe im Iran vor. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit dem Filmemacher Massoud Bakhshi
    Moderation: Jasmin Basic (FIFDH, Geneva)

    Präsentiert mit dem International Film Festival and Forum on Human Rights, Geneva

  5. 21:00
    ACASA, MY HOME
    Di. 8. Dez.
    OVe 86' | Rumänien 2020 | Radu Ciorniciuc | Dok

    Sie fangen Fische, pirschen durchs Dickicht, kennen jede Pflanze und jedes Versteck. In der Grossstadt hingegen ist die elfköpfige Familie Enache orientierungslos. Vergeblich sträuben sie sich gegen die Entscheidung der Regierung, sie nach Bukarest umzusiedeln. Ihr altes Zuhause im stillgelegten Wasserreservoir am Stadtrand soll aufgewertet werden und ihre Baracke einem Naturschutzgebiet weichen. Die Pflichten und Zwänge, die die moderne Gesellschaft mit sich bringt, sind ein Kulturschock für die Familie. Die Enaches versuchen, sich an die neue Situation zu gewöhnen, doch die angeblichen Annehmlichkeiten entpuppen sich als tägliche Herausforderungen. Das Leben in der Natur war mit vielen Entbehrungen verbunden, doch dasjenige in der Zivilisation konfrontiert sie mit einem ganz neuen Kampf ums Überleben. (nio)