Festival

ÜBER DAS FESTIVAL

Seit der Feuertaufe der ersten Ausgabe vom Human Rights Film Festival Zurich 2015 ist viel passiert. Oftmals erstaunt und überfordert schauen wir auf das turbulente Weltgeschehen – das Medienspektakel lockt, filtert, steuert und rahmt unseren Blick. Die Unübersichtlichkeit stärkt das Bedürfnis nach klaren Orientierungspunkten und im gesamten politischen Spektrum herrscht eine tiefe Verunsicherung, wie man mit den Forderungen nach der Verteidigung «unserer Werte» umgehen soll. Bewegungen, die sich auf Nation, Religion oder Ethnie berufen, verführen ihre Anhänger mit einem heimeligen Identitätsgefühl, das zugleich gesellschaftliche Ausgrenzungen zementiert. Das Kino setzt sich seit jeher künstlerisch mit diesen Sehnsüchten und Dynamiken auseinander. Die Filme des Human Rights Film Festivals werfen einen neugierigen, unbequemen Blick auf Menschen, die mit festgefahrenen Zuschreibungen ringen und zeigen, dass Identitäten verästelt und kompliziert sind. Es mutet naiv an zu denken, dass Filme und Diskussionen die Welt verändern können, doch ermöglichen sie ein Eintauchen in andere Wirklichkeiten und schärfen unseren Blick.

Sascha Lara Bleuler, Direktorin Human Rights Film Festival Zurich

ABOUT THE FESTIVAL

Since 2015, the Human Rights Film Festival Zurich takes place each year on the occasion of the International Day of Human Rights on 10 December. The programme reflects a variety of human rights themes in different geographic and social contexts. We show compelling films that combine a convincing artistic language with the exploration of pressing human rights issues. Topics include flight and migration, the war in Syria, women’s rights, LGBTI-rights, responsibilities of multinationals as well as the relation between resources, energy and human rights. Panel discussions after the screenings widen the scope of the programme and offer the possibility to contextualize and discuss the films. The festival thus offers a platform for passionate dialogue between films and human rights.

Sascha Lara Bleuler, Director Human Rights Film Festival Zurich

Hangouts

Nach den Filmen laden die Bars unserer Kinpartner zum Verweilen und Diskutieren mit unseren Gästen ein.

Apéro, Cocktails und Snacks ab 5pm
Riffraff Bistro
Neugasse 57, 8005 Zürich

Drinks und Absacker ab 10pm
KOSMOS Bar/Klub
Lagerstrasse 104, 8005 Zürich

8.12. Friday Night Concert 22:30 im KOSMOS Klub
Das Duo NONE OF THEM (Zainab Lascandri und Michal Holy) kennt keine Grenzen – rhythmische Elektronik prallt auf Gitarrenwände, Rap auf theatralische Gesten.

Tickets

können direkt online oder an der Kinokasse bei den jeweiligen Spielstellen gekauft werden.

Riffraff
Neugasse 57, 8005 Zürich

KOSMOS
Lagerstrasse 104, 8005 Zürich

Archiv

Das Festival findet 2017 zum dritten Mal statt. Die Filmprogramme von 2016 und 2015 können hier aufgerufen werden.

Programm 2016
Mi 7. Dez 2016
  1. 18:30
    Divines
    F/d 105' | Frankreich 2016 | Houda Benyamina | Spielfilm

    Dounia ist fünfzehn und wächst bei ihrer alleinstehenden Mutter auf, die in Strip-Clubs in den Pariser Vorstädten arbeitet. Die jun- ge Französin verhöhnt ihre Lehrer, ihre Schlagfertigkeit verschafft ihr Respekt auf den Strassen des Quartiers. Zusammen mit ihrer besten Freundin Maimounia beginnt sie für eine Dealerin zu arbeiten, die das Viertel unter Kontrolle hat. Am Abend beobachtet Dounia heimlich einen schönen jungen Tänzer bei den Proben und macht ihn zu ihrem objet du désir. Divines, der in Cannes die Goldene Kamera für den besten Debutfilm gewann, macht das Erwachsenwerden an einem selten ausgeleuchteten Ort fast körperlich erfahrbar. Dounia und Maimounia unterwandern weibliche Rollenbilder, doch die Rebellion der beiden Frauen bringt sie in Gefahr. (es)

    Begrüssungsworte

    Leo Kaneman, Präsident HRFF Zurich
    Sascha Lara Bleuler, Direktorin HRFF Zurich
    Claire Schnyder, STV Direktorin Stadt Zürich Kultur

    In Anwesenheit der Darstellerinnen.

Do 8. Dez 2016
  1. 13:30
    Peur de Rien
    F/d 119' | FR 2015 | Danielle Arbid | Riffraff

    Eine junge Libanesin wird Pariserin. Die Neunzigerjahre. Lina, 18 Jahre alt, kommt nach Paris, um hier zu studieren. Ganz auf sich gestellt, ohne Geld und mit ihrem Überlebenswillen als Antrieb, sucht sie, was sie im Libanon nie gefunden hat: Freiheit. Im lockeren Takt ihrer neuen Begegnungen - sowohl romantischer Art mit Männern als auch mit Freundinnen und Mentorinnen - lernt Lina verschiedene Milieus und Menschen kennen, die sie allesamt prägen werden. Durch deren Ansichtsweisen lernt sie Frankreich besser verstehen und kann darüber hinaus in die innersten Gedanken der Männer schauen.

    Präsentiert mit Schule und Kultur, Aux Arts etc ..., Ambassade de France en Suisse.

  2. 18:30
    The Chocolate Case
    OV/e 90' | Niederlande 2016 | Benthe Forrer | Dok

    The Chocolate Case beginnt mit einem Telefonanruf: der niederländische Journalist Teun Van de Keuken meldet sich bei der Amsterdamer Polizei, um sich selbst anzuzeigen. Er esse oft Schokolade – und finanziere dadurch Kindersklaverei! Was wie ein Scherz wirkt, hat reale Hintergründe. Auf afrikanischen Kakao Farmen arbeiten bis heute Hunderttausende von Kindern unter sklavenähnlichen Bedingungen; die Abnehmer dieses Kakaos sind die globalen Nahrungsmittelmultis und letztendlich die Kosumenten der süssen Sünde. In The Chocolate Case erzählen Van de Keuken und seine Kollegen, wie sie seit 2003 gegen die Missstände in der Kakaoproduktion kämpfen. Zuletzt stürzen sie sich in das unternehmerische Abenteuer, die erste Schokolade, die garantiert ohne Sklavenarbeit hergestellt wurde, auf den Markt zu bringen. (mg)

    The dark side of chocolate (English)
    Im Anschluss Gespräch über Kinderarbeit und Sklavenhandel im Kakaoanbau, die Möglichkeit und Unmöglichkeit von Fair- Trade-Schokolade und ein Blick auf die Rolle der Schweiz. Gäste: Filmemacherin Benthe Forrer, Protagonist Maurice Dekkers (Mitbegründer der Schokoladenmarke «Tony’s Chocolonely»), Andrea Hüsser (Kakaoexpertin, Public Eye) und Nicolas Porchet (Managing Director von «ChobaChoba» Farmers Association).

    Moderation: Daniel Stern (Jounalist WOZ)

    Präsentiert mit Public Eye (ehemals Erklärung von Bern).

  3. 20:30
    P.S. Jerusalem
    OV/e 87' | Kanada 2015 | Danae Elon | Dok

    Es beginnt und endet mit Umzugskisten. Danae Elon, die Tochter des bekannten Schriftstellers Amos Elon, lässt sich nach vielen Jahren in New York mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Jerusalem nieder, der Stadt ihrer Kindheit. Ihre Buben schickt sie auf die einzige gemischte Schule des Landes, wo Palästinenser und jüdische Israelis gemeinsam Arabisch und Hebräisch lernen. Spielend wechseln sie die Sprache, wenn sie auf ihren Skateboards vom jüdischen Viertel über die unsichtbare Grenze ins arabische Ost-Jerusalem rollen. Die Filmemacherin trägt ihre Kamera wie eine Sonde durch die Stadt und blickt tief in deren komplexe Psyche. Die säkulare Familie sucht ihren Platz an diesem nationalistisch und religiös geprägten Ort und droht dabei zu zerbrechen. Eine ergreifende Sezierung des Heimatgefühls zwischen eigener Sehnsucht und politischer Wirklichkeit. (slb)

    Reise nach Jerusalem – Heimatsuche in einer zerrissenen Stadt (Engl.) Im Anschluss Skype-Gespräch mit der Filmemacherin Danae Elon über eine gescheiterte Einwanderung, jüdische Identität und Friedensförderung in der Erziehung.

    Moderation: Sascha Lara Bleuler

    Präsentiert mit Omanut.

  4. 21:00
    Divines
    F/d 105' | Frankreich 2016 | Houda Benyamina | Spielfilm

    Dounia ist fünfzehn und wächst bei ihrer alleinstehenden Mutter auf, die in Strip-Clubs in den Pariser Vorstädten arbeitet. Die jun- ge Französin verhöhnt ihre Lehrer, ihre Schlagfertigkeit verschafft ihr Respekt auf den Strassen des Quartiers. Zusammen mit ihrer besten Freundin Maimounia beginnt sie für eine Dealerin zu arbeiten, die das Viertel unter Kontrolle hat. Am Abend beobachtet Dounia heimlich einen schönen jungen Tänzer bei den Proben und macht ihn zu ihrem objet du désir. Divines, der in Cannes die Goldene Kamera für den besten Debutfilm gewann, macht das Erwachsenwerden an einem selten ausgeleuchteten Ort fast körperlich erfahrbar. Dounia und Maimounia unterwandern weibliche Rollenbilder, doch die Rebellion der beiden Frauen bringt sie in Gefahr. (es)

Fr 9. Dez 2016
  1. 09:30
    Blanka
    OV/d 75' | JP, PHL, IT 2015 | Kohki Hasei | Spielfilm

    Die elfjährige Waise Blanka lebt in Manila auf der Strasse. Sie schlägt sich mit Taschendiebstählen durch und lässt sich von den gewalttätigen Jugendbanden nichts gefallen. Als Blanka von der Adoption eines Kindes durch eine berühmte Schauspielerin hört, möchte sie sich eine wohlhabende Mutter kaufen. Sie lernt den blinden Strassenmusiker Peter kennen und packt ihre Chance, mit ihm eine musikalische Karriere einzuschlagen. Blanka wurde von dem Japaner Kohki Hasei mit viel Feingefühl für lokale Farbtöne in den Philippinen gedreht und porträtiert ein Manila fern von touristischen Trampelpfaden. Mit semidokumentarischen Gestaltungsmitteln zeigt er das allgegenwärtige Gewaltpotenzial und die wirtschaftliche Misere, überrascht aber auch immer wieder mit ironischen Zwischentönen. An der Mostra di Venezia 2015 wurde Blanka mehrfach ausgezeichnet, nicht zuletzt aufgrund der begnadeten Schauspielerin Cydel Gabutero in ihrer ersten Filmrolle. (slb)

    Präsentiert mit Schule und Kultur, Aux Arts etc ..., Ambassade de France en Suisse.

  2. 13:30
    Sonita
    OV/d 91' | D/ CH/ Iran 2015 | Rokhsareh Ghaem Maghami | Dok

    Karriere als erste afghanische Rapperin oder Zwangsheirat? Sonita ist 18 Jahre alt. Ihr Traum ist es, Rapperin zu werden und so bekannt zu sein wie Rihanna und Michael Jackson zusammen. Sonita lebt aber ohne Aufenthaltsbewilligung im Iran, wo es Frauen verboten ist, Musik zu machen. Und auch zuhause in Afghanistan wartet ihre Familie auf ihre Rückkehr, mit der Absicht, Sonita für 9'000 Dollar an einen unbekannten Ehemann zu verkaufen. Doch Sonita wehrt sich und steckt alles in ihre Musik und sorgt mit ihrem ersten, selbstgedrehten Musikvideo weltweit für Furore. Die Regisseurin Rokhsareh Ghaem Maghami begleitet Sonita auf ihrem ungewissen Weg nicht nur als neutrale Beobachterin, sondern als aktive Figur im Hintergrund und wirft damit grundlegende und spannende Fragen zur Verantwortung einer Filmemacherin auf.

    Präsentiert mit Schule und Kultur, Aux Arts etc ..., Ambassade de France en Suisse.

  3. 18:30
    The Crossing
    OV/e 55' | Norwegen 2015 | George Kurian | Dok

    George Kurian begleitet in The Crossing eine Gruppe in Ägypten gestrandeter Syrer, die keinen Ausweg mehr sehen als die Flucht über das Mittelmeer nach Europa. Musiker, Journalisten, Krankenschwestern mit ihren Kindern, sie alle brechen auf ins Ungewisse. Der mit einfachen Mitteln gedrehte Film besticht durch seine Unmittelbarkeit: Die Kamera ist dabei, wenn die Protagonisten sich am Abend vor der Abreise Mut antrinken und begleitet sie auf das überladene Fischerboot, mit dem sie in See stechen. Als die Schutzsuchenden nach sieben Tagen von einem Öltanker mit Kurs nach Italien aufgenommen werden, ist die Erleichterung gross – und doch verfrüht. Die Gruppe wird über ganz Europa verstreut, wo sie ihre Odyssee in den Warteschlaufen der Einwan- derungsbehörden fortsetzen. (mg)

    Rechte und Entrechtung von Menschen auf der Flucht (Engl.)
    Im Anschluss Gespräch mit Judith Sunderland (Associate Direc- tor, Europe and Central Asia Division, Human Rights Watch) über Menschen auf der Flucht, ihr Recht auf Schutz und ihre Möglichkeiten, ein neues Leben aufzubauen.

    Präsentiert mit Human Rights Watch.

  4. 18:30
    Behemoth
    OV/e 90' | China, Frankreich 2015 | Zhao Liang | Dok

    Im kargen Hinterland der Inneren Mongolei bauen Minenarbeiter unter Lebensgefahr Rohstoffe für die chinesische Wirtschaft ab. Der künstlerisch eigenwillige Film verlässt sich auf die Kraft der Bilder, Dantes Beschreibungen von Hölle und Fegefeuer sind der einzige Kommentar. Die Protagonisten sind der Welt unter Tage ausgeliefert. Ein eindrückliches Tableau zeigt, wie ein Ehepaar spätabends versucht, sich gegenseitig den hartnäckigen Russ vom Körper zu schrubben. Die weisse Augenhaut der Arbeiter ist von schwarzen Kohlespuren durchzogen, viele von ihnen sterben an Lungenkrankheiten. Zhao Liang schafft eine atemberaubende Darstellung der prekären Arbeitsbedingungen in den chinesischen Minen und konfrontiert multinationale Konzerne mit ihrer Verantwortung. Die Veröffentlichung des kühnen Essayfilms wurde in China bisher verboten. (slb)

    Minenarbeit im Kontext der globalen Wirtschaft

    Im Anschluss Gespräch mit Zoltan Doka (Programmleiter China Solidar Suisse) über Rohstoffgewinnung, Arbeitsbedingungen und Konzernverantwortung.

    Moderation: Daniel Puntas Bernet (Chefredaktor Reportagen)

    Präsentiert mit Solidar Suisse.

  5. 20:30
    What Tomorrow Brings
    OV/e 90' | Afghanistan / USA 2015 | Beth Murphy | Dok

    Nach dem Ende der Taliban Herrschaft in Afghanistan im Jahr 2001 begann die neue Regierung mit der Aufgabe, ein Schulsystem für Mädchen aufzubauen. Heute gehen noch immer weniger als die Hälfte der afghanischen Mädchen zur Schule. What Tomorrow Brings porträtiert eine jener weiterhin angefeindeten und bedrohten Mädchenschulen. Hier beginnt der Tag damit, dass die couragierte Schulleiterin als Erste Wasser aus dem Brunnen trinkt um sicher zu sein, dass er nicht vergiftet wurde. Trotz der Widrigkeiten ist die Schule ein Ort der Hoffnung für die Mädchen und bietet Raum für kontroverse Gespräche über Heirat und Patriarchat. Mit berückend schönen Bildern gibt die amerikanische Regisseurin Beth Murphy Einblick in ein von Kriegen zerrüttetes Land. (mg)

    Emanzipation und Bildung in Afghanistan (Engl.)
    Im Anschluss Gespräch mit Heather Barr (Senior Researcher, Women’s Rights Division, Human Rights Watch) über Recht auf Bildung und die Bedeutung von Frauenrechten für die Entwick- lung einer Gesellschaft.

    Präsentiert mit Human Rights Watch.

  6. 20:40
    Tadmor
    OV/d 103' | Schweiz, Frankreich, Lebanon 2016 | Monika Borgman & Lokman Slim | Dok

    Tadmor, der arabische Name der Wüstenstadt Palmyra, steht für ein berüchtigtes Militärgefängnis, in dem das syrische Regime über Jahrzehnte Menschen verschwinden und foltern liess. Der «Islamische Staat» sprengte das Gefängnis 2015 in die Luft. Eine Gruppe von Libanesen, die in Tadmor in den Achtzigerjahren der Gewalt der syrischen Sicherheitsdienste ausgeliefert waren, bauen in einer verlassenen Schule in einem Vorort von Beirut die Gefängnisräume nach. Mit theatralischen Inszenierungen geben sie ihren Erinnerungen Ausdruck. Die ehemaligen Gefangenen erzählen von kleinen Gesten, mit denen sie trotz sadistischer Erniedrigungen versuchten, die Selbstachtung zu wahren. Ein vielschichtiges und sensibles Bild politischer Gewalt, die bis heute fortdauert. (es)

    Torture and political repression (English)
    Im Anschluss Podiumsgespräch über Folter als systematisches Instrument der politischen Repression in Syrien. Gäste: Die beiden Filmemacher Monika Borgman und Lokman Slim, der Protagonist Ali Abou Dehn, sowie Reto Rufer (Länderexperte für Syrien und Region, Amnesty International)

    Moderation: Alexandra Karle (Leiterin Kommunikation und Advocacy bei Amnesty International).

    Präsentiert mit Amnesty International.

Sa 10. Dez 2016
  1. 11:30
    Where to, Miss?
    OV/d 83' | Deutschland 2016 | Manuela Bastian | Dok

    Devki will unbedingt Taxifahrerin werden. Sie will andere Frauen sicher nach Hause bringen und finanziell unabhängig sein. Um ihr Ziel zu erreichen, muss sie sich gegen ihren Vater, gegen ihren Ehemann und gegen ihren Schwiegervater durchsetzen. Bisher gibt es in Indien nur sehr wenige Taxifahrerinnen. Ihre «Lady Cabs» stehen ausschliesslich weiblichen Fahrgästen zur Verfügung, zur Ausbildung gehört auch Selbstverteidigungstechnik. Die sorgfältige Langzeitstudie folgt der lebensfrohen Protagonistin im Kampf um etwas Freiraum innerhalb der festgefahrenen patriarchalischen Strukturen der indischen Gesellschaft. Die geschützte Kabine des Autos bietet den Raum für intime Gespräche über weibliche Rollenbilder, sexuelle Übergriffe und individuelle Emanzipationsstrategien. (slb)

    Weibliche Rollenbilder im Wandel

    Podiumsgespräch über Frauen in traditionellen Männerberufen, Frauenrechte in Indien und Schutzstrategien vor sexuellen Übergriffen. Gäste: Die Filmemacherin Manuela Bastian und Daniela Scherello (Stiftungsrätin Medica Mondiale Foundation Switzer- land)

    Moderation: Sascha Lara Bleuler

    Präsentiert mit Medica Mondiale Foundation Switzerland.

  2. 14:00
    The Visibility of Human Rights Violations - Kurzfilme
    OV/e 62' | 1970 - 2016 | Diverse | Dok

    TRE IPOTESI SULLA MORTE DI GIUSEPPE PINELLI I/e 11' | Elio Petri und Nelo Risi | Italien 1970 | Doku-Fiction
    ZAUNGESPRÄCHE D/e 14' | Lisa Gerig | Schweiz 2014 | Dok
    LIQUID TRACES: THE LEFT-TO-DIE-BOAT E 18' | Charles Heller und Lorenzo Pezzani | UK 2014 | Dok
    CHECK IN – TIME OUT D/e 6' | Kathrin Schmid | Schweiz 2015 | Experimentalfilm
    BUNKERS F/e 13' | Anne-Claire Adet | Schweiz 2016 | Dok

    Mit welchen Techniken und künstlerischen Strategien kann das Kino Menschenrechtsverletzungen sichtbar machen? Fünf Kurzfilme geben Antworten auf diese Frage. Der erste Film hinterfragt den angeblichen Selbstmord des italienischen Anarchisten Giu- seppe Pinelli, der während eines Polizeiverhörs ums Leben kam. In Zaungespräche besucht eine junge Frau Internierte in der «Abteilung Ausschaffungshaft». Liquid Traces: The Left-to-Die-Boat benutzt Satellitenaufnahmen zur forensischen Rekonstruktion von Todesfällen auf dem Mittelmeer. Im Experimentalfilm Check In - Time Out hingegen ertrinken Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes im Unterhaltungsangebot. In Bunkers filmt der Bewohner einer Luftschutzkeller Unterkunft für Flüchtlinge mit der Kamera seines Mobiltelefons das Leben unter der Erdoberfläche. (es)

    Podiumsgespräch (Engl.)
    Die Filmemacher diskutieren über das Sichtbarmachen von Menschenrechtsverletzungen. Wo liegt die politische Verantwortung des Cineasten heute?

    Moderation: Emanuel Schäublin

  3. 14:00
    The Chocolate Case
    OV/e 90' | Niederlande 2016 | Benthe Forrer | Dok

    The Chocolate Case beginnt mit einem Telefonanruf: der niederländische Journalist Teun Van de Keuken meldet sich bei der Amsterdamer Polizei, um sich selbst anzuzeigen. Er esse oft Schokolade – und finanziere dadurch Kindersklaverei! Was wie ein Scherz wirkt, hat reale Hintergründe. Auf afrikanischen Kakao Farmen arbeiten bis heute Hunderttausende von Kindern unter sklavenähnlichen Bedingungen; die Abnehmer dieses Kakaos sind die globalen Nahrungsmittelmultis und letztendlich die Kosumenten der süssen Sünde. In The Chocolate Case erzählen Van de Keuken und seine Kollegen, wie sie seit 2003 gegen die Missstände in der Kakaoproduktion kämpfen. Zuletzt stürzen sie sich in das unternehmerische Abenteuer, die erste Schokolade, die garantiert ohne Sklavenarbeit hergestellt wurde, auf den Markt zu bringen. (mg)

  4. 16:00
    Behemoth
    OV/e 90' | China, Frankreich 2015 | Zhao Liang | Dok

    Im kargen Hinterland der Inneren Mongolei bauen Minenarbeiter unter Lebensgefahr Rohstoffe für die chinesische Wirtschaft ab. Der künstlerisch eigenwillige Film verlässt sich auf die Kraft der Bilder, Dantes Beschreibungen von Hölle und Fegefeuer sind der einzige Kommentar. Die Protagonisten sind der Welt unter Tage ausgeliefert. Ein eindrückliches Tableau zeigt, wie ein Ehepaar spätabends versucht, sich gegenseitig den hartnäckigen Russ vom Körper zu schrubben. Die weisse Augenhaut der Arbeiter ist von schwarzen Kohlespuren durchzogen, viele von ihnen sterben an Lungenkrankheiten. Zhao Liang schafft eine atemberaubende Darstellung der prekären Arbeitsbedingungen in den chinesischen Minen und konfrontiert multinationale Konzerne mit ihrer Verantwortung. Die Veröffentlichung des kühnen Essayfilms wurde in China bisher verboten. (slb)

  5. 16:00
    Gulîstan, Land of Roses
    OV/e 87' | Kanada, Deutschland 2016 | Zayne Akyol | Dok

    Im nordirakischen Gebirge bereitet sich eine Brigade von ausschliesslich weiblichen Kämpferinnen der kurdischen Guerilla Bewegung PKK auf ihren Einsatz gegen den «Islamischen Staat» vor. Die kurdische Filmemacherin Zayne Akyol fühlt den Puls dieser emanzipierten Frauen, die ihr Leben riskieren für ein freies Kurdistan, oder auch um dem Gefängnis der traditionellen Ehe zu entkommen. Sie trainieren, sprechen über ihr früheres Leben, mit dem sie für immer abschliessen mussten, waschen sich gegenseitig die Haare, diskutieren beim Mittagessen. Die Kamera rahmt sie in Tableaux von poetischer Schönheit und macht erfahrbar, dass Krieg vor allem eines ist: Das beklemmende Warten auf die entscheidende Schlacht. (slb)

    Der Traum eines freien Kurdistans (Engl.)
    Podiumsgespräch im Anschluss über die Situation in den Kurdengebieten angesichts der politischen Instabilität in der Türkei, des syrischen Bürgerkriegs und des Aufstiegs des «Islamischen Staates». Welche Rolle spielen die PKK-Kämpferinnen im Spannungsfeld zwischen Unterdrückung, Kampf und Emanzipation?

    Gäste: Filmemacherin Zayne Akyol und Prof. Dr. Bilgin Ayata (Institut für Soziologie, Universität Basel)

    Moderation: Jenny Billeter

  6. 18:30
    Jihad - A Story of the Others
    E 50' | UK, Norwegen 2015 | Deeya Khan | Dok

    Der Film erzählt die Lebensgeschichten von britischen Muslimen, die im Namen Gottes in den Krieg zogen. Seit den Achtziger Jahren reisen sie von Grossbritannien aus in ethnisch und religiös gespaltene Konfliktgebiete, um dort sunnitische Kämpfer zu unterstützen. Geprägt von rassistischer Diskriminierung und sexueller Unerfülltheit während ihrer Jugend, finden die Männer im bewaffneten Jihad einen Horizont, vor dem sie ihr zerbröckeltes Selbstbewusstsein durch ein tödliches Identitätsgefühl ersetzen. Doch in der Verworrenheit des Kriegsgeschäfts ist es schwierig, den Glauben an Gewalt im Namen der Gerechtigkeit aufrecht zu erhalten. Der Film wagt es, jihadistische Aggression vor dem Hintergrund sozialer Ausschlussmechanismen, emotionaler Verunsicherung und der Sehnsucht nach eindeutigen Identitäten zu ergründen. (es)

    Podiumsgespräch (English)
    Nach dem Film Jihad – A Story of the Others diskutieren Expertinnen und Experten über Menschenrechtsverletzungen als mögliche Ursachen, die Menschen in den gewalttätigen Extremismus treiben, und gehen der Frage nach, wie diesem Phänomen vorgebeugt werden kann. Gäste: Hanny Megally (Senior Fellow at the Center on International Cooperation, NYU), Stephan Husy (Sonderbotschafter für Terrorismusbekämpfung Direktion für Völkerrecht EDA), Sanam Naraghi Anderlini (Co-Founder & Executive Director, International Civil Society Action Network)

    Moderation: Christoph Keller (SRF2Kultur)

  7. 19:00
    Tadmor
    OV/d 103' | Schweiz, Frankreich, Lebanon 2016 | Monika Borgman & Lokman Slim | Dok

    Tadmor, der arabische Name der Wüstenstadt Palmyra, steht für ein berüchtigtes Militärgefängnis, in dem das syrische Regime über Jahrzehnte Menschen verschwinden und foltern liess. Der «Islamische Staat» sprengte das Gefängnis 2015 in die Luft. Eine Gruppe von Libanesen, die in Tadmor in den Achtzigerjahren der Gewalt der syrischen Sicherheitsdienste ausgeliefert waren, bauen in einer verlassenen Schule in einem Vorort von Beirut die Gefängnisräume nach. Mit theatralischen Inszenierungen geben sie ihren Erinnerungen Ausdruck. Die ehemaligen Gefangenen erzählen von kleinen Gesten, mit denen sie trotz sadistischer Erniedrigungen versuchten, die Selbstachtung zu wahren. Ein vielschichtiges und sensibles Bild politischer Gewalt, die bis heute fortdauert. (es)

  8. 20:30
    The Girl Who Saved my Life
    OV/e 79' | Schweden 2016 | Hogir Hirori | Dok

    Im Sommer 2014 lässt der Filmemacher Hogir Hirori seine schwangere Frau in Schweden zurück und reist in seine krisengebeutelte Heimat, die autonome Region Kurdistan im Nordirak. Dort trifft er auf ein kleines jesidisches Mädchen, das von Magenkrämpfen gekrümmt am Boden liegt. Der Filmemacher versucht medizinische Hilfe aufzutreiben und verpasst seinen Flug ins nahe Shingal Gebirge. Wenig später erfährt er, dass der Helikopter abgestürzt ist – die elfjährige Souad hat ihm das Leben gerettet. Der Filmemacher hat nur ein einziges Foto von dem Mädchen gemacht, damit beginnt er eine fiebrige Suche nach Souad: ein Sinnbild für das Schicksal von Tausenden. Wie ein Getriebener dokumentiert Hirori, der 1991 selber vor Saddam Husseins Schreckensherrschaft floh, die heutigen Fluchtgeschichten der Jesiden. Er blickt tief ins Antlitz des Krieges und schafft – neben aller Hoffnungslosigkeit – eine filmische Lebensbejahung. (slb)

    Die medizinische Versorgung in Kriegsgebieten

    Im Anschluss Gespräch mit Olivier Maizoué (Programmver- antwortlicher von MSF Schweiz in Syrien und im Irak) und Fanar Hasan (syrischer Kurde und ehemaliger MSF-Mitarbeiter in Syrien) über die medizinische Versorgung der Bevölkerung in den umkämpften Gebieten im Irak und in Syrien.

    Moderation: Christoph Keller (SRF2 Kultur)

    Präsentiert mit Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen (MSF).

So 11. Dez 2016
  1. 11:30
    The Girl Who Saved my Life
    OV/e 79' | Schweden 2016 | Hogir Hirori | Dok

    Im Sommer 2014 lässt der Filmemacher Hogir Hirori seine schwangere Frau in Schweden zurück und reist in seine krisengebeutelte Heimat, die autonome Region Kurdistan im Nordirak. Dort trifft er auf ein kleines jesidisches Mädchen, das von Magenkrämpfen gekrümmt am Boden liegt. Der Filmemacher versucht medizinische Hilfe aufzutreiben und verpasst seinen Flug ins nahe Shingal Gebirge. Wenig später erfährt er, dass der Helikopter abgestürzt ist – die elfjährige Souad hat ihm das Leben gerettet. Der Filmemacher hat nur ein einziges Foto von dem Mädchen gemacht, damit beginnt er eine fiebrige Suche nach Souad: ein Sinnbild für das Schicksal von Tausenden. Wie ein Getriebener dokumentiert Hirori, der 1991 selber vor Saddam Husseins Schreckensherrschaft floh, die heutigen Fluchtgeschichten der Jesiden. Er blickt tief ins Antlitz des Krieges und schafft – neben aller Hoffnungslosigkeit – eine filmische Lebensbejahung. (slb)

  2. 11:30
    The Look of Silence
    OV/d 103' | USA 2015 | Joshua Oppenheimer | Dok

    In den Sechzigerjahren liess die Militärdiktatur in Indonesien mutmassliche Kommunisten hinrichten – Schätzungen gehen von einer Million Opfern aus. Die Mörder mussten sich nie vor Gericht verantworten, dominieren bis heute lokale Verwaltungen und sind gar stolz auf ihre Taten. In The Act of Killing liess Oppenheimer ehemalige Paramilitärs ihre Massaker nachspielen. In The Look of Silence besucht der Optiker Adi Rukun, dessen Bruder Ramli hingerichtet wurde, die Schlächter von damals. Nachdem er mit Brillengläsern ihre Sicht geschärft hat, zeigt er den Männern Oppenheimers inszenierte Aufnahmen. So tastet er sich langsam in den Raum des Schweigens vor, der sich seit fünfzig Jahren zwischen Opfern und Tätern ausgebreitet hat. Kann sich die Beziehung zwischen ihnen ändern? (es)

    Dealing with the past (English)
    Im Anschluss führt Sanjana Hattotuwa (Thematic Advisor, ICT- 4Peace Foundation) ein Skype-Gespräch mit Joshua Oppenheimer über die politische Rolle des Filmemachers, die Inszenierung von Tätern und Überlebenden von Massakern und Prozesse der Vergangenheitsbewältigung.

    Präsentiert mit ICT4Peace Foundation.

  3. 14:00
    Gulîstan, Land of Roses
    OV/e 87' | Kanada, Deutschland 2016 | Zayne Akyol | Dok

    Im nordirakischen Gebirge bereitet sich eine Brigade von ausschliesslich weiblichen Kämpferinnen der kurdischen Guerilla Bewegung PKK auf ihren Einsatz gegen den «Islamischen Staat» vor. Die kurdische Filmemacherin Zayne Akyol fühlt den Puls dieser emanzipierten Frauen, die ihr Leben riskieren für ein freies Kurdistan, oder auch um dem Gefängnis der traditionellen Ehe zu entkommen. Sie trainieren, sprechen über ihr früheres Leben, mit dem sie für immer abschliessen mussten, waschen sich gegenseitig die Haare, diskutieren beim Mittagessen. Die Kamera rahmt sie in Tableaux von poetischer Schönheit und macht erfahrbar, dass Krieg vor allem eines ist: Das beklemmende Warten auf die entscheidende Schlacht. (slb)

  4. 16:00
    Blanka
    OV/d 75' | JP, PHL, IT 2015 | Kohki Hasei | Spielfilm

    Die elfjährige Waise Blanka lebt in Manila auf der Strasse. Sie schlägt sich mit Taschendiebstählen durch und lässt sich von den gewalttätigen Jugendbanden nichts gefallen. Als Blanka von der Adoption eines Kindes durch eine berühmte Schauspielerin hört, möchte sie sich eine wohlhabende Mutter kaufen. Sie lernt den blinden Strassenmusiker Peter kennen und packt ihre Chance, mit ihm eine musikalische Karriere einzuschlagen. Blanka wurde von dem Japaner Kohki Hasei mit viel Feingefühl für lokale Farbtöne in den Philippinen gedreht und porträtiert ein Manila fern von touristischen Trampelpfaden. Mit semidokumentarischen Gestaltungsmitteln zeigt er das allgegenwärtige Gewaltpotenzial und die wirtschaftliche Misere, überrascht aber auch immer wieder mit ironischen Zwischentönen. An der Mostra di Venezia 2015 wurde Blanka mehrfach ausgezeichnet, nicht zuletzt aufgrund der begnadeten Schauspielerin Cydel Gabutero in ihrer ersten Filmrolle. (slb)

    Kindheit auf der Strasse

    Im Anschluss Gespräch mit Jan Schneider
    (Geschäftsstellenleiter Terre des hommes Deutschschweiz) über die Kinderhilfsprojekte von Terre des hommes Kinderhilfe. Bettelnde Strassenkinder gehören auf den Philippinen zum Stadtbild. Auf der Suche nach Essen und Schutz kämpfen sie jeden Tag ums Überleben. Was kann gegen die weltweite Ausbeutung und Obdachlosigkeit von Kindern unternommen werden?

    Präsentiert mit Terre des hommes Kinderhilfe.

  5. 17:00
    P.S. Jerusalem
    OV/e 87' | Kanada 2015 | Danae Elon | Dok

    Es beginnt und endet mit Umzugskisten. Danae Elon, die Tochter des bekannten Schriftstellers Amos Elon, lässt sich nach vielen Jahren in New York mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Jerusalem nieder, der Stadt ihrer Kindheit. Ihre Buben schickt sie auf die einzige gemischte Schule des Landes, wo Palästinenser und jüdische Israelis gemeinsam Arabisch und Hebräisch lernen. Spielend wechseln sie die Sprache, wenn sie auf ihren Skateboards vom jüdischen Viertel über die unsichtbare Grenze ins arabische Ost-Jerusalem rollen. Die Filmemacherin trägt ihre Kamera wie eine Sonde durch die Stadt und blickt tief in deren komplexe Psyche. Die säkulare Familie sucht ihren Platz an diesem nationalistisch und religiös geprägten Ort und droht dabei zu zerbrechen. Eine ergreifende Sezierung des Heimatgefühls zwischen eigener Sehnsucht und politischer Wirklichkeit. (slb)

  6. 18:30
    Oscuro Animal
    OV 106' | CO, ARG, NDL | Felipe Guerrero | Spielfilm

    Drei Frauen, drei Schicksale im vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg versehrten Kolumbien. Mona ersticht ihren Ehemann im Schlaf. Der paramilitärische Kommandant hat sie jahrelang gedemütigt und sexuell missbraucht. Rocío ist auf dem Weg nach Bogota, sie ist auf der Flucht, nachdem sie ihr Haus verwüstet und ihr Dorf verlassen vorgefunden hat, Mann und Söhne vermutlich entführt von Guerilla Truppen. Nelsa wiederum hat sich den Paramilitärs angeschlossen und verscharrt mit ausdruckslosem Gesicht getötete Bauern im Wald, sie selbst wird von ihren Mitstreitern regelmässig vergewaltigt. Die omnipräsente Gewalt in Oscuro Animal kontrastiert mit der poetischen Schönheit des kolumbianischen Dschungels – die Geräuschkulisse eine surrende, knarrende Symphonie. Ein meisterhafter Film, der sich jeglicher Kategorisierung entzieht und durch seine bewusste Sprachlosigkeit beweist, dass Schweigen lauter sein kann als Geschrei. (slb)

    Herausforderung Frieden in Kolumbien

    Im Anschluss Gespräch mit Mirjam Straub Ortiz (lic. phil. Psy- chotherapeutin mit Schwerpunkt Psychotraumatologie) und Christoph Kaufmann (ehemaliger Menschenrechtsbeobachter in Kolumbien) über den fragilen Friedensprozess in Kolumbien. Welche individuellen, gesellschaftlichen und politischen Prozesse braucht es, um nach fünfzig Jahren Bürgerkrieg die Wunden des Krieges zu heilen? Was sind die Aussichten, nachdem das kolumbianische Volk den Friedensvertrag zwischen der Regierung und den FARC-Rebellen abgelehnt hat?

    Moderation: Barbara Müller (Peace Watch Switzerland)

    Präsentiert mit Peace Watch Switzerland.

  7. 19:00
    Where to, Miss?
    OV/d 83' | Deutschland 2016 | Manuela Bastian | Dok

    Devki will unbedingt Taxifahrerin werden. Sie will andere Frauen sicher nach Hause bringen und finanziell unabhängig sein. Um ihr Ziel zu erreichen, muss sie sich gegen ihren Vater, gegen ihren Ehemann und gegen ihren Schwiegervater durchsetzen. Bisher gibt es in Indien nur sehr wenige Taxifahrerinnen. Ihre «Lady Cabs» stehen ausschliesslich weiblichen Fahrgästen zur Verfügung, zur Ausbildung gehört auch Selbstverteidigungstechnik. Die sorgfältige Langzeitstudie folgt der lebensfrohen Protagonistin im Kampf um etwas Freiraum innerhalb der festgefahrenen patriarchalischen Strukturen der indischen Gesellschaft. Die geschützte Kabine des Autos bietet den Raum für intime Gespräche über weibliche Rollenbilder, sexuelle Übergriffe und individuelle Emanzipationsstrategien. (slb)

  8. 20:30
    Under the Sun
    OV/e 106' | RU/ Nordkorea/ D 2015 | Valy Mansky | Dok

    Der russische Filmemacher Vitaly Mansky reist nach Nordkorea, um im Auftrag der nordkoreanischen Behörden das Leben einer typischen Familie in Pyongyang zu dokumentieren. Das Filmteam muss versprechen, das «beste Land der Welt» von seiner besten Seite zu zeigen. Im Zentrum steht ein süsses kleines Mädchen, seine Vorzeige-Eltern, beide in Vorzeige-Berufen tätig und überhaupt sonnen sich die Bewohner im Licht des unfehlbaren Führers Kim Il-sung (verstorbener Grossvater des Staatsoberhaupts Kim Jong-un). Die Beamten sind überzeugt, dass hier ein Propagandafilm erster Güte entsteht, trotzdem überwachen sie die Dreharbeiten streng, jede Zeile der Protagonisten ist durchkomponiert. Was Vitalys Kamera einfängt, könnte als Komödie durchgehen, würde es nicht auf subtile Weise eine Realität entlarven, in der sich die Menschen wie ferngesteuert bewegen und Emotionen auf Befehl abgerufen werden. Tragisch-komische Making-Of Momente dekonstruieren eine bis ins Detail ausgeklügelte Propagandamaschinerie, die der Dystopie 1984 von George Orwell in nichts nachsteht. (slb)

Fr 16. Dez 2016
  1. 16:00
    Jihad - A Story of the Others
    E 50' | UK, Norwegen 2015 | Deeya Khan | Dok

    Der Film erzählt die Lebensgeschichten von britischen Muslimen, die im Namen Gottes in den Krieg zogen. Seit den Achtziger Jahren reisen sie von Grossbritannien aus in ethnisch und religiös gespaltene Konfliktgebiete, um dort sunnitische Kämpfer zu unterstützen. Geprägt von rassistischer Diskriminierung und sexueller Unerfülltheit während ihrer Jugend, finden die Männer im bewaffneten Jihad einen Horizont, vor dem sie ihr zerbröckeltes Selbstbewusstsein durch ein tödliches Identitätsgefühl ersetzen. Doch in der Verworrenheit des Kriegsgeschäfts ist es schwierig, den Glauben an Gewalt im Namen der Gerechtigkeit aufrecht zu erhalten. Der Film wagt es, jihadistische Aggression vor dem Hintergrund sozialer Ausschlussmechanismen, emotionaler Verunsicherung und der Sehnsucht nach eindeutigen Identitäten zu ergründen. (es)

Programm 2015
Mi 9. Dez 2015
  1. 20:40
    Spartacus & Cassandra
    OV/df 81' | FR 2014 | Ioanis Nuguet | Dok

    Zwei Kinder stehen vor der schwierigsten Entscheidung ihres noch so jungen Lebens: Entweder sie leben gemeinsam mit ihrer Roma-Familie auf der Strasse und werden vielleicht nach Rumänien zurückgeschickt oder sie entscheiden sich für ein materiell gesichertes Leben in Frankreich. Unter Obhut der jungen Zirkusartistin Camille, die den 13jährigen Spartacus und die 10jährige Cassandra ins Herz geschlossen hat, erhielten sie dank staatlicher Unterstützung eine gute Schulbildung und könnten in einem grossen Haus leben, allerdings getrennt von ihren Eltern. Diese sind gefangen in einer Abwärtsspirale aus Alkoholismus, Depression und Handlungsunfähigkeit. Trotzdem fällt es den Kindern schwer, sich von ihren Erzeugern abzunabeln. Der Film von Ioanis Nuguet ermöglicht einen tiefen Einblick in die Irrungen und Wirrungen des französischen Sozial- und Justizsystems. Auf der Tonebene, geführt von Spartacus’ Erzählstimme, wird der Schwebezustand und die psychologische Zerrissenheit der Kinder erfahrbar gemacht und in eine poetische, flirrende Bildsprache übersetzt. Neben der persönlichen Geschichte der Roma-Familie stellt das berührende Filmjuwel auch universelle Fragen zur schmerzlichen Ablösung von Eltern und Herkunft. (slb)

    Begrüssungsworte von Sascha Lara Bleuler, Direktorin Human Rights Film Festival Zurich (HRFF) und Leo Kaneman, Ehrenpräsident / Gründer FIFDH Genf und Präsident HRFF Zurich.

Do 10. Dez 2015
  1. 09:30
    Difret - Das Mädchen Hirut
    OV/df 104' | Äthiopien 2014 | Zeresenay Berhane Mehari | Spielfilm

    Das junge Mädchen Hirut wird auf dem Schulweg von einem Mann und seinen Freunden gekidnappt. Er will sie gemäss einer alten äthiopischen Tradition zur Frau nehmen. Hirut wehrt sich und flieht bei der ersten Gelegenheit mit seinem Gewehr. Als die Männer sie verfolgen, erschiesst sie ihren Peiniger aus Notwehr und wird danach wegen Mordes angeklagt. Um das Leben des Mädchens zu retten, muss die Anwältin Meaza Ashenafi den schwierigen Kampf gegen die alte Tradition des Brautklaus aufnehmen. Für die Rechte der Frauen und Kinder in ihrem Land legt sie sich mit den obersten Justitzbehörden an. Der Spielfilm beruht auf wahren Begebenheiten und wurde von der UN-Botschafterin Angelina Jolie mitproduziert.

    Im Anschluss: Gespräch mit den Filmemachern und Darstellern

  2. 13:30
    Der Junge Siyar
    OV/d 105' | Norwegen, DE 2014 | Hisham Zaman | Spielfilm

    Der Teenager Siyar lebt in einem kleinen kurdischen Dorf im Nordirak. Seit dem Tod seines Vaters muss er als Familienoberhaupt die Entscheidungen treffen. Als seine ältere Schwester einen Mann heiraten soll, verschwindet sie kurz vor der Heirat. Siyar muss das Ansehen seiner Familie retten und begibt sich auf der Suche nach seiner Schwester auf eine abenteuerliche Odyssee durch Europa. In Istanbul lernt er das Straßenmädchen Evin kennen und nimmt sie auf seine Reise mit. Langsam beginnt er, an seiner Mission zu zweifeln. Spannend wie ein Thriller thematisiert der Film die Herausforderungen der jungen Menschen in traditionellen Gesellschaften. Der erste lange Spielfilm des in Norwegen lebenden kurdischen Regisseurs Hisham Zaman erhielt mehrere internationale Preise.

    Im Anschluss: Gespräch mit den Filmemachern und Darstellern

  3. 18:30
    Köpek
    OV/d 98' | Schweiz, Türkei 2015 | Esen Isik | Spielfilm

    Ein ganz gewöhnlicher Tag von drei Bewohnern in der Metropole Istanbul: Der zehnjährige Cemo verehrt ein junges Mädchen aus einem besseren Quartier. Er verkauft Papiertaschentücher auf der Strasse und trägt somit zum Lebensunterhalt seiner Familie bei. Die unglücklich verheiratete Hayat wird von ihrem Ehemann terrorisiert. Als ihr ehemaliger Verlobter den Kontakt wieder sucht, verabreden sie sich zu einem heimlichen Treffen. Und die transsexuelle Ebru muss sich prostituieren, um über die Runden zu kommen. Sie liebt einen Mann, der sich in der Öffentlichkeit nicht zu ihr bekennen mag. Die drei Hauptfiguren des Films setzen alles daran, dass sich ihre Sehnsucht nach Liebe erfüllt, wenn auch nur für einen Moment.

    Authentisch und mit einem aufmerksamen Blick für die Poesie des Alltags erzählt Esen Isiks erster langer Spielfilm eine zärtliche und erschütternde Geschichte über die Liebe, den Tod und die türkische Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Der türkisch-schweizerischen Regisseurin gelingt ein gleichsam beklemmendes wie berührendes Zeitdokument der Millionenstadt, die sich trotz emanzipatorischen Zügen noch tief in patriarchalischen Zwängen gefangen sieht und deren Kampf zwischen Moderne und Tradition immer wieder neue Identitätsfragen aufwirft.

    Im Anschluss: Gespräch mit der Filmemacherin Esen Isik und der türkischen Transaktivistin Zeynep Esmeray Özatik

    Moderation: Alexandra Karle, Amnesty International Schweiz

  4. 19:00
    Io sto con la Sposa
    OV/d 89' | Palästina, IL | Antonio Augugliaro, Gabriele Del Grande, Khaled Soliman Al Nassiry | Dok

    Fünf syrische und palästinensische Flüchtlinge erreichen nach einer lebensgefährlichen Reise übers Mittelmeer die italienische Insel Lampedusa. Hilfe für die Gestrandeten kommt von ungeahnter Seite: Ein palästinensischer Dichter und zwei italienische Journalisten hecken für sie einen ungewöhnlichen Schlachtplan aus. Um sie nach Schweden zu bringen, wo sich die Flüchtlinge die besten Chancen auf politisches Asyl erhoffen, verkleiden sie diese als feierliche Hochzeitsgesellschaft. Mit einer Palästinenserin als Braut, einem Syrer als Bräutigam und einem Dutzend italienischer und syrischer «Hochzeitsgäste» wagen sie die 3000 Kilometer lange Reise durch Europa. Das an jedem Grenzübergang mit Suspense aufgeladene Roadmovie schlägt trotz heiteren und visuell grandiosen Szenen immer wieder ernste Töne an: Die Reisenden erzählen in stillen Momenten der Rast oder während der nächtlichen Fahrt von ihren unterschiedlichen Schicksalen. Sie alle sind auf ganz eigene Art Verfolgte und Geduldete – mit nicht viel mehr im Gepäck als der Hoffnung, von Europa aufgenommen zu werden und dass die Alpträume Zukunftsvisionen weichen werden. (slb)

    Begrüssungsworte von einem Vertreter des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA)

    Im Rahmen jeder Festivalausgabe findet ein Themenabend in Zusammenarbeit mit den beiden Partner-Festivals FIFDH Genève und Festival Diritti Umani Lugano statt. Dieses Jahr drängt sich die Flüchtlings- und Migrationsfrage mit all ihrer Komplexität im Zusammenhang mit Menschenrechten und Menschenwürde in den Mittelpunkt. Jedes Festival zeigt einen Film, der die Dringlichkeit dieser Thematik erfahrbar machen soll. Am 10. Dezember, am internationalen «Tag der Menschenrechte» zeigen wir – in Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen (MSF) – ein ungewöhnliches Roadmovie: «On the Bride’s Side» von Antonio Augugliaro u.a., welches trotz der ernsten Geschichten der syrischen und palästinensischen Protagonisten auch vergnügliche Töne anschlägt. Im Anschluss an den Film folgt eine Debatte zu Migrations- und Flüchtlingsfragen.

    Im Anschluss: Debatte zu Migrations- und Flüchtlingsfragen mit Antonio Augugliaro, François Crépeau (UNO Sonderberichter- statter für Menschenrechte von Migranten) und Gustavo Fernandez, Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen (MSF), Moderation: Christoph Keller, SRF2Kultur.

Fr 11. Dez 2015
  1. 09:30
    Spartacus & Cassandra
    OV/df 81' | FR 2014 | Ioanis Nuguet | Dok

    Zwei Kinder stehen vor der schwierigsten Entscheidung ihres noch so jungen Lebens: Entweder sie leben gemeinsam mit ihrer Roma-Familie auf der Strasse und werden vielleicht nach Rumänien zurückgeschickt oder sie entscheiden sich für ein materiell gesichertes Leben in Frankreich. Unter Obhut der jungen Zirkusartistin Camille, die den 13jährigen Spartacus und die 10jährige Cassandra ins Herz geschlossen hat, erhielten sie dank staatlicher Unterstützung eine gute Schulbildung und könnten in einem grossen Haus leben, allerdings getrennt von ihren Eltern. Diese sind gefangen in einer Abwärtsspirale aus Alkoholismus, Depression und Handlungsunfähigkeit. Trotzdem fällt es den Kindern schwer, sich von ihren Erzeugern abzunabeln. Der Film von Ioanis Nuguet ermöglicht einen tiefen Einblick in die Irrungen und Wirrungen des französischen Sozial- und Justizsystems. Auf der Tonebene, geführt von Spartacus’ Erzählstimme, wird der Schwebezustand und die psychologische Zerrissenheit der Kinder erfahrbar gemacht und in eine poetische, flirrende Bildsprache übersetzt. Neben der persönlichen Geschichte der Roma-Familie stellt das berührende Filmjuwel auch universelle Fragen zur schmerzlichen Ablösung von Eltern und Herkunft. (slb)

    Im Anschluss: Gespräch mit den Filmemachern und Darstellern

  2. 13:30
    Tapis Rouge
    F/d 90' | Schweiz 2014 | Fred Balif, Kantarama Gahgiri | Spielfilm

    Ein Sozialarbeiter trifft in einem Lausanner Vorort auf eine Gruppe Jugendlicher. Er hilft ihnen dabei ihre quirligen Ideen in ein Drehbuch umzusetzen und er unternimmt alles Menschen-mögliche um ihren ehrgeizigen Traum, einen Produzenten für ihr Filmprojekt zu gewinnen, wahr werden zu lassen. Ein unterhaltsames und rührendes Roadmovie in Richtung Filmfestspiele von Cannes, das alle Gewissheiten eines Sozialarbeiters und einer Gruppe orientierungsloser junger Leute in Frage stellt. Auf der Reise lernt man die Jugendlichen und ihre Hintergründe kennen und wird Zeuge von männlicher Unsicherheit sowie hinter Cool- ness versteckten Talenten. Die Filmemacher durchleuchten das komplexe Thema Migration und Jugend auf intelligente und humorvolle Weise.

    Im Anschluss: Gespräch mit den Filmemachern und Darstellern

  3. 19:00
    Earth's Golden Playground
    E/df 106' | Österreich, Kanada | Andreas Horvath | Dok

    In den Vereinigten Staaten fiel der Goldrausch in die Zeit einer Wirtschaftskrise, weshalb zahllose Menschen ihr Glück am Klondike suchten. Nachdem vielerorts wieder härtere Zeiten angebrochen sind, ist dies heutzutage erneut der Fall: Andreas Horvaths Film lässt hartnäckig miterleben, wie neben den finanzkräftigen Gesellschaften zähe Bergmänner mit Kleinunternehmern konkurrieren. Sie alle sind besessen von der Suche nach der sagenhaften Mutterader, der sogenannten «Mother Lode». Es ist die angeblich immer noch im Untergrund verborgene Quelle des Goldschatzes, an die man trotz Ausbeutung über Dekaden unerschütterlich glaubt. Einzelkämpfer hacken und schaufeln sich für eine Handvoll Dollar ins harte Erdreich, bis die Tiefe sie zu verschlucken droht. Bagger reissen Gräben auf, zerwühlen die Flussufer, schlagen Risse in halsbrecherische Steilwände. Und die Erträge? Sie sind kärglich, man rechnet ein Gramm Gold auf eine Tonne Steine und Geröll, das in mühseliger Handarbeit ausgewaschen wird.

    Der Österreicher Horvath hat seine Kamera beobachtend auf dieses far country gerichtet, porträtiert Krampf und Erschöpfung der Männer, deren Gesichter immer mehr den Runen ähneln, die sie auf der Jagd nach der goldenen Beute in die Landschaft schlagen. (Rolf Niederer, Semaine de la Critique)

    Im Anschluss: Gespräch mit James Nichol, Anwalt der betroffenen Familien, Moderation: Daniel Puntas Bernet, Chefredaktor «Reportagen»

  4. 21:30
    Concerning Violence
    OV/e 85' | Schweden, USA, Dänemark | Göran Hugo Olsson | Essayfilm

    «Come, comrades, the European game is finally over, we must look for something else. We can do anything today provided we do not ape Europe, provided we are not obsessed with catching up with Europe. Europe has gained such a mad and reckless momentum that it has lost control and reason and is heading at dizzying speed towards the brink from which we would be advised to remove ourselves as quickly as possible.» Frantz Fanon, aus «The Wretched of the Earth», 1961.

    Auf der Grundlage von Frantz Fanons berühmten Buch «Die Verdammten dieser Erde» erzählt diese essayistische Doku-Meditation von den Aufständen, die zur Entkolonialisierung Afrikas führen sollten. Olsson montiert kunstvoll Archivmaterial, das schwedische Dokumentarfilmer und Fernsehjournalisten zwischen 1966 und 1984 in Afrika aufgenommen haben. Sie bezeugen in neun Kapiteln die afrikanische Revolution: von der Befreiungsbewegung in Angola, dem Frelimo in Mozambique bis hin zum Unabhängigkeitskampf in Guinea-Bissau. Die Musikerin Ms Lauryn Hill erweckt mit ihrer unverkennbaren Stimme die polarisierenden Texte Fanons zum Leben und schafft einen rhythmischen Klangteppich, der das Bildmaterial strukturiert und kommentiert. Der Film entlarvt gnadenlos (post-)koloniale Mechanismen und zollt Fanons komplexen theoretischen Gedankenwelt Tribut. (slb)

Sa 12. Dez 2015
  1. 12:00
    Stories of our Lives
    E/OV/d 60' | Kenia 2014 | Jim Chuchu | Spielfilm

    Mehrere Monate zogen Mitglieder des multidisziplinären Kunstkollektivs The NEST durch Kenia und sammelten Geschichten von jungen LGBTI (Lesbian, Gay, Bisexuel, Trangender, Intersexual) und von ihren Erfahrungen im Alltag des sehr homophob geprägten Land. Aus unzähligen anonymen Interviews entwickelte das Kollektiv fünf Drehbücher für Kurzfilme, die einen Überblick über die gegenwärtige Situation und die Probleme der sexuell marginalisierten Jugendlichen liefern. In kurzen, schnörkellosen Szenen, klaren, poetischen Schwarz-Weiss-Bildern und ruhigen Tönen inszeniert Jim Chuchu die Episoden, die unterschiedliche Themen wie Selbstfindung und Selbstbestimmung, Zwangsheterosexualisierung und Akzeptanz behandeln, eines jedoch gemeinsam haben: Alle erzählen vom Verlangen nach Liebe und der Angst davor, diese öffentlich zu leben. Eine Angst, die immer wieder zu der Frage führt, ob es besser ist, sich zu verstecken, zu resignieren und das Land zu verlassen oder zu bleiben und offen für sexuelle Vielfalt zu kämpfen. Trotz des Verbots, ihren Film in Kenia öffentlich zu zeigen, haben sich die The NEST-Mitglieder für Letzteres entschieden und führen den Kampf um Anerkennung weiter. (Text: Katalog Berlinale)

    Im Anschluss Panel zu East African Gay Rights in Zusammenarbeit mit Queeramnesty Schweiz.

  2. 17:00
    Charlie's Country
    OV/e 108' | Australien 2014 | Rolf de Heer | Spielfilm

    Charlie ist nicht mehr der Jüngste und sein Körper hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Aufgewachsen ist er mit den traditionellen Werten der Aborigines im Norden Australiens. Doch die Regierung und die australischen Sittenwächter setzten immer mehr Einschränkungen durch und zwingen den Aborigines in der dörflichen Kommune ihre «modernen» Paradigmen auf. Charlie will nicht in Sozialbauten hausen und zieht sich in den Wald zurück, um wieder von der Jagd und im Einklang mit der Natur leben zu können. Sehr zum Ärgernis der Autoritäten. Sie sehen es als ihre Pflicht, Charlies selbstgebastelten Speer zu konfiszieren, denn ein Aborigine darf keine Waffen tragen. Charlie macht sich auf, in den Weiten Australiens nach anderen Leidensgenossen zu suchen. Doch auch hier trifft er auf eine aus den Fugen geratene Welt, wo depressive, alkoholisierte Aborigines auf Schritt und Tritt von den weissen Behörden kontrolliert werden. De Heers poetischer Film zeigt eindrücklich, wie die Lebenswelten von Australiens Ureinwohner immer mehr beschnitten werden und ihre Identität sukzessive zerrüttet wird. Das zerfurchte Gesicht des grandiosen Hauptdarstellers David Gulpilil vermag das komplexe emotionale Spektrum von schalkhaftem Humor bis hin zur tobenden Verzweiflung vollends auszuloten. Zu Recht wurde er in Cannes mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet. (slb)

    Im Anschluss Apéro im Filmpodium Foyer, offeriert von Human Rights Watch.

So 13. Dez 2015
  1. 11:00
    Censored Voices
    OV/e 84' | Israel, Deutschland | Mor Loushy | Dok

    Der «Sechs-Tage-Krieg» endete für die Israelis in einem militärischen Triumph, für die arabischen Parteien hingegen mit Gebietsverlust und in einem bis heute nicht überwundenen Trauma. Kurz nach Kriegsende 1967 machten sich ein paar Journalisten – darunter auch der bekannte Schriftsteller Amos Oz – auf, um die rückkehrenden Soldaten zu interviewen. Teile von diesem Material wurden zum Bestseller-Buch «The Seventh Day: Soldier’s Talk about the Six-Day War» verarbeitet. Die Tonaufnahmen aber wurden von der israelischen Regierung und dem Militär praktisch vollständig unter Verschluss gehalten, um den heroischen Mythos des «Verteidigungskrieges» nicht zu gefährden. Die längst hinfällige Dekonstruktion übernimmt nun die Filmemacherin Mor Loushy mit ihrer erhellenden Montage von Archivmaterial und eben diesen zensurierten Tonaufnahmen, verwoben mit Aussagen der damaligen Soldaten, die heute oftmals kritisch auf das Erlebte zurückblicken. Sie lässt die Männer den Stimmen ihrer jugendlichen Ichs zuhören und inszeniert sie unaufgeregt in ihrer Sprachlosigkeit. Damit gelingt Loushy ein faszinierendes Zeitdokument, das durch die Sezierung der Vergangenheit auch die Psychostruktur von Israels Gegenwart beleuchtet. (slb)

    Im Anschluss Gespräch mit Daniel Sivan, Produzent/Cutter/ Drehbuchautor
    Moderation: Sascha Lara Bleuler

  2. 16:30
    Red Lines
    OV/e 99' | USA 2014 | Oliver Lukacs | Dok

    2011 wird aus Protesten gegen den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad ein gewaltsamer Bürgerkrieg zwischen dem Regime und den Oppositionellen, welche alsbald infiltriert werden von extremistischen Gruppen. Die Welt und insbesondere Barak Obama versprechen einzugreifen, falls Assad gewisse «Red Lines», wie den Einsatz von chemischen Waffen gegen die Zivilbevölkerung, überschreitet. Er tut es, doch das Chaos innerhalb der Widerstandskämpfer dient als Entschuldigung, sich trotz des riesigen Ausmasses der humanitären Krise zurückzuhalten. Amerika und die Welt warten ab, während immer mehr Syrer flüchten, in Angst leben, sterben.

    Der Film folgt zwei charismatischen Oppositionellen: Der im Exil lebenden Aktivistin Razan Shalab al-Sham und dem international vernetzten Lobbyisten Mouaz Moustafa. Die beiden kommen aus gesellschaftlich gegensätzlichen Schichten und spannen zusammen, um ihre Landsleute im Kampf gegen das Assad-Regime zu unterstützen. Sie schmuggeln Medizin, Nahrungsmittel und Waffen für die «Free Syrian Army» und die «Syrian Emergency Task Force». Für Letztere lassen sie sogar eine Polizei-Uniform schneidern und errichten einen zivilen Gerichtssaal. Doch der Nebel des immer brutaleren Krieges verschleiert die Sicht und auch für Razan und Mouaz wird es immer schwieriger zu wissen, wem sie vertrauen können. Das geschmuggelte Material gerät öfters in falsche Hände und der Traum eines freien, demokratischen Syriens rückt wieder in die Unschärfe einer ungewissen Zukunft. (slb)

    Im Anschluss Skype-Gespräch mit der syrischen Oppositionellen Razan Shalab al-Sham.

    Moderation: Emanuel Schäublin (Nahost-Experte)

  3. 20:40
    Der Junge Siyar
    OV/d 105' | Norwegen, DE 2014 | Hisham Zaman | Spielfilm

    Der Teenager Siyar lebt in einem kleinen kurdischen Dorf im Nordirak. Seit dem Tod seines Vaters muss er als Familienoberhaupt die Entscheidungen treffen. Als seine ältere Schwester einen Mann heiraten soll, verschwindet sie kurz vor der Heirat. Siyar muss das Ansehen seiner Familie retten und begibt sich auf der Suche nach seiner Schwester auf eine abenteuerliche Odyssee durch Europa. In Istanbul lernt er das Straßenmädchen Evin kennen und nimmt sie auf seine Reise mit. Langsam beginnt er, an seiner Mission zu zweifeln. Spannend wie ein Thriller thematisiert der Film die Herausforderungen der jungen Menschen in traditionellen Gesellschaften. Der erste lange Spielfilm des in Norwegen lebenden kurdischen Regisseurs Hisham Zaman erhielt mehrere internationale Preise.

    Begrüssung durch einen Vertreter des EDA.